Login
Börsentelegramm

Agrarmärkte unter Erntedruck

von , am
21.10.2014

© tom - Fotolia.com
Die Ernte von Mais und Sojabohne in den USA hat sich zu Wochenauftakt wieder in der Preisbildung am CBoT durchgesetzt und die Preise unter Druck gesetzt. Mais konnte sich zwar gegen Ende wieder etwas erholen, was aber nichts an der schwachen Tagestendenz änderte. Weizen hatte dem nichts entgegen zu setzten und verlor ebenfalls an Boden. Die Kaffeenotierungen waren der überragende Verlierer. Hier ging es ca. 6% bergab.
 
Sojabohne: Ernteaussichten drücken
 
Die Novemberbohne verlor gestern 6 ¼ cts/bu und settelte bei 9,45 ½ US$/bu. Die Geschichte des gestrigen Handels ist schnell erzählt. Das Wetter hat sich in den USA wieder verbessert und die Erntetätigkeiten konnten wieder mit voller Kraft aufgenommen werden. Das setzte die Bohne tendenziell unter Druck und verhinderte, dass sie einen charttechnisch bedeutsamen Angriff auf höher liegende gleitende Durchschnitte unternehmen konnte.
 
Am Abend ließ dann das USDA die Katze aus dem Sack und bezifferte den Erntefortschritt auf 53%. Im Vorfeld hatte sich der Markt mit 55% etwas mehr erhofft, dennoch konnte man in den USA aufholen. Der langjährige Durchschnitt liegt bei 66%, sodass man durchaus noch Aufholpotential hat. AgRural bezifferte gestern die neue brasilianische Bohnenaussaat zu 10% abgeschlossen. Damit hat man in der abgelaufenen Woche lediglich 3% drauflegen können und liegt deutlich hinter den sonst üblichen Normwerten von ca. 20%. Wenn man in Brasilien wieder über 90 mio Tonnen Bohnen ernten will, muss die Aussaatverzögerung rasch aufgeholt werden. Saatzeitpunkt und Ertrag stehen in engem Zusammenhang.
 
Bereits letzte Woche hat die Firma Informa Economics ihre jüngste Flächeneinschätzung für die USA abgegeben. Informa bezifferte die US-Bohnenfläche der Kampagne 2015 mit 88,5 mio Acres. Zuletzt ging man im Hause Informa noch von 87,65 mio Acres aus, sodass sich die Fläche wenigstens statistisch ausgedehnt hat. Die Pariser Rapsnotierungen konnten sich über einige Tage am unteren Rand ihrer Seitwärtszone festklammern, aber zu Wochenauftakt war auch damit Schluss. Der November verlor 4,25 € und settelte mit 317,75 €/mto deutlich unter der Marke von 320,- €/mto.
 
Weizen: Markt beklagt mangelndes Exportgeschäft
 
Der Dezembertermin am CBoT verlor gestern 2 ¼ cts/bu und settelte bei 5,13 ¾ US$/bu. Die wöchentlichen Exportinspektionen der USA lagen mit 481,9 tsd Tonnen im Rahmen der Erwartungen, aber man hatte sich unterschwellig etwas mehr erwartet. Die leise Hoffnung auf anziehende Weizenexporte der USA hat sich bislang wegen der starken internationalen Konkurrenz nicht erfüllen können. Gestern erinnerte man sich dessen und handelte den Markt etwas tiefer. Zudem belasteten die Verluste beim Mais.
 
Die US-Winterweizenaussaat ist nun zu 76% abgeschlossen. Damit konnten die US-Farmer die Aussaat in der vergangenen Woche um 8% vorantreiben. Man liegt in etwa auf Linie mit den Normwerten. 56% der Saat, die bislang ihren Weg in den Boden gefunden hat, ist bereits aufgelaufen. Informa Economics hat letzte Woche die Gesamtweizenfläche der USA für die nächste Kampagne mit 56,4 mio Acres angegeben. Das lag unterhalb der zuletzt veröffentlichten Zahl von 57 mio Acres.
 
