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Börsentelegramm

Agrarmärkte gehen unaufgeregt ins Wochenende

von , am
28.07.2014

Trotz der gesehenen Preisverschiebungen darf man sagen, dass die agrarischen Märkte mit Gelassenheit ins Wochenende zogen. Es gab insgesamt keine bedeutsamen preisbewegenden Neuigkeiten, denen man hätte mit Aufmerksamkeit begegnen müssen.

Die Kartoffel notiert nach kurzer Reaktion wieder schwach. © Mühlhausen/landpixel
Die Gesamtgemengelage blieb vielmehr unverändert. Am CBoT manifestierte sich eine abschlägige Tendenz für Bohne und Mais.
 
Die Novemberbohne am CBoT verlor am Freitag 2.75 cts. und settelte bei1083 cts. Die USA machten am Freitag da weiter, wo das USDA am Dienstag nach Veröffentlichung der strammen wöchentlichen Exportzahlen aufgehört hatte. US-Exporteure verkauften zum Wochenausklang weitere 360 tsd Tonnen neuerntiger Bohnen ins Reich der Mitte. Zusätzlich kaufte Mexiko knapp 135 tsd Tonnen Sojaschrot aus den USA. Das Zentrum der Preisbildung lag aber unverändert im Mittleren Westen, wo die Bestände der neuerntigen Sojabohne weiter wachsen und gedeihen.
 
Hier und da beschwerte sich einer über nicht mehr ideale Bedingungen, aber unterm Strich herrschen weiterhin sehr gute Produktionsaussichten. An der Matif schwankte der Preis um die Nulllinie und schloss bei 327 € / Tonne.

Weizen tendenziell positiv

Der Septemberweizen am CBoT gewann am Freitag 8.25 cts. und settelte bei 559.25 cts/Scheffel. In Übersee gab es unterm Strich keine neuen Inputs. Der Weizenpreis schwankt zwischen Beendigung der US-Winterweizenernte (und der damit verbundenen Suche nach einem saisonalen Preisboden) und dem exzellenten Saatenstand des Sommerweizens.
 
In den Qualitätsproblemen im europäischen Weizen sah man in den USA Anlass zur Hoffnung, man würde in der Zukunft vom nordafrikanischen Exportkuchen ein dickes Stück abbekommen. Das ukrainische Agrarministerium ließ wissen, dass man damit rechne, einen kriegsbedingten Getreideverlust von etwa 500 tsd Tonnen zu haben.
 
Die Gesamternte des Landes bewegt sich aber auf einem sehr guten Niveau, sodass eine halbe Million Tonnen bilanziell verschmerzbar sind. Zumal sich Russland und die Ukraine derzeit spinnefeind sind und die Russen angekündigt haben, die Grenzen gegen die Ukraine hin eventuell dichtmachen zu wollen.
 
Die Qualitätsprobleme in Frankreich haben die dortigen Händler dazu veranlasst, sich nach Alternativen umzuschauen, um die eingegangenen Exportverpflichtungen erfüllen zu können. Hierfür wurden Partien entsprechender Qualität sowohl aus Deutschland als auch aus anderen europäischen Ländern eingekauft. Die fehlenden französischen Qualitäten haben dafür gesorgt, dass unser linksrheinischer Nachbar in diesem Zyklus einen ungewöhnlich hohen Anteil an Futterweizen besitzt. Mittlerweile dürfte etwa die Hälfte der französischen Weizenernte eingebracht sein, und die stetig größer werdende Zahl nicht backfähiger Weizenpartien zieht immer tiefere Sorgenfalten in die Stirn der Händler.
 
Hatte man doch physische Ware am Kassamarkt vorgegeben und lag infolge der fallenden Preise erst einmal richtig. Nun aber kommen die eingegangenen Verpflichtungen als Bumerang zurück. Die Nachfragehochburgen in Holland und Südoldenburg dürften sich über diesen Angebotszuwachs freuen. Wer in Frankreich glaubt, man könne sich in Deutschland zu billigen Prämien Qualitätsware in die Taschen stopfen, dürfte sich irren. Denn auch bei uns weiß man um die Situation und packt die Qualitäten im Bewusstsein ihres relativen Seltenheitswertes erst einmal weg.
 
Die EU-Kommission schätzte die europäische Weizenernte 2014/15 auf 137,50 mio Tonnen. Damit behielt die Kommission ihre Einschätzung aus dem letzten Monat bei. An der Matif schloss der Novemberweizen bei 179,75 €/Tonne.

