Login
Börsentelegramm

Agrarmärkte erleben normalen Tag

von , am
27.02.2014

Biokartoffeln: Hohe Nachfrage bei niedrigen Preisen. © landpixel
Am CBoT wurde ein uneinheitliches Schlusskursbild abgeliefert. Die Bohne konnte wieder ansteigen, aber den Getreidemärkten blieben Verluste nicht erspart. Weizen verlor zweistellig. Die Verlierer des Tages waren der eben erwähnte Weizen und die Baumwolle.
 
Auf der Gewinnerseite fanden sich Kaffee, Kakao und insbesondere Rindfleisch. Zucker erholte sich nach Verlusten. Die Rohölnotierungen wiesen untergeordnete Preisveränderungen auf. Aktien wurden verkauft.

Bohne legt zu

Die Märzbohne legte gestern 8 ¼ cts/bu drauf und schloss bei 14,07 ¼ US$/bu. Mit diesem Schlusskurs erklomm die Bohne den höchsten Kurs der letzten 5 Monate, auch wenn man in der gestrigen Sitzung Geduld brauchte, denn die Bohne bewegte sich nur langsam von der Stelle. Nichtsdestotrotz bewegte sie sich und musste am Sitzungsende keinen Ausverkauf, wie er beim Getreide stattfand, verkraften.
 
Die Ertragsmeldungen aus dem Süden Brasiliens bzw. aus dem bereits großflächig abgeernteten Norden des Landes müssen nicht grundsätzlich im Widerspruch zu den jüngsten Ertragsschätzungen stehen. Der trockenste Januar seit dreißig Jahren hat hauptsächlich die Zucker- und Kaffeeanbaugebiete des Landes getroffen, wo es entsprechende preisliche Reaktionen an den Börsen gab. Insbesondere die Kaffeenotierungen stürmten nach oben.
 
Was Bohne und Mais anbelangt, so hat sicherlich die Trockenheit auch hier Spuren hinterlassen, aber von landesweiten Ertragseinbußen in signifikantem Ausmaß und Umfang kann im Falle der Bohne keine Rede sein. In Summierung aller Ertragserwartungen und –einbußen kursiert nunmehr eine Erntemenge von ca. 85 mio Tonnen durch die Statistik. Dahinter stehen Abwärtskorrekturen, keine Frage, aber wir reden über 85 mio to, was immer noch eine neue Rekordernte bedeuten würde. Das sollte man nicht vergessen, wenn man die brasilianischen Ertragseinbußen bewertet. Eine nicht schlagkräftige Logistik, eine schwächelnde Landeswährung und so gut wie nicht vorhandene Endbestände in den USA wiegen bei der internationalen Preisfindung allemal schwerer als 5 mio verloren gegangene Tonnen.
 
Die trockenen Bedingungen könnten für die Maisproduktion gravierende Folgen haben, denn derzeit verhindert die mancherorts nicht vorhandene Bodenfeuchte das rasche nachsäen von Mais als Zweitfrucht. Gerade beim „Mais-Double-Cropping“ kommt es auf eine zügige Nachsaat an, um das reduzierte Ertragspotential der Spätsaatsorten mit kurzem Vegetationszyklus realisieren zu können.
 
An der Matif regierten auch gestern die Bullen und duldeten bei ihrer Machtausübung keinen Widerstand. Alle bärischen Versuche, die Preise zum Schwächeln zu bringen, endeten als wirkungsloser Schlag ins Wasser. Der alterntige Maitermin galoppierte 4,75 €/mto nach oben, settelte bei 394,50 €/mto und hielt damit seinen Aufwärtstrend intakt! Streng genommen hat der Trend trotz einiger bedeutender Rückschnapper noch nicht einmal Risse bekommen. Am Kassamarkt wurden ab April zusätzlich stramme Prämien aufgerufen, mit deren Hilfe die 400,-er Marke gleich reihenweise pulverisiert wurde. Exzellente Vermarktungschancen für Landwirte!

