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Börsentelegramm

Agrarmärkte in Europa mit hochrotem Kopf

von , am
27.05.2014

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© Torbz/fotolia.de
Sojabohne hält ihr Preisniveau…am Freitag
 
Nutzen wir die feiertagsbedingte Abwesenheit der Amerikaner dazu, einen Rückblick in die letzte Woche zu werfen. Am Mittwoch und Donnerstag kam es in Chicago zu stark ansteigenden Preisen bei der Sojabohne, die in ihrer Festigkeit in der Sitzung am Freitag keine volle Bestätigung mehr erfuhren. Trotzdem schloss man komfortabel über der 15,- US$-Marke und konnte damit sein derzeitiges Preisniveau strukturell halten. Die wöchentlichen Exportzahlen lagen mit 615 tsd Tonnen innerhalb der Markterwartungen und waren infolgedessen neutral zu beurteilen. Die strukturelle alterntige Knappheit hat in ihrer preislichen Wirkungsfähigkeit nicht abgenommen. Im Gegenteil, denn in der letzten Woche pflanzten sich die alterntigen Zugewinne auf die neuerntige Novemberbohne fort. Diese sprengte ihre bisherigen Widerstände und bahnte sich den Weg zu neuen Hochs.
 
Die europäischen Rapsnotierungen mögen diese Entwicklung für einen kurzen Augenblick zur Kenntnis genommen haben, aber sie waren nicht in der Lage, die steigenden Notierungen der letzten Woche in eigenen Preiszuwachs umzumünzen. Der Blick vor die eigene Haustür verheißt derzeit eine frühe und mindestens gute Rapsernte, die die Anziehungskräfte der steigenden Bohnenpreise zu großen Teilen abschüttelt. Es ist offenbar so, dass die gute fundamentale Ausgangslage auf den Äckern den Rapsmarkt der Bohne gegenüber preislich ein Stück weit "entmagnetisiert" hat. Im gestrigen Handel setzte sich die Schwächeneigung fort, und der Augusttermin büßte 2,50 €/to ein. Der Schlusskurs lag bei 456,- €/mto. Heute morgen verliert die neuerntige Sojabohne in Chicago etwa 15 cts/bu, sodass wir höchstwahrscheinlich mit weiter sinkenden Rapsnotierungen konfrontiert werden. Die Palmölnotierungen sind zeitgleich unter die Marke von 2500,- Ringgit/Tonne gefallen.
 
Weizen im Abwärtstrend
 
Die preisliche Entwicklung der us-amerikanischen Weizennotierungen war der Bohne entgegen gerichtet. Am Ende der vergangenen Handelswoche gaben die Kurse in Chicago und Co noch einmal nach und durchbrachen sehr wichtige charttechnische Unterstützungslinien. Insbesondere trübt der Durchbruch durch die 200-Tagelinie das Bild im Julitermin stark ein. Wenn die Chicagoer Notierungen heute kein glasklares aufwärtsgerichtetes Ausrufezeichen setzen können, müssen wir weiter fallende Notierungen in Übersee befürchten; zumal die letzten Tenderergebnisse offenbarten, dass der US-Weizen etwa 50 US$/to zu teuer war. Übers Wochenende hat es im Westen der Plains Regen gegeben, der die vorherigen Wettervorhersagen bestätigt hat. Aus pflanzenbaulicher Sicht ist es allerdings fraglich, ob die Niederschläge noch positiv auf den Ertrag wirken können oder nicht. Wir müssen hier einerseits sehen, was auf dem Acker mit dem Regen passiert, andererseits müssen wir aufpassen, wie das USDA in seiner Berichterstattung mit den Niederschlägen umgeht. Es könnten durch die jüngsten Regenfälle immerhin ausreichend Gründe für das Ministerium vorliegen, zumindest keine weiteren Abwärtskorrekturen bei den US-Weizenerträgen vorzunehmen.
 
An der Matif kamen die Notierungen bereits am Freitag deutlich unter Druck und bereiteten den schwachen Wochenauftakt von gestern vor. Der November verlor 2,50 €/mto und settelte nach gestriger Handelssitzung in Paris bei 192,75 €/mto. Damit ist auch in Paris die 200-Tagelinie durchbrochen worden, sodass die Notierungen anfällig für weiteren Verkaufdruck zurückgelassen wurden. In der Nachtbörse setzt sich derzeit der Preisverfall in Chicago weiter fort und dürfte uns damit einen "Bärendienst" erweisen, denn unter diesen Umständen müssen wir für heute einen Test der 190,-er-Marke an der Pariser Börse befürchten.
 
