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Börsentelegramm

Agrarmärkte fest zu Wochenbeginn

von , am
14.10.2014

In Europa wurden 2014 auf rund 0,507 Millionen Hektar Sojabohnen angebaut © sima/Fotolia.com
Trotz eines Feiertages in den USA wurde gestern eine Vielzahl von Märkten gehandelt. Hierunter waren auch die Agrarmärkte am CBoT. Der USDA-Report hatte zum Ende der letzten Woche keine wesentlichen Neuigkeiten. Hier und da wurden Anpassungen vorgenommen, ohne das Gesamtbild grundsätzlich zu ändern. Nach einem preislichen Einbruch am Freitag startete man die neue Woche mit einer Aufholjagd und machte die Verluste wieder wett.
 
Sojabohne im Plus
Die Novemberbohne legte zu Wochenauftakt 22 ¼ cts/bu zu und settelte bei 9,45 ¼ US$/bu. Am CBoT konnte die Bohne zu Wochenbeginn ordentlich zulegen und die Verluste von Freitag wieder aufholen. Der Erntefortschritt in den USA dürfte immer noch nicht die üblichen Niveaus erreicht haben, sodass man zwar noch keine echten Sorgen haben müsste, aber es mit einem verstärkten Unwohlsein zu tun bekommt. Zudem sind die Kurse heute morgen durch ihren 20-Tage-EMA marschiert, was weiteres technischen Kaufinteresse angelockt.
 
Die statistische Abteilung des brasilianischen Ministeriums Conab hat bereits letzte Woche eine Prognose zur neuen Bohnenernte des Landes abgegeben. Man sieht die Produktion 2014/15 zwischen 88,83 und 92,41 mio Tonnen liegen. Wenn man diese Zahlen liest, drängt sich doch geradezu die Frage nach der Sinnhaftigkeit auf. Da wird im nachvollziehbaren Zustand der Unkenntnis die Produktionsmenge mittels einer Erwartungsspanne ausgedrückt.
 
Die einzelnen Werte dieser Spanne weist man aber mit gleich zwei Nachkommastellen aus. Ein seltsam skurriler Mix aus Konkretheit und Ungenauigkeit! Der Verband der europäischen Getreidehändler Coceral hat in seiner jüngsten Schätzung die europäische Rapsernte 2014 mit 23,8 mio Tonnen angegeben. Das war ein Plus von 1 mio to zur vorherigen Einschätzung. In 2013 hatte man gerade einmal 20,6 mio to geerntet. Die Matif büßte zu Wochenauftakt ein und verlor im November 1,75 €. Der Schlusskurs lag bei 322,25 €/mto.
 
Weizen zieht an
 
Am CBoT habet der Dezember gestern 6 ¾ cts zugelegt und bei 5,05 ¼ US$/bu geschlossen. Bei Weizen mögen die Reduktionen in den Endbeständen der USA im WASDE-Bericht vom Freitag noch etwas nachgewirkt haben, da man imstande war die 5,- US$/bu-Marke wieder zurück zu erobern. Der Chart vermittelt den Eindruck, als hätten die Bullen die 5,- US$ wieder als Unterstützung gewonnen. Nach oben begrenzt vorerst der 50-Tage-EMA, der momentan bei ca. 5,20 US$/bu liegt.
 
Letzte Woche buchten die Ägypter 175 tsd Tonnen Mahlweizen. Die Menge ist für die Pyramidenbauer nicht sonderlich groß, aber es kamen immerhin 120 tsd Tonnen aus Frankreich. Der Rest ging aufs Konto der Russen. Am Wochenende bekräftigte man am Nil, dass man nunmehr Weizenvorräte bis zum März des kommenden Jahres habe. In der Vergangenheit erwiesen sich derartige Statements grundsätzlich als preispolitische Propaganda, um bei nächster Gelegenheit doch wieder mit großen Mengen zu zuschlagen. Es sollte uns wundern, wenn es diesmal anders wäre. Das Exporttempo Kasachstans liegt mit 1,59 mio Tonnen leicht unterhalb der 1,92 mio Tonnen aus dem letzten Jahr.
 
