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Börsentelegramm

Agrarmärkte in großen Teilen puderrot

von , am
02.04.2014

© Mühlhausen/landpixel
Der Dienstag konnte zwar der Bohne und dem Mais Zugewinne bescheren, aber fast der gesamte Rest der Agrarrohstoffe war tief in den roten Zahlen. In den USA bröckelten die Weizenkurse. Zucker verlor in New York fast 4% und war Träger der roten Laterne. Baumwolle, Kaffee, Kakao und Rinder reihten sich alle in die Riege der Verlierer ein. Die Rohölnotierungen kamen in London und in New York heftig unter die Räder. Die Verluste betrugen hier über 2,- US$/Fass. Die Finanzmärkte wiesen moderate Zugewinne auf.

Bohne legt nach

Die Maibohne legte gestern pralle 20 ½ cts/bu zu und settelte bei 14,84 ½ US$/bu. Ein weiteres Mal konnten die alterntigen Termine am CBoT die Zügel in die Hand nehmen und die Bullen nordwärts peitschen. Die neuerntigen Termine konnten nur mit angezogener Handbremse folgen. Hier macht sich die große Fläche der Kampagne 2014/15 von geschätzten 81,5 mio acres bemerkbar. Wenn diese Fläche tatsächlich von den US-Farmern bestellt werden kann, würde es sich um die größte Fläche in der Geschichte des Bohnenanbaus der USA handeln. Spielt das Wetter mit und lassen sich durchschnittliche Erträge erzielen, müsste man mit einer Rekordernte rechnen. Bis dahin wird aber noch viel Wasser den Mississippi hinunter fließen. Wir sollten nichts überstürzen, sondern unseren Beobachtungsfokus auf den Kampagnenstart (Aussaat) legen. Bislang ist in den Hauptanbaugebieten der USA noch nichts passiert.
 
An der Matif konnten die Rapsnotierungen trotz bester Vorgaben der Bohne die Verluste des Vortages nicht vollständig aufholen. Das lässt uns vorsichtig und skeptisch zurück, denn die neuen Hochs in der Bohne hätten allemal dazu gut sein müssen, den Raps auf neue Hochs zu puschen. Das blieb aber aus. Der Maitermin legte 2,75 € zu und settelte bei 409,75 €. Der August packte 3,50 € drauf und schloss bei 373,- €/mto. Möglicherweise wirken die wieder abwärts gerichteten Palmölpreise als unüberwindbarer Hemmschuh.

Weizen lässt nach

In Übersee verlor der Maiweizen am CBoT 12 cts/bu und schloss bei 6,85 ¼ US$/bu. In Kansas und Minneapolis waren die Quali-Weizenpreise in ähnlicher Größenordnung im Minus. In der gestrigen Sitzung gab es zu Handelsende eine sehr starke Rallye, die wie ein Schlag ins Gesicht der Bären anmutete. Hatte man doch fast den gesamten Handel wegen der USDA-Zahlen im negativen Terrain verbracht. Gestern war von einer derart positiven Entwicklung nichts mehr zu spüren.
 
Im weiteren Kampagnenverlauf rückt der pflanzenbauliche Entwicklungszustand ins Zentrum der Aufmerksamkeit. In der nächsten Woche wird das USDA mit den regelmäßigen Crop Ratings beginnen, die auf Wochenbasis Auskunft über den Wachstumsfortschritt geben werden. Fraglich ist aber der wirkliche Ausgangszustand des US-Winterweizens, denn es muss in einigen Teilen mit Auswinterungen gerechnet werden. Die westlichen Teile des Weizengürtels gelten als besonders betroffen. Aber wir werden sehen, wie sich die Lage entwickelt.
 
Bei uns fehlt Wasser! Bislang wurden fast alle Hoffungen in Deutschland auf bindfadenartige Regenfälle, die das Bodenfeuchtedefizit beseitigen könnten, enttäuscht. In den nächsten zwei Wochen gilt die Lage noch als verschmerzbar, dann aber muss Regen kommen! Andernfalls gibt es Probleme auf den Äckern. In einem waschechten Wettermarkt sind wir aber (noch) nicht, sodass wir an dieser Stelle nicht übertreiben wollen.
 
An der Matif blickte man auf das internationale Preisumfeld und entschied, sich nach unten zu orientieren. Lediglich der alterntige Mai konnte 0,25 € zulegen und bei 208,- € glatt schließen. Neuerntig war alles 1,- € im Minus.

