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Börsentelegramm

Agrarmärkte auf Identitätssuche

von , am
20.05.2014

Mit dem Verlust von 12 cts/bu und einem Settlement von 11,03 ¾ US$/bu testete die Bohne gestern die alten Tiefs, die man Ende Januar 2014 verzeichnete. © Mühlhausen/landpixel
Auf eine gemeinsame Linie konnten sich die wichtigsten Agrarprodukte am CBoT auch gestern nicht einigen. Die Bohne konnte zwar infolge ihrer technischen Situation zweistellig ansteigen, Mais und Weizen besaßen aber eine Schwächeneigung, die sie bis zum Schluss nicht vollends haben ablegen können.
 
Die Rohölnotierungen eroberten die 102,- US$/Fass-Marke zurück, und der DAX drehte spät ins Plus.

Sojabohne deutlich im Plus, Schrot stützt

Die Julibohne legte gestern 18 cts/bu zu und schloss bei 14,83 ¼ US$/bu. Die extreme alterntige Knappheit an Sojabohnen in den USA ist nichts Neues. Dennoch schien man überrascht zu sein, dass die verarbeitenden Ölmühlen in den USA teilweise Probleme mit der Warenversorgung haben. Insbesondere befürchtete man ein knapper werdendes Sojaschrotangebot und trieb gerade diesen Produktenmarkt in die Höhe. Der Julitermin am CBoT erreichte aufgrund der regen Nachfrage zwischenzeitlich ein neues Kontrakthoch von 494,9 US$/shtto.
 
Das USDA bezifferte die wöchentlichen Exportinspektionen auf 167,9 tsd Tonnen, was am oberen Ende der Erwartungen lag und somit einen bullischen Anstrich besaß. Nachbörslich kam das Ministerium aber mit den wichtigeren Zahlen heraus, denn man wollte wissen, wie weit die Aussaatbemühungen der US-Farmer gediehen waren. Bis Sonntagabend sind 33% der Sojasaat im Boden gewesen, was 13% über dem Vorwochenwert, aber 5% hinter dem Fünfjahresdurchschnitt lag. Dennoch kann sich der Aussaatfortschritt sehen lassen.
 
Raps an der Matif stand unter Druck und gab im November 2,75 €/mto nach, um bei 361,25 € zu schließen.

Weizen rettet spätes Miniplus

Der Julitermin am CBoT handelt fast den gesamten Tag über im Minus, schaffte aber am Ende trotzdem ein kleines Plus von ¾ ct/bu und schloss bei 6,75 ½ US$/bu. Der mittelfristige Abwärtstrend wurde gestern in der Nähe der 200-Tagelinie aufgehalten und mindestens kurzfristig zur Kursumkehr gezwungen. Die Bullen dürfen aus charttechnischem Blickwinkel hoffen, dass der gestrige Handelstag einen aufwärts gerichteten Umkehrtag darstellt und sich die Preise wieder erholen. Hierzu wäre es aber wichtig, dass der Markt möglichst rasch den 50-Tage-EMA zurückerobert, welcher derzeit bei 6,88 US$/bu liegt (Julitermin). Wenn den Bullen ein derartiger „Geniestreich“ gelingen sollte, müssen sich die Bären in Acht nehmen!
 
Die wöchentlichen Exportinspektionen der USA lagen bei knapp über 550 tsd Tonnen und damit im Bereich der Erwartungen. Das USDA bonitierte nachbörslich 29% des US-Winterweizens mit gut bis exzellent (-1% zur Vorwoche); 44% präsentieren sich in mangelhaftem Zustand (+2%) zur Vorwoche. Die US-Sommerweizenaussaat ist knapp zur Hälfte abgeschlossen (49%), was einen Fortschritt zur Vorwoche um 15% bedeutete. Hier liegt der Fünfjahresschnitt bei 58%. Auf der internationalen Bühne des Marktes startete die Türkei einen Einkaufstender über 190 tsd Tonnen Mahlweizen und 100 tsd Tonnen Gerste für Juli/Augustlieferung. Aufgrund des genannten Termins dürfte bereits neuerntige Ware angeboten werden, sodass die preislichen Tenderergebnisse nicht ohne signalgebende Bedeutung sein dürften.
 
Das russische Weizenpreisniveau im Inland ist bereits letzte Woche unter Druck geraten. Die Russen erwarten trotz örtlich zu trockener Bedingungen eine für ihre Verhältnisse gute Ernte. Die Preise waren aufgrund der Unsicherheit um die Ukraine lange Zeit gestützt gewesen, aber mit dem Preisdruck der letzten Woche, hat diese Stütze spürbar an Haltekraft eingebüßt. Die russischen Weizenpreise reihten sich nahtlos in die Riege fallender internationaler Kurse ein.
 
An der Matif besaßen die europäischen Mahlweizenpreise keine Kraft, um die internationalen Vorgaben abzuschütteln. Man folgte treu und brav jeder Bewegung nach unten sowie nach oben. Am Ende blieb einem nichts anderes übrig, als die zu diesem Zeitpunkt noch roten Chicagoer Vorzeichen zur Kenntnis zu nehmen und im Minus zu schließen. Der November verlor 2,- €/mto und schloss bei 197,25 €/mto. Sollte es den Chicagoer Notierungen gelingen, den oben beschriebenen „charttechnischen Geniestreich“ zu vollziehen, wird die Matif mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die 200,- € wieder aufs Korn nehmen können.