Weizen: Matif durchstößt die 200,- €

Am CBoT büßte der vordere Märztermin gestern 15 cts/bu ein und settelte bei 6,- US$/bu glatt. Die Qualitätsweizensorten in Kansas und Minneapolis mussten zwar weniger Federn lassen, waren aber ebenfalls im Minus. Die Notierungen standen fast die gesamte Sitzung unter mildem Verkaufdruck, aber erst eine größere Ausverkaufswelle kurz vor Ertönen der Schlussglocke, riss die Preise stärker ins Minus.
 
Möglicherweise ist der späte Ausverkauf auf das Exportbild zurück zu führen, denn dieses hat sich aufgrund der Stornierung von 110 tsd to seitens Ägyptens gefühlt eingetrübt. Hinzu kam die Meldung, dass die Argentinier eine weitere Exportlizenz für 500 tsd to vergeben haben. Summa summarum hatten die Bullen am CBoT gestern einfach keine gute Laune und wollten den Bären kein ernsthaftes Paroli bieten.
 
Wir deuteten gestern das zähe Ringen des Maitermins an der Matif mit seinem 200-Tagedurchschnitt an und wiesen auf die charttechnische Wichtigkeit hin. Gestern konnten die Bullen in Paris die Schlacht um dieses Schlüsselniveau für sich entscheiden. Nach dem Durchstoß traf der Markt erwartungsgemäß umgehend auf weitere Anschlusskäufe, die im Märztermin die 200,- € zu Fall brachten. Im Maitermin blieb nach einem Plus von 1,25 €/mto ein Schlusskurs von 197,50 € stehen. Damit ist auch dieser Termin nunmehr in Sichtweite der 200,- €-Marke gerückt. Für einen erfolgreichen Angriff hierauf ist eine Konsolidierung oberhalb der 200-Tagelinie unabdingbar. Angesichts der Chicagoer Verluste ist heute mit der ersten Nagelprobe zu rechnen.

Mais im Minus

Märzmais am CBoT verlor gestern ¼ cts/bu und settelte bei 4,55 ½ US$/bu. Am Ende reichte es leider nicht mehr zu einem positiven Schlusskurs, obwohl die Maisnotierungen die meiste Zeit der Sitzung im positiven Terrain verbracht hatten. Langsam aber sicher legt man den Fokus auf die neue us-amerikanische Ernte und beginnt, sich mit den Startbedingungen auseinander zu setzen. Heute erscheint der neue „Drought Monitor“, der Einblick in die Niederschlags- und Bodenfeuchtesituation in den USA gibt. Viele befürchten keine perfekten Bedingungen in den Hauptanbaugebieten der USA. US-Exporteure meldeten den Verkauf von 101,6 tsd Tonnen Mais an eine nicht näher bezeichnete Destination. Es handelt sich hierbei um alterntige Ware. Die Südkoreaner kauften unter Woche ebenfalls 63 tsd Tonnen, was aber nicht sonderlich spektakulär war. Und dass eine Umfrage unter Marktbeteiligten die sudafrikanische Maisernte bei 12,28 mio Tonnen sieht (11,7 mio to im letzten Jahr), ist ebenso wenig explosiv gewesen.
 
An der Pariser Börse hatten die Maisnotierungen bullische Schlagseite, kamen aber über bedeutungslose Zugewinne nicht hinaus. Der Junitermin schloss mit 178,25 € gar unverändert.

