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Börsentelegramm

Agrarmärkte: Kältewelle heizt ein

von , am
13.11.2014

Der Kälteeinbruch in den USA stützte gestern die Kurse am CBoT.

© oekolandbau.de
 
Der Kälteeinbruch in den USA stützte gestern die Kurse am CBoT. Der Markt befürchtet, dass die Winterweizenbestände und die noch nicht geernteten Restbestände an Bohnen und Mais Schaden nehmen könnten. Entsprechend aufgeheizt war der gestrige Handel. Alle genannten Waren legten im Handelsverlauf ordentlich zu. Dass sich die Kälte ab übermorgen wieder graduell in die Polarregionen zurückzieht, schien lange Zeit keine Rolle zu spielen. Dann aber bröckelten die Kurse bei den Sommerungen weg und drehten im Falle der Bohne stark ins Minus. Hier belastete insbesondere die Kehrtwende im Sojaschrot!
 
Sojabohne hängt weiterhin am Schrot
Die Sojabohne konnte gestern ihre zeitweiligen Zugewinne nicht mehr halten und drehte ins Minus. Der Januartermin büßte genau 15 cts/bu ein und schloss bei 10,49 US$/bu. Die Wildheit der Kursausschläge im Sojaschrot übertrug sich fast eins zu eins auf die Bohne. Zuerst ging es mit großer Zugkraft Richtung Norden, sodass sowohl die Bohne als auch das Schrot neue Hochs ihres derzeitigen Aufschwungs markieren konnten. Die rasanten Zugewinne im Schrot provozierten schließlich Gewinnmitnahmen, die am Ende des Handels die Preise in die Knie zwangen. Die Knappheitssituation auf dem un-amerikanischen Kassamarkt brach Spekulationen Bahn, dass die USA nun selbst Sojaschrot einführen müssten, um vorne den Bedarf gedeckt zu bekommen. Offizielle Importbestätigungen gab es jedoch (noch) keine. Die Bohne schaute daneben auch mit einem Auge aufs Thermometer, denn die jüngst abgesunkenen Temperaturen könnten die noch nicht geernteten Restbestände schädigen. In der Tat, die Bohnenqualität leidet unter den kalten Temperaturen, aber an der Menge sollte sich nichts mehr ändern. Im weiteren Wochenverlauf ziehen sich die Kältezonen in den Norden zurück. Die Situation sollte sich deshalb entspannen. International gab es eine erwähnenswerte Nachricht aus Argentinien. Die Getreidebörse in Rosario bezifferte die Sojabohnenfläche in der laufenden Kampagne 2014/15 auf 20,7 mio Hektar. An der Matif eröffneten die Kurse mit einem Freudensprung gerieten hiernach aber wieder unter Druck. Man endete schließlich im Minus. Der Februar verlor 2,75 € und schloss bei 337,50 €/mto.
 
Weizen deutlich im Plus
Der Dezembertermin am CBoT legte gestern bei sehr starker Umsatztätigkeit 17 ¼ cts/bu zu und settelte bei 5,41 ½ US$/bu. Das war der festeste Schlusskurs seit dem 2. September. Die Kältewelle manifestierte sich insbesondere in den Weizennotierungen. Hier ist die Sorge über potentielle Schäden an der Wintersaat berechtigt. Da die Fonds immer noch eine relativ große Nettoshortposition halten, ist der Markt weiterhin anfällig für Shortcoveringrallyes. Das war auch gestern der Grund für die steigenden Kurse. In Australien mehren sich langsam aber sicher die Stimmen, dass sich der Farmer erst einmal zurückhalten solle was den Verkauf anbelangt. Die zu trockenen Bedingungen in Teilen der Anbauzonen verlangten eine vorsichtig abwartende Haltung, meinte ein namhafter Berater. Was sich aus der Situation in Down Under ergibt, werden wir alsbald sehen.
 
Das Landwirtschaftsministerium Kasachstans bezifferte die bislang in der laufenden Kampagne getätigten Getreideexporte auf 2,35 mio to. Im letzten Jahr hatte man mit 2,95 mio to deutlich mehr außer Landes geschafft. In der Gesamtschau bezifferten die Zahlenliebhaber die Gesamtexporte des laufenden Zyklus mit 8,0 mio to (8,7 mio to im letzten Jahr). Man habe zum jetzigen Zeitpunkt 95,8% der Ernte und damit 18,14 mio Tonnen Getreide eingefahren. Am Nil meldeten sich die Statistiker des Landes zu Wort. Ägypten habe bislang 2,19 mio Tonnen eingeführt. Der gesamte Importbedarf wird offiziell mit 4 – 4,5 mio to angegeben. Das liegt etwa 1 mio to unter den 5,46 mio to des letzten Jahres. Die eigenen Bestände und die bisher getätigten Importe würden den ägyptischen Bedarf bis Ende März 2015 decken. Wir hatten im Rahmen unseres Börsentelegramms bereits mehrfach kundgetan, was wir von den Zahlen aus Ägypten halten. Im internationalen Geschehen nahmen die üblichen Dinge ihren bekannten Lauf. Traditionelle Importeure legten ihre Ausschreibungen auf und hofften auf kostengünstige Offerten. Die Südkoreaner zeigten sich an 110 tsd Tonnen interessiert.
 
