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Börsentelegramm

Agrarmärkte mit gemischtem Preisbild

von , am
07.05.2014

Nach dem USDA-Report starteten die euopäischen Weizenpreise mit 179 Euro je Tonne in die neue Woche. © Leonhardo Franko/fotolia
Auf ein einheitliches Preisbild konnte man sich gestern in den Agrarmärkten nicht einigen. Am CBoT legten die Getreidenotierungen ein weiteres Mal zu. Die Hitze in den Plains und die Aussaatverzögerung beim Mais trieben die Kurse. Im benachbarten Bohnenpit sah die Sache anders aus, denn hier fielen die Kurse. Der Verlierer des Tages war der Zucker, der am meisten einbüßte und seine 200-tagelinie an die Bären abgab. Rohöl verharrte weiter unter der 100,- US$/Fass-Marke.

Sojabohne schwach, Raps erholt sich in Paris

Die Sojabohne setzte ihre Schwächephase gestern weiter fort und büßte im Julitermin 4 cts/bu ein und settelte bei 14,59 ¼ US$/bu. Substantiell Neues konnte man gestern nicht berichten, sodass man sich auf die technische Seite schlug und den Markt aus diesem Blickwinkel beobachtete. Immerhin drohte die Bohne, eine technische Hauptunterstützungslinie bei 14,50 US$/bu an die Bären abzugeben. In diesem Falle wäre man sicherlich rasch auf die 14,30 US$/bu durchgereicht worden. Das geschah aber nicht.
 
An der fundamentalen Front meldeten sich die Chinesen zu Wort und bezifferten ihre Sojabohneneinfuhr im Monat April mit 6,51 mio Tonnen. Knapp 7 mio Tonnen hatte man erwartet, sodass hier ein leicht bärischer Impuls entstand. Dieser mag noch dadurch verstärkt worden sein, dass die Chinesen ihre Einfuhrprognose für den laufenden Monat Mai mit 4,85 mio to veranschlagten. Auch hier hätte man sich sicherlich gern mehr erhofft. Ansonsten gab es nicht mehr viel zu berichten. Dass die strammen Maisnotierungen die Bohne gestützt haben sollen, sei der Vollständigkeit wegen erwähnt.
 
Die fallende Bohne hat sowohl in Kanada als auch in Paris den Rapsnotierungen einen Schrecken eingejagt und zum sinken gebracht. In Winnipeg schloss man im Monat Juli bei 468,9 Can$/to. In Paris rauschte man zeitweise nach dem Durchbruch durch die 360,- €/to-Marke sehr stark in die Tiefe. Der August fand seinen Schlusskurs bei 358,25 € und konnte damit das verloren gegangene Terrain fast vollständig wieder wettmachen. Das Minus von 0,25 € ist vernachlässigbar.
 
Unser Raps hat momentan keine eigene Story, die es ihm erlauben würde, seinen eigenen Weg zu gehen. Die Regenfälle sind in Europa rechtzeitig eingetroffen, sodass wir vorerst nichts Schlimmes befürchten müssen. Im Gegenteil: Ist der Mai kühl und nass, füllt´s dem Bauern Scheun und Fass! Unter diesen Voraussetzungen sind wir anfällig für Abwärtssignale aus der Bohne. Sollte die Bohne ihre Unterstützungen nicht halten können, müssen wir weiter schwächelnde Notierungen befürchten.

Weizen: Hitze treibt Kurse

Der neuerntige Julitermin legte am CBoT gestern 11 ¼ cts/bu zu und schloss bei 7,38 ¾ US$/bu. Die Hitzewelle in den US-Winterweizenregionen trieb ein weiteres Mal die Kurse. Erneut zeigte die Quecksilbersäule in Teilen der Plains fast 40°C an, was für diese Jahreszeit einfach viel zu heiß ist. Die Winterweizenbestände stehen in keiner guten Verfassung auf dem Feld, und das letzte, was sie derzeit brauchen, sind Hitzewellen dieser Kategorie. Wir müssen deshalb weitere pflanzenbauliche Verschlechterungen annehmen.
 
Dies tut übrigens auch der Markt…durch die steigenden Notierungen. Die anderen Einflussfaktoren wie die unsichere Lage in der Ukraine finden zwar in allen Marktreporten Erwähnung, aber wir sollten diesen Punkt nicht überstrapazieren. Erst wenn sich hier eine substanziell neue Entwicklung einstellt, die eine etwaige Lösung des Konflikts beinhalten könnte, werden wir uns an dieser Stelle der Thematik wieder widmen.
 