Mais tendenziell abschlägig

Der Dezembermais am CBoT gewann am Freitag 2.75 cts. und settelte bei 372 cts/Scheffel. Trotz vereinzelter Trockennester im Mittleren Westen der USA muss festgehalten werden, dass die Bedingungen nahezu ideal sind. Der längerfristige Wetterforecast sieht keine großen Veränderungen auf uns zukommen, sodass die Bestäubungsphase des US-Mais ohne Ungemach beendet werden sollte. Alsdann tritt man in die Kornfüllphase ein.
 
Bislang gibt es keinen begründeten Anlass, Zweifel an einer guten Ertragsentwicklung anzumelden. Sicherlich mag das Wurzelwerk der Pflanzen infolge der guten Bedingungen nicht ganz so tief ausgeprägt sein, sodass es eine sensiblere Anfälligkeit für das Ausbleiben von Niederschlägen gibt, aber noch ist es aber nicht soweit, sich hierüber Gedanken machen zu müssen.
 
Neben dem Sojaschrot kauften die Mexikaner noch Mais ein. Sie buchten insgesamt etwa 270 tsd Tonnen. Die Ware stammt teils aus der alten und teils aus der neuen US-Kampagne. Die EU-Kommission bezifferte die europäische Körnermaisernte 2014/15 auf 70,8 mio Tonnen (zuvor 70,4 mio to). Die europäische Gerstenernte wurde auf 55,9 mio to prognostiziert. Auch das stellte einen Zuwachs dar. Zuletzt hatte die Kommission von 55,3 mio to gesprochen. An der Matif verlor der Novembertermin 2014 1.75 €/Tonne.

Eurex: Kartoffel nach kurzer Reaktion wieder schwach

Die Verluste der Vortage hauchten der Kartoffel an der Eurex am Freitag immerhin soviel Selbstbewusstsein ein, dass sie versuchte, einen Angriff auf die 8,- €/dt-Marke zu wagen. Dieser scheiterte allerdings mit Pauken und Trompeten. Die Notierungen neigten nach dem gemachten Tageshoch von 7,80 €/dt (April 2015) sofort wieder zur Schwäche und kullerten südwärts. Bei einem Umsatz von 195 Kontrakten verlor der Apriltermin 2015 0,10 €/dt und settelte bei 7,40 €/dt.
 
Der Kassamarkt blieb erneut still und ruhig. Die Industrie kam nicht hinter der Deckung hervor.
 
Im tierischen Bereich wurde das Augustschwein einmal bei 1,720 €/kg gehandelt. Das stellte ein kleines Plus von 0,3 % dar. Das Ferkel wurde nicht angetastet. Im weißen Sortiment gab es im Molkenpulver etwas Umsatztätigkeit zu bestaunen. Bei sinkenden Preisniveaus wurde der September und der Oktober am Preis von 900,- €/Tonne je fünfmal gehandelt.

DAX mit Rücksetzer

Das deutsche Aktienmarktbarometer ging am Freitag mit Verlusten ins Wochenende. Die unsichere Lage um Israel und um die Ukraine veranlasste die Investoren, mit gebotener Zurückhaltung zu agieren. Es war höchst interessant mit anzusehen, wie die USA und die EU nach dem Stadium der lebhaften Empörung nahtlos ins Stadium der Überreaktion übergingen, nun aber Mäßigung an den Tag legen mussten, weil die USA nicht ausschließen können, dass die Ukraine einen Kampfjet in die Luft beorderte, der die abgestürzte Passagiermaschine begleitet hat.
 
Möglicherweise hat das ukrainische Militär die Passagiermaschine sogar als fliegendes, menschliches Schutzschild missbraucht. In diesem Falle träfe sie eine unleugbare Mitschuld an dem Absturz/Abschuss. Die Tragödie um die Maschine MH17 ist schlimm und hat viele unschuldige Menschenleben gekostet. Die Katastrophe unter kreativer Informationsveröffentlichung für seine propagandistischen Zwecke auszunutzen, ist aber sicherlich aus ethischem Blickwinkel ebenso verdammenswürdig. Und genau das tun beide Seiten! Wie gesagt, im Krieg stirbt die Wahrheit zuerst! Der DAX baute seine Verluste gegen Handelsende aufs und büßte 150 Punkte und settelte bei 9644,01 Zählern.
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