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Börsentelegramm

Agrarmärkte fest

von , am
15.10.2014

Mais marschierte und nahm die Weizennotierungen im Schlepptau mit. © landpixel
Insbesondere die Verzögerungen bei der Erntetätigkeit in den USA sorgten für ein festes Umfeld. Man spekulierte über den Erntefortschritt, der nachbörslich vom USDA veröffentlicht werden sollte. Einigkeit bestand darin, dass man angesichts der streckenweise ungünstigen Witterung nicht wesentlich würde aufgeholt haben können, aber ist man gar weiter zurück gefallen?
 
Die Bohne überzeugte mit einer technischen Rallye am Handelsende. Mais marschierte aus den gleichen Gründen und nahm die Weizennotierungen im Schlepptau mit.
 
Sojabohne mit technischer Rallye
 
Die Novemberbohne legte gestern 20 ¼ cts/bu zu und settelte bei 9,65 ½ US$/bu. Die Sorgen um weitere Ernteverzögerungen bestätigten sich eigentlich nicht. Der Markt antizipierte im Vorfeld einen mageren Erntefortschritt um 11 auf 31%. Das USDA bezifferte diesen aber nachbörslich mit 40%. Das liegt zwar immer noch deutlich hinter dem Fünfjahresschnitt von 53% zurück, aber die schlimmsten Befürchtungen haben sich damit nicht bestätigt. Das Shortcovering im Markt darf man angesichts dieser Entwicklung für leicht übertrieben halten. Nichtsdestoweniger hat es stattgefunden und die Preise nach oben gebracht. Mit Durchstoß durch den 20-Tage-EMA flammte sofort Aufwärtsmomentum auf, das weiteres kurzfristiges Kaufinteresse anlockte. Die Aufwärtsbewegung verselbstständigte sich und wuchs auf über 20 cts/bu an.
 
Die Fragen, die nun von Relevanz ist, ist die folgenden. Haben die Shorteindecker angesichts der 40% Erntefortschritt vorschnell gehandelt, und werden sie den Markt wieder von der Shortseite betreten oder werden sie dem Markt fernbleiben und keine neuen Shorts aufbauen? Wer diese Fragen zu beantworten weiß, kennt die Richtung des Marktes für die nächsten Tage genau.
 
In Brasilien ist man mit der Bodenfeuchte unzufrieden. Örtlich registriert man unterdurchschnittliche Niederschlagsabweichungen in Höhe von etwa 40%. Die Aussaattätigkeiten sind infolgedessen etwas verzögert. Insgesamt sieht man die bestellte brasilianische Bohnenfläche bei 7%. Es befindet sich allerdings Regen in der Vorhersage, den man wohlwollend begrüßen wird.
 
Die Getreidebörse in Buenos Aires hat die neue argentinische Bohnenfläche mit 20,6 mio Hektar veranschlagt. Das ist etwas mehr als die 20,35 mio Hektar aus der letzten Kampagne 2013/14. Die Rapsnotierungen an der Matif legte zu, wobei der Zugewinn von 1,25 €/mto im November am kleinsten ausfiel. Hier lag der Settlement bei 323,50 €.
 
Weizen folgt Mais
 
Der Dezemberweizen legte gestern am CBoT 4 cts/bu zu und schloss bei 5,09 ¼ US$/bu. Die Zugewinne beim Mais waren der entscheidende Faktor für Weizen, den Tag auf der Nordseite des Marktes zu verbringen. Die wöchentlichen Exportzahlen der USA lagen mit 423,8 tsd to zwar unterhalb der Minimalerwartung von 550 tsd to, aber dieser Umstand wurde konsequent ignoriert. Nachbörslich ließ das USDA wissen, dass 68% der neuen US-Winterweizenaussaat abgeschlossen sind. Man hatte sich ein Prozent mehr erhofft, aber man liegt über dem langjährigen Durchschnitt von 67%. Mit anderen Worten, die US-Winterweizenaussaat läuft wie am Schnürchen.
 
Im internationalen Geschäft machten die Südkoreaner einen Rückzieher und stampften ihren Tender über 55 tsd to Futterweizen, 60 tsd to Mais und 60 tsd to Sojaschrot wieder ein. Offenbar war man nicht willens oder fähig, entsprechende Offerten an Südkorea zu geben. Anstelle der Südkoreaner meldeten sich dann die Japaner an der Theke und orderten 117 tsd Tonnen Weizen.
 
Defra schätzt die Weizenernte des Vereinigten Königreiches auf 16,621 mio Tonnen. Damit hat man auf der Insel die beste Weizenernte seit dem Jahre 2008 eingefahren und betritt die internationale Bühne wieder von der Exportseite. Im Vergleich zum mageren letzten Jahr, wo man nur 11,9 mio to ernten konnte, bedeuten die 16,6 mio to ein Zuwachs von fast 40%. Die Endbestände Großbritanniens sieht man bei 4,844 mio Tonnen. Das wäre die bislang komfortabelste Vorratslage überhaupt.
 
