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Börsentelegramm

Agrarmärkte mit freundlicher Tendenz

von , am
05.02.2014

Der Fronttermin der Sojabohne konnte am gestrigen Handelstag ein Plus von 9,75 Cent je Bushel verzeichnen. © Mühlhausen/landpixel
Am CBoT konnten Bohne, Mais und Weizen weitere Zugewinne verzeichnen, wenngleich dem Handel der Charakter einer Konsolidierung anhaftete. Bis auf Zucker waren fast alle Agrarwaren in der gleichen Stimmung und zogen an. Die 5 % Zugewinn beim Kaffee stachen zum wiederholten Male hervor. Rohöl zog ebenfalls leicht an; die Finanzmärkte gebärdeten sich indifferent.

Bohne leicht im Plus

Die Märzbohne legte gestern 3 cts/bu zu und settelte bei 13,16 ¼ US$/bu. "Ambivalent" ist wohl das Wort, das man heranziehen sollte, um die gegenwärtige Situation in der Sojabohne zu beschreiben. Der Markt tritt einem nicht als klar erkennbarer Bulle oder Bär entgegen, sondern man hat ein Gewirr vor sich, dessen Gestalt nur schwer zu erkennen ist.
 
Einerseits erntet man im Norden des Landes exzellente Erträge, andererseits hat der Süden zu wenige Niederschläge bekommen, um außerhalb aller Sorgen rangieren zu können. In Argentinien war es vor einigen Wochen noch zu trocken, dann setzte aber rechtzeitig Regen ein, der schließlich so üppig geworden ist, dass manch Beobachter bereits damit beginnt, von Überflutungsgefahr zu sprechen. Cargill schließt in North Carolina Verarbeitungsanlagen für die Bohne mit der Begründung mangelnder Schrotnachfrage. Drei Tage später jagt der Schrotmarkt am CBoT durch die Decke und verzeichnet neue Hochs auf Schlusskursbasis. Was soll man nun von dem ganzen Hin und Her halten?
 
Die anziehenden Sojaschrotpreise an der Börse lassen sich dadurch rechtfertigen, dass der argentinische Farmer aufgrund seiner währungsbedingten Abgabeunwilligkeit nicht ausreichend Warenfluss zur Verfügung stellt, der es den Verarbeitern vor Ort erlauben würde, marktadäquate Mengen Sojaschrot zur Verfügung zu stellen. Die Nachfrage richtet sich also verstärkt auf die USA, und hier ziehen die Preise an. Die Bohne kann hierdurch mittelbar profitieren, bleibt aber charttechnisch klar schwächer auf den Beinen als ihr stärkstes Produkt. In der Gesamtschau der Dinge lässt sich momentan aber einfach keine scharfe Trennungslinie in der Argumentation der beiden Marktlager ziehen, da beide Seiten nicht ohne Berechtigung die gleichen Argumente für sich nutzbar machen, ohne dass es möglich wäre, sie als subjektiven Firlefanz zu entlarven und sie mit der nötigen Eindeutigkeit in den einen oder den anderen Topf zu sortieren. Seltsam, sehr seltsam!
 
Da die Rapsversorgungsbilanzen als auskömmlich gelten müssen, wenngleich man bei schärferem Hinsehen die örtlichen Ungleichheiten erkennt, ist der Ratschlag an die Landwirtschaft, unter derartigen Bedingungen, Rallyes im Matif-Raps, wie wir sie dieser Tage sehen, unter Berücksichtigung einer scharfsichtigen Trendanalyse zu verkaufen nicht unvernünftig. Gestern setzte unser Raps noch eins drauf und schloss nach einem Zugewinn von 3,50 €/mto im Maitermin bei 375,- € glatt.

Weizen fester

Märzweizen stieg gestern am CBoT 3 cts/bu an und schloss bei 5,87 ½ US$/bu. Beim Weizen herrscht ähnliche Uneinigkeit über die Bewertung der vorliegenden Lage wie bei der Bohne. Die einen sehen die Schneedecke in den US-Winterweizenregionen (Hauptanbauzonen) als allemal ausreichend an, um keine signifikanten Auswinterungen befürchten zu müssen. Andere bewerten das anders und weisen zusätzlich auf zu trockene Bedingungen hin. Beide Einschätzungen haben ihre Daseinsberechtigung, aber das USDA hat mit seinen jüngsten Bestandsbonitierungen das Pendel zugunsten der Skeptiker ausschlagen lassen. Shortcovering am CBoT war die Folge.
 
Dennoch darf man sicherlich eines festhalten, nämlich dass wenn die Bedingungen in den USA nicht schlechter werden und wir im zeitigen Frühjahr Niederschläge bekommen sollten, der Weizen das derzeit wahrgenommene Entwicklungsdefizit wird aufholen können. Daran besteht aus pflanzenbaulicher Sicht kein Zweifel! Allerdings ist diese Einschätzung an eine Bedingung geknüpft, nämlich an eine freundliche Entwicklung ausgangs des Winters, und die kann niemand mit Sicherheit vorhersagen.
 
