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Börsentelegramm

Agrarmärkte gut gelaunt und grün gefärbt

von , am
25.09.2014

© Sven Brentrup/aboutpixel.de
Die globalen Agrarmärkte konnten gestern größtenteils zulegen. Nach den rasanten Preisverlusten der letzten beiden Wochen, ist eine Gegenreaktion auch mehr als überfällig gewesen. Die Prügelknaben der letzten Wochen schafften es allesamt auf die Gewinnerliste.
 
Am CBoT gaben die Bullen ein zaghaftes Lebenszeichen von sich und verhalfen Mais, Weizen und Bohne in den grünen Bereich. Trotz der wohltuend grünen Farben, die dem Betrachter fast frühlingshaft entgegen strahlen, müssen wir uns der Realität stellen und anmerken, dass die Zugewinne bislang bestenfalls den Charakter einer Aufwärtskorrektur haben.
 
Von einer echten Trendwende fehlt an der Chicagoer Börse noch jede Spur. Die Kakaonotierungen befinden sich wegen der Ebola-Epedemie in Westafrika auf Langzeithochs. Gestern ging es erneut 2,3% bergauf. Die westafrikanischen Länder, insbesondere die Elfenbeinküste, sind eine Schwerpunktregion der internationalen Kakaoproduktion. Baumwolle war der große Verlierer des gestrigen Tages. Hier fielen die Preise über 2%.

Sojabohne gibt kleine Gewinne wieder her

Die Novemberbohne schaffte gestern einen halben Cent Zugewinn und settelte bei 9,36 ¾ US$/bu. Es geschah nicht viel. In Erwartung einer witterungsfreundlichen Woche spielte man Beamtenmikado ohne sich großartig zu bewegen. Die Händler harrten der Druschergebnisse, die im Laufe der Woche aus dem Mittleren Westen eintrudelten sollten.
 
Die schmalen Zugewinne, die man zwischenzeitlich zu erzielen imstande war, mussten zu Handelsende wieder hergegeben werden. Es blieb nur ein kaum erwähnenswertes Plüschen übrig. Mit anderen Worten, in der Gesamtschau blieb die Lage unverändert. Taiwan hat im internationalen Geschäft 12 tsd Tonnen Sojabohnen aus den USA gekauft. Mehr war nicht los.
 
Die Rapsnotierungen an der Matif setzten ihren Erholungskurs weiter fort und waren imstande, ganz ordentlich zu zulegen. Der Novembertermin packte 3,50 €/mto drauf und schloss bei 314,75 €/mto. Die französische Firma ODA legte eine Einschätzung zur neuen Ernte vor. Ihrer Einschätzung zufolge schrumpft die neue Rapsanbaufläche in Europa um etwa 5% auf 6,31 mio Hektar. Das niedrige Preisniveau sei hierfür die Ursache.

Weizen reagiert nordwärts

Der Dezemberweizen am CBoT verlor gestern 4 ¼ cts/bu und settelte bei 4,80 ¼ US$/bu. Der Handel zur Wochenmitte war nach den heftigen Verlusten der letzten Wochen von einer Gegenreaktion bestimmt. Der Markt galt als überverkauft, was kurzfristige Käufer auf den Plan rief. Hierdurch stiegen die Preise etwas an. Damit kann der Kommentar über die gestrige Sitzung in Chicago auch schon sein Ende finden.
 
Auf der internationalen Bühne startete Äthiopien einen Tender für 200 tsd Tonnen Mahlweizen. Die Herkunft ist optional, und die Lieferung soll zu Beginn des nächsten Jahres erfolgen. Das Scheichtum Katar kaufte 40 tsd to Mahlweizen, die zum Jahresende geliefert werden sollen. Die Kanadier haben kürzlich ein Handelsabkommen mit Südkorea abgeschlossen. Man erwartet, dass hiervon die kanadische Agrarwirtschaft profitiert. Im einzelnen wird die zeitnahe Abschaffung für Weizenimportzölle kanadischer Herkunft erwartet. Die Südkoreaner sind im agrarischen Bereich fast nirgendwo selbstversorgend, sondern auf Importe angewiesen.
 
