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Börsentelegramm

Agrarmärkte im grünen Bereich

von , am
19.06.2014

Die Kurs-Achterbahnfahrt der Kartoffel kam gestern zum Halten. © transgen.de
Die Julibohne legte gestern abend am CBoT einen inoffiziellen Schlusskurs von 14,09 US$/bu hin. Das entsprach einem zweistelligen Plus von immerhin 11 ¼ cts/bu. Nach den heftigen Verlusten der Vortage war der Markt sicherlich für eine Gegenreaktion überfällig. Hierfür bedürfte es aber eines begründeten Anlasses, der gestern in Form eines alterntigen Exportgeschäftes von 140 tsd Tonnen über die Nachrichtenkanäle tickerte. Der Bestimmungsort der exportierten Bohnen wurde nicht genannt, sodass man hierüber nur spekulieren kann. Eine derartige Nachricht musste angesichts der extrem knappen alterntigen Bestandslage in den USA auf einen fruchtbaren Boden fallen.
 
Das steigende Sojaöl stand sicherlich auch noch Pate und erleichterte den Bullen ihre Kaufentscheidung. Im internationalen Geschehen tauchten zusätzlich die Philippinen auf und buchten 133,9 tsd Tonnen Sojaschrot für September-Januar-Lieferung. Nicht nur die Australier fürchten den El Nino und räumen ihm eine 70%ige Eintrittswahrscheinlichkeit ein, sondern die Inder machen sich ebenfalls Sorgen. Sollte sich das Wetterphänomen Bahn brechen, müssen die Inder ihre Produktionsambitionen im Ölsaatenbereich zurückschrauben. In diesem Falle kämen sie nicht um größere Importe herum.
 
In Kanada darf man angesichts der vergangenen fünf Handelstage auf eine Bodenbildung hoffen, und an der Matif überraschten die Kurse gestern mit einer plötzlichen Rallye, die von der Bohne und ihrem Exportgeschäft befeuert wurde. Der August konnte von der Rallye wenigstens 0,75 Euro in den Schluss hinein retten und settelte bei 347,50 Euro/mto.

Weizen: US-Druschergebnisse enttäuschen

Der Julitermin am CBoT legte gestern 4 ½ cts/bu zu und settelte bei 5,86 ¼ US%/bu. Es war wohl nicht mehr als Rückkäufe von Verkaufpositionen (Shortcovering), die dem Weizen am CBoT gestern auf die Beine halfen. Die Inhaber der Verkaufpositionen (Shortisten) fühlten sich angesichts der weiterhin enttäuschenden Druschergebnisse in den Plains in zunehmendem Maße unwohl und zogen es vor, ihre Positionen zu verkleinern. Die Bären führen zwar weiterhin das Argument im Schilde, dass die Druschergebnisse in den Hauptanbauzonen der US-Winterweizengebiete besser werden, aber die Shorties an der Börse gingen gestern auf Nummer sicher.
 
Es war immerhin die Kansas Wheat Commission, die gestern für den Süden des Bundesstaates Kansas ein Ertragsniveau von 10 - 12 Scheffel/Acre veröffentlichte. Mit einem derart mageren Ergebnis hatten selbst die chronischen Pessimisten nicht gerechnet. Das USDA geht für Kansas noch von einem Durchschnittsertrag von 29 Scheffel/Acre aus. Wenn das erreicht werden soll, müssen sich die Druschergebnisse sofort signifikant verbessern, sonst sind diese Prognosen nicht zu halten.
 
