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Börsentelegramm

Agrarmärkte mit fulminantem Wochenauftakt

von , am
07.10.2014

Zum Wochenauftakt fanden die Chicagoer Notierungen Festigkeit in der ungünstigen Witterung im Mittleren Westen der USA. Niederschläge und Sturmtiefs haben vielerorts das Voranschreiten der Ernte unmöglich gemacht.

Die Agrarmärkte starteten mit fulminantem Auftakt in die neue Woche. Die Chicagoer Notierungen sind fester. © Jäger
Die Ernteverzögerungen veranlassten einige Marktteilnehmer, die Kaufseite einzunehmen, sodass die Preise stiegen. In der Bohne verselbstständigte sich die Aufwärtsbewegung aus charttechnischen Gründen, sodass der Zugewinn ständig anschwoll. Neben den Chicagoer Getreide- und Ölsaatennotierungen trug sich auch der Zucker in die Gewinnerliste ein. Hier lag der Zugewinn bei etwa 2%.

Sojabohne witterungsbedingt ernteverzögert

Die Novemberbohne legte gestern 30 cts/bu zu und settelte bei 9,42 ¼ US$/bu. Wie bereits gesagt, die Ernteverzögerungen im Mittleren Westen haben die Bohne gestern in die Höhe gehoben. In dieser Woche soll das Wetter nicht eben besser sein, sodass weitere Verzögerungen befürchtet werden müssen. Daneben gab es gestern ganz anständige Exportzahlen aus den USA zu vernehmen. Die wöchentlichen Exportinspektionen lagen mit knapp 975 tsd Tonnen deutlich über den Erwartungen und verhalfen den Bullen dazu, den Tag zu bestimmen.
 
Als wichtige gleitende Durchschnitte nach oben durchstoßen wurden, brach eine kleine Shortcoveringwelle los, die schließlich mit Zugewinnen von 30 cts/bu an der Schlussglocke aufbrandete. Nachbörslich legte das USDA die Crop Ratings vor und bonitierte 73% aller US-Bohnenbestände mit gut bis exzellent. Das war ein Plus von 1% zur Vorwoche. Die Ernte ist zu 20% eingefahren. Hier hatte der Markt mit einem Wert von mindestens 23% gerechnet. Die Firma FC Stone hat bereits letzte Woche ihre Prognosen hinsichtlich der US-Produktion von Sojabohne und Mais überarbeitet.
 
Bei der Bohne nahm man die US-Ernte 2014 auf 4,066 Mrd. Scheffel nach oben, das sind 110,66 mio Tonnen. Zuvor hatte FC Stone die Ernte mit 4,0 Mrd. Scheffel veranschlagt gehabt. Der Durchschnittsertrag, den man seiner Prognose zugrunde legte, stieg von 47,6 auf 48,4 Scheffel/Acre an. Angesichts des nahezu perfekten Kampagnenverlaufs dürften sich derart positive Schätzungen tatsächlich sehr nahe an der Wirklichkeit befinden, sodass und hier nur die Wiederholung einer althergebrachten Marktweisheit bleibt: Große Ernten werden größer und kleine Ernten werden kleiner. In diesem Falle wird eine große Ernte immer größer. Das bestätigte auch die Firma Informa Economics, die ihre Einschätzung ebenfalls anpasste.
 
Die us-amerikanische Bohnenernte sieht man im Hause IE bei 4,017 Mrd. Scheffel bei einem Durchschnittsertrag von 48,5 bu/Acre (zuletzt schätzte man 3,857 Mrd. bu bei 46,5 bu/acre).
 
Die Rapspreise sind seit drei Tagen im kräftigen Aufwind. Am Freitag vergangener Woche hat die kanadische Statistikbehörde die neue Ernte 2014/15 mit 14,08 mio to ausgewiesen. Das lag etwa eine halbe Million Tonnen unter den Erwartungen des Marktes und mehr als 29% unterhalb der absoluten Rekordkampagne des Vorjahres. Hieraus konnten die Rapspreise in Winnipeg Honig saugen und entsprechend ansteigen. Im Schlepptau wurde die Rapssaat an der Matif mit nach oben gezogen. Die erstaunlich stabilen Pflanzenölpreise machen die Kalkulation für die Ölmühlen möglich, sodass trotz steigender Matif weiterhin stabile Prämien gezahlt werden. Ohne auskömmliche Margensituation wäre diese Entwicklung nahezu undenkbar.
 