An der Matif gab es gestern einen beidseitigen Handel an dessen Ende im Märztermin ein Verlust von 0,25 €/to stand. Der Schlusskurs lag im genannten Termin bei 194,- €/mto glatt. Bei der Marke von 195,- hatten die Verkäufer ihre Batterien in Stellung gebracht und feuerten ihre Verkaufaufträge wie aus einer Stalinorgel in den Markt. An einen bullischen Ausbruch über diese Marke hinaus war angesichts der Heftigkeit der Verkäufer nicht zu denken.

Mais stabil

Märzmais am CBoT schaffte gestern ein mageres Plus von 1 ½ cts/bu und schloss bei 4,43 ¼ US$/bu Die Maisnotierungen am CBoT ringen im Märztermin mit der Marke von 4,40 US$/Scheffel, welche eine hohe charttechnische Signifikanz besitzt. Zuletzt konnte diese Marke am 11. November 2013 übersprungen werden, wenn auch nur für kurze Zeit. Danach war es dem Maismarkt nicht mehr möglich, soviel Aufwärtskraft zu sammeln, um die Marke erneut ins Visier zu nehmen. Zumindest bis zur laufenden Woche, denn am Dienstag schloss der Markt über diesem Widerstand. Die USA meldeten gestern den Verkauf von 186 tsd Tonnen Mais aus der laufenden Kampagne und 50,8 tsd Tonnen aus der neuen Kampagne 2014/15 an eine nicht näher genannte Destination. Beides ist als Routinegeschäft einzustufen. An der Matif legte der Märzmais 0,25 €/to zu und settelte bei 174,25 €/mto.

Kartoffel schuppelt weiter talwärts

Die Kartoffel startete gestern ihren Handelstag mit einem kleinen Kurshüpfer zu Beginn der Handelssitzung, kam aber hiernach gleich wieder unter Verkaufdruck, der schließlich so stark wurde, dass neue Tiefs gemacht wurden. Bei einem Gesamtmarktumsatz von 188 Kontrakten gab der Apriltermin 2014 0,20 €/dt nach und schloss bei 12,60 €/dt. Im Mastschweinebereich wurden sechs Kontrakte auf verschiedenen Terminen bei nahezu unverändertem Preisniveau umgesetzt. Auch das Ferkel durfte sich gestern über Umsatz freuen, denn es wurde auf drei verschiedenen Terminen viermal gehandelt. Anders als beim Mastschwein war jedoch die Preistendenz klar abwärts gerichtet. Das Märzferkel stach mit einem Verlust von 3,50 €/Stck. hervor und settelte bei erzeugerunfreundlichen 54,- €/Stck. Milchprodukte blieben leider ungehandelt.

Zucker profitiert von heißem Wetter in Brasilien

Die Zuckernotierungen finden Unterstützung im heißen Wetter in Brasilien. Im Januar registrierte man die heißesten Durchschnittstemperaturen für diesen Zeitraum seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Für die Bohne in ihren Anbaugebieten ist diese Entwicklung bislang verschmerzbar gewesen, aber das Zuckerrohr im Zentrum Brasiliens, sowie der Kaffee wurden wohl pflanzenbaulich in Mitleidenschaft gezogen. An der Börse kam es zu entsprechender Risikoreduzierung in Form von Shortcovering, das die Kurse partiell angehoben hatte.
 
Die Inder frohlocken ob der Situation und haben ihre angekündigten Zuckerexporte zeitlich nach hinten verschoben. Offenbar plant man auf dem indischen Subkontinent, sich die Situation zu eigen zu machen, um etwas höhere Preise auf dem Weltmarkt erzielen zu können. Dennoch bleibt der Markt im Gesamtbild aufgrund des Versorgungsüberschusses tendenziell klar bärisch.
 
Da die Bedingungen in Brasilien in den betroffenen Gebieten während der nächsten 10 Tage weiterhin landwirtschaftlich unvorteilhaft bleiben sollen, kann es jedoch zu weiterer Risikoreduzierung in Form von Shortcovering an den Börsen kommen. Hieraus würden sich gute Vermarktungsgelegenheit für Erzeuger ergeben. An der Londoner Börse schaffte der Weißzuckerkontrakt im Märztermin ein Plus von 4,40 US$/Tonne und schloss bei 439,60 US$/to

Dax zeigt Stabilisierungstendenzen

Auf dem Frankfurter Parkett bewegte sich der Index unserer Aktien grob seitwärts. Zwar wies er eine leicht negative Schlagseite auf, aber Stabilisierungstendenzen waren im Vorfeld der Bekanntgabe von US-Wirtschaftsdaten klar erkennbar. Am Ende stand ein kleines Minus von unbedeutenden 11,59 Punkten, und der Index schloss mit 9116,32 Zählern.
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