Im internationalen Geschehen starteten die Jordanier die neue Woche mit zwei Tendern. Einmal bekundeten sie Kaufinteresse für 100 tsd Tonnen Weizen optionaler Herkunft und zum zweiten meldeten sie daneben auch Interesse für 100 tsd Tonnen Gerste an. Die Ware soll im April/Mai des nächsten Jahres zur Andienung kommen. Private ägyptische Importeure haben sich daneben 12 tsd Tonnen Schwarzmeerweizen gesichert.
 
Die Matifnotierungen neigten zwar den Tag über zur Schwäche, konnten sich aber gegen Ende wieder erholen, sodass das Minus in Grenzen gehalten werden konnte. Der Januartermin verlor 1,- € und schloss bei 163,50 €/mto.
 
Mais kann sich erholen
 
Der Dezembertermin hat am CBoT ½ ct/bu zugelegt und bei 3,48 US$/bu geschlossen. Der Markt stand infolge der wieder aufgenommenen Erntetätigkeiten in den USA fast den gesamten Tag über unter Druck. Der Witterungsausblick für die laufende Woche ist erntefreundlich und die wöchentlichen Exportinspektionen der USA fielen mit 717,6 tsd Tonnen etwas enttäuschend aus. Das belastete den Markt; erst am Ende der Sitzung konnte man sich nach oben hieven. Trotz der schwachen Exportinspektionen, die gestern an den Markt kamen, wollen wir das folgende nicht unterschlagen. Dass der Preis das Resultat von Angebot und Nachfrage ist, stellt keine neue Erkenntnis dar. Aber im Falle des US-Maises sind beide Seiten derzeit im Extremzustand. Einerseits steht eine riesige US-Ernte auf dem Acker, andererseits herrscht bereits jetzt eine sehr hohe Nachfrage. Die wöchentlichen Exporte der USA lagen am Freitag vergangener Woche bei extrem hohen 2,433 mio Tonnen. So, wie die Dinge im Augenblick liegen, können beide Marktseiten gute Gründe aufrufen, warum der Maispreis gerade in ihre Richtung marschieren sollte.
 
Nachbörslich veröffentlichte das USDA seine Zahlen und bezifferte die US-Maisernte zu 31% geerntet. Der Markt hatte mit 33% gerechnet, und der langjährige Durchschnitt liegt bei 53%. Um den Zahlenreigen der letzten Woche von Informa Economics komplett zu machen, sei erwähnt, dass das Haus die kommende US-Maisfläche bei 87,8 mio Acres sieht. Neben der Bohne steigt also auch die neuerntige Maisfläche der USA. Zuletzt hatte man 87,3 mio Acres auf dem Zettel.
 
Aber was ist von derart frühen Flächenschätzungen zu halten? Die alte Ernte ist derzeit vielleicht einmal zur Hälfte abgeerntet, aber man philosophiert bereits über die Flächenverteilung der US-Sommerungen im nächsten Jahr. Angesichts der Unzahl an Unwägbarkeiten, die auf dem langen Weg zur neuen Ernte lauern, gerät man als Analyst in Gefahr, den Boden der Seriosität zu verlassen, wenn man derart frühzeitige Prognosen anstellt. Man könnte sicherlich ganze Salven von Zahlen abfeuern, in der Hoffnung, dass die richtige schon einmal dabei gewesen sein wird. Aber was ist damit gewonnen? Selbst eine stehende Uhr zeigt einmal am Tage die richtige Zeit.
An der Matif gab es nichts zu holen. Der Preis fiel. Der November schloss bei 141,0 €/mto.
 