Das ukrainische AgMin hat die Getreideernte des Landes nach unten korrigiert. Ja, Sie haben richtig gelesen, nach UNTEN korrigiert. Man nahm die Erntemenge von 63 mio to auf 60 mio to zurück. Als Begründung diente die Annektierung der Krim und nicht abgeerntete Flächen in der Ostukraine. Die bürgerkriegsähnlichen Zustände hätten den Drusch der letzten Flächen unmöglich gemacht, hieß es aus Kiew. Die Russen waren auch nicht um einen Kommentar verlegen und ließen in Person ihres Agrarministers Nikolai Fjodorov wissen, dass Russland auf dem besten Wege sei, eine Getreideernte von mindestens 100 mio Tonnen einzufahren. Hiervon entfielen wenigstens 56 mio Tonnen auf Weizen. In der Kampagne 2014/15 hätte man etwa 27 bis 30 mio to an Getreide übrig, das für den Export bereit gestellt werden könne. Hiervon würden wahrscheinlich 70% Weizen sein. Dass die Schwarzmeerregion vorne das internationale Geschäft versuchen würde, an sich zu reißen, war klar.
 
Dafür liegen wir in Europa aber mit unserem Exporttempo gut im Rennen, denn wir konnten bislang nahtlos an letztjähriges Rekordtempo anknüpfen. An der Matif herrschte auch im Weizen die Konsolidierungsstimmung vor. Der vordere November gab die Marke von 150,- €/mto nicht preis, sondern legte 2,50 € zu, um bei 152,75 €/mto zu schließen.

Mais legt zu

Der Dezembermais legte gestern 4 cts/bu zu und settelte bei 3,29 ½ US$/bu. Die überverkaufte Situation des Marktes provozierte eine aufwärtsgerichtete Gegenreaktion. Das war im Kern alles. Ansonsten gilt für Mais das, was weiter oben für die Bohne festgestellt wurde. Man wartet auf die Ernteergebnisse.
 
Die Japaner starteten einen Einkaufstender über 93 tsd Tonnen Futtergerste. Einzelheiten wurden keine bekannt gegeben. Die Taiwan Sugar Corp hat daneben 23 tsd Tonnen Mais us-amerikanischer Herkunft gekauft. An der Matif legte der November 3,25 € zu und settelte bei 134,50 €/mto.

Eurex: Kartoffel schwebt auf der 6,- €/dt-Marke

Der Kartoffelhandel bewegte sich gestern in den altbekannten Bahnen. Bei einem relativ geringen Gesamtumsatz von 45 Kontrakten sah es für eine Schrecksekunde so aus, als könnten sich die Notierungen langsam höher schrauben. Sie gaben aber im Handelsverlauf wieder nach und drehten ins Negative bevor man das Ruder bei Handelsschluss doch noch ins grüne Fahrwasser reißen konnte. Am Ende stand ein Plus von 0,10 € und ein Schlusskurs von 6,20 €/dt.
 
Am Kassamarkt ist die Situation unverändert. Hier und da hört man von üppigen Rodeergebnissen.
 
Schwein und Ferkel blieben ungehandelt. Es war kein Grunzer zu vernehmen. Im weißen Sortiment wurden Molkepulver und Butter zu abschlägigen Kursen umgesetzt. 

Ukrainisch-Chinesische Kooperation

Bereits gestern berichteten wir am Rande von der gemeinsamen Absichtserklärung der ukrainischen DARA Group und der chinesischen Huangfan District Agricultural Corporation, in der Ukraine gemeinsame Projekte im agrarischen Sektor in Angriff nehmen zu wollen.
 
