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Börsentelegramm

Agrarmärkte: Erste Bodenbildungstendenz sichtbar

von , am
17.07.2014

Der Raps legte an der Matif 1,25 Euro/t zum Vortag zu. © Mühlhausen/landpixel
Am CBoT gab es im Getreide- und Ölsaatenkomplex Zugewinne zu beobachten. Nach den schweren Verlusten der letzten Tage und Wochen wurden im gestrigen Handel aus charttechnischem Blickwinkel die ersten zarten Bodenbildungssignale sichtbar. Angesichts der massiven Verschiebung der fundamentalen Datenlage seitens des USDA´s am 30. Juni und dem folgenden Absturz wird der Boden des Abwärtstrends nicht leicht zu machen sein.
 
Der Preisverfall hat klar an Schwung verloren und wirkt nunmehr kraftlos, aber ob er bereits zum Erlöschen bereit ist, muss bezweifelt werden. Auf eine direkte Trendumkehr, die im Markt einen V- förmigen Boden zurückließe, sollte man wegen der bärischen Rahmenbedingungen nicht unbedingt hoffen. Man könnte rasch dem gleichen Kummer zum Opfer fallen, den ein Spieler fühlt, wenn er die Wiederkehr der ungeliebten Karte auf seiner Hand feststellen muss. Die Rohölnotierungen stiegen leicht an und hielten demzufolge die 100,- US$/Fass-Marke

Sojabohne legt zu

Die Novemberbohne wurde gestern zuletzt bei 11,01 ¾ US$/bu gehandelt. Das entsprach einem Plus von 15 ½ cts/bu. Die Zugewinne waren aufgrund des überverkauften Status des Marktes primär technischer Natur. Die fundamentale Rahmendatenlage änderte sich nicht, sodass das frische Hoffen der Bullen von der nötigen Skepsis begleitet werden sollte. Die USA verkauften gestern 240 tsd Tonnen Sojabohnen aus der neuen Ernte an eine nicht näher bezeichnete Destination. Die Chinesen kauften nach eigener Aussage 120 tsd Tonnen neuerntiger Bohnen aus den USA.
 
Der Hamburger Branchendienst Oil World schätzte die europäische Rapsernte auf 22,7 mio Tonnen. Die letzte Schätzung der Hamburger lag noch bei 22,4 mio to. Die guten Druschergebnisse der frühen Erntegebiete haben die Aufwärtskorrektur notwendig gemacht. Im letzten Jahr hat man in der EU 21,2 mio Tonnen geerntet. Wenn man die Ertragsmeldungen landauf landab hört, dann gibt es keinen Anlass an den Zahlen von Oil World zu zweifeln. In Deutschland rangieren die besten Erträge zwischen 5,5 und 6,2 to/ha. An der Matif verlor der Augusttermin gestern 4,25 € und schloss bei

Weizen seitswärts

Der Septembertermin wurde zuletzt auf unverändertem Preisniveau von 5,37 ¾ US$/bu gehandelt. In den USA meldete der Bundesstaat Kansas, der einer der Hauptanbaugebiete für Winterweizen ist, den Abschluss der Erntetätigkeiten. In Colorado nimmt die Ernte erst jetzt Fahrt auf. Hier liegen noch keine Meldungen über Ertragsniveaus vor. Da wir mittlerweile weit mehr als die Hälfte der US-Ernte hinter uns haben, ist es nicht unberechtigt, einen Ernteboden auf gegenwärtigem Niveau zu vermuten. Die Japaner starteten im Zuge ihre üblichen Kaufaktivitäten einen Weizentender in Höhe von 112,7 tsd Tonnen. Hieran ist nichts Ungewöhnliches zu bemerken, sodass wir jeden weiteren Kommentar unterbleiben lassen.
 
Die Zollbehörde des Vereinigten Königreichs veröffentlichte gestern Zahlen ihres Außenhandels für den Monat Mai. Die Engländer führten im genannten Zeitraum insgesamt 182,2 tsd Tonnen Weizen ein. Knapp 74 tsd Tonnen davon kamen aus Deutschland. Die neue Ernte auf der Insel wird aber höchstwahrscheinlich deutlich besser werden als es die beiden letzten waren, sodass eventuell wieder Exportüberschüsse anfallen werden. Algerien kaufte mindestens 50 tsd Tonnen Weizen, aber die Einzelheiten des Geschäfts wurden nicht mit wünschenswerter Klarheit kommuniziert. Es blieb zuerst viel Raum für Spekulationen, ob nicht vielleicht doch mehr eingekauft wurde als man offiziell ausgeschrieben hatte. Am späten Nachmittag kam dann die Meldung, dass sich die Algerier mit insgesamt 800 tsd Tonnen eingedeckt haben. Die Lieferung erfolgt im Zeitraum von Oktober bis November 2014.
 
