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Börsentelegramm

Agrarmärkte erneut seitwärts

von , am
25.04.2014

Die Maisernte liegt in diesem Jahr rund 14 Prozent unter der des Vorjahres. © Glaser/fotolia.com
Insgesamt betrachtet erlebten die Agrarmärkte gestern einen weiteren Tag ohne bedeutende Preisverschiebungen. Am CBoT stach lediglich der Weizen mit seinem Zugewinn von über 2% hervor.
 
Die Bohne und der Mais konnten am Ende des Handelstages nur untergeordnete Preisveränderungen vermelden. Die Rohölnotierungen machten keine Anstalten die 100,- US$/Fass-Marke zu testen, sondern bewegten sich mit angezogener Handbremse bergauf. Die Finanzmärkte stiegen weiter an.

Sojabohne: Unterstützung hält!

Im gestrigen Handel am CBoT hat die Unterstützung der 20-Tagelinie den weiteren Preisverfall der Bohne aufhalten können. Der Julitermin schloss 5 ¼ cts/bu fester bei 14,70 US$/bu glatt. Die wöchentlichen Exportzahlen erschienen in einer Höhe von 119 tsd Tonnen und lagen damit unterhalb der Markterwartung von mindestens 150 tsd to. Damit waren sie sicherlich nicht der Grund für die relative Festigkeit der Bohne, sodass wir unseren Blick auf andere Dinge richten müssen, um eine tragfähige Erklärung für die Gewinne zu finden.
 
Die Nachrichtenagenturen melden, dass drei Mitarbeiter in der chinesischen Getreidehandelsabteilung der Marubeni-Gruppe, das ist diejenige japanische Firma, die die Umdestinierungen der Sojabohnencargos brasilianischen Ursprungs von China in die USA vorgenommen haben, verhaftet worden sind. Offenbar besteht der Verdacht auf Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit Sojabohnenimporten. Da aber keine Details diesbezüglich bekannt gegeben wurden, müsste man sich auf Mutmaßungen beschränken, die in jedem Falle der Auslegung keinen sicheren Boden unter den Füßen hätten. Aus diesem Grund nehmen wir davon Abstand, diesen Faktor zu werten.
 
Der Nachweis über ein schwach-pathogenes Vogelgrippevirus auf einer Wachtelfarm in Kalifornien war noch weniger als die schwachen Exportzahlen dazu geeignet, einen bullischen Akzent zu setzen, zumal die Russen nach Bekanntwerden für 90 Tage die Geflügelfleischimporte aus dem betroffenen US-Bundesstaat eingestellt haben. Die betroffenen Wachtel- und Pekingentenbestände seien in Kalifornien zwar bereits gekeult, aber über einen potentiellen Ausbreitungsradius des Virus auf andere Bestände wurden keine Angaben gemacht. Möglicherweise hat es weitere Ansteckungen gegeben.
 
Und zu allem Überfluss untersucht man derzeit in Brasilien einen möglichen Fall von BSE bei einer Kuh. Sollte sich eine atypische BSE-Erkrankung nachweisen lassen, befürchtet man einen nachteiligen Effekt auf die Rindfleischexporte des Landes. Die Veterinärgesundheitsbehörden in Brasilien haben aber bereits angedeutet, dass selbst im Falle eines positiven Nachweises von BSE, nicht die Gefahr bestünde, mit der Thematik in größerem Ausmaß konfrontiert zu werden.
 
Schwache Exportzahlen, Geflügelgrippe und BSE sind alles tendenziell bärische Einflussfaktoren, aber die Bohne konnte sich nach oben orientieren, sodass am Ende des Tages nichts weiter bleibt, als auf den extrem knappen Endbestand in den USA zu verweisen, der den strukturellen Kern der derzeitigen Marktlage bildet und nicht bereit ist, sich bei seiner preisbildnerischen Regentschaft vom Thron stoßen zu lassen.
 
Das kanadische Statistikamt (StatsCan) veröffentlichte gestern seine erste neuerntige Flächenallokationsprognose für den nördlichen Nachbarn der USA. Die Rapsfläche soll entgegen den Erwartungen, die Reuters zuvor erhoben hatte, um 0,7% fallen und nicht um ca. 7% wachsen. Damit materialisierte sich die Befürchtung einer bärischen Überraschung nicht, sondern die Zahlen entfalteten aufgrund ihrer der Erwartung entgegen gesetzten Gestalt eine eher bullische Wirkung. Die zur Schwäche neigende Bohne konnte also in ihrem bärischen Einfluss abgeschüttelt werden. Am Ende des Tages konnten die Canolanotierungen etwa 1% ansteigen.
 
An der Matif registrierte man die Zahlen aus Kanada mit Erleichterung und sah hierin einen ausreichenden Grund die 360,- €-Marke nicht fallen zu lassen. Der August schloss bei 364,75 €/mto 1,25 €/mto fester. Trotzdem bleibt der Markt unterhalb seiner wichtigen 200-Tagelinie.

