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Börsentelegramm

Agrarmärkte (fast) alle im Plus

von , am
10.12.2014

Der zweite Handelstag der Woche war klar von der Farbe grün dominiert.

© landpixel
 
Der zweite Handelstag der Woche war klar von der Farbe grün dominiert. Fast alle agrarischen Märkte zeigten sich in der Lage, Zugewinne zu generieren. Allerdings gab es eine Ausnahme: Weizen. Weltweit zeigten sich die Weizenquotierungen außerstande, sich dem positiven Trend anzuschließen. In den USA gaben die Notierungen an allen drei Handelsplätzen nach.
 
Sojabohne legt zu
Die Januarbohne legte gestern 4 ¼ cts/bu zu und settelte bei 10,48 ¼ US$/bu. Die stützenden Argumente sind altbekannt. Eine sehr starke Nachfrage richtet sich auf die USA und sorgt Woche für Woche für exzellente Exportzahlen. Die knappe Situation in der Schrotversorgung lässt sich nicht über Nacht aus der Welt schaffen und wirkt somit seit vielen Wochen als Kursstütze für die Bohne. Diese fühlt sich über der 10,- US$-Marke sichtlich wohl. Ob das USDA in seinem heutigen Report einen neuen fundamentalen Einflussfaktor schafft, ist mehr als fraglich. Die Rahmenbedingungen dürften sich nicht wesentlich verschieben.
 
Wir müssen sehen, was das USDA auf die Pfanne legt. Eine Reduktion der US-Endbestände steht im Raum, aber Ausmaß und Umfang stellen keine grundsätzliche Neubewertung der Lage dar. Abwarten heißt die Devise. Das französische Agrarministerium sieht die Winterrapsfläche des Landes bei 1,5 mio Hektar. Mit diesem Wert liegt man etwa 1% hinter der Vorjahresfläche zurück. Allerdings haben die Franzosen kein Problem, im Frühjahr mit Sommerraps nachzulegen. Erfahrungsgemäß erfreut sich die Sommerung in einigen Gebieten wachsender Beliebtheit. Allerdings ist das Ertragsniveau schwächer als bei der Winterung. An der Matif herrschte lange Zeit eine abschlägige Tendenz vor, aber am Ende der Sitzung hatte man die Verluste wett gemacht. Der Februartermin schloss bei unveränderten 343,- €/mto.
 
Weizen mit weichen Knien
Der Märztermin am CBoT verlor gestern 10 ¼ cts/bu und schloss bei 5,86 US$/bu. Die Preise sind mit der Angst um die russische Exportwilligkeit angestiegen und nun fallen sie aus demselben Grunde. Denn die Sorge um die russischen Weizenexporte wird spürbar geringer. Von offizieller Seite wurde ein weiteres Mal bekräftigt, dass man keinerlei Absicht habe, die Weizenexporte zu limitieren. Der Markt reagierte entsprechend. Bestätigt wird die offizielle Stellungnahme durch private Schätzungen, nach denen sich der Export nicht verringern werde. Die gesamte Thematik um das russische Weizenexportpotential wird zumindest in den offiziellen Kommentierungen, die man über Reuters und Co. zu lesen bekommt, nur unzulänglich diskutiert.
 
Fast alle weigern sich, in ihren Stellungnahmen die Faktoren Rohöl und Rubel mit einzubeziehen. Aber nur in einer Gesamtschau, die diese Dinge mit berücksichtigt, lässt sich eine wirklichkeitsnahe Bewertung der Lage beim Weizen vornehmen. Ein anders Mal mehr davon. Ansonsten gab es fast keinen hausgemachten us-amerikanischen Einflussfaktor auf den Weizenmarkt. Man beklagte die schwachen Exporte und richtete seinen Blick auf den heutigen WASDE-Report des USDA´s. Der Autor dieser Zeilen erwartet keine bedeutenden Verschiebungen in der Rahmendatenlage des Weizenmarktes. ABARES hat sich aus Australien zu Wort gemeldet und eine Einschätzung hinsichtlich des Exportpotentials gegeben. Aufgrund der örtlich zu trockenen Bedingungen sieht man die Menge an exportfähigem Weizen bei 16,993 mio Tonnen. Das wären die niedrigsten Exporte seit fünf Jahren. Zuletzt ging ABARES noch von 18,1 mio Tonnen aus. Das ist nun aber obsolet geworden.
 
Im internationalen Umfeld wurde die Woche mit den marktüblichen Tendern gestartet. Gestern kam noch ein Kaufgesuch der Japaner hinzu. Im Land der aufgehenden Sonne bekundete man Interesse an 143,3 tsd Tonnen Mahlweizen. Das ukrainische Agrarministerium beziffert die bislang getätigten Getreideexporte im Zyklus 2014/15 mit 16,4 mio Tonnen. Das sind 800 tsd to mehr als im letzten Jahr. Unter den 16,4 mio to befinden sich auch 7,6 mio Tonnen Weizen. Der Rest entfällt hauptsächlich auf Mais und Gerste.
 