Allerdings schwiegen sich die Nachrichtenticker hinsichtlich der Herkünfte aus. Man erfuhr nicht, ob beispielsweise französische Ware zum Zuge kam. Neben den Weizenkäufen bekundeten die Algerier Kaufinteresse für 50 tsd Tonnen Gerste. Diese Ausschreibung ist aber noch nicht beendet. Die Israelis sicherten sich 50 tsd Tonnen Futterweizen und 108 tsd Tonnen Mais optionaler Herkunft. Das russische Agrarministerium veröffentlichte seine jüngste Schätzung hinsichtlich der neuen Ernte und bezifferte diese mit exakt 100 mio Tonnen Getreide. In der letzten Prognose ging man in Moskau noch von 97 mio Tonnen aus.
 
An der Matif gab es ebenfalls eine Rückschnapprallye zu beobachten. Der vordere Novembertermin schaffte ein Plus von 2,- €/mto und settelte bei 179,- €/mto.

Mais im Plus

Der Dezembermais schloss gestern mit einem Plus von 4 ¾ cts/bu bei 3,86 ½ US$/bu. Im internationalen Markt legten die Südkoreaner einen Tender über 55 tsd Tonnen Mais auf, der im Dezember zur Andienung kommen soll. Am Nachmittag vermeldete man Vollzug, wobei die Herkunft unbestimmt blieb. Es dürfen alle Herkünfte angedient werden, sofern die vereinbarten Qualitätsparameter erfüllt sind. Ein Routinegeschäft, das nicht näher kommentiert werden muss. Ein anderes, obskures Exportgeschäft seitens der USA blieb hinsichtlich seiner Destination im Dunkeln. Das USDA meldete im Rahmen seiner täglichen Berichterstattung nur den Verkauf von 210,5 tsd Tonnen Mais an eine nicht näher bezeichnete Destination.
 
Die Japaner erhielten keine Offerten auf ihre Tenderbemühungen für Futterweizen und –gerste. Offensichtlich war man im Land der aufgehenden Sonne nicht bereit, neben dem Zentralgestirn auch die Brieftasche aufgehen zu lassen und die nötigen Preise zu bezahlen. Der Novembertermin an der Matif legte gestern 1,75 €/mto zu und settelte bei 163,50 €/mto.

EU erlässt Importzölle

Die EU hat auf die fallenden globalen Agrarpreise reagiert und Importzölle erlassen. Ab gestern wird für Einfuhren von Mais, Sorghum und Roggen ein Zoll von 5,32 €/Tonne erhoben. Die Preise waren unter dasjenige Level gefallen, das sich die EU als Schwelle auserkoren hat, über Zölle nachzudenken bzw. diese zu erheben.

Eurex: Kartoffel schnappt zurück

Die Kartoffel konnte gestern die zuvor gemachten Verluste wieder aufholen. Bei einem Umsatz von insgesamt 116 Kontrakten legte der Apriltermin 2015 0,60 €/dt zu und schloss bei 9,90 €/dt. Mit dem Kassamarkt können die Notierungen an der Börse gestern keine Allianz eingegangen sein, denn die Verarbeiter riefen für physische Ware keine besseren Preise auf. Man blieb weiterhin zurückhaltend. An der Börse ist das Schwein geschlachtet, denn es gab auch gestern kein Lebenszeichen mehr von sich. Weder die Mastsau noch das Ferkel waren auf der Liste der Begehrlichkeiten der Marktteilnehmer. Nach den Umsätzen im Magermilchpulver und in der Butter am Dienstag war gestern das Molkenpulver an der Reihe. Im Oktobertermin wurden recht ordentliche 20 Kontrakte bei 920,- €/to gehandelt. Das entsprach einem kleinen Minus von 3,- €/Tonne.

Zucker leicht abschlägig

In New York verloren die Zuckernotierungen knapp 1% und settelten knapp über 17 cts/Pfund.

DAX strammer

Das deutsche Aktienbarometer DAX legte gestern wieder zu und hielt damit an seinem Sägezahnmodus fest. Der Technologiesektor in den USA trieb den Dow Jones auf neue Hochs und steckte mit seinen Gewinnen andere Märkte an. In Frankfurt führte das zum größten Tagesplus seit April dieses Jahres. Der Dax eroberte mit einem Plus von etwa 140 Punkten die 9800er-Marke zurück. Der Schlussstand betrug 9859,27 Zähler.
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