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Börsentelegramm

Agrarmärkte: Kein Kursfeuerwerk zum Jahresauftakt!

von , am
07.01.2014

Im großen und ganzen lässt sich festhalten, dass man die gedrückte Stimmung an den Agrarmärkten mit ins neue Jahr herüber nahm.

© landpixel
 
Im großen und ganzen lässt sich festhalten, dass man die gedrückte Stimmung an den Agrarmärkten mit ins neue Jahr herüber nahm. Die bestehenden Abwärtstrends verfestigten sich und verzeichneten teilweise neue Tiefs, was im Lager der Bullen weitere Hoffnung zunichte machte.Nach den Verlusten der letzten Tage gab es gestern einen seitwärts gerichteten Handel mit leicht festerer Tendenz. Am CBoT legten Bohne, Mais und Weizen etwas zu. Rohöl gab weiter nach.

 

Bohne profitiert vom Schrot

Die Märzbohne schloss gestern mit einem Plus von 5 ½ cts/bu bei 12,76 ¾ USD/bu.

Fonds sollen im Sitzungsverlauf etwa 4000 Kontrakte Bohne und 3000 Kontrakte Schrot eingekauft haben. Im Sojaöl traten sie mit ca. 2000 Kontrakten als Nettoverkäufer auf. Der Sitzungsverlauf war recht indifferent und über lange Zeit konnte keine klare Richtung eingeschlagen werden. Ein Absinken des Bohnenpreises wurde durch relativ stabile Sojaschrotpreise verhindert. Informa Economics hatte letzte Woche die US-Bohnenernte mit 3,329 Mrd. Scheffel veranschlagt, was oberhalb der letzten Schätzung von 3,29 Mrd. Scheffel lag. Der Durchschnittsertrag stieg hierbei von 43,3 auf 44,0 Scheffel/acre an. Mit anderen Worten, eine ohnehin nicht kleine US-Bohnenernte wurde noch größer geschätzt. Am Freitag dieser Woche kommt der nächste USDA-Bericht heraus. Der Januarbericht ist traditionell sehr wichtig und hat in vielen der vergangenen Jahre oftmals Limit-Bewegungen in den Märkten nach sich gezogen. Sollte das us-amerikanische Landwirtschaftsministerium dem Trend der privaten Schätzung von Informa Economics folgen und seine Zahlen ebenfalls entsprechend nach oben anpassen, dann könnte die Bohne rasch Opfer eines heftigen Ausverkaufs werden, der sie auf alte Tiefs bei etwa 11,80 US$/bu drückt. Diese Gefahr bestünde umso mehr, je höher die Zahlen oberhalb derjenigen von Informa lägen! Aber wir müssen abwarten, mit welchen Einschätzungen uns das USDA am Freitag dieser Woche beglücken wird.

Das Wetter in Südamerika ist derzeit nicht dazu geeignet, eine etwaig aufkommende Ausverkaufslaune am CBoT auszubremsen. Das Wochenendwetter war zwar in Argentinien meistenteils trocken, aber in Brasilien gab es fast überall auskömmlichen Regen. In der zweiten Wochenhälfte sind teilweise üppige Regenfälle für Argentinien in der Vorhersage, die das trockene Wochenende allemal vergessen machen können.

Der Februarraps an der Matif legte gestern 0,75 €/to zu und schloss bei 367,25 €/mto.

 

Weizen bleibt in der neutralen Ecke

Im Märztermin am CBoT schaffte der Weizen gestern lediglich ein unverändertes Niveau und schloss bei 6,05 ¾ US$/bu. Die Fonds sollen zwar in der allgemeinen Kauflaune zum Sitzungsauftakt auch Nettokäufer beim Weizen gewesen sein, jedoch wurden sämtliche Positionen gegen Ende des Handels wieder abgestoßenen. Die Exportinspektionen der USA lagen mit 13,6 miobus einmal mehr auf enttäuschenden Niveaus und konnten niemanden zum Kauf animieren.

