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Börsentelegramm

Agrarmärkte geben bullisches Lebenszeichen

von , am
04.02.2014

Die Maispreise folgen momentan dem Trend aus den USA-nämlich abwärts. © Fritz/agrarheute.com
Die internationalen Agrarmärkte gaben gestern ein weiteres bullisches Lebenszeichen von sich. Am CBoT konnte sich Weizen von seinen Tiefs etwas erholen. Die Bohne legte zweistellig zu, und beim Mais reichte es noch für ein Miniplus. Strahlender Tagessieger war Kaffe mit einem Zugewinn von fast 10%. Schweinefleisch büßte am meisten ein.
 
Rohöl legte den Rückwärtsgang ein und die Finanzmärkte waren erneut hübsch im Minus. Sämtliche Indizes ließen Federn.

Bohne zweistellig im Plus

Die Märzbohne packte gestern am CBoT genau 10 cts/bu drauf und schloss bei 12,92 ¾ US$/bu. Das war der höchste Schlusskurs seit Mitte Januar und fachte die Phantasien der Bullen an. Die wöchentlichen Exportinspektionen lagen bei der Bohne bei 45,4 mio Scheffel, was durchaus als gut zu bezeichnen war und den Markt zu stützen vermochte. Jedoch wiesen die Bären darauf hin, dass in dieser Woche das chinesische Neujahrsfest stattfindet und deshalb mit reduzierter Geschwindigkeit exportiert werden müsse.
 
Möglicherweise ist dies richtig, rüttelt aber nicht im mindesten an der Richtigkeit der Tatsache, dass die Chinesen ihre neue Importrekordmenge von knapp 70 mio Tonnen einführen werden (bezogen auf die gesamte Kampagne). 2014 ist in China übrigens das Jahr des Holzpferdes. Weitere Regenfälle in Argentinien hellen die Produktionsaussichten im Silberland zusätzlich auf, obwohl man sich nicht überall mit den gefallenen Mengen zufrieden zeigt.
 
Große Aufregung in Paris! Zur Börseneröffnung jagte der Rapspreis an der Matif 20,- € nach oben, um sogleich wieder einzubrechen. Offenbar ist es im elektronischen Handel im Zuge eines umsatzarmen Handels zur Platzierung äußerst ungeschickter Börsenaufträge (market oders) gekommen, die die nicht repräsentative Preisspitze ausgelöst haben. Eine kleine Kaskade von Spreadorders trug die Zugewinne in die hinteren Monate, aber auf den hohen Niveaus gab es nur ganz wenige Kontrakte Umsatz. Allerorten wurde bedauert, nicht der Glückliche gewesen zu sein, der die wenigen Lots hat auf Höchstniveaus verkaufen können.
 
Am Freitag ging der Februar von Bord, und auf der Suche eines neuen Marktgleichgewichts des Maitermins war der Handel sehr volatil (ganz abgesehen von der Superpreisspitze am Anfang). Am Ende des Tages waren fast alle Zugewinne verpufft, und der Mai schaffte gerade soeben ein Plüschen von 0,25 €/mto und settelte bei 364,50 €/mto.

Weizen fröstelt sich nach oben

Der Märzweizen am CBoT legte gestern 8 cts/bu drauf und settelte bei 5,63 ¾. Die wöchentlichen Exportinspektionen von äußerst mageren 11,7 mio Scheffel können kaum der Grund für den Zugewinn gewesen sein, sodass wir uns andernorts umschauen müssen, um den Zugewinn zu erklären. Im Lager der Bullen wird man nicht müde darauf hinzuweisen, dass sich die nächste arktische Kaltfront bereit macht, um über die USA herzufallen und man deshalb in Gefahr schwebe, Auswinterungsschäden beklagen zu müssen. Im Frühjahr werde man schon sehen, wie es auf den Feldern aussieht. Der relativ starke US$ belastet hingegen die US-Exportaussichten.
 
All diejenigen, deren Langzeitgedächtnis besser ausgeprägt ist als das Kurzzeitgedächtnis, können sich sicherlich noch daran erinnern, wie die Ägypter vor gar nicht allzu langer Zeit sich mit der Bitte an Frankreich gewendet haben, doch bitte Weizenvorräte anzulegen, die man zu späteren Zeitpunkten abrufen möchte. Aufgrund zur Neige gegangener Devisenreserven war man nicht mehr in der Lage, auf den internationalen Märkten nennenswerte Mengen der dringend benötigten Güter einzukaufen. Danach flossen Hilfskredite aus dem arabischen Raum an das Land der Pharaonen und die prekäre Lage war vorerst beseitigt.
 
Die veränderten Qualitätsanforderungen an den Weizen, den die Ägypter letzte Woche formulierten, hatte Weizen französischer Herkunft aus dem Rennen gekegelt. Russische und us-amerikanische Ware bekamen den Zuschlag. Die fast schon arrogante Art Ägyptens, mit der die Kehrtwende hinsichtlich französischer Ware vollzogen wurde, legte den Verdacht nahe, dass man am Nil irgendetwas in petto hat, um dermaßen mit den "Müskelchen" zucken zu können. Und in der Tat, die Saudis haben offenbar ein weiteres Mal Manna auf Ägypten nieder regnen lassen und einen zusätzlichen Kredit in Höhe von 4 Mrd. US$ spendiert.
 
