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Börsentelegramm

Agrarmärkte gemischt

von , am
20.11.2014

© Eisenhans/Fotolia
Die globalen Agrarmärkte hatten gestern in ihrer Gesamtheit keine einheitliche Tendenz. Es gab sowohl große Gewinner als auch große Verlierer. Die Kaffee- und Kakaopreise flochten den Lorbeerkranz um ihr Haupt. Daneben standen auf der Gewinnerliste noch Zucker, Orangensaft und die Fleischnotierungen.
 
Die großen Verlierer des Tages waren die hier in Betracht stehenden Chicagoer Getreide- und Ölsaatenmärkte. Bohne, Mais und Schrot wurden durch den Wolf gedreht und hatten schwere Verluste hinzunehmen. Die Brisanz der Verluste liegt im Durchbrechen der gestern angesprochenen Unterstützungen. Wenn heute und morgen keine unmittelbare Erholung stattfindet, müssen wir mit weiteren Abschlägen rechnen.
 
Sojabohne sackt ab
 
Der Januartermin am CBoT verlor gestern 18 ½ cts/bu und settelte bei 10,05 US$/bu glatt. Die gestrigen Verluste haben den Bären einen preislichen Geländegewinn beschert, denn der 50-Tage-EMA wurde durchbrochen. Der Abschwung konnte erst an der Marke von 10 US$/bu gestoppt werden. Sollte diese auch noch zu Bruch gehen, wäre aus charttechnischer Sicht der Weg bis 9,50 US$/bu offen. Die Bullen müssen alles unternehmen, um die 10,- US$ zu halten, denn unterhalb dieser Marke ist mit raschem technischem Abwärtsmomentum zu rechnen. Exporteure in den USA meldeten ein weiteres „Geistergeschäft“ von 125 tsd Tonnen neuerntiger Sojabohnen an eine nicht näher benannte Destination. Wie gewöhnlich dürfte der Bestimmungsort China gewesen sein.
 
Die Firma Lanworth legte gestern ihr jüngstes Prognosewerk vor. Man sieht die US-Bohnenernte in 2014/15 bei 3,94 Mrd. Scheffel. Der Durchschnittsertrag wurde mit 47,8 Scheffel/Acre zugrunde gelegt. Damit behielt man seine Vormonatsschätzung bei. Die südamerikanischen Ernten wurden mit 58,6 mio to (Argentinien) und 98 mio to (Brasilien) in Anschlag gebracht. In Paris büßte der Februartermin 2,50 €/mto ein und schloss bei 336,50 €.
 
Weizen bricht Unterstützung
 
Der Dezemberkontrakt büßte gestern 11 ¼ cts/bu ein und schloss bei 5,37 ¾ US$/bu. Mit diesem Schlusskurs ist das Level von 5,50 US$/bu gebrochen worden. Die gestrige Handelssitzung in den USA hatte nichts Neues zu bieten. Die zögerlichen Exporte der Amerikaner spuken durch die Köpfe der Händler und scheinen die Stimmung nachhaltig verdorben zu haben. Die neue Kältewelle in den USA ist von Schneefällen begleitet, sodass wir diese aus landwirtschaftlicher Sicht vorerst nicht ernst nehmen müssen. Gute Schneeauflagen isolieren hervorragend und schützen die Bestände vor Frost.
 
Lanworth äußerte sich auch zur Weizenernte 2015/16 in den USA. Die Winterweizenfläche bezifferte man mit 40,79 mio Acres. Diese Fläche ist um 4% niedriger als diejenige des Vorjahres. Man geht im Hause Lanworth von mindestens guten Erträgen aus, sodass man die Weizenproduktion mit 1,57 Mrd. Scheffel veranschlagte. Im diesem Jahr hat man 1,378 Mrd. Scheffel geerntet. Für derartige Einschätzungen ist es noch sehr früh, sodass eine gesunde Skepsis angebracht ist. Bis zur nächsten Ernte kann praktisch noch alles passieren.
 
Das ukrainische Agrarministerium sieht die Gesamtexporte (Getreide) des Landes bei 36,7 mio to. Damit verbesserten die Statistiker in Kiew ihre vorherige Prognose um dicke 7%. Eine besser als bislang angenommene Maisernte steckt hinter der Aufwärtskorrektur.
 
International kamen mehrere Tender zum Abschluss. Die Jordanier kauften 100 tsd Tonnen Mahlweizen optionaler Herkunft, und die Tunesier buchten 100 tsd Tonnen Weizen. Ursprünglich hatte man nicht mehr als 92 tsd Tonnen im Auge, aber man rundete die Menge auf. Die Herkunft wurde nicht genannt, aber man munkelte, dass die Franzosen zum Zuge kamen. Das Scheichtum Katar meldete den Kauf seiner ausgeschriebenen Menge von 20 tsd Tonnen. Hier ist wahrscheinlich australische Ware gehandelt worden. Als man den Handelstag beendet und die Bürotür hinter sich verschlossen hatte tauchten die Ägypter im Markt auf und bekundeten Kaufinteresse für Weizen. Hier scheint sich etwas Größeres anzubahnen, denn man sprach von einigen Schiffen zu je 55 – 60 tsd Tonnen. Die möglichen Herkünfte bestanden aus einem bunten Blumenstrauß. Fast jeder Weizenproduzent hat die Möglichkeit, an die Ägypter zu offerieren. Wir werden im Tagesverlauf sehen, ob es auch europäische Ware über die Ziellinie schafft.
 