Mais gefährdet die 200-Tagelinie
 
Die Maisnotierungen zeigten sich ausgangs der letzten Woche in Chicago relativ stärker als die Weizenpreise. Immerhin konnte man seinen 200-Tagedurchschnitt erfolgreich verteidigen und sich graduell weiter seitwärts arbeiten. Die wöchentlichen Exportzahlen waren mit 570 tsd Tonnen im Rahmen der Erwartungen und blieben in ihrer Wirkung impulslos. Das hätte aber wie im Falle des Weizens durchaus schlimmer kommen können, sodass wir die letzte Woche mit einem blauen Auge beenden konnten. Unsere europäische Handelswoche war gestern auch im Mais von fallenden Notierungen bestimmt. In Paris verlor der November 1,50 €/mto und settelte bei 178,25 €. In der derzeit laufenden Nachtsitzung am CBoT ist Mais schwach und gefährdet seine 200-Tagelinie. Geht diese zu Bruch, stehen auch hier weitere Preisabschläge zur Disposition.
 
Kartoffel tritt in beschleunigten Abwärtstrend ein
 
Das war ein Wochenauftakt nach Maß in der Kartoffel! Allerdings nur für die Bären. Mit Karacho durchschlugen die neuerntigen Aprilkartoffeln 2015 gestern die nächste Hauptunterstützung bei 11,- €/dt. Bei einem Gesamtumsatz von 145 Kontrakten verlor der Markt satte 0,80 €/dt und settelte bei 10,70 €/dt. Es hatte den Anschein als gäbe es weit und breit überhaupt keinen Kursoptimismus mehr, der sich den fallenden Preisen hätte in den Weg stellen können. Der Kassamarkt blies ins gleiche Horn und nahm seine Quotierungen aggressiv zurück. Erfreulicherweise konnte das Septemberschwein 2 Kontrakte Umsatz vorweisen. Der Schlusskurs lag auf diesen Termin bei 1,759 €/kg Schlachtgewicht. Das Ferkel schaute leider nur zu. Im weißen Sortiment konnte das Magermilchpulver zur Ehrenrettung schreiten und im Frontmonat wenigstens einen Lot umsetzten. Dieser wechselte bei 2830,- €/Tonne seinen Besitzer. Das stellte ein Plus von 40,- €/to dar.
 
Zucker: Südafrikaner streiken
 
Ab heute wollen etwa fünfeinhalb tausend Arbeiter in der südafrikanischen Zuckerindustrie streiken, um bessere Löhne durch zu setzen. Man verfolgt seitens der Gewerkschaften das klare Ziel, die gesamte Industrie zum Stillstand zu bringen. Aus einer derart starken Position heraus hofft man, seine Ziele rasch erreichen zu können. Die erste Gewerkschaftsforderung liegt wohl bei einem Lohnplus von 11%. Die Arbeitgeberseite legte ein erstes Angebot von 8,5% vor. Der weitere Fortgang der Verhandlungen ist ungewiss.
 
DAX mit neuem Hoch
 
Der DAX erklomm zu Wochenauftakt eine neues Allzeithoch. Die Ergebnisse der EU-Wahlen schreckten den Index nicht ab, sondern schien ihn geradezu zu beflügeln. Dieses Verhalten war durchaus nicht ungerechtfertigt, denn das europaweite Erstarken der Eurokritiker wird die etablierten Parteien inhaltlich noch ähnlicher, noch kooperationsbereiter, noch samtpfötiger und noch unwilliger machen, den bislang eingeschlagenen Holzweg zu verlassen. Es droht nun die totale Preisgabe einer ohnehin kaum zu erkennenden Eurostabilitätspolitik. Hierauf freuen sich natürlich die Finanzmärkte. Im DAX konnten fast alle Indexkomponenten mit Zugewinnen glänzen, wobei sich besonders das Papier der Commerzbank hervortat. Bezeichnenderweise rührten die Commerzbankgewinne daher, dass der Bund signalisierte, seine zu Krisenzeiten erworbenen Anteile nicht vor 2016 veräußern zu wollen. Und wenn man den Staat hinter sich weiß, werden die Investoren gerne tätig. Die Gewinne einstreichen können, ohne aber an den Verlusten beteiligt zu sein, ist ein Geschäftsmodell, das sich großer Beliebtheit erfreut. Zu Wochenauftakt legte der DAX 124,81 Punkte zu und schloss bei 9892,82 Zählern. Dass die gesamte Analystenwelt wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen durch die Welt rennt und sich gegenseitig die 10.000-Punktemarke zuflüstert, muss wohl nicht mehr erwähnt werden.
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