Mais hält die 5-US-Dollar-Marke

Die Maisnotierungen im Maitermin schlossen gestern am CBoT mit 5 ½ cts/bu im Plus. Mit einem Schlusskurs von 5,07 ½ konnte die Eroberung der 5,- US$/bu-Marke weiter ausgebaut werden. Aus charttechnischer Sicht ist dies ein erfreuliches Zeichen für die Bullen.
 
Was die internationale Nachrichtenlage anbelangte, so gab fast nirgendwo etwas wirklich Bedeutsames zu beobachten. Dies galt aber nicht nur für Mais, sondern auch für Bohne und Weizen. Die Meldungen beschränkten sich auf marktübliche Geschäfte des internationalen Handels. Tender wurden in unspektakulärer Höhe in den Markt gegeben und lockten erst einmal keinen Hund hinter dem Ofen hervor. Die Japaner haben beschlossen, diese Woche keine Käufe für Futtergetreide zu tätigen. Hieraus lässt sich allerdings nichts Gescheites ableiten. An der Matif konnten die europäischen Notierungen eine positive Tendenz aufweisen.

Kartoffel hält schwache Tendenz aufrecht

Zwar konnte der Apriltermin 2014 an der Eurex bei einem Gesamtmarktumsatz von 158 Kontrakten den Schlusskurs vom Montag in Höhe von 10,80 €/dt bestätigen. Im Junitermin allerdings gab es Abschläge in Höhe von 0,30 €/dt zu beobachten. Der Schlusskurs lag bei 11,90 €/dt. Der Junitermin soll die letzte nicht kontraktlich gebundene Ware einer Kartoffelkampagne repräsentieren und darf demzufolge als Indikator für den Knappheitsgrad herangezogen werden. Fallende Preise legen nicht den Schluss nahe, dass sich die Industrie gegen Kampagnenende um die letzten Kartoffelsäcke zu balgen bereit ist. Der Drops dürfte gelutscht sein.
 
Die Bintje-Notierungen wurden um 0,25 €/dt zurückgenommen (Preisspanne: 9,- - 9,50 €/dt).
 
Im Mastschwein wurden gestern 9 Kontrakte umgesetzt, wobei allein sieben auf den Maitermin entfielen. Hier settelte der Markt bei 1,689 €/kg Schlachtgewicht. Das kleine Butzchen konnte nicht nachziehen; hier gab es leider keinen Umsatz zu bestaunen.
 
Im weißen Sortiment gab es regen Umsatz im Milchpulver und in der Butter. Milchpulver wurde 14 Mal und die Butter sogar 68 Mal umgesetzt. Die Preise waren fast samt und sonders abschlägig. Die 3000,- €-Marke im Milchpulver wurde auf einer Fülle von Terminen heftig durchbrochen. In der Butter hielten sich die Preise trotz Abschlägen bei etwa 3375,- €. Der Preisrutsch in den Milchprodukten wirft die Frage auf, ob der Bullenmarkt in der Milch vorbei ist. (Man bekomme den voran gegangenen Satz nicht in den falschen Hals, denn Bullen geben ja bekanntlich keine Milch. Das Absondern dieser Flüssigkeit ist der Kuh vorbehalten)

Zucker: Pakistans Exporte fallen

Die Zuckerexporte des viertgrößten asiatischen Zuckerproduzenten Pakistan werden in der laufenden Kampagne fallen. Die rekordhohen Exporte aus der Vorkampagne haben die Bestände in Pakistan entsprechend absinken lassen, sodass sich das Exportpotential im laufenden Zyklus natürlicherweise verringert. Der Chef des pakistanischen Zuckerverarbeitungsverbundes bezifferte die möglichen Exporte der laufenden Kampagne auf etwa 1 mio Tonnen. Im vorangegangenen Zuckerwirtschaftsjahr konnte man noch 1,2 mio Tonnen im internationalen Markt absetzen.
 
Die Zuckerpreise konnten sich in den letzten zwei Monaten infolge der trockenen Bedingungen in Brasilien, Thailand und Australien nach oben bewegen. Die üppigen Bestände in Indien und Brasilien scheinen nun allerdings als Bremse zu wirken, denn die eigentlich bullische Nachricht aus Thailand (siehe Kommentar gestern) war nicht imstande, einen positiven Einfluss auf den Preis zu nehmen. Die Zuckerpreise gerieten heftig unter die Räder; der Maitermin in London verlor 15,70 $ und schloss bei 458,50 US$/to.

DAX im Plus

Das deutsche Aktienbarometer wurde gestern mit Zugewinnen in den April geschickt. Am Ende stand ein Plus von 47,80 Punkten, und der Index schloss bei 9603,71 Zählern.



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