Das internationale Geschäft dieser Woche wurde von Südkorea eröffnet. Man sucht 55 tsd Tonnen Futterweizen, 60 tsd Tonnen Mais und weitere 60 tsd Tonnen Sojaschrot. Das interessanteste Geschäft wurde von den Algeriern getätigt. Man kaufte in mehreren Tranchen insgesamt 600 tsd Tonnen Weizen ein. Die Lieferung findet zu Beginn des nächsten Jahres statt, und die Herkünfte sollen die baltischen Staaten sowie weitere EU-Nordstaaten umfassen. Wer weiß, vielleicht war auch Deutschland mit von der Partie. Der Verband der europäischen Getreidehändler Coceral veranschlagte gestern die europäische Weizenernte in 2014 mit 147,9 mio Tonnen.,Zuletzt hatte man nur 141,9 mio to heraus gehalten. Eine Aufwärtskorrektur war dringend geboten. Die Matif verlor im November 1,25 € und settelte bei 157,5 €.
 
Mais im ernteverzögerten Aufschwung
 
Der Dezembermais legte zu Wochenauftakt satte 11 ¾ cts/bu zu und settelte bei 3,46 ¾ US$/bu. Die Gründe für den preislichen Aufschwung sind die gleichen wie in der Bohne. Die Ernte ist in den USA hinterdrein und löst leichte Sorgen aus, die zu Shortcovering führen. Wir müssen sehen, ob es im Wochenverlauf zu panikartigen Eindeckungen kommt oder ob wir es mit einem Strahl heißer Luft zu tun haben.
 
Die Wettervorhersagen sind nicht optimal, keine Frage, aber dramatisch schlecht sind sie auch nicht. Im internationalen Geschäft meldete sich Südkorea und sucht 60 tsd Tonnen Mais. Einzelheiten des Kaufgesuchs wurden nicht bekannt gegeben. Bereits in der vorangegangenen Woche schätzte Conab die neue brasilianische Maisproduktion auf 76,61 bis 78,95 mio Tonnen. Um die Coceral-Zahlen komplett zu machen, sei erwähnt, dass man die europäische Körnermaisernte von 32,2 auf 72,8 mio Tonnen angehoben hat. Matif-November schließt bei 141,- €/mto.
 
Eurex: Kartoffel kapituliert vor der 6,- €/dt-Marke
 
Die Veredelungskartoffel hatte sich über einige Tage hinweg in der Nähe der Preismarke von 6,- €/dt aufgehalten. Gestern schnupperte sie für eine Schrecksekunde noch mal daran bevor es abwärts ging. Man verlor weitere richtungsentscheidende 0,10 €/dt und settelte bei 5,60 €/dt. Der Kassamarkt ist weiterhin im Stimmungstief und damit absolut nicht dazu geeignet, ein Signal der Hoffnung an die Börse zu senden.
 
Zucker seitwärts
 
Der afrikanische Staat Sambia hat angekündigt, die Zuckerausfuhren in die EU binnen der nächsten drei Jahre stoppen zu wollen. Die veränderten politischen Rahmenbedingungen, die auf den Zuckermarkt zukommen, werden wohl den Markt einmal komplett umkrempeln. In New York schließt der Markt im März bei 16,67 cts/Pfund.
 
DAX leicht im Plus
 
Das deutsche Aktienbarometer legte zu Wochenauftakt 23,62 Punkte zu und settelte bei 8812,43 Zählern. Die weltweiten Finanzmärkte sind in eine Angsthasenstimmung versetzt, weil die Kluft zwischen den Versprechungen der geldpolitischen Wirtschaftsstimuli und der Realität unüberbrückbar geworden ist. Jens Weidmann und Wolfgang Schäuble warnen zwar vor „Panikmache“, aber diese beiden Herren waren, sind und bleiben stets dem „blinden Erfolgsglauben“ zugetan.
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