Weizen legt zu

Der Maiweizen am CBoT legte gestern 13 ¾ cts/bu zu und settelte bei 6,96 ½ US$/bu. Aus irgendeinem Grunde reagierte der Weizenmarkt am CBoT gestern so, als hätte er die Wetterkarten bzw. die Bodenfeuchtebedingungen für die Winterweizenregionen der USA zum ersten Mal gesehen. Schreckhaft und irritiert nahm man plötzlich zur Kenntnis, dass es wohl zu trocken sei und man besser daran täte zu kaufen als zu verkaufen. Was soll man nun dazu sagen?
 
Am besten gar nichts, sondern sich der Exportzahlen der USA zuwenden, die gestern knapp 611 tsd Tonnen betragen haben und damit innerhalb der Markterwartungsspanne lagen.
 
Die jüngsten Unruhen in der Ukraine haben auf dieser Seite des Atlantiks nichts dazu beigetragen, die Situation im Hinblick auf die nächste Kampagne zu entschärfen. Es deutet sich ein langfristiger Konflikt mit einer Spaltung der Ukraine an.
 
Die Jordanier starteten gestern einen Einkaufstender über 150 tsd Tonnen Weizen und 150 tsd Tonnen Gerste. Die Herkünfte blieben weitestgehend unlimitiert, sodass man sich auch in Europa Hoffung machte, zum Zuge zu kommen. Unterdessen kauften die Marokkaner 30 tsd Tonnen Weizen polnischer Herkunft.
 
Die tendenziell bullische Flächenausprägung der kanadischen Rapssaat sorgte beim Weizen für das genaue Gegenteil. Hier kam es zwar im Vergleich zum Vorjahr zu einer Flächenschrumpfung, jedoch stellte diese im Vergleich zur Flüsterschätzung immer noch eine unerwartete Ausdehnung dar. Der Markt rechnete mit 24,4 mio Acres, aber StatsCan prognostizierte 24,7 mio Acres. Das war in der Tendenz bärisch zu betrachten.
 
An der Matif reagierte man sofort auf die steigenden Kurse in Übersee und orientierte sich seinerseits nordwärts. Der November schloss bei 205,- €/mto glatt.

Mais: Gewinnmitnahmen belasten

Der Julimais verlor gestern 2 ¼ cts/bu und settelte bei 5,07 ¼ US$/bu. Nach den Zugewinnen der letzten beiden Tage waren die Marktteilnehmer mehrheitlich der Auffassung, dass es besser sei, erst einmal Gewinne einzustecken. Man liquidierte Teile seiner jüngsten Longs und machte partiell Kasse. Die angekündigten Regenfälle im östlichen Teil des Mittleren Westens haben sicherlich begrenzend auf den Preisverfall eingewirkt, sodass unterm Strich ein nur geringes Minus hinzunehmen war.
 
Die US-Exportzahlen lagen mit 1,0 mio Tonnen innerhalb der Markterwartungsspanne und blieben in ihrer Wirkung auf den Preis neutral.
 
Im internationalen Umfeld gab es keine Nachrichten mit Sprengpotential, sodass wir hier kein weiteres Wort verlieren müssen. An der Matif settelte der Novembertermin bei 193,75 €/mto.

China: Kreditwachstum nur im Agrarbereich!

Nachdem die chinesische Zentralbank (PBoC) am Dienstag angekündigt hatte, die Mindestreservesätze für ländliche Banken mit agrarischer Prägung senken zu wollen, wurden Spekulationen über großangelegte Stimulusprogramme im laufenden Jahr laut.
 
Diesen trat die PBoC gestern entgegen und bekräftigte ihre Absicht, an der derzeitigen, als umsichtig und vernünftig bezeichneten, Geldpolitik festhalten zu wollen. Infolgedessen dürfe man kein großangelegtes Stimulusprogramm in 2014 erwarten. Man wolle das Wirtschaftswachstum seitens der PBoC der Binnennachfrage überlassen und sei zuversichtlich, dass die angepeilten Ziele ohne Zutun der Zentralbank erreicht würden.
 
Die Mindestreservelockerungen beträfen ausschließlich den ländlichen Raum mit dem Ziel das Investitionsklima in der Agrarwirtschaft zu verbessern. Daneben brauche sich keine Bank Hoffnung zu machen, in den Genuss von Mindestreservelockerungen zu gelangen.

DAX fest

Das deutsche Aktienbarometer schraubte sich nach dem Konsolidierungstag weiter nordwärts und eroberte im Handelsverlauf die 9600-Punktemarke zurück.
 
Der Anstieg des Ifo-Geschäftsklimaindex im Monat April wurde auf dem Frankfurter Parkett in steigende Notierungen umgesetzt. Angesichts dieser Entwicklung wähnt man sich in einer Situation, in der die deutschen Unternehmen die politische Krise in der Ukraine als erledigt betrachteten und nun wieder positive Stimmung um sich griffe. In der Tat sieht es für den Moment so aus, sodass man sich im Handel leicht tat, den Markt von der Kaufseite her zu attackieren.
 
Am Ende hatte das deutsche Aktienbarometer seine üppigen zwischenzeitlichen Gewinne aber zum größten Teil wieder hergeben müssen, um mit einem vergleichsweise mageren Plus von nur 4,49 Punkten zu schließen. Schlussstand: 9548,68 Punkte.




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