Mais schwach

Der Julimais musste gestern Federn in Höhe von 6 ¾ cts/bu lassen und schloss bei 4,77 ¼ cts/bu. In Antizipation weiteren guten Aussaatfortschritts kamen die Preise am CBoT zum Wochenauftakt in eben erwähnter Großenordnung erneut unter Druck. Nach dem nassen Kampagnenstart, hatten es die US-Farmer in der letzten Woche geschafft, zu den üblichen Normwerten aufzuschließen, was den Markt nachhaltig preislich beeindruckt hatte. Die wöchentlichen Exportinspektionen lagen bei 1,06 mio Tonnen und damit im Bereich der Erwartungen.
 
Nachbörslich war es dann soweit. Mit Spannung erwartete man die USDA-Zahlen hinsichtlich der US-Maisaussaat. Bis Sonntagabend hatten die US-Farmer 73% der Fläche mit Mais bestellt, was einen weiteren Aussaatfortschritt um 14% zur Vorwoche darstellte. Der Fünfjahresdurchschnitt wurde allerdings verfehlt; dieser liegt bei 76%. Unterm Strich gibt es aber mit diesen Werten keinerlei Anlass, mit Ertragsverlusten infolge eines zu späten Aussaatzeitpunktes zu rechnen. Die US-Farmer haben nach dem harten Winter und schwierigen Ausgangsbedingungen exzellente Arbeit geleistet!
 
Das USDA veranschlagte die Maisexporte Russlands kürzlich auf 3,5 mio Tonnen. SovEcon wich in seiner jüngsten Prognose davon ab und packte 500 tsd Tonnen drauf. Damit würde das russische Maisexportpotential 4,0 mio Tonnen betragen.
 
An der Matif musste der neuerntige Novembertermin schon wieder deutliche Kursabschläge hinnehmen. Mit einem Tagesverlust von 2,-€ konnte der Termin nur noch bei 181,50 € schließen. Noch bedenklicher ist, dass mit gestrigem Schlusskurs die 200-Tagelinie durchschlagen wurde.

Kartoffel eröffnet die Woche schwach

Die alterntigen Kartoffeln werden wohl nicht umhin kommen, zu Schleuderpreisen den Besitzer zu wechseln. Der Kassamarkt zeigt sich uninteressiert und bietet Preise, die den Lagerhaltern keinen Spaß mehr machen. Obwohl der Preistrend in der neuen Ernte abwärtsgerichtet ist, konnten sich an der Börse bislang die Aprilkartoffeln oberhalb der 12,- €/dt-Marke halten. Diese scheint nun aber in Gefahr zu geraten. Bei einem Gesamtumsatz von bescheidenen 91 Kontrakten büsste der Apriltermin 0,30 €/dt ein und settelte bei 12,0 €/dt glatt. Man wurde während des Handels das Gefühl nicht los, das der Markt die 12,- €/dt-Marke zum Einsturz bringen wollte. Wir müssen in den nächsten Handelstagen auf der Hut sein. Der Markt neigt zur Schwäche.
 
Das Mastschwein wurde bei leicht steigenden Notierungen fünfmal gehandelt. Auf den Julitermin entfielen drei Kontrakte. Der Schlusskurs lag hier bei 1,703 €/kg Schlachtgewicht. Im weißen Sortiment glänzte die Butter mit 7 Kontrakten Umsatz, die bei einem Preis von 3450,- €/Tonne über den Ladentisch gingen. Der Rest blieb ungehandelt.

Zucker hält sich

Nach dem zweitätigen Kurssprung in der letzten Woche konsolidieren die Zuckernotierungen seitwärts. Fundamentale Neuigkeiten trafen zu Wochenauftakt nicht auf den Markt, sodass es auch keinerlei Anlass gab, sich aus seiner seitwärts gerichteten „Preiskomfortzone“ heraus zu bewegen. Dennoch machte sich im späten Handelsverlauf eine abschlägige Tendenz breit, die zu leicht nachgebenden Notierungen führte. Schlusskurs Juli in NY: 17,77 cts/Pfund (-0,14 ct).

DAX dreht doch noch in Plus

Den Investoren fehlten zu Wochenauftakt vorerst die Kaufargumente, sodass das Deutsche Aktienbarometer den Rückwärtsgang einlegte. Die Kursverluste im Bankensektor zogen den Index südwärts, sodass das Minus zeitweise deutlich über 50 Punkte betrug. Im Mittelpunkt der Parkettgespräche stand die überraschende Kapitalerhöhung der Deutschen Bank. Sogar der Scheich von Katar hat sich mit einer nicht geringen Summe an der Maßnahme beteiligt.
 
Am Ende standen ein DAX-Plus von 30,29 Punkten und ein Schlussstand von 9659,39 Zählern.



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