Im internationalen Marktgeschehen gab es durchaus einige Geschäfte zu beobachten, die einer Erwähnung wert sind. Libyen kaufte 30 tsd Tonnen Weizen aus der Schwarzmeerregion, und Jordanien buchte 50 tsd to optionaler Herkunft. Die Kasachen bezifferten ihre bislang in der laufenden Kampagne getätigten Getreideexporte (per Bahn) mit 7,57 mio Tonnen. Im letzten Jahr hatte man zu diesem Zeitpunkt lediglich 5,88 mio to auf die Schiene gesetzt. Das Landwirtschaftsministerium der Ukraine meldete Getreideexporte im Monat April von 2,19 mio Tonnen. Die Exporte im März hatten noch bei 2,98 mio to gelegen. In Paris zuckten die neuerntigen Notierungen kurz in Richtung Süden, konnten sich aber im Handelsverlauf wieder berappeln. Der November schloss bei 208,75 €/to; ein Plus von 0,25 €/mto.
 

Mais fester

Der Julitermin legte gestern 10 ½ cts/bu zu und settelte am CBoT bei 5,17 ¾ USD/bu. Mit den gestrigen Zugewinnen konnte man das preisliche Blutbad Ende letzter Woche fast vollkommen vergessen machen. Die starken Weizenpreise, der eigene Aussaatrückstand und das nur zögerliche Abgabeinteresse der US-Farmer halfen den Maispreisen auf die Beine. Die anziehenden Notierungen riefen rasch technisch orientierte Marktteilnehmer auf den Plan, die in ein anziehendes Momentum hinein kauften und zusätzlich Unterstützung lieferten. US-Exporteure meldeten gestern ein alterntiges Stornogeschäft in Höhe von 220 tsd Tonnen. 100 tsd Tonnen Mais nach Spanien und 120 tsd Tonnen an eine nicht näher genannte Destination wurden seitens der Einkäufer storniert. In Paris traten die Maispreise auf der Stelle; der November schloss kaum verändert bei 193,- €/mto.

Kartoffel: Wo liegt der Boden?

Die alterntige, bislang nicht kontrahierte Kartoffel ist offenbar zum Abschuss freigegeben. Gestern unterstrich der Markt einmal mehr seine zur schwäche neigende Gemütsverfassung und setzte seinen Abwärtstrend weiter fort. Man darf sich die Frage stellen, wo denn nun eigentlich der Boden liegt, auf dem die Kartoffel hart aufschlägt. Das ist eine gute Frage, aber derzeit nicht zu beantworten. Fakt ist, dass der Abwärtstrend intakt ist und der Verkaufdruck nach wie vor höher als der Kaufdruck. Bei einem Gesamtumsatz von 196 Kontrakten verlor der Junitermin 2014 weitere 0,50 €/dt und schloss bei 6,80 €/dt. Ein Ende des Abwärtstrends ist noch nicht in Sicht; Zeichen der Bodenbildung liegen noch nicht vor. Der neuerntige April 2015 büßte 0,30 €/dt ein und fand seinen Schlusskurs bei 11,90 €/dt. Leider blieben die Milchprodukte und der Schweinebereich ohne Umsatz.

Zucker: Tender erwartet

Die thailändische Zuckerverarbeitungskampagne nähert sich ihrem Ende, und man erwartet einen neuen Produktionsrekord. Eine Aufsummierung aller bislang verarbeiteten Zuckerrohrmengen in Thailand, immerhin der zweitgrößte Zuckerexporteur der Welt, weisen auf einen bisherigen Ausstoß von etwa 11,16 mio Tonnen Zucker hin. Im letzten Jahr hatte man zum 1. Mai erst 9,86 mio to Zucker produziert und endete schließlich bei einem Gesamtausstoß von 10,02 mio to. Die Marktteilnehmer warten auf einen Tender Thailands, der heute stattfinden soll. Die Regierung hatte letzte Woche angekündigt, am heutigen Mittwoch 144 tsd Tonnen der neuen Ernte international auktionieren zu wollen. Von den Tenderergebnissen erhofft man sich einen Einblick in das Preisniveau der neuen Kampagne, die offiziell am 1. Oktober beginnt. Der Julitermin schloss gestern an der New Yorker Börse bei 17,20 cts/Pfund glatt.