Die Planung der Zusammenarbeit sieht vor, in der nördlich gelegenen Chernigov-Region Investitionen vorzunehmen. Vornehmlich plant man den schrittweisen Aufbau von großen Rinderzuchtanlagen. Im Schweinebereich ist Ähnliches geplant, aber deutlich kleiner dimensioniert. Daneben soll noch einiges in den pflanzenbaulichen Bereich gesteckt werden. Ohne die Details zu kennen, lässt sich von außen betrachtet aber noch ein Wort zur politischen Dimension verlieren. Da bekriegen sich die Ukraine und Russland, was die Bindung zwischen Russland und China immer enger und enger hat werden lassen. Aber die Ukraine hat trotz allem kein Problem damit, chinesisches Geld ins Land zu lassen. Was soll man dazu sagen? Geld regiert die Welt!

Zuckerpreise unverändert schwach

Der globale Zuckermarkt ist nach wie vor von den guten Versorgungsbilanzen der Anbieter/Exporteure bestimmt. Dann und wann meldet sich einmal die Nachfrageseite zu Wort, aber unterm Strich dominiert momentan das gute Angebot. Die Preistrends sind entsprechend abwärts gerichtet. Im New Yorker Handel legten die Zuckerpreise ca. 1,5% zu, und es wäre fast gelungen, die Marke von 16 cts/Pfund zurückzuerobern. Leider scheiterte man aber an dieser Marke.

DAX schafft es ins Plus

Am Dienstag war es der Einkaufsmanagerindex, der die Petersilie verhagelte und gestern enttäuschten die Zahlen des Ifo-Indexes. Mit dem erneuten Rückgang des Ifo-Indexes hat sich die Stimmung bei deutschen Unternehmen den fünften Monat in Folge eingetrübt. Der Markt hatte aber mit keinen erfreulichen Zahlen gerechnet, sodass man psychologisch nicht auf dem falschen Fuß erwischt wurde. Die Zahlen wurden zur Kenntnis genommen, geistig geknickt und abgeheftet. Niemand geriet in Panik und drückte in kopfloser Manier den DAX nach unten, sondern man wendete sich ruhigen Blutes dem Handelsgeschehen zu und versuchte, neue impulsgebende Parameter zu erspähen. Man fand ausreichend Anlass, den DAX 66 Punkte ins Plus zu hieven. Der Schlusskurs lag bei 9662 Zählern. Goldman Sachs Asset Management macht regelmäßig mit seinen fragwürdigen Statements auf sich aufmerksam, die wir in der Vergangenheit stets entsprechend kommentiert hatten.
 
Diesmal aber veröffentlichte man eine Einschätzung, die wenigstens in Teilen von Vernunft getragen und der demzufolge nicht zu widersprechen ist. GS sagte nämlich, dass die infolge des Taperings (US-Notenbank FED stoppt sukzessive die Anleihekäufe) zur erwarten sei, dass die Renditen für die 10-jährge Anleihe in den nächsten 12 Monaten auf 4% ansteigt. Momentan handelt die Anleihe bei etwas über 3%. Ein Anziehen der Renditen ist in jedem Fall zu erwarten. Der einzige Grund, warum die Renditen nicht schon lange himmelwärts geschossen sind, sind die Käufe der FED. Die Notenbank kauft diese Papiere zu überhöhten Preisen, weil sich im Markt keine privaten Refinanzierungsquellen zu diesen Kursen finden lassen. Das ist die Abschaffung der Marktwirtschaft gewesen!
 
Die staatlichen Rentenmärkte sind keinesfalls der Ort, wo man sich derzeit aufhalten sollte. Es gibt überdies Gerüchte, dass die chinesische Regierung darüber nachdenke, den Notenbankchef zu entlassen und auszutauschen. Wir werden im weiteren Verlauf sehen, was an diesem Gerücht dran ist. Hier deutet sich ein Wechsel der zuletzt restriktiveren Geldpolitik an.
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