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Börsentelegramm

Agrarmärkte in frühlingsgrün

von , am
18.12.2014

Viele Agrarrohstoffe hüllten sich gestern ins grüne Gewand und legten teils kräftig zu.

© Gina Sanders/fotolia.de
 
Viele Agrarrohstoffe hüllten sich gestern ins grüne Gewand und legten teils kräftig zu. Die Spitzenreiterposition wurde vom Weizen eingenommen. Hier überschlugen sich noch nach Börsenschluss die Nachrichten über Russland. Am CBOT schlossen sich der Mais und die Bohne den äußerst freundlichen Vorgaben des Weizens an. Mais konnte darüber hinaus von der Lockerung chinesischer Importbeschränkungen profitieren.
 
Sojabohne: Unterstützung hält
Die Januarbohne schaffte gestern ein Miniplus von 2 ½ cts/bu und settelte bei 10, 26 US$/bu glatt. Die Bohne handelte streckenweise deutlich im Minus und tanzte auf ihrem 50-Tage-EMA (grüne Linie im Chart unten). Diese Unterstützung hat aber auf Schlusskursbasis gehalten und musste nicht an die Bären abgetreten werden. Im Sojamarkt gab es gestern fundamental nichts Neues zu berichten. Allenfalls ist die Tatsache erwähnenswert, dass die Chinesen zwei weitere GMO-Sojabohnensorten für den Export ins Reich der Mitte erlaubt haben.
 
Dass sich die Chinesen bei der Bohne aber nicht so zimperlich anstellen, wenn es um Genmodifikationen geht, ist nichts Neues. Wollten sie tatsächlich den Weg der konventionellen Sorten gehen, könnten sie ihren Agrarsektor sofort dicht machen. Aus dieser Richtung droht überhaupt keine Gefahr. Es gab gestern noch einen wichtigen Nebenkriegsschauplatz, den es zu erwähnen gilt, denn im Rohölmarkt kam es nach den brutalen Verlusten der Vorwochen zu einer Erholungsrallye, die sich zeitweise auf 5% aufblähte.
 
Die Zugewinne konnten aber in dieser Höhe nicht gehalten werden. Drei Viertel der Rallye am Handelsende wieder dahin geschmolzen. Pakistan kaufte gestern 40 tsd Tonnen Sojaschrot argentinischer Herkunft. Direkt nach Meldung des Geschäftsabschlusses philosophierte der Markt aber über eine größere Menge. Man vermutete, dass die Pakistani nur einen Teil ihrer Kaufaktivitäten gemeldet haben. Matifraps konnte leicht ansteigen. Der Februar legte 0,75 € drauf und schloss bei 344,75 €/mto.
 
Weizen jagt nach Norden
Der Märztermin am CBoT legte gestern 25 ¼ cts/bu zu und settelte bei 6,48 ½ US$/bu. Nachdem sich die 200-Tagelinie als Unterstützung erwiesen und den Notierungen den Durchbruch verweigert hatte, entfesselte sich zum späteren Zeitpunkt starker Kaufdruck. Die Fonds kauften in der Hitze des Gefechtes über 12 tsd Kontrakte und lieferten damit am CBoT die nötige monetäre Schubkraft, um den beschriebenen Zugewinn zu verzeichnen. Der Grund für die plötzliche Rallye lag in unklaren Meldungen aus Russland. Die Nachrichtenagenturen änderten ihre bisherige Berichterstattung und wurden inhaltlich unkonkreter.
 
Zuerst wurde berichtet, dass neben Ägypten, der Türkei und Armenien auch noch Indien Weizen aus Russland beziehen könne. Nach einem Treffen des russischen Vizeministerpräsidenten Arkadi Wladimirowitsch Dworkowitsch mit der Getreidewirtschaft hieß es, dass Russland sämtliche informellen Instrumente zur Anwendung bringen werde, um die Weizenexporte zu verringern. Plötzlich war überhaupt nicht mehr klar, ob dies grundsätzlich für alle Länder gilt oder ob die zuvor genannten Ausnahmenländer auch wirklich von den Maßnahmen ausgenommen bleiben. Diese Unklarheit wirkte wie eine Sprengladung für den Weizenpreis.
 
Die Ägypter reagierten auf die Entwicklungen in Russland und zeigten sich zuversichtlich, dass die Russen ihren Verpflichtungen nachkommen. Man erwartet am Nil nicht, dass die Russen als Bezugsquelle ausfallen werden und man sich deshalb nach einer anderen Bezugsquelle umschauen muss. Demzufolge bleibt die Herkunft „Russland“ Bestandteil zukünftiger Ausschreibungsverfahren. So ließ sich zumindest die staatliche Rohstoffbeschaffungsbehörde zur Thematik ein. Die Algerier bezifferten ihre Weizenimporte im Zeitraum von Januar bis Oktober 2014 mit insgesamt 6,27 mio Tonnen. Das sind fast 1 mio Tonnen mehr als im man im Vergleichszeitraum des Vorjahres eingeführt hatte. Damals beliefen sich die Importe auf 5,33 mio Tonnen.
 
