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Börsentelegramm

Agrarmärkte: Getreide und Ölsaaten bluten weiter

von , am
21.08.2014

Am Tagesende notierte der Weizen bei 172,75 Euro je Tonne. © Rainer Sturm
Es war nicht alles bärisch. Es gab gestern auch gute Gewinner in der Agrarszene. Baumwolle, Zucker, Kaffee und Kakao legten teils ordentliche Gewinne aufs Parkett, aber an der Chicagoer Börse hielten die Abwärtstrends im Getreide- und Ölsaatenkomplex weiter an. Die Sojabohne war so schwach, dass sie ihre Unterstützung bei 10,40 US$/bu durchbrach. Mais und Weizen mussten ihren bullischen Erschöpfungskampf gestern aufgeben.
 
Beide Getreidemärkte gaben nach und machten Anstalten, ihre alten Tiefs nunmehr ernsthaft gefährden zu wollen.

Sojabohne flirtet heftig mit den alten Tiefs

Die Novemberbohne gab gestern 14 ¾ cts/bu nach und settelte bei 10,38 US$/bu glatt. Die Bohne geriet bereits im Nachthandel in die Defensive und verzeichnete Verluste. Diese Entwicklung war in der elektronischen Tagessitzung nicht mehr umkehrbar. Man war gezwungen, weiterem Verkaufdruck standhalten zu müssen. Das konnte nicht gelingen, weil die fundamentale Unterstützung fehlte, auf die sich die Bullen bei ihrem Widerstandsversuchen hätten berufen können.
 
Die Pro Farmer Crop Tour hat den Mittleren Westen der USA in die Zange genommen und arbeitet sich sowohl vom Westen als auch vom Osten her durch den US-Mais- und Sojagürtel. In den weniger wichtigen Peripheriestaaten wurden bereits sehr gute Schotenansätze gemeldet. Nunmehr dringt man ins Zentrum vor, und der Markt befürchtet auch hier außergewöhnlich gute Ertragsvoraussetzungen. Demzufolge drohen weitere unangenehme Konsequenzen preislicher Art. In diesem Klima gaben die Bullen ihren Kampfesmut auf und rannten aus der Arena. Warum soll man sich auch mit wund geschlagenen Flanken zu Tode kämpfen? Vorher wechselt man doch lieber das Gewand und schlüpft selbst in den Bärenpelz.
 
Im internationalen Geschäft gab es keinen Aufreger, den man kommentieren müsste. Der Hamburger Branchendienst Oil World sieht die globalen Rapsexporte in 2014/15 fallen. Die reduzierten Outputs von Kanada, Australien und der Ukraine seien hierfür ursächlich. Insgesamt sollen 13,6 – 13,9 mio Tonnen exportiert werden. Hiervon sollen 7,8 mio to auf Kanada entfallen. Im letzten Zyklus konnten die Kanadier noch 9,27 mio to an den Mann bringen. Weltweit wurden in der letzten Rapssaison international noch 15,2 mio Tonnen bewegt.
 
ADM Germany (ehemals Toepfer) hat gestern die deutsche Rapsernte mit 6,08 mio Tonnen beziffert. Damit wurde nun zum dritten Mal die 6 mio to-Marke von einem namhaften Marktteilnehmer statistisch genommen. Die Meldung kommt nicht überraschend, denn sie bestätigt einmal mehr die guten Druschergebnisse, die wir über Wochen gemeldet bekommen haben.
 
Die Rapsnotierungen an der Matif waren imstande, sich gegen den Abwärtssignale der Bohne entgegen zu stemmen. Der Novembertermin schaffte ein Plus von 1,25 €/mto und settelte bei 320,75. Auch hier gilt, dass sich der Markt in äußerst labiler Verfassung befindet. Ein Durchbruch durch die 320,-er Marke, wäre zwar kein charttechnischer Totalschaden, aber es wären wohl weitere Verluste vorprogrammiert.

