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Börsentelegramm

Agrarmärkte mit gemischten Gefühlen

von , am
18.06.2014

© Mühlhausen/landpixel
Das Preisbild des gestrigen Tages war uneinheitlich. Am CBoT mussten die Sommerungen Federn lassen. Die Bohne setzte ihre große Korrektur weiter fort, der Mais schloss in unmittelbarer Nähe zu seinem Viermonatstief. Die Weizennotierungen waren nach den heftigen Preiseinbrüchen der vorangegangenen Handelstage für eine Rückschnapprallye überfällig. Diese trat gestern ein.
 
Die neuen politischen Krisenherde auf der Welt haben in den vergangenen Handelstagen den Ölpreis nach oben getrieben. Unterm Strich erlebten wir einen zweiseitigen Tag; der Ölpreis lotete beide Marktseiten aus und notierte mal mit rotem und mal mit grünem Vorzeichen. Am Ende hielt der Preis sein höheres Niveau.

Sojabohne schlittert südwärts

Der Julikontrakt am CBoT verlor gestern 23 3/84 cts/bu und settelte bei 13,98 ¼ US$/bu. Die Verluste der Bohne wurden erneut auf die Rechnung des guten Wetters im Mittleren Westen gesetzt, obwohl dies primär die neue Ernte betrifft. Der Julitermin ist aber ein alterntiger Monat, sodass wir eine andere Erklärung suchen müssen.
 
Nach wie vor wird der Spread zwischen alter und neuer Ernte (Juli gegen November) sehr aktiv gehandelt. Goldman Sachs hat seine Rollaktivitäten zwar abgeschlossen, aber das gestrige Spreadvolumen betrug trotzdem satte 31967 Kontrakte. Das zeigt uns, dass nach wie vor Indexfonds ihre Positionen in die neue Ernte rollen und damit den alterntigen Julitermin preislich unter Druck setzen. Neben der Bohne brachen auch die Preise für Sojaschrot sehr heftig ein und verloren in gestriger Sitzung 2,6%.
 
Die Entscheidung Chinas, wegen nicht zugelassener Genstämme die Einfuhr von Dried Distillers Grain aus den USA vorerst zu stoppen, sorgt bei den Amerikanern für eine bessere Eiweißfuttermittelversorgung. Die nicht mehr exportfähige Ware wirkt zu Hause preisdämpfend. Das hat Konsequenzen für die Sojaschrotpreise, denn Sojaschrot kann wenigstens teilweise durch DDG´s substituiert werden. Die us-amerikanische Veredelungswirtschaft dürfte diese Entwicklung freuen.
 
Die Pakistani kauften gestern 50 tsd Tonnen ukrainischer Rapssaat für die Juliverschiffung und buchten damit neuerntige Ware aus der Ukraine. An der Pariser Matif flog den Bullen die jüngste Rallye auf fast 355,- €/mto nun vollends um die Ohren. Der Augusttermin verlor nach dem schwachen Schlusskurs vom Montag gestern 3,50 €/mto und settelte bei 346,75. Zwischenzeitlich betrugen die Verluste mit 5,- € sogar noch deutlich mehr.

Weizen konsolidiert

Die Weizennotierungen am CBoT sind nach wie vor im Abwärtstrend. Wegen der starken Verluste, die man zuletzt zu verzeichnen hatte, dürfte die gestrige Festigkeit eine überfällige technische Reaktion gewesen sein. Der Julitermin legte gestern 1 ¼ cts/bu zu und settelte bei 5,81 ¾ US$/bu. Die zwischenzeitlichen neuen Trendtiefs konnten im weiteren Handelsverlauf aufgeholt werden. Trotzdem wird man angesichts des Charts das Gefühl nicht los, dass den Bullen der Mut fehlt, um Entscheidendes zu leisten. In den USA nimmt die Winterweizenernte weiter Fahrt auf und belastet dadurch saisonal die Kurse am CBoT.
 
Bis auf Australien und vereinzelte Underperformer sieht man rund um den Globus einer mindestens guten Weizenernte entgegen. Das begründet die Mutlosigkeit der Bullen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist der Nachfragefaktor völlig aus dem Denken des Marktes verschwunden. Man ist wegen der Ernten auf der Nordhalbkugel auf die Angebotsseite fokussiert. Im internationalen Geschehen suchten Futtermischer aus den Philippinen insgesamt 180,2 tsd Tonnen Weizen. Tunesien und Algerien schlossen ihre Tender ab und kauften 167 tsd Tonnen Weizen bzw, 50 tsd to optionaler Herkunft. Tunesien hat Juli-Septemberlieferung vereinbart, die Algerier Oktoberlieferung.
 
Im Zuge der politischen Streitigkeiten zwischen der Ukraine und Russland ist nicht nur der Zahlungsmodus für Erdgas von den Russen auf Vorkasse umgestellt worden, sondern man hat auch sämtliche Agrareinfuhren aus der benachbarten Ukraine untersagt. Welche Auswirkungen dies haben wird, muss man abwarten. Für die Exportbilanzen beider Länder sollten die getroffenen Maßnahmen eher unwichtig sein, da die Hauptabnehmer woanders sitzen.
 
