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Börsentelegramm

Agrarmärkte nicht Fisch nicht Fleisch

von , am
18.09.2014

Es gab gestern viele kleinere Preisverschiebungen in beide Richtungen. Am CBoT konnten Weizen und Bohne etwas zulegen, der Mais musste abgeben.

© Mühlhausen/landpixel
Der Tagesgewinner, der etwas hervorstechen konnte, war Kakao. Hier konnten die Notierungen fast 3% draufpacken.
 
Die Sojabohne schleppt sich bergauf. Die neuerntige Novemberbohne legte gestern 1 ¾ cts/bu zu und settelte bei 9,82 ½ US$/bu. Die Meldung des Tages war ein Exportgeschäft, denn die USA warteten mit einer ordentlichen Menge von 620 tsd Tonnen neuerntiger Sojabohnen auf. Es kann uns nicht überraschen, dass eine derartige Menge in Richtung China verkauft wird, denn, wie wir gestern bereits anmerkten, China braucht Bohnen und wird diese kaufen!
 
Die Firma Lanworth korrigierte gestern ihre Prognose über die US-Ernte von 3,852 auf 3,873 Mrd Scheffel. Den durchschnittlichen Ertrag hob man von 46,7 auf 47,0 Scheffel/Acre an. Die Erntefläche wurde mit 82,449 mio Acres angegeben. Der Raps an der Matif konnte seine bullischen Ambitionen etwas verstärken und ansteigen. Der Novembertermin schaffte ein Plus von immerhin 1,75 € und schloss bei 325,75 €/mto.
 
Weizen mit aufwärtsgerichteter Gegenbewegung
 
Der Dezembertermin hat gestern am CBoT 3 cts/bu zugelegt und bei 4,99 ¼ US$/bu geschlossen. Es war ein typischer Mittwoch, der von Nachrichtenmangel und weitläufiger Tatenlosigkeit geprägt war.
 
Auf der internationalen Marktbühne gab es gestern auch nur wenig zu beobachten. Es herrschte allgemeine Ruhe. Die Türkei nutzte die Stille und kaufte 200 tsd Tonnen Mahlweizen. In Nordafrika zogen schließlich die Tunesier nach und legten Einkaufstender für 92 tsd Tonnen Weizen und 75 tsd Tonnen Gerste auf. Diese Ware soll in den letzten beiden Monaten des Jahres zur Andienung kommen. Ergebnisse lagen bis gestern Abend noch keine vor. Da wir im Weizen einen nachrichtenarmen Tag erlebt haben, besteht die Gelegenheit, zum allgemeinen Pessimismus ein weiteres Scherflein beizutragen. Über die guten Ernten in der nördlichen Hemisphäre brauchen wir kein Wort mehr zu verlieren. Die grausame Realität steht in roten Lettern Tag für Tag an den Kurstafeln der Börsenplätze.
 
Wenn wir aber unseren Blick nach Süden richten, trübt sich die Stimmung noch weiter ein. Wir bekommen kein Zeichen einer versorgungsbilanziellen Kontraktion. Im Gegenteil, weitere Entspannungen kündigen sich an. Die Australier leiden zwar an der Ostküste unter den milden El Nino-Bedingungen, aber insgesamt erwartet man in Down Under eine gute bis sehr gute Weizenernte. Zum jetzigen Zeitpunkt ist diese Auffassung vollumfänglich gerechtfertigt.
 
Blicken wir nach Südamerika. Brasilien in der Vorjahressaison ein willkommener Exportmarkt für US-Weizen gewesen. Die Argentinier, die üblicherweise mit ihrer Ware die Versorgungslücken des großen Nachbarn stopfen, waren aus mehrerlei Gründen nur mit angezogener Handbremse unterwegs. Die USA konnten ihren Weizen Richtung Brasilien absetzen. In dieser Saison sind die Vorzeichen weniger freundlich. Zum einen schickt sich der Sambastaat an, eine wesentlich bessere Weizenernte im eigenen Land einzufahren und zum anderen haben die Gauchos ihre Fläche um 16,5% ausgedehnt, sodass man in dieser Saison deutlich mehr Ware zur Verfügung haben sollte (vorbehaltlich pflanzenbaulicher Katastrophen). Man könnte also auch mehr Ware nach Brasilien exportieren. Zum dritten stehen wir einer relativen Dollarstärke gegenüber, die es für Importeure schwieriger macht, aus den USA zu kaufen. Hierüber dürfte man sich in den US-Weizenfarmerkreisen gleichermaßen ärgern. Der relativ starke US-Dollar bremst also Geschäft aus und wirkt tendenziell preisbelastend an den us-amerikanischen Börsenplätzen.
 