Im internationalen Geschehen sicherten sich die Philippinen neben dem oben erwähnten Sojaschrotgeschäft noch weitere 180,2 tsd Tonnen Futterweizen. Die Japaner erhielten vorerst keine Offerten auf ihre Kaufgesuche. Offenbar waren die Preisvorstellungen zu unterschiedlich. Bei uns in Europa geht MARS nun von einem durchschnittlichen Weizenertrag von 5,81 Tonnen/Hektar aus. In der letzten Schätzung hielten die Europastatistiker noch 5,79 to/ha raus. In der Ukraine hat die Getreideernte begonnen. Das ist uns nicht neu, denn wir berichteten bereits hierüber. Nun aber sind die Mähdrescher über den Ackerrand der Gerstenfelder in die Weizenbestände gefahren. Neben 374 tsd Tonnen Gerste hat man auch schon 7000 Tonnen Weizen gedroschen. Das ist wirklich ungewöhnlich früh. An der Matif konnte der Novemberweizen 1,50 €/mto zulegen und settelte bei 188,50 €/mto.

Mais ebenfalls im Plus

Der Julikontrakt am CBoT legte genau 1 ct/bu zu, sodass man bei 4,40 ½ US$/bu schließen konnte. Die steigenden Weizennotierungen waren wohl der Anlass für das kleine Plus im Mais, denn wenn man sich im Maismarkt selbst umschaut, muss man lange nach bullischen Einflussfaktoren suchen, um Preiszuwächse zu erklären. Die alten Bestände reichen allemal aus, um in die neue Kampagne zu kommen, deren Bestände in nahezu perfektem Zustand auf dem Acker stehen. In den letzten 24 h hat es hier und da vielleicht ein Übermaß an Regen gegeben, aber zuviel Regen ist im allgemeinen nicht das Problem. Jedenfalls dann nicht, wenn es zu keinen Überflutungen kommt.
 
Ansonsten gilt die alte Weisheit: Rain makes Grain. Neben den strammeren Weizennotierungen gab es die angestiegene Ethanolproduktion in den USA, die ihr Scherflein zum Plus von 1 ct/bu beigetragen haben mag.
 
An der Matif konnte der Junitermin 0,75 € zulegen und schloss bei 182,25 €/mto.

Eurex: Kartoffel schließt unverändert

Die Achterbahnfahrt der Kartoffel kam gestern zum Halten. Bei einem Gesamtumsatz von 143 Kontrakten ging es zwar zwischenzeitlich bis 12,20 €/dt runter, aber der Settlement lag mit 12,90 €/dt exakt auf Vortagesniveau.
 
Im tierischen Bereich konnte die Wutz auftrumpfen. Der Septembertermin 2014 wurde dreimal gehandelt. Die Preisspanne rangierte hierbei zwischen 1,750 und 1,760 €/kg. Das Ferkel konnte leider nicht belebt werden. Hier gab es keine Umsätze zu vermelden. Das weiße Sortiment steht diese Woche nur noch farblich für die Unschuld. Hinsichtlich der Umsatztätigkeit hat man diese gestern verloren. Sowohl im Magermilchpulver als auch bei der Butter sprengte man die Fesseln der Untätigkeit entzwei.

China: Wohnimmobilien verkaufen sich schlechter

In China mehren sich die Hinweise für eine scharfe Korrektur im Immobilienbereich. Neben den gewerblichen Immobilien bzw. den Gewerbeflächen korrigieren nun auch die Preise für private Wohnimmobilien. In der chinesischen Hauptstadt Peking sind die Verkäufe im Bereich der Wohnimmobilien in 2014 bislang um 35 % eingebrochen. Der Markt kontrahiert derzeit nicht nur volumenmäßig auf breiter Front, sondern auch preislich.

China schließt Fleischdeal mit Australien ab

West Australiens größter Fleischverarbeiter hat einen Deal mit der chinesischen Firma Grand Farm abgeschlossen. Das Geschäftsvolumen der Liefervereinbarungen beträgt etwa 1 Mrd. US$. Bereits zu Beginn der laufenden Woche waren Signale aus China zu hören, dass der chinesische Staatsfonds damit beginnt, seinen Investitionsfokus auf die Landwirtschaft zu richten. Die Privatwirtschaft hat längst damit begonnen, ihre Investitionen auf den chinesischen Markt abzustimmen. Hier findet derzeit eine kopernikanische Wende statt, die die Agrarpreise weltweit nachhaltig beeinflussen wird.