Die Matif in Paris ging 1,- € verloren. Der Januartermin konnte das Minus auf 0,75 € begrenzen und bei 172,50 € schließen. Die Weizenpreise in Übersee sind in der momentan laufenden Nachtsitzung weiter im Minus, allerdings könnte die Hoffung auf europäische Teilnahme am Ägyptengeschäft die Matif heute morgen stützen.
 
Mais leidet unter weiteren Gewinnmitnahmen
 
Der Dezembertermin verlor gestern 9 cts/bu und schloss bei 3,63 US$/bu. Die preislichen Einbußen kamen damit exakt auf dem 50-Tage-EMA zum Halten. Auch hier gilt es für die Bullen, den Durchschnitt mit aller Macht zu verteidigen. Andernfalls droht weiteres Ungemach in Gestalt von technisch motiviertem Verkaufpotential. Die nächste Unterstützung läge dann bei 3,50 $. Ausgelöst wurden die Abschläge durch Gewinnmitnahmen der Longs, die angesichts der großen US-Ernte nun der Mut zu verlassen scheint. Die Kombination aus großer Ernte und schwachen Exporten lädt auch nicht unbedingt zum Kaufen ein, und wenn weitere Käufer fehlen, nehmen die alten Longs die Gewinne mit. Alles andere wäre unvernünftig.
 
Lanworth bezifferte die 2014/15er US-Maisernte mit 14,585 Mrd. Scheffel bei einem Durchschnittsertrag von 174,7 Scheffel/Acre. Damit korrigierte man seine vorherige Einschätzung von 14,667 Mrd. Scheffel/ 175,7 Scheffel/Acre nach unten. Die Korrektur sei notwendig geworden, weil die Bundesstaaten Iowa und Minnesota geringer als bislang angenommene Erträge eingefahren hätten. Die argentinische Maisernte soll sich auf 29,1 mio to belaufen (zuletzt 29,3 mio to) und die brasilianische auf 75,4 mio to. Für Brasilien behielt man die Datenlage aus dem Vormonat bei.
 
Die Südkoreaner schlossen ihre Einkaufsbemühungen ab und erwarben 105 tsd Tonnen Mais optionaler Herkunft. Der ursprüngliche Tender umfasste 115 tsd Tonnen, sodass man leicht hinter seinen anfangs geäußerten Absichten zurück blieb. Die Ware soll im März 2015 zur Andienung kommen. Neben ihren 100 tsd Tonnen Weizen steckten sich die Tunesier noch 50 tsd Tonnen Gerste. Anders als beim Weizen blieb man hier hinter der Tendermenge zurück. Man tenderte für 75 tsd to, kaufte aber dann nur zwei Drittel dieser Menge. An der Matif büßte man verhalten ein. Der Januartermin gab 1,- € nach und schloss bei 149,- €.
 
Eurex: Kartoffel ist am Ende!
 
Das Trauerspiel geht in den nächsten Akt. Gestern schaffte die Veredelungskartoffel an der Eurex gerade noch eben zehn (!) Kontrakte Umsatz. Das Preisniveau blieb dabei unverändert. Der Apriltermin behielt sein Niveau von 5,40 €/dt bei, und der Kassamarkt dümpelte vor sich hin. Die Schweine- und Ferkelkontrakte blieben wie gewohnt ohne Umsatz. Im weißen Sortiment sah es anders aus. Das Molkepulver geriet förmlich in Übermut und setzte im Märztermin 2015 sage und schreibe ganze drei Kontrakte um. Der Preis betrug 785,- €. Das entsprach einem Minus von 13,- €.
 
Zucker etwas fester
 
Die internationalen Zuckernotierungen haben in Sichtweite der alten Tiefs etwas technisches Kaufinteresse gesehen. Der Märztermin in New York schloss bei 15,89 cts/Pfund.
 
DAX behauptet Festigkeit
 
Das deutsche Aktienbarometer schaffte gestern ein kleines Plus von 16 Punkten und schloss bei 9472,8 Zählern. Der Handelstag war vom Warten auf das amerikanische Notenbankprotokoll bestimmt. Die FED ließ sich gestern zur weiteren Zinspolitik ein. Trotz einer „guten Konjunktur“ sollen die Zinsen noch geraume Zeit niedrig bleiben. Damit ist weiterhin unklar, wann die Zinswende eingeleitet wird. Trotzdem wertet man das Notenbankprotokoll als Hinweis, dass ein Zinsschritt in 2015 bevorsteht. Der Dow Jones setzte seine Rekordjagd nicht weiter fort, sondern setzte leicht zurück.
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