Zum Jahresauftakt konnten die Chinesen im Zuge einer Ausschreibung 216,4 tsd Tonnen Weizen aus der staatlichen Bevorratung im heimischen Markt absetzen. Das entsprach knapp mehr als der Hälfte des beabsichtigten Volumens. Besondere Erkenntnisse lassen sich aus dieser Information wohl nicht ziehen. Die Algerier kauften am Freitag eine halbe Million Tonnen und Weizen, und die Ägypter begannen das neue Jahr ebenfalls mit deutlich mehr Überzeugungskraft.  Das Land der Pharaonen kaufte letzte Woche insgesamt 535 tsd Tonnen Weizen für Jan.-März-Lieferung. Hiervon entfielen 55 tsd to auf Russland, 120 tsd to Ukraine, 180 tsd to auf Rumänien und 180 tsd Tonnen auf unseren linksrheinischen Nachbarn Frankreich.

 

Damit gehen die europäischen Weizenexporte munter weiter, und die in den Statistiken ausgewiesenen Werte der Außenhandelsbilanz sind fest im Visier. Man darf sogar auf mehr hoffen. Es ist auffällig, dass die jüngsten Käufe Ägyptens ihren physischen Deckungshorizont nicht wesentlich weiter in die Zukunft verlängert haben als bislang angegeben. Die Weizenvorräte würden nach wie vor bis zum 23. April reichen. Wer's glaubt. In den USA regiert derzeit Väterchen Frost und hat große Teile des Nordostens fest in eisiger Umklammerung. Für die Winterweizenregionen in den USA ist dank weitläufiger Schneeabdeckungen die Thematik noch von untergeordneter Relevanz. Am Freitag gab es zwar einen recht festen Schlusskurs, aber der Markt notiert noch in unmittelbarer Nähe zu seinen Tiefstständen. Die Hoffnung auf eine Frostrallye ist derzeit also verfrüht und muss einem nüchternen Blick auf den Markt weichen. Das Verhalten des Marktes zwingt uns an dieser Stelle zu dieser Erkenntnis! Verschwiegen werden soll aber nicht, dass es im Norden von Kansas und im Süden von Nebraska am ehesten zu Auswinterungen in den Winterweizenbeständen der USA kommen kann.

An der Matif herrschte prinzipiell positive Stimmung, aber auch hier wurde zum Ende hin der Großteil der zwischenzeitlichen Zugewinne abgegeben. Im März betrug das Plus gerade noch 0,25 € und der Markt ging bei 202,50 €/mto aus dem Handel.

 

Mais leicht im Plus

Der Märzmais am CBoT legte gestern 4 ¼ cts/bu zu und schloss bei 4,27 ¾ US$/bu.

Die wöchentlichen Exportinspektionen lagen bei 19,3 miobus und gestalteten sich damit ähnlich mager wie beim Weizen. An einen echten Aufwärtsimpuls war hierdurch nicht zu denken. Die kalten Temperaturen in den USA ließen Spekulationen freien Lauf, dass es in der Tiermast zu mehr Futterverbrauch kommen könnte. Das war genug, um einige Fonds in den Markt zu locken, die unterm Strich mit 7000 Kontrakten Nettokäufer gewesen sein sollen.Die Chinesen haben in 2013 insgesamt 601 tsd Tonnen Mais bzw. Maisprodukte aufgrund nicht erlaubter Genstämme die „Einreise verweigert“. Die Streitigkeiten mit den USA sind noch nicht beigelegt.An der Matif herrschte eine leicht positive Stimmung und der Märzkontrakt legte 0,50 € zu, um bei 175,25 €/mto zu setteln.

 

Kartoffel schwach ins neue Jahr

Die Kartoffel schlitterte auf dem Bauch ins neue Jahr und durchbrach die Marke von 18,- €/dt. Im gestrigen Handel manifestierte sich wieder eine abschlägige Tendenz und brachte die Preise weiter ins Schlingern. Bei einem Umsatz von 101 Kontrakten verlor der Apriltermin 2014 gestern 0,20 €/dt und schloss bei 16,50 €/dt.

