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Börsentelegramm

Agrarmärkte mit freundlichem Wochenausklang

von , am
03.03.2014

Die Kartoffel notiert nach kurzer Reaktion wieder schwach. © Mühlhausen/landpixel
Nur wenige Märkte beendeten den Freitagshandel mit Abschlägen. Zucker und Baumwolle waren fast die einzigen Verlierer. Der Rest hüllte sich ins grüne Gewand. Am CBoT legten Bohne, Mais und Weizen zu. Ferner konnten die Fleischnotierungen und Kaffee anziehen. Rohöl bewegte sich seitwärts. Der DAX legte in Frankfurt 103,75 Punkte zu und schloss bei 9692,08.

Bohne: Safras gibt den Bullen Aufwind

Der Maitermin legte am Freitag 24 cts/bu zu und settelte bei 14,14 US$/bu. Nach dem enttäuschenden Schlusskurs vom Donnerstag konnte die Bohne am Freitag wieder hinzu gewinnen, um schwache Shorts im Markt abzufangen. Der Anlaß für die Zugewinne war die Abwärtskorrektur der brasilianischen Ernte durch Safras. Man verabschiedete sich von der 90 mio Tonnenmarke und setzte die Produktionsprognose auf 86,1 mio to herab.
 
Der staatlich- chinesische Agrarhändler COFCO stand laut Medienberichten kurz vor einem Abschluss der Verhandlungen über eine Mehrheitsbeteiligung(!) an Nidera, einem niederländischen Agrarhandelsunternehmen. Letzte Monat war im Wall Street Journal noch von einer Minderheitsbeteiligung die Rede. Offenkundig arbeiten die Chinesen daran, ihren Nahrungsmittelbedarf zukunftssicher zu machen. Durch eine Mehrheitsbeteiligung an Nidera würden die Chinesen praktisch einen direkten Zugang zu südamerikanischen Sojabohnen bekommen.
 
Das ist aus Sicht des Reichs der Mitte von überragender Bedeutung, denn mittlerweile ist man aufgrund der eigenen, fast bedeutungslos gewordenen Sojabohnenproduktion dazu gezwungen, über 80% seines Verbrauchs zu importieren. Mittlerweile hat COFCO offiziell bestätigt 51% von Nidera für 4 Mrd. US$ gekauft zu haben. In Paris verlor der alterntige Maitermin 2,25 € und schloss bei 394,75 €/mto.

Weizen gibt bullisches Lebenszeichen von sich

Am Donnerstag standen die Weizenpreise in Chicago derart heftig unter Druck, dass die 6,- US$/bu-Marke nicht mehr zu halten war. Am Freitag legte Maiweizen am CBoT 13 cts/bu zu und eroberte mit einem Schlusskurs von 6,02 ¼ die 6 US$-Marke zurück.
 
Aus charttechnischem Blickwinkel wäre ein Schlusskurs von über 6,20 US$/bu bedeutend, dem neu etablierten Hauptwiderstand der Aufwärtsbewegung. Die Exporte der USA konnten bislang nicht überzeugen und blieben hinter den Hoffnungen der US-Farmer zurück. Kein anderer Agrarpreis ist wohl sensibler und empfänglicher für die Entwicklung des US$s.
 
Die Währungskrisen in den Schwellenländern und die politischen Unruhen in der Ukraine haben den US$ jüngst gestützt, was das Exportpotential einschränkte. Allerdings krachte die US-Währung am Freitag in einer gewichteten Bewertung gegen einen Währungskorb von Außenhandelspartnern der USA (Dollarindex) auf ein neues Zweieinhalbmonatstief. Möglicherweise setzt diese Entwicklung US-Exportpotential frei. Wir werden sehen.
 
Ansonsten philosophierte man über die Schneedecke in den USA. Ist sie ausreichend, um den in Winterruhe befindlichen Weizen vor den kalten Temperaturen zu schützen? Auf eine einheitliche Meinung konnten sich die Diskutanten nicht einigen. In Paris büßte der vordere Märztermin 0,50 €/mto ein und settelte bei 201,25 €.

Mais bleibt Mais, wie er singt und lacht

Die Maisnotierungen im wunderschönen Monat Mai packten am Freitag 9 cts/bu drauf und settelten bei 4,63 ½ US$/bu. Der alterntige Mais hat damit den festesten Schlusskurs seit Oktober 2013 verzeichnen können. Safras nahm nicht nur die brasilianische Bohnenernte sondern auch die Maisernte zurück. Man sieht das Maisproduktionspotential Brasiliens nun bei 75,6 mio to, was ein Minus von 4,5 mio to.
 