An der Matif ging es ein bisschen bergab, und der November verlor 0,50 €/mto und settelte bei 161,50 €/mto. Die 160er Marke hat gehalten, nicht mehr und nicht weniger.

Mais in geduckter Haltung

Der Dezemberkontrakt verlor gestern 2 cts/bu und settelte bei 3,41 ¾ US$/bu. Die Firma Lanworth legte gestern ihre jüngsten Prognosen hinsichtlich der US-Ernte vor. Man nahm die neue US-Maisernte von 14,649 auf 14,564 Mrd. Scheffel zurück. Den durchschnittlichen Ertrag korrigierte man aber nach oben, von 173,7 auf 174,5 Scheffel/Acre. Die Rücknahme der Erntemenge war auf eine Flächenreduktion zurück zu führen. Die Erntefläche wurde seitens Lanworth von 84,328 auf 83,471 mio Acres.
 
Im gestrigen Börsentelegramm berichteten wir über die mangelnde Exportfähigkeit der USA und über falsche Hoffnungen in Bezug auf frostbedingte Ertragseinbrüche bei Mais. Wir wollen hier den Faden von gestern noch einmal neu aufnehmen und einen anderen Punkt hinzufügen, der tendenziell bullischen Charakter besitzt und inmitten der Bärigkeit nicht verloren gehen sollte. Der Konflikt in der Ukraine ist bei weitem nicht in einem Maße beigelegt, das uns berechtigen würde, sorglos in die Zukunft zu schauen.
 
Zwischen beiden ukrainischen Teilen kann es jederzeit zu Grenzziehungskonflikten kommen und in der Westukraine bekriegen sich verschiedene Lage rum die politische Vorherrschaft. Schließlich stehen alsbald Milliardensummen aus Brüssel in Aussicht, die es zu verteilen gilt und dabei denkt der brave Mann an sich selbst zuerst! Angesichts dieser Situation können sich die Chinesen nicht sicher sein, ihre Maislieferungen zu bekommen, die man sich im Zuge von Bartergeschäften über Jahre hinweg bezahlen lassen wollte. "Pacta sunt servanda" lautet ein politischer Grundsatz, dem jede Regierung Folge leisten sollte.
 
Aber in einem derartigen Tohuwabohu, in dem die Ukraine nun steckt, dürften solche Dinge wohl ganz hinten auf der Agenda stehen. Gegebenenfalls müssen sich die Chinesen nach einer alternativen Bezugsquelle umsehen, auch wenn ihre eigene Maisernte derzeit wohl einmal tatsächlich nicht schlecht ausgefallen ist. Wer suchet, der findet! Aber wo soll man fündig werden? Wahrscheinlich nicht in Argentinien, denn dort hat der Peso die Verkaufslaune der Landwirte nachhaltig zerstört. Blieben noch Brasilien, Südafrika… und die USA! Wer weiß, vielleicht hatte ja bereits das inkognito gebliebene US-Maisexportgeschäft aus der letzten Woche den heimlichen Bestimmungsort China?
 
Bei uns hat die Körnermaisernte begonnen und man erwartet seitens der „Experten“ bei der EU eine Produktionsmenge, die an die 70 mio to-Schwelle heranreichen kann. Das würde auch bei uns eine rekordhohe Maisernte bedeuten. Die Bedingungen waren angesichts des nassen Sommers sicherlich ideal für die Ertragsbildung, sodass die Einschätzung realistisch sein dürfte. Matif-November: 140,25.

Eurex: Kartoffel schläft wieder ein

Was für eine Schmach! Die Umsatztätigkeit der Veredelungskartoffel an der Eurex lebte am Dienstag kurz auf, um gleich danach wieder zusammenzubrechen. Gestern gab es nur äußerst müde 23 Kontrakte Handelsaktivität zu bestaunen. Der Preise wurde hierbei kaum in Bewegung gesetzt und schloss mit 6,80 €/dt auf Vortagesniveau (Apriltermin 2015). Der Kassamarkt harrt der Ernte und ist derzeit nicht willens, in irgendeiner Form voran zu marschieren.
 
Wir müssen uns also in Geduld üben und die Rodeergebnisse abwarten. Hier wird man einen neuen Impuls bekommen, der es einzupreisen gilt. Leider steht zu befürchten, dass der Impuls abwärts gerichtet sein wird.
 