Das Februarschwein wurde am Preis von 1,594 €/kg dreimal gehandelt. Das Ferkel und das weiße Sortiment blieben unangetastet.

 

Zucker testet Tiefs

Nachdem letzte Woche vom brasilianischen Agrarministerium irrtümlicherweise eine ganze Palette unrichtiger Exportzahlen veröffentlicht wurde, musste sich die entstandene Aufregung erst einmal wieder legen. Dies geschah dann auch relativ schnell, denn das Ministerium war in der Lage, den Fehler zu beheben und gab die verbesserten Zahlen an die Nachrichtenagenturen weiter. Mit den korrigierten Werten beliefen sich die brasilianischen Zuckerexporte im letzten Monat des vergangenen Jahres nun auf 1,98 mio to und lagen damit oberhalb der bereits als üppig wahrgenommenen 1,84 mio to im vorangegangenen Monat November.

Das neue Jahr ist beim Zucker bislang von fallenden Preisen dominiert, und gestern gaben die Notierungen weiter nach, die alten Tiefs fest im Blick habend. In London schlossen die Märznotierungen gestern bei 440,50 US$/Tonne.

 

Rohöl im Sinkflug

Zum Jahresauftakt gerieten neben den Finanzbörsen auch die Rohölnotierungen verstärkt unter Druck. Die Angst vor weiterem Zudrehen der Geldhähne in den Notenbanken ist hier als Hauptgrund zu nennen. Man glaubt in den veröffentlichten Wirtschaftsdaten der USA (marginal rückläufige Arbeitslosenzahlen), Hinweise zu erblicken, dass die (eingebildeten) Verbesserungen weiter voran schreiten und das neue Jahr die endgültige Trendumkehr aus der Finanzkrisenmisere darstellen würde. Eine derartige Entwicklung ließe den Notenbanken Spielraum, das Gelddrucken wenigstens graduell zu reduzieren. Auf die Frage, wer dann den hoffnungslos überschuldeten US-Staat finanzieren soll, wurde wie immer nicht eingegangen. Daneben sind weitere Lockerungen hinsichtlich der wirtschaftlichen Sanktionen mit dem Iran ins Gespräch gebracht worden, die es dem Land erlauben würden, mehr Rohöl als bisher zu exportieren. Summa summarum klappte der Markt am Ende letzter Woche zusammen und durchbrach erst einmal sämtliche wichtigen Unterstützungsniveaus. Die zuvor bewerkstelligte Zurückeroberung der 100,- US$/Fass-Marke in New York war nur von sehr kurzer Dauer. Gestern stolperte man weiter südwärts und verlor etwa einen Dreivierteldollar/Fass. Das Februaröl fand seinen Schlusskurs bei 93,60 US$/Fass.

 

DAX

Die Jahresendrallye wurde durch Gewinnmitnahmen im neuen Jahr jäh ausgebremst und das deutsche Aktienbarometer knickte ein. Im Zustand der Orientierungslosigkeit ging es gestern wieder etwas bergauf, zumal die Rufe nach einer noch lockeren Geldpolitik in Europa immer lauter werden. Insbesondere bankbeschäftigte Pseudoökonomen treten auf den Plan und verlangen von der EZB, sie solle dem angelsächsischen Vorbild folgen und in geradezu exzessivem Ausmaß Staatsanleihen aufkaufen. Was hiervon zu halten ist, haben wir in unzähligen Kommentaren immer wieder deutlich gemacht: Ein ökonomischer Holzweg, der nur dazu dient, den Banken und Staaten ihr Lotterleben zu finanzieren. Gestern verlor man in Frankfurt 7,15 Punkte und schloss bei 9428 Zählern.
 

Robert Theis // H. Jürgen Kiefer GmbH

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