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Börsentelegramm

Agrarmärkte freundlich

von , am
05.08.2014

Weizenkörner in Nahaufnahme
Weizen konnte gestern an der CBoT 3,25 ct zulegen. © Gina Sanders/fotolia.com
Die globalen Agrarmärkte begannen die neue Handelswoche größtenteils mit grünen Vorzeichen. Am CBoT zogen Mais, Weizen und die Bohne an. Hier und da schimmerte mal ein mit roter Farbe angeschlagener Kurs durch, aber insgesamt war der Wochenauftakt freundlich.

Sojabohne: Altes Tief hält

Die Novemberbohne legte gestern 20 ½ cts/bu zu und settelte bei 10,80 US$/bu glatt. Am Freitag letzter Woche schlug die Bohne hart auf ihrem alten Tief bei 10,55 US$/bu auf und drohte durchzubrechen. Durch gestrige Zugewinne ist diese Gefahr vorerst abgewendet.
 
Der Markt konnte aufgrund von Exportnachrichten Stärke generieren. Zum einen lagen die wöchentlichen Exportinspektionen der USA bei knapp 40 tsd Tonnen und zum anderen konnten die USA im internationalen Geschäft zwei Verkäufe vermelden. Es wurden 110 tsd Tonnen Sojabohnen nach China und 102 tsd Tonnen Bohnen nach Taiwan verkauft. Beide Male handelte es sich um neuerntige Ware.
 
Was die Erträge der Sojabohne in den USA anbelangt, so ist die Kuh noch nicht vom Eis! Der August ist der ertragsbestimmende Monat, und wir brauchen auch in dieser Phase noch Regen, damit die Pflanze ihre Ertragskraft ausschöpfen kann. In der vegetativen Phase ist alles wie am Schnürchen gelaufen, nun steht die generative an. Es befindet sich zwar Regen in der Vorhersage, aber die Mengen lassen noch zu wünschen übrig. In den nächsten Wochen müssen und werden wir die Situation im Auge behalten. Nachbörslich bonitierte das USDA 71% aller US-Bohnenbestände mit gut bis exzellent. Das war unverändert zur Vorwoche.
 
Die französische Firma Tallage hat in ihrer jüngsten Einschätzung im Rahmen ihrer Strategie Grains die europäische Rapsernte auf 22,9 mio Tonnen geschätzt. Damit wurden noch einmal 400 tsd Tonnen auf die Vormonatsschätzung draufgepackt. Im letzten Jahr lag die europäische Rapsernte bei 21,1 mio Tonnen. Der Novembertermin blieb an der Matif mit 328,-€/mto unverändert.

Weizen: Exportphantasien provozieren Shortcovering

Der Septemberweizen legte gestern 10 ¼ cts/bu zu und settelte bei 5,44 ¾ US$/bu. Die Qualitätsprobleme in Europa haben einerseits der Schwarzmeerregion beim Weizenexport in die Karten gespielt, andererseits aber auch in den USA Exportphantasien ausgelöst. Die Amerikaner hoffen, sich bei der Versorgung Nordafrikas ein Scheibchen vom Kuchen abschneiden zu können. Diese Phantasie hat einige Shortisten dazu bewogen, Teile ihre Verkaufsengagements zurückzukaufen. Das zeigt die Entwicklung des Kontraktbestandes in Chicago deutlich an. Inwieweit sich hieraus eine Trendumkehr nach oben ergeben kann, müssen wir abwarten.
 
Gestern lagen die wöchentlichen Exportinspektionen der USA bei 351,5 tsd Tonnen. Das war ganz anständig und lässt Hoffungen auf mehr zu. 70% des US-Sommerweizens weiterhin gut bis exzellent. Das Moskauer Forschungsinstitut für Agrarmarktkonjunktur (IKAR) hat in seiner jüngsten Prognose die russische Weizenernte in 2014/15 nach oben korrigiert. Das Institut bezifferte die Weizenernte nun mit 58,5 mio Tonnen und legte damit 1 mio to auf die letzte Schätzung drauf.
 
Wir müssen schauen, was sich bei uns vor der Haustür tut. Die Weizenernte schreitet in dem Maße voran, wie es das Wetter zulässt. Man hört, dass sich die Situation im Norden und in Westfalen zum besseren entwickelt hätte. Die schlimmsten Befürchtungen hinsichtlich der Qualität haben sich nicht bestätigt. Im Gegenteil, man zeigte sich stellenweise positiv überrascht.
 
An der Matif legte der Novembertermin gestern 1,50 € zu und settelte bei 173,25 €/mto.