Die Firma Tallage schätzte in ihrem jüngsten Strategie Grains-Bericht die neue Rapsfläche bei uns in Europa auf 6,5 mio Hektar. Das sind im Vorjahresvergleich 200 tsd Hektar weniger. Von den Bohnengewinnen angestachelt gab es für unseren Raps an der Matif gestern nur eine Richtung: nach oben. Am Ende einer sehr strammen Handelssitzung stand ein dickes Plus von 6,25 €, und der Novembertermin settelte bei 331,25 €/mto.
 
Weizen profitiert von guten Exporten
 
Der Dezemberkontrakt am CBoT legte gestern 5 ¾ cts/bu zu und settelte bei 4,91 ½ US$/bu. Die USA konnten zu Wochenauftakt mit recht guten Exportinspektionen aufwarten. Diese lagen mit 650 tsd Tonnen über dem oberen Ende der Markterwartung von maximal 600 tsd to. Die Hauptursache für die Weizenrallye dürften aber die benachbarten Zugewinne im Mais gewesen sein, der für eine grundsätzlich positive Stimmung gesorgt hatte.
 
Nachbörslich kam das USDA mit seinem wöchentlichen Zustandsbericht heraus. Beim Sommerweizen ist die US-Ernte mit 96% so gut wie abgeschlossen, und die Winterweizenaussaat ist zu 56% vorangetrieben. Man hatte im Vorfeld mit einem Prozent mehr Aussaatfortschritt gerechnet. Die kanadische Statistikbehörde hat am vergangenen Freitag ihre Einschätzung hinsichtlich der Weizenernte in 2014/15 verbessert. Man bezifferte die Gesamtweizenernte des Landes auf Für die Schwarzmeerregion lagen neue Einschätzungen hinsichtlich des Aussaatfortschrittes beim Wintergetreide vor. Demnach soll die neue Aussaat in Russland bereits auf 12,6 mio Hektar abgeschlossen sein. Im vergangenen Jahr hatte man zum jetzigen Zeitpunkt erst 8,2 mio ha eingesät. Insgesamt erwartet man eine neue Wintergetreidefläche für Russland von 16,5 mio ha. Im letzten Jahr lag diese bei 14,7 mio ha.
 
Für die Ukraine sieht man eine Winterweizenfläche von 6,2 mio ha vorher. Das läge 100 tsd ha über derjenigen des letzen Jahres. Hier sollen zum gegenwärtigen Zeitpunkt 4,6 mio Hektar eingesät sein. Insgesamt bleibt also festzuhalten, dass die Aussaat der neuen Wintergetreidekampagnen in Russland und in der Ukraine sehr gut im Rennen liegen und es zum jetzigen Zeitpunkt kein Grund zur Sorge gibt.
 
Im internationalen Markt gab es einige Dinge zu beobachten, die man wiedergeben sollte. Thailand kaufte 120 tsd Tonnen aus der Schwarzmeerregion, der Oman buchte 60 tsd Tonnen Weizen aus Deutschland und die Chinesen kauften 20 tsd Tonnen aus Kasachstan. Bezüglich Kasachstan traten aber noch wesentlich wichtigere Entwicklungen zutage, denn offenbar befinden sich die Kasachen in Verhandlungen mit den Chinesen über 2 – 3 mio Tonnen Weizen, die über die nächsten drei Jahre hinweg geliefert werden sollen. Diese langfristigen Geschäfte der Chinesen zeigen, wie schwach sie im Kern aufgestellt sind, was die Nahrungsmittelversorgung anbelangt. Im Reich der Mitte weiß man sehr genau, wie schnell sich die Agrarbilanzen wieder verknappen können und trägt entsprechende Vorsorge.
 
An der Matif setzte sich die Festigkeit weiter fort. Infolge der preislichen Exportkonkurrenzfähigkeit zur Schwarzmeerregion, haben wir nun einen Zustand erreicht, in dem wir die Bereitschaft haben, sofort auf äußere Aufwärtssignale zu reagieren. Der November schaffte ein Plus von 1,75 € und settelte bei 160,25 €/mto.
 
Mais im Plus
 
Der Dezembertermin legte gestern 9 ¼ cts/bu zu und settelte bei 3,32 ½ US$/bu. Die Gründe, die den Mais ins Plus hievten, sind identisch mit denen, die der Bohne gestern Flügel verliehen. Die Ernteverzögerungen, charttechnisch motiviertes Shortcovering und Exportinspektionen über den Erwartungen brachten das Plus zustande. Damit hat die Sache hier ein Ende. Nachbörslich bonitierte das USDA 74% aller US-Maisbestände mit gut bis exzellent. Das war unverändert zur Vorwoche. 17% sind bereits geerntet, aber man hatte hier mit 20% gerechnet.
 