Im benachbarten Tunesien machte man sich ebenfalls Gedanken über Weizen und legte einen Einkaufstender über 42 mio Tonnen Mahlweizen auf. Details wurden über das übliche Maß hinaus nicht bekannt gegeben. An der Matif gab es angesichts der Entwicklung auch nur noch eine Richtung. Der Märztermin attackierte die 200,- €-Marke, schloss mit 199,75 € jedoch knapp darunter. Immer noch ein Plus von 4,- €.
 
Mais fest
Der Märzmais am CBoT schaffte gestern ein Plus von 2 ¼ cts/bu und schloss bei 4,08 ¼ US$/bu. Die eskalierenden Zugewinne beim Weizen verhinderten, dass der Mais ins Minus gedrückt werden konnte. Die Nachricht, dass die Chinesen zwei weitere GMO-Sojasorten für Geschäfte ins Reich der Mitte zugelassen haben, nährte die Hoffung, dass ähnliche Schritte auch für den umstrittenen Genstamm MIR 162 beim Mais unternommen werden.
 
Mit Agrisure Viptera hat man aber auch eine weitere Maissorte erlaubt. Die rekordhohe Ethanolproduktion von 990 tsd Fass/Tag in der vorangegangenen Woche half ebenfalls, die Maispreise zu stützen. Die Südkoreaner hatte gestern wohl teilweise der Mut verlassen. Man startete mit Einkaufsambitionen in Höhe von 280 tsd Tonnen Mais. Schließlich buchte man aber nur vergleichsweise geringe 126 tsd Tonnen. Die Herkunft wurde mit optional angegeben und lässt sich demzufolge zum jetzigen Zeitpunkt keinem Exporteur fest zurechnen.
 
Neben den 42 tsd to Weizen meldeten die Tunesier Bedarf für weitere 25 tsd Tonnen Gerste an. Die Bedingungen bewegten sich im marktüblichen Rahmen und stellten keine Besonderheit dar. An der Matif schnupperte der Junimais erneut an der Marke von 170,- €. Allerdings war man zum zweiten Male hintereinander nicht in der Lage, den Deckel bei diesem Preis wegzusprengen. Einen Euro höher liegt übrigens die 200-Tagelinie, die üblicherweise als heftiger Widerstand wirkt und nicht leicht zu überspringen ist. Im neuerntigen November ist dieses Kunststück bereits Anfang Dezember gelungen. Damals sprang man mit einem Satz über die Marke von 173,- € und kann sich seitdem über dieser Marke (200-Tagelinie) halten.
 
Zucker: Inder steigern Produktion
Die indische Zuckerindustrie hat bislang im neuen Zuckerwirtschaftsjahr 4,2 mio Tonnen der süßen Kristalle produziert. Um genau zu sein im Zeitraum vom 1. Oktober bis zum 15. Dezember 2015. Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein fast sensationeller Sprung um 47% nach oben. Der Grund ist in den gesteigerten Verarbeitungskapazitäten für das Zuckerrohr zu suchen. Im Vorjahr hatte man noch weit weniger Verarbeitungskapazität am Netz und dementsprechend niedrigere Produktionszahlen.
 
Der indische Zuckermühlenverband (ISMA) sieht die Produktion des Landes für die laufende Kampagne bei insgesamt 25,0 – 25,5 mio to. Im letzten Zyklus hatte man einen Gesamtausstoß von 24,4 mio to gemeldet. Die zu erwartende Mehrproduktion der laufenden Kampagne ist auch nicht dazu geeignet, die Überschüsse auf dem Weltmarkt abzubauen. Es nimmt also insgesamt nicht wunder, dass der Zuckerpreis in New York jüngst unter die Marke von 15 cts/Pfund gefallen ist. Gestern hielt die Schwächeneigung weiter an, obwohl man zeitweise im Plus handelte. Der Schlusskurs von 14,72 cts/Pfund lässt vorerst keine Hoffung auf eine schnelle Kehrtwende zu.
 
Eurex-Kartoffel: Ein Quell steten Leids
Auch zur Wochenmitte erwiesen sich die Veredelungskartoffelpreise unfähig, etwas Substanzielles zu leisten. Man konnte nur magere 53 Kontrakte Umsatz vorweisen. Der Apriltermin schaffte 21 Kontrakte und schloss bei 4,80 €/dt. Damit rührte sich der Preis nicht vom Fleck. Im Schweinebereich gab es mit fünf Kontrakten geradezu sensationellen Umsatz. Allerdings entfielen diese auf den vorderen Dezember, der gestern seinen letzten Handelstag hatte. Bei 1,300 €/kg wechselten diese ihren Besitzer. Das war ein kaum erwähnenswertes Minus.
 
Robert Theis
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