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Börsentelegramm

Agrarmärkte im grünen Gewand

von , am
09.04.2014

© agrar-press
Mit nur wenigen Ausnahmen legten gestern die globalen Agrarmärkte das grüne Gewand an und stiegen preislich an. Die Bohne, Mais und Weizen am CBoT tendierten allesamt zur Festigkeit.
 
Im Vorfeld des heutigen WASDE-Reports des USDA´s gab es vorsichtige Positionierungen zu beobachten. Rohöl zog an den internationalen Handelsplätzen stark an. Aktien neigten zur Schwäche, konnten sich aber deutlich von ihren Tagestiefs erholen. Die Südzucker AG stach negativ hervor.

Ölsaatenkomplex erneut fest

Die Maibohne legte gestern 18 ½ cts/bu ein und settelte bei 14,82 ¾ US$/bu. Bis auf die technisch bedingte Handelsunterbrechung zu Sitzungsende gibt es nichts Spektakuläres von gestriger Handelssitzung zu berichten. Man positionierte sich im Vorfeld des Reports, was zu steigenden Notierungen führte. Wir wollen auf eine zahlenmäßige Wiedergabe der Erwartungshaltung verzichten und uns auf folgenden Hinweis beschränken.
 
Für den heutigen Report des USDA´s hat der Markt eine indifferente bis leicht bullische Erwartungshaltung. Trotz dieses allgemeinen Seelenzustandes des Sojamarktes sei noch einmal darauf hingewiesen, dass die chinesischen Stornierungen von US-Bohnen samt und sonders nach dem 1. März stattgefunden haben und somit keinen Eingang in den nicht bullisch ausgefallenen Quartalsbestandsbericht gefunden haben. Es ist also denkbar, dass das USDA heute die Stornierungen entsprechend würdigt und eine tendenziell bärische Zahl „rausfeuert“.
 
An der Matif legten die Augustnotierungen 1,75 € zu und schlossen bei 372,25 €/mto

Weizen präsentiert sich 'wetterfest'

Der Maiweizen am CBoT legte gestern 4 ¾ cts/bu zu und schloss bei 6,81 US$/bu glatt. Übers Wochenende waren die Niederschläge in den US-Winterweizenregionen deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben und sorgten zu Wochenauftakt für strammere Notierungen an den us-amerikanischen Handelsplätzen. Zum Wochenende hin trüben sich die Vorhersagen ein und lassen für die Landwirtschaft „die Sonne aufgehen“, denn es soll regnen.
 
In der Zwischenzeit bemerken aber einige Beobachter nicht zu unrecht, dass die gegenwärtig wehenden Winde die Region zusätzlich austrocknen und wir infolgedessen in eine sehr prekäre Situation hineinschlittern, falls sich die Niederschlagsvorhersagen fürs kommende Wochenende nicht in die Tat umsetzen lassen.
 
Der US-Agrarattaché in Australien bezifferte die Weizenernte 2014/15 von Down Under auf 24,8 mio Tonnen, was deutlich unterhalb der 27 mio to aus dem Vorjahr läge. Allerdings wurden die exportfähigen Überschüsse mit 19,1 mio to angegeben. Im vorangegangenen Wuchszyklus betrugen diese „nur“ 18,5 mio to. Gestern Morgen ließen die Ägypter verlautbaren, dass man am Nil nicht gedenke, seine vor kurzem neu definierten Qualitätsstandards hinsichtlich der Importware zu verändern. Im einzelnen geht es um einen maximalen Feuchtigkeitsgehalt von 13,0 %. Mit diesem Standard wurde Weizen französischer Herkunft vorerst abgeblockt.
 
Die Lobbyisten aus Frankreich haben in den letzten Wochen keine Anstrengung unterlassen, diesen Passus aus den ägyptischen Importbedingungen zu lockern. Diesen Bestrebungen haben die Pharaonen gestern Morgen aber eine klare Absage erteilt. Wir dürfen uns aber vom politischen Brimborium nicht täuschen lassen, denn im Falle eines etwaigen Knappheitszustandes werden die Ägypter ohne zu fragen alles importieren, was auch nur eine entfernte Ähnlichkeit mit Weizen hat. In dieser Saison war es möglich, einen Großteil des Importbedarfs aus der Schwarzmeerregion zu decken. Sollte sich dies ändern, werden die Ägypter demütig und kleinlaut in Europa mit geöffnetem Portemonnaie auf der Matte stehen und Verhandlungsbereitschaft signalisieren. An der Matif zogen die Preise ebenfalls an. Der November legte 1,- € zu und schloss bei 200,50 €.

Mais: Bullische Zahlen erwartet

Am CBoT hat der Maimais 7 ¾ cts/bu zugelegt und bei 5,07 US$/bu geschlossen. Damit ist die 5,- US$-Marke zurückerobert. Für die Gewinne zeichnen diejenigen verantwortlich, die sich in Erwartung eines bullischen Berichtes auf der Longseite positioniert haben. Die Chinesen haben Maisimporte brasilianischer Herkunft zu Beginn des Monats April 2014 erlaubt. Dieser Schritt deutete sich bereits Ende letzten Jahres an, als sich die brasilianische Regierung dahingehend einließ, sich mit dem Reich der Mitte in Unterhandlungen zu befinden. Nun ist die Katze aus dem Sack. Der Schritt der Chinesen macht sie zusätzlich unabhängiger von US-Ware, die seit letzten Oktober immer wieder Gegenstand von Stornierungen ist. Ein nicht erlaubter Genstrang (Syngenta MIR 162) wurde desöfteren von chinesischen Behörden nachgewiesen und die Ware entsprechend gestoßen.
 