Aber lassen wir die USA einmal hinter uns und wenden uns der Ukraine und China zu. In Summe haben die Chinesen nun von November 2013 bis Ende Februar 2014 insgesamt 887 tsd Tonnen Mais aufgrund nicht genehmigter Genstämme die Einfuhr verweigert. Teile hiervon wurden nach Südkorea umdestiniert, aber jüngste Verkäufe der USA fanden ohne Adressangabe statt.
 
Man darf sich die Frage vorlegen, ob nicht doch die Chinesen vielleicht wieder zugeschlagen haben, denn die politischen Turbulenzen in der Ukraine haben ein Ausmaß erreicht, das man als gefährlich einstufen muss. In russischen Medien wurde davon berichtet, dass die Chinesen auf Rückzahlungen aus einem 3 Mrd. US$ Kredit aus der Ukraine warten. Einer nicht näher genannten ukrainischen Quelle zufolge hätte China bereits offiziell angefragt, was man zukünftig zu erwarten habe.
 
Das Interessante an dem Kredit, der übrigens im Herbst 2012 vergeben wurde, ist der Umstand, dass er Teile der Rückzahlung in Naturalien vorsieht…nämlich in Mais! Die Chinesen wollen 3 mio Tonnen Mais pro Jahr sehen, haben aber mutmaßlich Probleme diese "einzutreiben". Derartige Kredite sind für China nicht ungewöhnlich, denn mit venezolanischen Öllieferungen verfuhr man fast ausschließlich nach diesem Modus. Als das Chavez-Regime Probleme mit der Lieferung hatte, war man schnell bei der Hand Expertenteams zu schicken, die die Produktionsanlagen optimierten.
 
Im Falle der Ukraine dürften sich angesichts der landesweiten sozialen Unruhen derartige Ansinnen aus sich selbst heraus verbieten. Ein Sprecher des chinesischen Außenministers spielte die Angelegenheit herunter, vergaß aber in seinem Statement nicht zu erwähnen, dass China "hoffe", die ukrainische Seite werde ihren Verpflichtungen nach kommen. Das hörte sich nicht sehr überzeugend an, und man muss annehmen, dass sich die Chinesen ernsthafte Sorgen um die ukrainischen Lieferungen machen.
 
Es mag angesichts der derzeitigen Unruhen im Land aus Gläubigersicht unklug erscheinen, zusätzliches Öl in dieses Feuer zu gießen, indem man Kredite einfordert. Andererseits, wer sollte widersprechen? In Verfolgung ihrer eigenen Interessen stünden die Russen den Chinesen wohl kaum im Weg. Im Gegenteil, zusätzlicher Ärger an anderen "ukrainischen Fronten" käme den Russen gerade recht. An der Pariser Matif verlor der Junitermin 1,- € und settelte bei 177,- €.

Kartoffel bleibt umsatzarm

An der Eurex sackte das Handelsvolumen in der Kartoffel jäh auf nur 75 Kontrakte ab. Der Preis legte allerdings zu und brachte es im Apriltermin nach einem Tagesgewinn von 0,30 €/dt auf einen Schlusskurs von 13,30 €/mto.
 
Erfreulicherweise gaben die Mastschweinnotierungen umsatzmäßige Grunzlaute von sich und verbuchten gleich in den ersten drei Handelsmonaten Besitzwechsel. Insgesamt wurden 5 lots hin und her geschoben. Die Preise waren allerdings abschlägig; der vordere Märztermin 2014 verlor 0,057 €/kg und schloss bei nicht ausgemästeten 1,420. Bei dem Preis ist kein Butzchen profitabel fett zu machen. Ferkel und Milchprodukte schlossen sich den Schweineumsätzen nicht an; leider!

Zucker mit gemischten Signalen

Aufgrund der sehr trockenen Bedingungen in Brasilien (größter Produzent und Exporteur) konnten sich die Zuckernotierungen von ihren Tiefs Ende Januar erholen. Mittlerweile ist aus der Erholung ein echter substanzieller Aufwärtsschwung geworden, der sogar seine 200-Tagelinie zurückerobern konnte.
 
Letzte Woche Freitag gab es aber einen ernst zu nehmenden Kursdämpfer, denn die Notierungen sackten weltweit ab. An der Londoner Börse verlor der Weißzuckerkontrakt im Maitermin 7,20 US$/to und schloss bei 476,30 US$/Tonne.
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