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Börsentelegramm

Agrarmärkte: Wie gewonnen, so zerronnen

von , am
01.10.2014

© kk artworks/fotolia
Bis auf wenige Ausnahmen bewegten sich globalen Agrarmärkte gestern wieder abwärts. Am CBoT büßten Mais, Weizen und Bohne allesamt ein. Vom positiven Wochenauftakt blieb damit nicht mehr viel übrig. Die Zahlen des USDA´s waren dort, wo sie von Bedeutung besaßen (Weizen), bärisch. Bei Bohne und Mais spielten sie lediglich untergeordnete Rollen und wurden dementsprechend behandelt.
 
Sojabohne gibt Vortagesgewinne ab
 
Die Novemberbohne gibt am CBoT 11 ¼ cts/bu nach und schließt bei 9,12 ¼ US$/bu. Die US-Quartalsendbestände in der Bohne zum 1. September wurden vom USDA mit 92 mio Scheffel beziffert. Das war durchaus bullisch zu betrachten, denn der Markt rechnete im Vorfeld mit einer deutlich besseren alterntigen Versorgung. Die Flüsterschätzung lag bei 126 mio Scheffel. Es verhält sich aber so, wie wir in der Einleitung des gestrigen Börsentelegramms geschrieben hatten.
 
Bei Bohne und Mais ist die Höhe des jeweiligen Quartalsendbestands nahezu bedeutungslos, weil der Fokus der Preisbildung klar auf den Verhältnissen der neuen Ernte liegt. Und die neue US-Ernte präsentiert sich ausgesprochen ertragsstark. Die Bohne geriet trotz allen Zahlengeklingels des USDA´s unter Erntedruck und gab nach. Das ist das ganze Geheimnis der gestrigen Chicagoer Sitzung.
 
Die Sojaölpreise, die am Montag noch als Zugpferd agiert hatten, mussten dank eines kollabierenden Rohölpreises den Rückwärtsgang einlegen. Und damit erwies sich das Sojaöl mit seiner kursstützenden Wirkung als Eintagsfliege. Nebenbei haben die Schrotnotierungen des Dezembertermins die Marke von 300,- US$/shtto durchbrochen. Das war sehr erfreulich für viehhaltende Betriebe, die Sojaschrot in ihren Rationen einsetzen. Der relativ schwache Euro konterkariert allerdings den Abwärtstrend in Übersee.
 
Die Rapsnotierungen an der Matif blieben von den Geschehnissen relativ unberührt. Man konnte sich weiter am Fahnenmast nach oben arbeiten. Der November legte 1,50 € zu und settelte bei 318,75 €. Gestern blieben die Rapsölnotierungen in Europa trotz stark fallender Rohölpreise weiter fest gestimmt, sodass man seitens der Mühlen entsprechende Rapspreise bezahlen konnte. Wenn das so bleibt, schön und gut, aber wenn nicht….dann dürfte sich das Rapspreisniveau kaum halten lassen, zumal der Erntedruck der Bohne gerade erst begonnen hat.
 
Weizen: Bärentatze schlägt zu
 
Der Dezemberweizen am CBoT verlor gestern 3 ½ cts/bu und settelte bei 4,77 ¾ US$/bu. Die Quartalsendbestände in den USA als Resultante der abgeschlossenen US-Ernte wurden gestern seitens des USDA´s mit 1,914 Mrd. Scheffel veranschlagt. Das lag relativ deutlich über den Erwartungen von 1,88 Mrd. Scheffel. Da spielte es keine Rolle mehr, dass die Ministerialstatistiker die Gesamtweizenernte der USA im Jahre 2014 mit 2,035 Mrd. Scheffel veranschlagten. Das lag nämlich marginal unterhalb der erwarteten 2,037 Mrd. Scheffel. Die etwas geringere Erntemenge verpuffte ohne jedwede Wirkung in der Preisfindung.
 
Die fallenden Maispreise und der relativ erstarkende US$ nagelten schließlich den Deckel auf den Sarg der gestrigen Sitzung. Damit aber nicht genug, heute Morgen fallen die Notierungen im Chicagoer Nachthandel weiter und senden uns ein bärisches Eröffnungssignal über den großen Teich. Eine von der Nachrichtenagentur Reuters durchgeführte Befragung von Marktbeteiligten erbrachte hinsichtlich der neuen australischen Weizenernte folgendes Ergebnis. Im Durchschnitt sieht man wegen der zu trockenen Ostküstenbedingungen die neuerntige australische Weizenproduktion bei 24,0 mio Tonnen. Das liegt 1,5 mio Tonnen unterhalb der letzten Prognose des USDA´s. Bei der Qualität sieht man hingegen keine Probleme auftauchen und geht von guten Proteinwerten aus.
 