In Frankreich hat in dieser Woche die Maisaussaat Fahrt aufgenommen, was eine Erwähnung verdient. Das Ministerium bezifferte den Aussaatfortschritt zum 31. März auf 2%. Aus Argentinien war zu hören, dass es am Donnerstag dieser Woche einen Streik der Hafenarbeiter und der LKW-Fahrer in Rosario geben wird, der zu einem Verladestopp führen wird. Die Streiker wollen mit ihrer Aktion gegen die Inflation im Land protestieren. Inwieweit die Tarifverhandlungen der streitenden Parteien gediehen sind, ist nicht bekannt. An der Matif legte der Novembertermin 1,- €/mto zu und settelte bei 191,50 €/mto.

Kartoffel erneut schwach

Der Veredelungserdapfel rollte auch gestern an der Eurex talwärts. Nur mit viel Weh und Ach konnten die Marken von 10,- €/dt im April- bzw. 11,- €/dt im Junitermin 2014 verteidigt werden. Der Kassamarkt hatte der schwachen Tendenz nichts entgegenzusetzen. Die PCA-Bintjenotierungen wurden erneut um 0,50 auf 8,50 – 9,0 €/dt zurückgenommen und bestätigte damit die Schwächeneigung. Am Ende des Tages schloss der April bei 10,10 €/dt und der Junitermin 2014 bei 11,10 €/dt. Der Gesamtmarktumsatz von 132 Kontrakten war bestenfalls durchschnittlich.
 
Im Schweinebereich gab es nichts zu holen; Mastsau und Ferkel blieben umsatzlos. Im weißen Sortiment wurde die Butter bei steigenden Preisen 21mal umgesetzt. Der Maitermin legte 17,- €/to zu und settelte bei 3375,- €/to.

China schränkt Schweineimport aus den USA ein

Das Reich der Mitte sah sich infolge des tödlichen Schweinevirus, das in den USA grassiert, dazu gezwungen, den Import von lebenden Schweinen zu begrenzen, ließ das USDA wissen. An der Börse kam es nach dieser Nachricht zu deutlichen Preisabschlägen im Magerschweinkontrakt. China forderte die USA auf, ein Test- und Dokumentationsverfahren zu implementieren, um sicherzustellen, dass die exportierte Ware frei vom PED-Virus (porcine epidemic diarrhea virus) ist.

Zucker seitwärts bis leicht fester

Die internationalen Zuckernotierungen neigten gestern nur kurzzeitig zur Schwäche und konnten sich im frühen Handel bereits nach oben orientieren. Nach den heftigen Einbrüchen zu Wochenbeginn war wohl eine Rückschnapprallye überfällig. Das internationale Handelshaus Dreyfus bezifferte die brasilianische Zuckerernte in 2014/15 mit 33,5 – 34 mio Tonnen. Die globale Versorgungsbilanz 2014/15 befände sich insgesamt in Waage bzw. sei leicht überversorgt. Das französische Agrarministerium schätzte die Zuckerrübenfläche unseres linksrheinischen Nachbarn auf 400 tsd Hektar, was ein Plus von 1,5% bedeuten würde. Die EU wird nach Auslaufen des Quotensystems in 2017 wahrscheinlich Zuckerexporteur werden. An der NYBoT zog der Maitermin an und schloss mit 17,16 cts/Pfund direkt unterhalb seiner 200-Tagelinie.

DAX & Co.: Südzucker AG verliert drastisch

Das Papier der Südzucker AG fiel nach einer Stellungnahme des Unternehmens. Die Verantwortlichen des Zuckerriesen gaben eine Gewinnwarnung heraus und sprachen von „signifikanten Einbußen“ beim Betriebsergebnis. Man rechne seitens des Konzerns mit einem operativen Ergebnis von 200 mio Euro. Im Vorjahr konnte man noch mit fast 660 mio Euro auftrumpfen. Die Reaktion des Marktes hätte kaum schlimmer sein können, denn das Papier wurde auf dem Frankfurter Parkett durchgereicht und musste Abschläge von beinahe 20% hinnehmen. „Das antizipiert schlechtere Umfeld im europäischen Zucker- und Bioethanolmarkt hätte sich bestätigt“, ließen die Mannheimer wissen.
 
Am Nachmittag kostete die Aktie unter 17,- €/Stck. Der MDAX wurde hiervon mit in die Tiefe gezogen. Die Hochs der Südzucker AG lagen Anfang 2013 einmal bei ca. 34,- €. Das deutsche Aktienbarometer DAX weitete gestern seine Verluste vom Vortag aus und durchbrach die 9500 Punktemarke. Man konnte sich zwar von den Tiefstständen erholen, aber schlussendlich blieb doch ein kleines Minus von 20,06 Punkten stehen, das den Index auf 9490,79 Zählern drückte.


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