Die Futterweizenpreise an der Londoner Börse kennen seit Monaten nur eine Richtung: abwärts! Angesichts dieser äußerst erfreulichen Versorgungslage ist die traurige Preisentwicklung kein Wunder mehr. Die Russen meldeten, dass man bislang 10,5 mio to Weizen exportiert habe. Die offizielle Einschätzung des gesamtrussischen Weizenexports beläuft sich auf 27-30 mio to. An der Matif legte der Novembertermin 1,- € zu und settelte bei 158,50 €/mto.
 
Mais profitiert von Ernteverzögerungen
 
Der Dezemberkontrakt legte gestern 10 ¼ cts/bu zu und settelte bei 3,57 US$/bu. Auch hier war der Erntefortschritt der entscheidende Faktor. Man erwartete im Vorfeld der USDA-Meldung einen Ernteabschluss von 21%, was sicherlich sehr mager, aber angesichts der Umstände nicht unrealistisch war. Nachbörslich ließ das USDA die Katze aus dem Sack und bezifferte diesen mit 24%. Das war besser als erwartet, aber doch deutlich unter dem sonst üblichen Normwert von 40%. Da spielte es keine Rolle mehr, dass 74% der Bestände nach wie vor exzellent auf dem Acker stehen. AgroConsult sieht die ukrainische Maisernte bei noch 25,9 mio Tonnen. Zuvor hatte man 27 mio to auf dem Zettel. Die Exporte wies man mit 18,5 mio to aus.
 
Interessanterweise haben die Chinesen justament in dem Augenblick, in dem sie sich von den USA etwas gelöst hatten, der Ukraine als alternative Herkunft für die Maiskäufe zugewandt. Die phytosanitären Restriktionen gegen MIR 162 hatten die USA praktisch als Bezugsquelle für die Chinesen versiegen lassen. Gleichzeitig schaute man sich nach neuen Verkäufern um, um den Bedarf zu Hause decken zu können. Angesichts der Häufigkeit der Chinesen, auf diese Art in verschiedenen Agrarmärkten zu verfahren, drängt sich die Frage auf, ob sich das Reich der Mitte nicht grundsätzlich von us-amerikanischen Importen unabhängiger machen möchte. Die Tendenz der letzten Jahre spricht jedenfalls diese Sprache und kann im Kern auch nicht gegenteilig interpretiert werden. Die Chinesen stellen sich breiter auf! Der November schließt an der Matif bei 142,- € (+ 1,- €/mto).
 
Eurex: Kartoffel verzeichnet neues Tief, danach fester
 
Die Veredelungskartoffel an der Eurex nahm ihren gestrigen Handel bei 5,50 €/dt und damit unterhalb des Vortagesschlusses auf. Danach war der Markt aber imstande festere Signale zu geben und sich nordwärts zu orientieren. Bei einem Umsatz von insgesamt 122 Kontrakten fand man seinen finalen Preis bei 5,80 €/dt. Damit betrug das Plus 0,20 €/dt. Dennoch bleibt uns nichts anderes übrig, als auf den immernoch vorherrschenden Abwärtstrend hinzuweisen. Der Kassamarkt ist derzeit nicht dazu geeignet, die Entwicklung umzukehren. Der Überhang an physischer Ware wirkt sich weiterhin preisbelastend aus.
 
Schwein und Ferkel blieben im Stall. Im weißen Sortiment schritt die Butter zur Ehrenrettung des Komplexes.
 
DAX entscheidet sich für die Südseite, kann aber spät drehen
 
Die Aktienkurse auf dem Frankfurter Parkett hatten gestern eine zeitlang gebraucht, um ihren Weg zu finden. Am späten Vormittag hatte man sich aber klar für die rote Seite des Marktes entschieden. Die Zahlen von Daimler machten dem Markt zwar Mut, aber man vergaß nicht, dass es sich um einzelbetriebliche Daten handelte. Die Gesamtstimmung am Markt hat sich weiter eingetrübt. Der ZEW-Index hatte den tiefsten Stand seit November 2012 angenommen und zeichnete damit das schwarze Stimmungsbild in den Märkten nach.
 
Die Bundesregierung nahm nun auch ihre Prognose zum deutschen Wirtschaftswachstum zurück. Der Bundeswirtschaftsminister wählte seine inhaltsleeren Worte mit ganz besonderer Geschicklichkeit, um die Botschaft zu verbreiten, dass alles weiterhin gut aussehe, auch wenn sich die Daten eingetrübt hätten. Was soll man sagen? Unterm Strich gab es nicht mehr zu hören als der übliche hohlklingende Verbalismus regierungsamtlicher Unvernunft. Schlussstand: 8825,21 Zähler (+12,78 Punkte).
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