Weizen gibt alle Gewinne wieder ab

Der Dezembertermin am CBoT 8 ½ cts/bu und settelte bei 5,50 US$/bu glatt. Das Tagestief lag bei 5,45 US$/bu, sodass man zeitweise glauben musste, dass diese wichtige Unterstützung endgültig gebrochen sei. Mit einer Schlussoffensive der Bullen konnte dieses Szenario gerade noch eben abgewendet werden. Dennoch kommen wir nicht an der Einsicht vorbei, dass der Markt weiterhin schwach gestimmt und schnell bei der Hand ist zu verkaufen, wenn ein eindeutiger bullischer Einfluss fehlt.
 
Am Montag hatte das USDA in seiner Bestandsbonitierung zwei Prozent von der Topkategorie „gut bis exzellent“ beim US-Sommerweizen abgeknappst. Es stehen nicht mehr 70, sondern „nur noch“ 68% der Bestände exzellent auf dem Acker. Das ist immer noch sehr viel und verheißt eine gute Ernte. Das wollen wir nicht in Abrede stellen. Dennoch mehren sich die Stimmen der Farmer, dass die Bestände nicht den üblichen pflanzenbaulichen Zustand erreicht hätten und deshalb mit Ertragseinbußen zu rechnen sei. Eine derartige Einschätzung erscheint glaubwürdig, weil sie von charttechnischer Seite bestätigt wird.
 
Werfen wir einmal einen Blick auf die Preisdifferenz zwischen den Weizennotierungen in Minneapolis (Qualitätssommerweizen in den USA) und denen in Chicago (Futterweizen). Man sieht, dass der Spread zwischen beiden Märkten bis Ende Juni anzog. Danach ging es wieder bergab bis man auf dem 50%-Fibonacci-Retracement (dünne schwarze Horizontale) aufschlug. Nunmehr scheint sich der Spread wieder nach oben bewegen zu wollen. Das macht Sinn, wenn es tatsächlich pflanzenbauliche Probleme mit dem Sommerweizen in den USA geben sollte.
 
International tenderte Taiwan gestern für knapp 100 tsd Tonnen Weizen. Das war ein übliches Kaufgesuch aus Asien in das man nichts hineingeheimnissen sollte. Daneben kauften die Jordanier 100 tsd Tonnen Weizen optionaler Herkunft. Diese Ware soll im Dezember verschifft werden.
 
Die Kasachen bezifferten ihr Getreideexportpotential im laufenden Zyklus 2014/15 auf 8 – 9 mio Tonnen. Damit ist man auf bestem Wege das Ergebnis von 8,7 mio to aus dem letzten Jahr zu wiederholen. Der Löwenanteil aller Getreideexporte nimmt Weizen für sich in Anspruch. Der russische Nachbar hat seine Getreideernte nun zu 46% voran getrieben und dabei 66,3 mio Tonnen gedroschen. Im letzten Jahr sah das noch bedeutend schlechter aus, denn man kam seinerzeit über 53 mio to nicht hinaus.
 
ADM Germany (ehemals Toepfer) sieht die deutsche Weizenernte bei 26,04 mio to. Im letzten Jahr hatte man laut Toepferzahlen 24,6 mio to Weizen geerntet. Die jüngste Schätzung von ADM Germany fügt sich nahtlos in den Reigen steigender Prognosen ein und liefert uns deswegen keine tieferen Erkenntnisse mehr. An der Matif herrschte weiterhin Flaute, und die Notierungen trieben zurück. Der Novembertermin büßte 1,25 €/mto ein und schloss bei 171,25 €/mto. 

Mais ohne bullische Energien

Der Dezembermais verlor am CBoT gestern 4 ¾ cts/bu und schloss bei 3,67 ½ US$/bu. Damit hätte auch der Mais sämtliche bullischen Tendenzen des Vortages negiert und sich der bärischen Seite zugewandt. Die Abschläge im Weizen waren pures Gift gegen das es gestern kein Gegenmittel mehr gab. Denn auch beim Mais droht die Pro Farmer Crop Tour durch den Mittleren Westen weiterhin exzellente Ertragsvoraussetzunge zutage zu fördern. Mit diesem Stein um den Hals hat man momentan keine Kraft, sich einer bärischen Tendenz aus dem Weizen entgegen zu stemmen. Man muss klein bei geben und Reißaus nehmen. Das gebieten kaufmännische Vernunft und Vorsicht.
 
