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Börsentelegramm

Agrarmärkte erneut preislich zerrissen

von , am
15.05.2014

© marshi/aboutpixel.de
Der gestrige Handelstag gebar wieder ein uneinheitliches Preisbild. Um es vorweg zu nehmen, der Weizen am CBoT bekam die rote Laterne umgehängt. Die Maisnotierungen konnten sich von der eisig-roten Umklammerung des Weizens nicht lösen und sanken ebenfalls ab. Die schaffte ein kleines Plus.
 
Auffällig waren die Zugewinne im Zucker, die den vorangegangenen starken Handelstag bestätigten. Rohöl zog etwa einen halben US$/Fass an, und der DAX schloss unverändert.

Sojabohne neigt zur Festigkeit

Die Julibohne ließ sich von der negativen Getreideperformance nicht oder zumindest nur wenig beirren und stieg in gestriger Sitzung 3 cts/bu an, um bei 14,86 ¾ US$/bu zu schließen. Der Handel war zum wiederholten Male von Einflüssen untergeordneter Wichtigkeit bestimmt, sodass man zwar das allgemeine Preisniveau aufrecht halten konnte, aber zu neuen Erkenntnissen gelangt man ob der gestrigen Performance sicherlich nicht. Der Handel war insgesamt eher technisch geprägt, bekam aber auch von dieser Seite keinen wesentlichen Impuls zur Preisveränderung.
 
Die argentinische Getreidebörse in Rosario bezifferte die Sojabohnenernte des Landes mit 55,7 mio Tonnen. In derartiger Größenordnung bewegen sich auch die Schätzungen der anderen Zahlenlieferanten, sodass unterm Strich auch nichts Neues vermeldet wurde. An der Pariser Matif verlor der Augustraps 1,50 € und settelte bei 361,25 €/mto.

Chinesen verkaufen Bohnen aus Reservebeständen

Das Reich der Mitte hat am Dienstag im Rahmen seiner staatlichen Auktion 92% der angebotenen Sojabohnen im Markt unterbringen können. Der Vermarktungsgrad der angebotenen Menge legt eine rege Inlandsnachfrage nahe, nachdem man zuvor im Rahmen der Lagerhaltung den inländischen Markt verknappt hat. In der Provinz Heilongjiang wurde die gesamte Menge der ca. 200 tsd Tonnen an die Lebensmittelindustrie verkauft. Peking hat aus der Ernte 2013 etwa 3,0 mio Tonnen Sojabohnen aus eigenem Anbau in die stattliche Vorratshaltung genommen.
 
Darüber hinaus geht man im Markt davon aus, dass die Staatslagerstätten noch 3,0 mio to aus der Ernte 2011/12 und etwa 800 tsd to aus 2012/13 beherbergen. Unter der Hand vermutet man, dass die alten Einlagerungsbestände starke Qualitätsprobleme aufweisen, sodass die Vermarktung schwierig werden dürfte.

Weizen lässt die Fetzen fliegen

Der Julitermin am CBoT verlor gestern heftige 19 cts/bu und schloss bei 6,90 ¼ US$/bu. Nach Durchbrechen der 7,- US$/bu-Marke wurde augenblicklich eine kleine Lawine auf der Lauer liegender Verkauforders ausgelöst, die die Notierungen stärker unter Druck brachten. Der Preisabschwung kam schließlich auch im Weizen (wie tags zuvor beim Mais) vorerst beim 50-Tage-EMA von 6,90 US$/bu zum Stocken. Damit ist der Preis wieder in seine alte Seitwärtsschiebezone zurückgeschnappt und die ausbrechenden Bullen wurden zurück an die Kandare genommen.
 
In Ermangelung neuer Fundamentalnachrichten konzentrierte man sich hauptsächlich auf das technische Bild, das sich wegen des 7 US$-Durchbruchs bärisch eintrübte. Die Russen bezifferten ihre Weizenexporte im ersten Quartal mit 2,8 mio Tonnen, was sehr deutlich über dem letztjährigen Wert von lediglich 424,7 tsd Tonnen lag. Ägypten hat nun laut eigener Aussage 2,0 mio Tonnen Weizen im heimischen Markt beschafft. Das Ziel der Pharaonen liegt weiterhin bei 4,0 mio Tonnen.
 
In seinem letzten Report hat das USDA die zusätzliche Importmenge Ägyptens der Kampagne 2014/15 auf 10,8 mio to geschätzt, was 300 tsd to über der Importmenge aus 2013/14 liegt. Das französische Agrarministerium (France AgriMer) bezifferte die Endbestände an Weizen unseres linksrheinischen Nachbarn mit 3,1 mio Tonnen. Im letzten Zyklus 2013/13 konnte man noch mit leicht höheren Beständen von 3,3 mio to der neuen Kampagne entgegen blicken. Die Kanadier (Canadian Wheat Board) bewerteten ihre westkanadischen Weizenbestände mit dem Prädikat „gut“. Die Ernte könne sich allerdings infolge eines wechselfrostigen Kampagnenstarts leicht verzögern. In Indien soll es in einigen Regionen von Hagel begleite Unwetter gegeben haben, die dem Weizen örtlich geschadet hätten. Genaueres konnte man den Nachrichten leider nicht entnehmen. Des Weiteren starteten die Jordanier einen Tender über 100 tsd Tonnen Weizen.
 