Eurex: Kartoffelumsätze extrem schwach
 
Zu Wochenauftakt lagen die Umsätze der Veredelungskartoffel bei nur 41 Kontrakten. Auf den Apriltermin entfielen 40 Kontrakte. Der Preis stieg hier um 0,40 €/dt an, aber aufgrund der nur äußerst schwachen Umsatztätigkeit verfügt die Preisveränderung über keinerlei Aussagekraft. Die Festigkeit wurde einfach nicht durch das notwendige Interesse untermauert. Deshalb, Vorsicht! Schwein und Ferkel blieben leider völlig vernachlässigt. Im weißen Sortiment sah es nicht besser aus.
 
Zucker: Lagerhaus von Cargill brennt ab
 
Am frühen Nachmittag berichtete die Nachrichtenagentur Reuters von einem Feuer im Hafen der brasilianischen Stadt Santos. Zum wiederholten Male hat es nun dort in diesem Jahr gebrannt. Offenbar ist eine Lager- und Umschlageterminal für Zucker der Firma Cargill betroffen. Wie groß der Schaden ist und inwieweit die Logistik beeinträchtigt ist bzw. sein wird, konnte bis gestern nicht abschließend beantwortet werden. Die Zuckernotierungen zeigten sich nur wenig beeindruckt. Es gab zwar einen Moment steigender Kurse, aber dieser verpuffte gleich wieder nach dem Start. Märztermin in NY: 16,68 cts/Pfund.
 
DAX: Konjunktursorgen sind zurück!
 
Nachdem der deutsche Aktienindex zum Wochenausklang eine über 3%ige Erholung hat hinlegen können, nahm er zu Wochenauftakt seinen Schwächemodus wieder auf. Das Schreckgespenst weltweit konjunktureller Abkühlung lässt sich nicht ohne Weiteres aus den Börsensälen vertreiben. Es geistert wie eine Nemesis durch die Korridore und hat bereits vielen Investoren den Schrecken durch Mark und Bein gejagt. Im Grundsatz geht es momentan um die Frage, ob wir in der Erholung von Freitag einen Dead Cat Bounce zu sehen haben und der Markt alsbald weiter einbrechen wird, oder ob hier eine nachhaltigere Unterstützung liegt, die das untere Ende der Korrektur markiert.
 
Der DAX verlor 132,51 Punkte und settelte bei 8717,76 Zählern. Indessen zeigt die sozialistische Regierung in Paris keine Einsichtsfähigkeit in die elementaren Zusammenhänge der Ökonomie. Nach wie vor wird das hemmungslose Schuldenmachen als hohe Regierungskunst verkauft. In Paris will man das sparen, was man in Berlin an Investitionen rausfeuert. Dass die sozialistischen Seifenblasen alle geplatzt sind und man an den Klippen der Realität furchtbaren Schiffbruch erlitten hat, hält die Pariser Regierungsclownerie nicht davon ab, immer weiter ins gleiche Horn zu stoßen. Der ernüchternde Zusammenstoß der hemmungslosen Ausgabenpolitik mit der Realität war nicht im Mindesten in der Lage, ein Umdenken zu bewirken. Es ist hoffnungslos, in Paris kommt man nicht zur Vernunft!
 
Das gleiche gilt für die europäische Zentralbank. Auch hier feiert die Unvernunft einen Triumph nach dem anderen. Auf Anfrage von Reuters bestätigte ein Sprecher der EZB, dass die Zentralbank am Montag angefangen habe, Staatsanleihen und Schrottpapiere aufzukaufen, „um den gestörten Kreditfluss in der Eurozone zu korrigieren“. Deutschland lehnt dieses Vorgehen ab und der Chef der Bundesbank, obwohl selbst ein halber Sozialist geworden, sieht den Effekt als begrenzt an. Mittlerweile ist es sogar in der BILD-Zeitung angekommen, dass die Bankenrettung auf Zypern durch die EZB nichts anderes war, als den Reichen die Flucht zu ermöglichen, um anschließend die Kleinanleger und Sparer „abschlachten“ zu können. Was sich in unseren Zeiten auf diesem Kontinent abspielt, ist in seiner Niedertracht nicht mehr in Worte zu fassen!
Auch interessant