Das Mastschwein konnte erneut einen Kontrakt Umsatz auf den vorderen Septembertermin verbuchen. Dieser fand bei 1,560 €/kg statt und lag damit unter Vortagesniveau.
 
Auch im weißen Sortiment lässt sich nicht sagen, dass sich die Ereignisse gestern überschlagen hätten. Lediglich die Butter war imstande, etwas Umsatz auf den vorderen Terminen aus der Taufe zu heben. Hierbei sind aber die Preise deutlich angestiegen.

Zuckerpreise leblos

Der Zuckerpreis, ja der Zuckerpreis, der ist auch so ein Sorgenkind im Agrarbereich. Auch hier fielen die Preise am Dienstag auf eine neues Vierjahrestief und ließ die letzten Bullen endgültig in Schockstarre zurück. In London legte der Dezember gestern im Rückschnapprallyemodus 2,10 US$/to zu und settelte bei 417,20 US$/to.

DAX im Plus

Man hat Bammel vor dem Referendum der Schotten. Die Schotten haben heute die Gelegenheit, ein klares Signal an den wild wuchernden Bürokratenzentralismus zu senden, das sich gewaschen hat. In Resteuropa herrscht helle Aufregung, weil die Menschen nicht nur angefangen haben, sich Gedanken um ihr Leben machen, sondern auch bereit sind, zur Tat zu schreiten. Man stellt sich die Frage, ob die totale Preisgabe des Subsidiaritätsprinzips zugunsten einer bevormundenden Bürokratenbande das richtige Lebensmodell darstellt.
 
Der britische Premierminister Cameron hat mit seinem Statement den Vogel abgeschlossen als er sagte, dass die Schotten im Falle eines Verbleibs im Vereinigten Königreich das Höchstmaß an Selbstbestimmung von London zugestanden bekämen. Mein lieber Herr Gesangsverein, äh Herr Premierminister, das Maximum an Selbstbestimmung kann es nur bei Abspaltung aus dem Königreich geben. Alles andere beisst sich mit den Mindestanforderungen der Logik. Allein dieses lächerliche Statement des Regierungschefs rechtfertigt die sofortige Loslösung von London! An der Börse fürchtet man natürlich das Auseinanderbrechen der Eintracht, von der man ja so prächtig leben kann, wenn man mit dem Solidaritätsprinzip zu Felde zieht und vom außerfinanzwirtschaftlichen Rest der Welt verlangt, die eingebrockte Suppe auszulöffeln. Am Ende müssen tatsächlich noch Banken für ihre eingegangen Geschäfte selbst geradestehen. Das ist gegenwärtig noch völlig undenkbar. Nicht zuletzt deshalb dürfte sich die EZB dazu entschieden haben, nun auch Papiere zweifelhafter Bonität in die Bilanzen zu nehmen, um den Bankensektor aus der Patsche zu helfen. Offiziell tarnt man die Sauerei als Stimulusprogramm und gibt dem ganzen noch einen sozialen Anstrich, indem man auf die Arbeitslosenquoten in Peripherieeuropa verweist. Da wage noch einer zu widersprechen!!!
 
Wenn sich doch jemand erfrecht, sich seines Verstandes zu bemühen und der menschlichen Vernunft die Ehre gibt, wird er umgehend als Europagegner abgekanzelt. Gott sei Dank stehen immer mehr Bürger gegen diesen Wahnsinn auf und weiten die separatistischen Tendenzen weit über die Grenzen Schottlands aus. Man erinnere sich an die Zeit der eisenharten Hartwährungspolitik zu D-Markzeiten.
 
Keine Bank der Welt hätte es gewagt, der Deutschen Bundesbank Wertpapiere zweifelhafter Qualität vorzulegen, um sich neues Geld zu beschaffen. Die Bundesbankpräsidenten hätten zum Knüppel gegriffen und den Geschäftsbanken diesen Teufel ganz schnell ausgetrieben. Aber diese Zeiten sind leider vorbei, und wir stehen nun gesamtschuldnerisch unter dem Diktat einer geldsozialistischen Weichwährungsgaunerbande.
 
Um 20:00 Uhr unserer Zeit war es dann soweit, die FED sprach: Die US-Wirtschaft wachse in moderatem Tempo, aber man würde den Zins noch für eine "beträchtliche Zeit" auf den gegenwärtigen Tiefs belassen. Der Dow Jones arbeitete sich daraufhin weiter nach oben vor. Der Dax hatte mit einem Plus von 28,57 Punkten und einem Indexstand von 9661,5 Zählern bereits geschlossen.
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