Der Vollständigkeit wegen sein noch nachgereicht, dass der Internationale Getreiderat letzte Woche die weltweite Weizenernte in 2013/14 auf 707 mio Tonnen nach oben korrigiert hat. Zuvor hatten die Londoner Experten den Wert bei 698 mio Tonnen gesehen. Für die neue Kampagne 2014/15 geht das Gremium von 697 mio Tonnen aus. An der Matif verlor der Märztermin 0,50 €/mto und settelte bei 192,-€/mto glatt.

Mais trotzt bärischen Einflüssen

Der Märzmais am CBoT legte gestern 1 ¾ cts/bu zu und settelte bei 4,35 ¾ US$/bu. Das war der höchste Settlementkurs der letzten fünf Wochen, obwohl die wöchentlichen Exportinspektionen der USA mit nur schmalbrüstigen 21,6 mio Scheffel an den Markt kamen. Daneben gab es praktisch nichts mehr von Bedeutung. Hier und da flackerten die Nachrichtenschirme zwar noch mal auf, aber Substanziellen konnte man nicht liefern. Über unbedeutendes Blabla kam man leider nicht hinaus.
 
Im internationalen Marktgeschehen gab es keine wichtigen Beobachtungen zu machen, die hätten Aufregung erzeugen können. Das Geschäft lief in ruhigen Bahnen. Die US-Amerikaner setzten knapp 115 tsd Tonnen an eine nicht näher bezeichnete Destination ab. Der Internationale Getreiderat bezifferte letzte Woche die globale Maisernte im laufenden Zyklus 2013/14 auf insgesamt 959 mio Tonnen und verbesserte damit seine letzte Schätzung um 9 mio Tonnen nach oben. An der Matif gab der Märzmais 0,50 € ab und schloss bei 173,- €/mto.

Kartoffel: Preisverfall geht weiter!

An der Frankfurter Eurex fielen die Preise der Veredelungskartoffel weiter. Bei insgesamt 216 Kontrakten Umsatz büßte der vordere Apriltermin 2014 erneut 0,50 €/dt ein und settelte bei 12,80 €. Damit verleibten sich die Bären nun auch die Marke von 13,- €/dt ein. Der Kassamarkt ist fast ausschließlich darauf fokussiert, kontrahierte Ware abzuwickeln. Ein Handel mit freier, bislang noch nicht vorkontrahierter Ware findet so gut wie nicht statt. Die fallenden Terminmarktnotierungen veranlassen die Verarbeiter dazu, wiederum ihre Notierungen zu senken. Aus diesem Circulus Vitiosus scheint es derzeit kein Entrinnen zu geben. Im weißen Sortiment wurde erfreulicherweise der Maitermin des Butterkontraktes fünfmal bei genau 3500,- €/Tonne gehandelt. Das entsprach einem Minus von immerhin 100,- €/Tonne!

Zucker: Uganda steigert Produktion

Das afrikanische Land Uganda wird auch in 2014 seine Zuckerproduktion ein weiteres Mal steigern können, vermutet Wilberforce Muburi (Uganda´s Sugar Manufacturer´s Association). Das Land habe zum einen die Verarbeitungskapazität für Zuckerrohr aus nun 375 tsd Tonnen aufgestockt und zum anderen hätten die Farmer mehr Fläche unter den Pflug gebracht, sodass diese Entwicklung, vorbehaltlich unvorhersehbarer Elementarkatastrophen, vorprogrammiert sei. Uganda spielt im weltweiten Konzert des Zuckermarktes sicherlich keine vordere Geige, aber dennoch ist diese Entwicklung nennenswert, da sie auch im kleinen Rahmen das bestätigt, was sich großmaßstäblich bei den Marktschwergewichten tut.

Dax erneut schwächer

Zur Mittagsstunde hatte das deutsche Aktienbarometer die Marke von 9300 Punkten durchbrochen. Trotz als positiv empfundener Daten aus der deutschen Wirtschaft, konnte sich das Aktienbarometer nicht fester präsentieren. Daneben hat sich die Stimmungslage der Unternehmen im Euroraum spürbar aufgehellt, da sich der Einkaufsmanagerindex um 1,3 Punkte empor gehangelt hat und damit auf den höchsten Stand seit Mai 2011 gestiegen. Frankreich bildete hier die unrühmliche Ausnahme, die gallische Wirtschaft zeigte noch nicht einmal einen Anflug von Stabilisierung.
 
Zum Ende der laufenden Woche sehen wir der Zinsentscheidung der EZB entgegen, und die US-Arbeitslosenzahlen kommen an den Markt. Manch Kommentator meinte, in gestrigem Marktverhalten bereits Vorbereitungsmaßnahmen auf diese Ereignisse erblicken zu können. In den USA wurde die neue Notenbankchefin Janet Yellen vereidigt, deren Fingerchen noch lockerer am Abzug zittern al die von Ben Bernanke, wenn es drum geht, den Staat und die Wall Street vor den Konsequenzen ihrer eigenen Dummheit zu bewahren.
 
Aber es half alles nichts, die Märkte setzten ihre Schwäche weiter fort. Der DAX verlor am Ende des Tages 119,96 Punkte und schloss bei 9186,52 Zählern. In den USA büßte der Dow Jones gestern 326,05 Punkte ein und fand seinen Schlussstand bei 15372,80 Zähern. In sämtlichen Medien wurde unisono von einer Schwächephase bzw. der Weiterführung der Korrektur gesprochen. Niemand kam auf die Idee, dass die Finanzmärkte keine Wirkung mehr auf die Gelddruckorgien und Niedrigzinsen zeigen und derzeit eine kopernikanische Wende vollziehen, die in einem jahrelangen Bärmarkt mündet.
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