China/London: Chinesische Währung gewinnt international weiter an Bedeutung

Nicht nur im agrarischen Bereich werden wir derzeit Zeugen einer kopernikanischen Wende hinsichtlich des Reichs der Mitte, denn es gibt weitere bedeutende Entwicklungen zu beobachten. Die Londoner Börse hat mit verschiedenen chinesischen Banken ein Abkommen geschlossen, das den Handel mit der chinesischen Währung (Renminbi) erleichtern und stärken soll. Das ist der nächste wichtige Schritt, um die globale US$-Dominanz zu brechen.

Argentinien erleidet Schlappe

Die seinerzeit unter internationalem Recht aufgelegten Staatsanleihen Argentiniens wurden mit der Staatspleite Anfang des Jahrtausends praktisch wertlos. Aufgrund ihres rechtlichen Status fanden sie dennoch Käufer im internationalen Investmentbanking. Während die meisten Gläubiger im Rahmen einer Umschuldung auf den Großteil ihrer Forderungen verzichteten, klagten einige Hedgefonds über viele Jahre hinweg ihre Forderungen in voller Höhe durch alle Instanzen.
 
Argentinien blieb trotz aller juristischen Schlappen stur und zahlte weder einen Heller noch Pfennig. Nunmehr hat der höchste Gerichtshof in den USA Argentinien zur Zahlung verdonnert. Die argentinische Regierung hat aber das Urteil nicht anerkannt und weigert sich weiterhin, die Zahlungen zu leisten. Die Zeichen stehen also auf Sturm!

DAX & Co. warten auf die FED-Entscheidung

Man hielt sich gestern zurück und wartete auf die Zinsentscheidung der FED. Am Abend trat Janet Yellen vor die Kameras und verkündete einen weiteren Schritt im Zurückfahren der Anleihe und Schrottpapieraufkäufe. Die Zinsen blieben aber auf dem derzeit niedrigen Niveau. Was das Aufkaufen von Schrottpapieren anbelangt, so wird sich die Ernsthaftigkeit des Taperings erst in dem Augenblick offenbaren, in dem das Kartenhaus wieder ins Wackeln gerät. Keine Sorge, das wird nicht lange auf sich Warten lassen. Der DAX legte gestern 10 Punkte zu und schloss bei 9930.
 
Unterdessen tobt die politische Schlacht um die Ausrichtung der europäischen Krisenpolitik. Den vereinigten Sozialisten in Europa fällt in ihrem grenzenlosen Unverstand nicht mehr ein, als den nächst höheren Gang in der Verschuldungsorgie einzulegen. Sie wollen einfach nicht kapieren, dass es der uferlose Schuldensumpf war, der die Probleme herauf beschworen hat. Mit weiterer Verschuldung ist dem Problem nicht beizukommen. Die naive Unbedarftheit und der Zustand vollkommener Unwissenheit (um nicht das Wort Dummheit gebrauchen zu müssen) der Sozialisten in Wirtschaftsfragen spotten jeder Beschreibung. Hier namentlich keine Erwähnung findende Politiker fordern, die staatlichen Investitionen zukünftig nicht mehr in die Staatsdefizite einzurechnen. Damit wäre der gedankenlosen Prasserei endgültig die letzte Schranke genommen und die Welt könnte mit endlosen Berliner Flughäfen, Elbphilharmonien und Nürburgringen zugepflastert werden.
 
Eine "staatliche Investition" ist niemals wirtschaftlich sinnvoll, denn sie leitet Mittel aus dem produktiven in den unproduktiven Sektor um. Immer und grundsätzlich! Dort wo kein privates Geld hin fließt, sind Investitionen schlicht und ergreifend unrentabel. Wer braucht denn staatlich errichte Flughäfen, wo kein Flugzeug startet und landet?

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