An der Matif herrschte eine eher gedrückte Stimmung vor. Der November verlor 1,- € und schloss bei 186,75 €/mto.

Mais wächst und gedeiht…aber nicht preislich

Der Julitermin am CBoT verlor gestern 1 ¾ cts/bu und settelte bei 4,39 ½ US$/bu. Die hervorragenden Bedingungen im Mittleren Westen der USA lassen die Maisbestände bestens gedeihen. Angesichts der äußerst positiven Entwicklung hat derzeit niemand gesteigertes Interesse daran, sich mit Longpositionen im Markt zu engagieren.
 
Zwar beklagt man örtlich in Iowa und Nebraska, dass Starkregenfälle zu Schäden geführt hätten, aber insgesamt ist das Wetter aus landwirtschaftlichem Blickwinkel derzeit nahezu perfekt. Die Bestandsbonituren des USDA´s offenbarten zu Wochenbeginn den besten Saatenstand seit zwanzig Jahren in den USA. Wenn die Kampagne so weitergeht, werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Spitzenniveaus im Durchschnittsertrag erzielt werden können. Die Fonds fahren zwar im Maismarkt noch eine kleine Longposition, aber die Befürchtungen, dass sie im weiteren Verlauf eine Nettoshortposition aufbauen könnten, sind gerechtfertigt.
 
An der Matif geht´s weiter seitwärts. Der Junitermin bewegte sich zum wiederholten Male nicht von der Stelle. Mit einem Schlusskurs von 181,50 €/mto erzielte man den dritten Handelstag in Folge das gleiche Niveau.

Eurex: Kartoffel-Bullen kontern Bären aus

Die Bullen konnten am Dienstag die heftigen Kursverluste vom Montag tatsächlich wettmachen. Die 12,- €/dt-Marke wirkte als Unterstützung und trieb die Kurse wieder nach oben. Bei einem Gesamtmarktumsatz von 159 Kontrakten schaffte der Apriltermin 2015 ein Plus von 0,90 €/dt und settelte bei genau 13,0 €/dt. Damit hat die Marke von 12,- €/dt gezeigt, dass sie wenigstens momentan noch eine sehr starke Unterstützung darstellt. Der Kassamarkt präsentierte sich preislich recht stabil und hielt seine Notierungen relativ konstant. Die wenigen Abweichungen spielten wegen ihrer geringen Größenordnung keine Rolle.
 
Der Rest des Handels der agrarischen Sparte der Eurex ist leider keine Erwähnung wert. Zu gering war das Interesse aan Schwein und Milchprodukten.

Zucker: Australien hebt Produktionserwartung an

Im Zuge der jüngsten Veröffentlichungen seitens Abares ist auch die Zuckerproduktion in den Statistiken angepasst worden. Hatte man in der letzten Schätzung noch 4,413 mio Tonnen Zucker für Australien proklamiert, so setzte man zu Wochenauftakt noch einen drauf. Nunmehr soll die Zuckerproduktion in Down Under 4,6 mio to. In New York schloss der Julitermin bei 17,06 cts/Pfund.

Rindfleisch: Australien korrigiert Exportprognose nach oben

Interessanterweise haben die Australier auch die Exportaussichten für Rindfleisch angehoben. ABARES sieht diese nun bei 1,12 mio Tonnen. Australien ist immerhin der drittgrößte Rindfleischexporteur der Welt und der Hauptversorger des chinesischen Importmarktes. Die Rindfleischimporte des Reichs der Mitte sind in den vergangenen Jahren explodiert.

China reduziert Käufe von US-Schuldverschreibungen

Die Bestände an US-Schuldverschreibungen sind im Mai den dritten Monat in Folge gefallen. Das ist der längste Zeitraum seit 2011. Im April hielt das Reich der Mitte noch us-amerikanische Schuldtitel in Höhe von 1,26 Billionen US$. Die Chinesen sind der größte Gläubiger der USA, gefolgt von Japan und Belgien, die erst kürzlich dazu genötigt wurden, die Finanzierungslücken der USA zu stopfen. 

DAX holt auf

Nach der viertägigen Verlustserie konnte sich der DAX gestern Vormittag in den grünen Bereich zurück bewegen. Man erwartete zwar positive Daten aus dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, aber die Mannheimer kamen mit schwächer als erwarteten Zahlen um die Ecke. Damit wurde die wirtschaftliche Entwicklung den sechsten Monat in Folge skeptischer eingeschätzt. Das ZEW-Barometer sank um 3,3 Punkte auf nun 29,8 Punkte.  Im Tagesverlauf schmolzen die Gewinne zwar wieder etwas dahin, aber der DAX rettete ein Plus von 36,34 Punkten und schloss bei 9920,32 Zählern.

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