International kamen Nachrichten aus Argentinien an den Markt. Die Getreidebörse in Buenos Aires veranschlagt die Maisfläche 2014/15 bei 3,2 mio Hektar. Das wäre im Vergleich zum letzten Produktionszyklus ein Minus von etwa 10%. An der Matif verlor der November 1,- € und settelte bei 152,75 €/mto.

Eurex-Kartoffel in preislicher Schwermut gefangen

Mit verloren gegangenem Lebensmut schleppten sich die Kartoffelnotierungen durch den Handelstag. Die Ware, die alterntig für nichts über den Ladentisch geht, liegt der abgebenden Seite schwer im Magen und drückt aufs Gemüt. Der gestrige Umsatz betrug gerade noch 22 Kontrakte. Wir wollen aber an dieser Stelle einmal positiv denken und in dem geringen Umsatz ein positives Signal sehen. Hätte der Markt auf gegenwärtigem Niveau verstärkt Verkaufinteresse gehabt, hätte man sicherlich nicht die 7,- €/dt-Marke halten können, und es hätte deutlich mehr Umsatz geben müssen. Am Ende blieb der Kartoffel ein Plus von 0,20 €/dt und ein Settlement von 7,020 €/dt (April).
 
Der Kassamarkt gibt einem jedoch keine Möglichkeit mehr, einen Tropfen bullischen Saftes auszupressen. Hier herrschte einfach nur noch Depression. Es bleibt nichts anderes übrig, als auf die neue Ernte zu hoffen. Vielleicht ergibt sich ja etwas, falls frühe Rodungen enttäuschen sollten.
 
Das schlachtreife Septemberschwein gab ein Lebenszeichen von sich und wurde einmal bei 1,600 €/kg gehandelt. Das war ein Minus von 0,028 €/dt. Der Ferkel blieb stumm. Im weißen Sortiment schaffte das Magermilchpulver im Oktober drei Kontrakte Umsatz bei 2250,- €/to. Die Butter war lebhafter. Hier kam es zu erfreulichen 53 Kontrakten, die ihren Besitzer wechselten. Die Preistendenz war in beiden Milchkomponenten positiv. Ob die Tiefs gemacht sind?

Frankreich testet Zuckergehalte

Die nationale Vereinigung französischer Zuckerfabrikanten hat gestern die Ergebnisse eines zweiten Zuckerrübentests veröffentlicht. Nachdem man über die französischen Zuckerrübenäcker geschlendert ist, um einige Proberügen zu ziehen, hat man den Zuckergehalt festgestellt. Nachdem der erste Test einen Zuckergehalt von 15,3% auswies stieg dieser im zweiten Test auf 15,6% an. „Wie hoch ist der Zuckergehalt der Rüben? Der Zuckergehalt der Rüben liegt im Durchschnitt bei rund 18 %. Er kann in Abhängigkeit von Sorte, Witterung und Standort jedoch von unter 15 % bis über 23 % schwanken.“ (Quelle: Südzucker, http://www.suedzucker.de/de/FAQ/Rohstoff-Ruebe/)
 
Angesichts der vorangegangenen Informationen nehmen sich die bislang festgestellten Zuckergehalte in Frankreich schwach aus. Allerdings liegt die Rodung auch noch etwas in der Zukunft. Die Zuckergehalte werden bis dahin sicherlich noch ansteigen.

DAX verliert

Man war in Frankfurt gestern nicht bereit, die Rallye der Aktien gedankenlos weiter fortzuführen. Einerseits gibt es noch viele nicht gelöste Unruheherde auf der Welt und andererseits stand die Zinsentscheidung der FED an. „Die Notenbanker zögern noch“, hieß es gestern Abend auf n-tv. Trotz einer überraschend guten Arbeitsmarktentwicklung in den USA, sieht die FED derzeit keinen Grund für eine Zinserhöhung. Man wolle noch abwarten bis sich der Aufschwung gefestigt habe. Der DAX gab knapp 20 Punkte nach und settelte bei 9314,57 Zählern.
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