Beim Mais machte die Überarbeitung der hausinternen Schätzung von FC Stone noch mehr aus als bei der Bohne. Man veranschlagte die US-Maisernte 2014 nunmehr mit 14,958 Mrd. Scheffel. Das entspricht knapp 380 mio Tonnen. Zuvor hatte man die Ernte in den USA noch mit 14,595 Mrd. Scheffel auf dem Zettel stehen. Der Durchschnittsertrag wurde von 174,1 auf satte 178,4 Scheffel/Acre angehoben. Mit diesen Schätzwerten nähern wir uns tatsächlich der magischen Marke von 180 Scheffel/Acre Durchschnittsertrag. Wer hätte das noch vor drei Monaten gedacht?
 
Ein Durchschnittsertrag in dieser Höhe wäre geradezu sensationell und macht allemal erklärlich, warum die Maispreise in den letzten Monaten einen derart schlimmen Absturz hinnehmen mussten. Wenn das USDA in ähnlicher Manier diese Woche nachziehen sollte, steht tatsächlich die Marke von 3,- US$/bu auf dem Prüfstand. Informa Economics passte seine Zahlen ebenfalls an und veranschlagte die US-Maisernte mit 14,395 Mrd. Scheffel. Der Durchschnittsertrag wurde mit 176,4 bu/acre ausgewiesen. Zuvor hatte Informa die Maisernte in den USA mit nur 14,024 Mrd. bu bei 171,8 bu/acre ausgewiesen). Vereinzelt werden sogar Ertragsniveaus aus dem Mittleren Westen gemeldet, die jede bekannte Skala sprengen und Werte darstellen, die seit Menschengedenken noch niemals vom Acker geholt wurden.
 
Aus Frankreich meldete sich das Agrarministerium zu Wort und bezifferte die Körnermaisernte des Landes in 2014 auf 16,3 mio Tonnen, also 300 tsd to mehr als noch in der vorangegangenen Prognose. Die diesjährige Gerstenernte der Gallier wurde von 11,6 auf 11,75 mio to nach oben revidiert. Im Vergleich zum Vorjahr sind das fast 14% mehr gewesen. An der Matif sah die Entwicklung ganz ähnlich aus, auch hier gab es Zugewinne zu bestaunen. Der Novembertermin schaffe ein Plus von 2,50 €/mto und schloss bei 144,- € glatt.
 
Eurex: Kartoffel legt zu
 
Zu Wochenauftakt waren die Kartoffelumsätze mit nur 67 Kontrakten sehr verhalten. Das Preisniveau stieg beim zurückhaltenden Handel aber etwas an. Der Apriltermin 2014 schaffte ein Plus von 0,20 €/dt und schloss bei 6,40 €/dt. Insgesamt betrachtet darf man aber behaupten, dass das Preisniveau unverändert geblieben ist. Man scheint es sich auf gegenwärtigen Niveaus in stabiler Seitenlage bequem gemacht zu haben. Vom Kassamarkt kamen keine Impulse; hier herrscht ungebrochen Sauregurkenstimmung vor. Schwein und Ferkel blieben zu Wochenauftakt unangetastet. Im weißen Sortiment sah es ähnlich mau aus. Nur der Butterkontrakt und das Molkenpulver schafften etwas Umsatz.
 
Zuckerpreise fester
 
Das französische Agrarministerium schätzte neben den Getreideernten auch die neue Zuckerrübenernte. Man veranschlagte diese nun mit 36,9 mio to. Zuletzt ging man in Paris noch von 36,4 mio to aus. Im Vergleich zum letzten Jahr liegen die 36,9 mio to 9% besser. In London schloss der Dezemberkontrakt bei 434,40 DU$/to.
 
DAX: Gewinne schmelzen dahin
 
Das deutsche Aktienbarometer hatte am Freitag wegen des Feiertages keine Gelegenheit gehabt, die positive Stimmung des Wochenausklanges mitzunehmen. Entsprechend nachholbereit zeigte sich der DAX zu Beginn der Sitzung. Mit einem Freudenhüpfer eröffnete er die gestrige Sitzung, aber danach gab es keine wirklich starken Kaufwellen mehr zu beobachten, sodass er sich im Tagesverlauf in die Defensive gedrängt sah. Enttäuschende Wirtschaftsdaten taten ihr übriges. Am Ende blieb also nur ein mageres Plus von knapp 14 Punkten übrig. Schluss: 9209,51 Zähler.
 
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