An der Matif setzte sich die Abwärtsanfälligkeit, auf die wir an dieser Stelle hingewiesen hatten, durch und nahm die sinkenden Notierungen in Übersee widerstandslos auf. Der Novembertermin verlor 2,50 € und schloss bei 201,- €/mto glatt.

Mais im Würgegriff fallender Weizenpreise

Der Julimais am CBoT verlor gestern 7 ¼ cts/bu und settelte bei 4,95 ½ US$/bu. Damit ging die 5,- US$/bu-Marke zu Bruch, was den charttechnisch orientierten Bullen sicherlich Kopfschmerzen bereitet haben dürfte. Auch hier gab es erstaunlich wenig fundamentale Nachrichten, die es sich wiederzugeben lohnt. Die eigene Technik und die fallenden Weizennotierungen waren die maßgebenden Faktoren. Obwohl nicht dem Maiskommentar zugehöríg, wollen wir dennoch nicht dem Leser die Information vorenthalten, dass die Japaner einen Tender für 36 tsd to Futterweizen und 95,5 tsd to Futtergerste gestartet haben. Schließlich handelt es sich bei den japanischen Kaufgesuchen immerhin um Futtergetreide. An der Matif verlor der November einen weiteren Euro und schloss bei 187,- €/mto glatt.

Kartoffel: Ja, sie lebt noch, lebt noch, lebt noch!

Es mag angesichts des langen Abwärtstrends in der alterntigen Kartoffel wie Hohn klingen, aber gestern bekam man im Handelsmonat Juni 2014 tatsächlich so etwas wie eine Art Lebenszeichen zu Gesicht. Bei einem Gesamtumsatz von 147 Kontrakten legte der Junitermin 2014 0,40 €/dt zu und settelte bei 6,50 €/dt. Die neuerntige Kartoffel im Apriltermin 2015 konnte weniger stark glänzen. Hier schlugen Verluste in Höhe von 0,20 €/dt zu Buche, die den Kurs auf 12,20 €/dt drückten. Der Kassamarkt ist und bleibt da, wo er nicht vollkommen unbelebt ist, schwach und nimmt stetig Notierungen zurück…zum Leidwesen der einlagernden Landwirte.
 
Das arme Schwein und das noch ärmere Ferkel blieben ungehandelt. Im weißen Sortiment konnte aber die Butter kräftig auftrumpfen und akkumulierte einen Umsatz von insgesamt 17 Kontrakten, der sich über viele Handelstermine hinstreckte. Die Butterpreise verloren hierbei etwa 5 €/Tonne.

China: Heftige Regenfälle führen zu Überflutungen

In Zentral- und Südchina hat es über Wochenende in mindestens fünf Provinzen sehr heftige Niederschläge gegeben. Am schlimmsten sei die Provinz Guangdong betroffen und hier die Stadt Shenzhen. In allen betroffenen Provinzen sollen 1,2 mio Menschen negative Auswirkungen wie Stromausfälle zu spüren bekommen haben. Die Fluten befinden sich zwar seit Mittwoch auf dem Rückzug, jedoch warnten offizielle Stellen vor weiteren Niederschlägen in den betroffenen Gebieten.

Zucker setzt Rallye fort

Bereits am Dienstag waren die Zugewinne im Zuckermarkt an der New Yorker Börse bemerkenswert gewesen. Einmal weil sie sich gegen den allgemeinen Abwärtstrend im Agrarsektor stemmten und andererseits wegen ihrer nennenswerten Größenordnung. Bereits am Dienstag hatte Platts Kingsman für das Zuckerwirtschaftsjahr 2014/15, welchen am 1. Oktober beginnt, ein globalbilanzielles Defizit von 239 tsd Tonnen prognostiziert. Im laufenden Jahr weist die Weltzuckerbilanz noch einen Überschuss von 4,3 mio Tonnen aus.
 
In Reaktion auf die neuen Zahlen von Platts Kingsman zogen die Notierungen an, obwohl man alterntige Bestände in ausreichender Menge vorrätig hat, um derartig kleine Defizite auszugleichen. Trotzdem stellten die Zahlen einen Aufreger dar, weil man zuvor noch von einer überschüssigen Bilanz (2,1 mio to) und weiter steigenden Beständen ausging. Datagro wies gestern überraschend ein globales Defizit von 2,46 mio to für den neuen Zuckerzyklus aus. Hier klaffen erhebliche Lücken in den einzelnen Prognosen, sodass man sämtliche Zahlen mit Vorsicht genießen sollte.

DAX legt Verschnaufpause ein

Mit alten Begründungen (Gelddrucken) schwang man sich zu Wochenauftakt auf neue Hochs im DAX. Im Handelsverlauf konnte man die zwischenzeitlichen Verluste aber wieder aufholen. Hier und da zwickte die Ukrainekrise im Gemüt der Anleger, aber insgesamt hatte man eher Angst, bei einem potentiellen Daxausbruch nach oben in Richtung 10tsd-Punktemarke nicht dabei zu sein. Also steckte man sich Papiere in die Tasche und harrte der Dinge, die da kommen würden.
 
Der DAX verlor am Ende bedeutungslose 0,04 Punkte und settelte mit 9754,39 Zählern auf Vortagesniveau.

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