AgroConsult sieht die ukrainischen Weizenexporte bei insgesamt 10 mio Tonnen und damit mit 5,3% über den Ausfuhren des Vorjahres. Insgesamt seien im laufenden Vermarktungszyklus bereits 44% der exportfähigen Ware im Markt untergebracht. In Kanada haben sich die Witterungsbedingungen verbessert. Nunmehr kann auch in Manitoba mit der gebotenen Intensität geerntet werden. An der Matif setzten die Notierungen im vorderen November wieder etwas zurück. Man verlor 1,- €/to und schloss bei 152,75 €/to.
 
Mais setzt Abwärtstrend fort
 
Der Dezembertermin am CBoT verlor gestern 5 cts/bu und settelte bei 3,20 ¼ US$/bu. Der Erntefortschritt in der abgelaufenen Woche wurde vom USDA mit 12% veranschlagt. Man hatte sich hinter vorgehaltener Hand einen Wert von 15% zugeflüstert. Trotz des hinter den Erwartungen zurück gebliebenen Erntefortschritts ist der Maismarkt am CBoT vom Kassamarkt her unter Druck gesetzt worden. Die Erträge sind derart erfreulich, dass man auch mit leicht verzögerter Erntetätigkeit preislichen Druck verspürt. Genau genommen scheint den Kommentatoren in den Marktberichten die Superlative auszugehen, wenn sie über die US-Maisernte berichten. Da nimmt es nicht wunder, dass wir mit dem gestrigen Schlusskurs auf ein neues Fünfjahrestief gefallen sind.
 
Zu allem Übel hatte das USDA noch die Quartalsendbestände mit 1,236 Mrd. Scheffel über den erwarteten 1,185 Mrd. Scheffel veröffentlicht. Das schnürte den Preisoptimisten endgültig die Luft zum atmen ab, sodass sie die Flucht ergreifen mussten. Matifpreise weiter unterhalb der 140,- € (Nov.).
 
Eurex: Kartoffelumsatz stürzt ab
 
Die Umsätze in der Veredelungskartoffel sind am zweiten Handelstag der Woche auf ein unwürdiges Niveau abgerutscht. Es wurden insgesamt nur 40 Kontrakte gehandelt. Hiervon entfielen 34 auf den Apriltermin 2015. Erfreulicherweise konnte wenigstens das Preisniveau etwas anziehen. Der April legte 0,10 €/dt zu und schloss bei 6,10 €/dt. Die Preisverschiebung war nur marginal, sodass man den Markt am besten mit dem Wort „unverändert“ beschrieben hat.
 
Schwein und Ferkel blieben erneut völlig vernachlässigt, und im weißen Sortiment sah es nicht viel besser aus. Aber immerhin konnten Magermilchpulver und Butter ein Umsatzminimum aufweisen. Die Preise waren tendenziell abschlägig. Das machte sich insbesondere beim Pulver bemerkbar, das teilweise über 60,- €/to einzubüßen hatte.
 
Zuckerpreise auf stabilisierten Niveaus
 
Die Zuckerpreise haben nach ihrem ausgeprägten Abwärtsschwung am ehesten die Kurve nach oben bekommen. In den letzten vier Handelstagen hat sich eine leicht festere Tendenz etabliert, die den Preis deutlich über die Marke von 16 cts/Pfund gehoben hat (Märztermin 2015 in New York). Die fundamentale Lage hat sich kaum verändert, sodass wir die Gründe in der charttechnisch überverkauften Marktsituation zu suchen haben. Wenn hier aber der Grund verborgen war, dann hat der letzte Aufwärtsschwung nicht mehr Substanz als die einer Rückschnapprallye. So ist es denn auch nicht verwunderlich, dass die Zuckerpreise gestern keine Kraft hatten, sich der schwachen Tendenz entgegen zu stemmen. Der Märztermin verlor über 2% und schloss bei 16,45 cts/Pfund.
 
DAX hofft auf Geldschwemme
 
Inmitten einer weltweit katastrophalen ökonomischen Datenlage verharren die Finanzmärkte auf rekordverdächtigen Niveaus und feiern die Börsengänge von Internetfirmen. Auf den Arbeitsmärkten kommt der sogenannte „Aufschwung“ überhaupt nicht an. Das kann er auch er auch nicht, denn der sogenannte Aufschwung an den Börsen ist nichts anderes als eine gigantische Inflationsblase, die durch das fortgesetzte Drucken frischen Geldes aufgepumpt wurde. DAX: + 51,39 Punkte.
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