Der asiatische Nachbar Japan war bescheidener und wollte lediglich 18 tsd Tonnen Futterweizen kaufen. Die Jordanier nahmen von ihrem Kaufgesuch über 100 tsd to Weizen wieder Abstand. AgriMer korrigierte seine Prognose hinsichtlich der französischen Weizenendbestände 2014/15. Die Franzosen behielten am Ende der laufenden Kampagne 4,3 mio to und nicht wie bislang angenommen 4,4 mio Tonnen. Diese Korrektur wurde notwendig, weil man die Exporte über die EU-Grenzen hinaus von 8,0 auf 8,2 mio to nach oben nahm. Trotz der Korrektur liegen die Exporte unseres linksrheinischen Nachbarn etwa ein Drittel niedriger als im letzten Jahr. Die schwachen Qualitäten limitieren das Exportpotential, zumal die Konkurrenz qualitativ gut geerntet hatte. Der Vollständigkeit wegen sei erwähnt, dass die Firma Tallage in ihren neuen Getreidestrategien die Gesamtweizenernte 2015 der EU (inkl. Durum) bei 148,7 mio to sieht. In 2015 erntete die EU 155 mio to. Die Weizenkurse an der Matif stiegen ob der positiven internationalen Entwicklung an. Der Januartermin schaffte ein Plus von 3,75 €/mto und settelte bei 174,75 €/mto.
 
Mais fester
Der Dezembertermin am CBoT legte gestern 4 ¼ cts/bu zu und schloss bei 378 ¼ US$/bu. Die Maispreise standen unter dem Einfluss der Geschehnisse in der Bohne. Zuerst ging es mit den Sojapreisen hinauf und schließlich wieder mit ihnen hinunter. Unterm Strich rettete man aber ein grünes Vorzeichen. Auch hier war das Handelsvolumen auffallend hoch. Das dürfte nicht zuletzt mit der charttechnischen Situation zusammen hängen, denn beim Preis von 3,80 US$/bu liegt ein sehr bedeutsamer Widerstand. Ein Überspringen dieses Levels würde ein unmissverständliches Signal an die Shortisten senden. Die Japaner suchten neben den 18 tsd Tonnen Futterweizen auch 83 tsd Tonnen Futtergerste. Die Ergebnisse beider Tender stehen aber noch aus. Die Getreidebörse in Rosario bezifferte die Maisproduktion Argentiniens auf 21,5 mio Tonnen. An der Matif konnten die Preise im Januar immerhin die Marke von 150,- €/to überspringen. Der Januartermin 2015 settelte bei 151,25 €/mto.
 
Eurex: Kartoffel wie festgenagelt
Wir wollen einräumen, dass der gestrige Kartoffelhandel mit 62 Kontrakten nicht ganz so schlecht war wie an manch voran gegangenen Tagen. Die Preise bewegte der Handel aber kaum. Der Apriltermin 2015 scheint an der Marke von 5,50 €/dt wie festgenagelt zu sein. Mit einem Schlusskurs von 5,60 €/dt lag man exakt auf Vortagesniveau. Der Kassamarkt wickelt Vertragsware ab und freut sich auf Weihnachten. Es gibt derzeit überhaupt keine Hoffung auf eine Preisrallye in Richtung der 10,- €/dt-Marke. Das wäre ein Preislevel, das den Landwirten Aus- und Einkommen sicherte. Im Schweinebereich blieben Ferkel und Mastsau ohne Umsatz. Wenigstens gab es im weißen Sortiment Umsätze in der Butter zu beobachten. Der März- und Apriltermin des nächsten Jahres wurden bei 2875,- bzw. bei 2900,- €/to gehandelt. Das war ein Minus von bis zu 25,- €.
 
DAX im Minus und verliert die Marke von 9300 Zählern
Das deutsche Aktienbarometer verlor gestern 158 Punkte (-1,7%) und schloss bei 9210 Zählern. Einerseits haben die Wirtschaftsweisen es nun auch eingesehen und die Prognose zum Wirtschaftswachstum Deutschlands deutlich zurückgeschraubt und andererseits konnte der Dow Jones seine Rekordjagd nicht weiter fortsetzen. Beides belastete das deutsche Börsenbarometer. Es gab zwar mit der E-on-Aktie einen positiven Ausreißer, weil man die Zahlen des Unternehmens schlimmer erwartete als sie tatsächlich an den Markt kamen. Der schwache Rubelkurs belastete hier die Ergebnisse, aber eben weniger als im Vorfeld angenommen.
 
Robert Theis
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