Das französische Agrarministerium sieht die Weizenfläche des Landes in der neuen Kampagne 2014/15 bei 5,1 mio Hektar. Das sind 2% mehr als im letzten Produktionszyklus. Die Winterdurumfläche wurde mit 309 tsd Hektar angegeben; fast 10% mehr als im letzten Jahr. Den Weizennotierungen an der Matif blieb ob der international sinkenden Kurse nichts anderes übrig als zu fallen. Der Januartermin verlor 2,50 € und schloss bei 186,50 €/mto.
 
China lässt Mindestpreis konstant
Der chinesische Wirtschaftsraum ähnelt mehr einer sozialistischen Gemeinwirtschaft als einer Marktwirtschaft. Es darf also nicht wunder nehmen, dass der chinesische Staat an allen Ecken und Enden in die Wirtschaft eingreift, auch in Form von Preiskontrollen. Im landwirtschaftlichen Segment existieren für viele Waren den politischen Vorstellungen gemäß Mindestpreise. So auch beim Weizen. Der Gedanke dahinter ist die Aufrechterhaltung eines erwünschten Maßes an Weizenproduktion im Reich der Mitte.
 
Seit 2008 wurde dieser Mindestpreis jährlich nach oben genommen, sodass wir in 2013/14 eine Gesamtpreissteigerung von fast 65% gesehen haben (Basis 2007er Mindestpreis). Im neuen Zyklus bleibt dieser Mindestpreis erstmalig seit 2008 konstant. Das Problem ist aber, dass der chinesische Mindestpreis deutlich über dem internationalen Preisniveau liegt, sodass Importware wo immer möglich vorgezogen wird. Wenn die Importware vorgezogen wird und der Chinese auf seiner Ware sitzen bleibt, dann wird damit aber nicht der Weizenanbau in China gefördert, sondern unattraktiver gemacht.
 
Mais legt zu
Der Märzmais legte gestern 5 cts/bu zu und schloss bei 3,95 US$/bu. In den USA hegte man die Hoffung auf steigende Maisexporte. Angesichts der international konkurrenzfähigen Preise spekuliert man auf größere als bislang angenommene Exporte. Möglicherweise sieht das USDA das in seinem heutigen WASDE-Report ganz genauso und nimmt entsprechende Korrekturen am Zahlenmaterial vor. Dem wollte man vorbeugen und legte sich vorsichtshalber einige Longpositionen ins Depot. Das Resultat waren steigenden Kurse in Chicago.
 
Die bislang getätigten ukrainischen Exporte beim Mais betragen 5,2 mio Tonnen, wie das Agrarministerium in Kiew hat wissen lassen. Neben den Einschätzungen über die Weizen- und Rapsflächen hat das französische Agrarministerium auch die Gerstenfläche beziffert. In Paris wurde diese mit 1,3 mio Hektar veranschlagt. Damit liegt man 1,3% über dem Vorjahreswert. An der Matif bewegten sich die Preise kaum. Der Junitermin schloss bei 164,75 €/mto.
 
Australische Zuckerproduktion steigt
ABARES hat neben den Prognosen über Getreide auch die Zuckerproduktion Australiens neu in Zahlen gefasst. Allerdings waren die neuen Zahlen mit den alten identisch. Nach wie vor wird die Zuckerproduktion in Down Under mit 4,6 mio Tonnen in den Statistiken geführt.
 
Eurex: Kartoffel scheidet dahin
Am zweiten Handelstag der Woche wurde Kartoffel zu Grabe getragen. Mit noch 27 Kontrakten Gesamtmarktumsatz siechte man dahin bevor schließlich zu Handelsschluss verstarb. Der Preis bewegte sich den Tag über gar nicht. Der Apriltermin 2015 wurde ausschließlich am Preis von 4,70 €/dt gehandelt. Das stellte keine Preisveränderung zum Vortag dar.
 
Der Kassamarkt hat wohl die Hoffung auf Besserung aufgegeben. Man wickelt nach wie vor Kontraktware ab. Nicht mehr und nicht weniger. Überraschendes Exportgeschäft, das den Kursen Aufwind bieten könnte, dürfte es kaum geben. Akuter Importbedarf besteht bei EU-Partnern nicht, und die Russen…naja, die machen sich derzeit rar in der EU.
 
Der Schweinebereich blieb erneut ohne Umsatztätigkeit. Dafür schafften im weißen Sortiment Molkenpulver und Butter kleinere Umsätze. Das war´s.
 
Robert Theis
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