US-Schweineproduktion in Gefahr

Die in den USA grassierende Krankheit des porkinen epidemischen Durchfallvirus´ (PEDv) hat offenbar mittlerweile dramatische Ausmaße erreicht. Bislang sind über 5000 Fälle aus 27 Bundesstaaten bekannt geworden, berichtete das National Animal Health Laboratory Network. Die Krankheit erreicht in den Sommermonaten ihren Höhepunkt und befällt hauptsächlich Ferkel, löst bei diesen eine heftige Durchfallerkrankung aus, die schließlich zu Abmagerung und ungünstigstenfalls zum Tod führt.
 
In jedem Fall stellt sie eine wirtschaftliche Katastrophe für den betroffenen Betrieb dar. Die US-Schweineproduktion könnte infolge der Krankheit in 2014 den stärksten Rückgang in den letzten 30 Jahren erleiden. Höhere Mastendgewichte gesunder Tiere sind allerdings imstande, den negativen Effekt etwas abzumildern. Trotzdem sind an den Supermarktkassen allein in 2014 die Preise für Schweinefleisch durchschnittlich um 35% angezogen; die Preise für Rindfleisch dagegen nur 14%.

China zeigt sich entschlossen

Das Reich der Mitte hatte in der jüngeren Vergangenheit mehrfach angekündigt, die Problematiken der Umweltverschmutzung und der Überkapazitäten (wie z. B. Ölmühlenkapazitäten) eindämmen zu wollen. Die bislang unternommen Schritte haben allerdings Auswirkungen, die in dieser Art und in diesem Umfang „nicht geplant“ waren. Das Bruttoinlandsproduktswachstum der Inneren Mongolei sank im ersten Quartal 2014 auf 7,3% ab. Im ersten Quartal 2013 hatte man hier mit 9,9% noch einen fast zweistelligen Zuwachs verzeichnen können. Aus der Inneren Mongolei bezieht das Reich der Mitte etwa ein Drittel seiner inländischen Kohle. In Heilongjang gab es mit 4,1% ein Wirtschaftswachstum, das meilenweit vom Ziel 8,5% entfernt lag. Die Provinz Heilongjang ist stark bei Kohle, Ölraffination, Holz, Maschinenbau und Landwirtschaft. Die wichtigste Stahlregion, die Provinz Hebei, büßte im 1. Quartal 2014 4% (von 8,2 auf 4,2%) ein.

DAX: Unternehmensbilanzen im Fokus

Das deutsche Aktienbarometer konnte zu Beginn des Tages zulegen, geriet dann aber sukzessive unter Druck. Der Fokus lag gestern auf der Fülle von Unternehmensdaten, die das Parkett in Frankfurt erreichte. Die Quartalsergebnisse der Unternehmen waren durchwachsen und enttäuschten an einigen Stellen. Linde und Fresenius Medical Care wurden nach Veröffentlichung vom Markt abgestraft und verloren am heftigsten.
 
Im Wochenverlauf erwarten wir aber noch die EZB-Sitzung und die Notenbankchefin der FED, Janet Yellen, tritt vor die Kameras, um die Wirtschaftsprognosen der FED zu verkünden. Man verspricht sich vom Gefasel der Notenbanker wieder einmal tieferen Einblick in den weiteren Verlauf der Börsenkursstützungsprogramme durch die Notenpresse.
 
Auf eine realwirtschaftliche Wirkung ist in den vergangenen Jahren ausgeblieben und wird sich auch in den Folgejahren nicht einstellen. Der Leser möge sich bitte nicht vom derzeitigen Politgeschwätz über eine sich erholende EU-Konjunktur blenden lassen. Derartige Statements sind von einem erschreckenden Mangel gesunden Menschenverstandes gekennzeichnet und stellen nichts weiter dar als die qualvolle Vergeblichkeit, die geldpolitischen Schritte zu rechfertigen, die man bislang unternommen hat, um den Euro und die Eurozone gewaltsam zusammenzuhalten. Man merkt, dass bald Europawahl ist! Am Ende stand der DAX bei 9467,53 Punkten und hatte 61,97 Zähler eingebüßt.

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