Mais: Schnäppchenjäger schlagen zu

Der Dezembermais am CBoT hat gestern 8 cts/bu zugelegt und bei 3,69 ½ US$/bu geschlossen. In den Marktkommentierungen wird von heute Morgen „Bargain Buying“ gesprochen, also von einer Art Schnäppchenjagd. Marktteilnehmer hätten den Preis als billig empfunden und eingekauft. Zu allererst sollte man diese „Billigpreiserklärung“ der diensthabenden Kommentatoren als für zu billig erklären und sich wenigstens ein paar tiefer gehende Gedanken gemacht haben. Einige Analysten proklamierten bereits letzte Woche, dass die US-Maierträge die kritische, ertragsbestimmende Phase beendet haben und infolge der guten Bedingungen kein Anlass zur Sorge mehr bestünde.
 
Es kursieren weiterhin viele private Schätzungen über die us-amerikanischen Maiserträge, die zwar variieren, aber eines gemeinsam haben. Sie liegen allesamt über der letzten Prognose des USDA´s! Fast alle Marktbeobachter rechnen damit, dass das USDA in seinem Augustreport seine Durchschnittserträge entsprechend anpassen wird. Daneben hat die Entscheidung Chinas, die Anforderungen bei DDG´s zu verändern, den Markt kräftig durchgeschüttelt. In den USA ist der Containerverkehr mit DDG´s in Richtung China zu einem abrupten Stillstand gekommen. Entsprechend schwach haben die Preise reagiert und belasten nun die Margensituation der Ethanolanlagen.
 
Die brasilianische Regierung hat entschieden den Maistransport vom Landesinnern an die Exporthäfen zu subventionieren. Für dieses Projekt sollen insgesamt 500 mio US$ bereitgestellt werden. Im Monat Juli haben die Brasilianer insgesamt „nur“ 592 tsd Tonnen Mais exportiert. Durch die getroffene Maßnahme sollte die Konkurrenzfähigkeit Brasiliens gegenüber den USA im internationalen Exportmarkt deutlich zunehmen. Es liegen alle Voraussetzungen vor, dass zwischen den USA und Brasilien ein Ringen um internationale Marktanteile beim Mais beginnt, das sich in Zukunft zusätzlich preisbelastend auswirkt.
 
Nachbörslich bonitierte das USDA 73% aller Maisbestände in den USA mit gut bis exzellent. Das waren 2% weniger als in der Vorwoche. Dennoch bleibt der Saatenstand in einem Zustand überragender Güte.
 
An der Matif schloss der Novembertermin bei 154,25 €/mto. Das war unverändert zum Freitag. Es stellt sich die Frage, ob die europäische Körnermaisernte den Druck auf die Futterweizenpreise später noch weiter anheizen wird oder nicht.

Eurex mit sehr armen Wochenauftakt

Nach der strammen Freitagssitzung machte sich zu Wochenbeginn wieder Ernüchterung breit. Die Veredelungskartoffel eröffnete stark im Minus und war nicht imstande, auf Schlusskursbasis die Marke von 8,- €/dt zu halten. Nach einem Verlust von 0,30 €/dt settelte der Apriltermin bei 7,90 €/dt. Der Gesamtumsatz betrug sehr magere 55 Kontrakte. Schwein, Ferkel und das weiße Sortiment blieben unangetastet.

Peru: Fangperiode verlängert

Die Peruaner haben die Fischfangsaison um 10 Tage bis zum 10. August verlängert. Die Fänge waren im Juli nicht sonderlich gut, sodass man die Fangperiode verlängerte. Ob das wirklich notwendig war, ist sehr fraglich, denn die Exporte sind zurückgegangen. Zudem sitzt man auf Beständen von mindestens 150 tsd Tonnen. China hat zuletzt seine Importe zurückgeschraubt. Die Fischmehlexporte Perus betrugen in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres 543 tsd Tonnen. Fast 60% davon fanden ihren Weg ins Reich der Mitte. Deutschland reihte sich mit knapp 13% ein, und die Japaner importierten 7% davon.
 
Die ersten fünf Plätze bestehen aus China, Deutschland, Japan, Chile und Vietnam. Diese Länder haben insgesamt 90% aller peruanischen Fischmehlexporte aufgenommen.

Zucker: ISO bestätigt ausgeglichene Bilanz

Die Internationale Zuckerorganisation (ISO) hat gestern ihre Einschätzung bestätigt, dass die globale Zuckerbilanz in 2014/15 ausgeglichen sei und erst im nächsten Zyklus mit einem Defizit gerechnet werden müsse. Eine derartige Einlassung deutete sich bereits durch die in den letzten Handelstagen unter Druck stehenden Preise an. Gestern machte der Markt Purzelbäume und schlug in beide Richtungen wild aus. Die plötzlichen Zugewinne verdampften recht schnell, und die Richtung des Tages etablierte sich südwärts. In New York war ein Schlusskurs von 16,29 cts/Pfund zu beobachten.

DAX verliert

Der DAX gab gestern weiter nach und verlor fast 56 Punkte. Schluss: 9154,14 Zähler.
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