Vorzeichenwechsel bei chinesischen Maispreisen

Die normale Konfiguration der Maispreise auf dem chinesischen Kassamarkt besteht auf relativ niedrigeren Preisen in den nordöstlich gelegenen Hauptanbaugebieten und relativ höheren Preisen im Süden. Hier liegen die Veredelungsregionen. Diese Preiskonfiguration hat sich nunmehr umgedreht, denn eine Tonne Mais kostet im Nordosten Chinas ca. 280,- € im Norden und 275,- € im Süden (Guangdong). Die Transportkosten haben sich auf 5,35 €/to ermäßigt. Man sollte meinen, dass aufgrund dieser Preisrelationen kein Mais mehr vom Norden in den Süden fließt, denn Gewinne sind angesichts dieser Relationen nicht zu machen….wenn da nicht die Transportvergütungen der Regierung in Höhe von 16,60 € wären. Und so fließen immer noch Mengen vom Norden in den derzeit übersorgten Süden.
 
Man stellt sich die Frage, warum die Preise im Süden so relativ gering daher kommen. Die Gründe hierfür sind einerseits in den staatlichen Markteingriffen zu suchen, da der Transport und die Vorratshaltung im Süden subventioniert werden. Was derzeit aber noch verschärfend hinzukommt, ist die Geflügelgrippe in Südchina, die man aufgrund der Regelmäßigkeit ihres Auftretens mittlerweile als saisonales Phänomen auffassen kann. Die Maisvorräte in den Hafenanlagen von Guangdong von Dezember 2013 bis zur 8. KW in 2014 von 400 tsd to auf 1,1 mio to angeschwollen. Angesichts dieser regionalen Überversorgung fällt es nicht schwerer, das ein oder andere Schiffchen mit US-Ware aufgrund der GMO-Thematik zu stoßen.

Japan: Wetterbüro warnt vor El Nino

Das japanische Wetterbüro warnte vor der Möglichkeit des Wetterphänomens El Nino in diesem Sommer. Damit ist der japanische Wetterdienst nun der Dritte im Bunde, denn zuvor hatten bereits die Australier und die Amerikaner vor der Entwicklung eines El Nino Phänomens aufmerksam gemacht.

China: Verschuldungsgrad der Unternehmen explodiert!

Die Gesamtverschuldung chinesischer Unternehmen summierte sich Ende 2013 auf insgesamt 73,5 Billionen Yuan (ca. 12 Billionen US$), meldete die Rating Agentur S&P. Damit beträgt die Verschuldung mehr als 120% der gesamten chinesischen Wirtschaftsleistung. Eine derart sprunghaft ansteigende Verschuldung im Unternehmensbereich ist ohne historisches Beispiel.

Kartoffel atmet durch

Nach den äußerst heftigen Zugewinnen am Dienstag musste die Veredelungskartoffel an der Eurex erst einmal tief durchatmen und einen Konsolidierungstag einschieben. Bei ganz ansehnlichen Umsätzen von 176 Kontrakten lag die Handelsspanne des Apriltermins 2014 zwischen 13,0 und 13,5 €/dt. Nach einem Minus von 0,70 €/dt lag der Settlement bei 13,10 €/dt.
 
Im porkinen Marktsegment konnte das Mastschwein im März und im April Umsatz generieren. 3 bzw. 4 lots wechselten zwischen 1,470 und 1,540 €/kg ihre Besitzer. Das Ferkel schaute tatenlos zu. Gestern war es das Molkenpulver, das die Ehrenrettung des weißen Sortiments vollzog, indem es im Julitermin 2014 genau einen Kontrakt hat umsetzen können. Der Preis betrug exakt 1000,- €/Tonne.

Dax schwächer

Das Konsumklima in Deutschland hellt sich laut Einschätzung der GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) weiter auf, und die Deutschen geraten in immer stärkere Kauflaune. Im kommenden Monat März soll es das konsumfreudigste Klima der letzten sieben Jahre geben, was von Ökonomen zwar positiv kommentiert wurde, an der Börse aber ungehört vorbei rauschte. Der DAX kümmerte sich nicht um die GfK-Zahlen und zog es vor, abschlägig zu notieren. Am Ende des Tages hatte der Index 37,62 Punkte eingebüßt. Schlusskurs: 9661,73. 
Auch interessant