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Börsentelegramm

Agrarmärkte können überzeugen

von , am
05.03.2014

© Roland Dahl - Fotolia.com
Am CBoT legten Mais, Bohne und Weizen erneut zu. Diesmal stach der Mais mit einem ca. 3%igen Zugewinn hervor. Ferner waren die US-Fleischnotierungen ordentlich im Plus. Kaffe und Zucker mussten Federn lassen. Die Rohölnotierungen reagierten auf die Rede Putins mit Abschlägen. Im Gegenzug legten die Aktienmärkte wieder zu.

Bohne dreht ins Plus

Flankiert von steigenden Sojaölnotierungen, die gestern ihre 200-Tagelinie haben nach oben hin durchstoßen können, präsentierte sich die Bohne im Bullenkostüm. Der Maitermin legte schließlich 13 ¾ cts/bu zu und settelte bei 14,23 US$/bu. Zu Beginn der Sitzung stand man unter Druck, weil Nachrichten die Runde machten, dass die Chinesen 2 – 3 Cargos us-amerikanischer Ware storniert hätten. Sollte dies nun der Beginn der lang erwarteten Welle von Stornierungen aus dem Reich der Mitte gewesen sein? Möglicherweise, jedoch reichte es nicht, die Bohne bis Sitzungsende unter Druck zu halten. Man schaute nach links, man schaute nach rechts und stellte dabei fest, von steigenden Agrarpreisen umgeben zu sein. Das verdarb die Verkauflaune.
 
Die brasilianische Ernte wurde gestern auf 88,8 mio Tonnen geschätzt, die argentinische auf 54 mio to (-3 mio to), wobei die brasilianische Ernte zu etwa 40% abgeschlossen sein soll. Abares hatte zu Wochenauftakt die australische Rapsernte der neuen Kampagne 2014/15 2,948 mio Tonnen geschätzt. Im letzten Zyklus konnten die Aussies noch 3,548 mio Tonnen in Down Under ihr Eigen nennen, aber aufgrund der zu erwartenden trockenen Bedingungen seien Ertragsrasuren im Hinblick auf die neue Ernte notwendig.
 
Für Europa erwartet Strategie Grains eine Rapsernte im kommenden Wirtschaftsjahr 2014/15 in Höhe von 21,5 mio Tonnen. Die vorherige Schätzung betrug 21,4 mio to und in 2013/14 ernteten wir 21,1 mio Tonnen. In Paris tendierten die Rapskurse seitwärts, hatten aber ein wenig rot gefärbte Schlagseite. Am Ende konnte man aber auch in der Stadt der Liebe steigende Kurse vorweisen. Der Maitermin legte 2,- €/mto zu und settelte bei 402,- €/mto glatt.

Weizen dreht wieder ins Plus

Maiweizen konnte gestern am CBoT 12 cts/bu zulegen und bei 6,43 ½ US$/bu schließen. Zuerst geriet man an allen Handelsplätzen unter Preisdruck, da sich politische Signale ausmachen ließen, die darauf hindeuteten, dass es keine Verschärfung der ukrainischen Krise geben würde. Trotzdem stieg der Weizen zu späterer Sitzungsstunde an und schloss mit soliden Zugewinnen. Die Marke von 6,20 US$/bu hielt im alterntigen Chicago-Weizen den zwischenzeitlichen bärischen Angriffen stand und erwies sich als ernst zu nehmende Unterstützung. Die fehlende Gewissheit über den Zustand des us-amerikanischen Winterweizens war problemlos imstande, den Preisdruck aufgrund der wahrgenommenen Entspannung in der Krimkrise bullisch zu kompensieren und den Kursen auf die Beine zu helfen. Private Schätzer hoben ihre Produktionszahlen für indischen Weizen um satte 9 mio to auf nun 198 mio to an.
 
Dafür wurde die Produktion Marokkos um 1 mio to auf nun 4 mio to reduziert. Einer Meldung zufolge stünden über 60 tsd mit Getreide und Ölsaaten beladene Güterwaggons unabgefertigt auf kanadischen Schienen. Die Logistik ist eingefroren und offenbar auch mit Gewalt nicht zum Auftauen zu bewegen. Angesichts der Ausfallsgefahr ukrainischer Weizenlieferungen zeigen sich die Ägypter in Unterhandlungen mit Frankreich offenbar wieder zugänglich, um nicht zu sagen samtpfötig. Vor kurzem hatte man französischen Herkünften durch Straffung der Qualitätsparameter (Feuchtegehalt) noch den Garaus gemacht. Nun rudert man nachrichtlich zurück, um die eigene Nahrungsmittelversorgung nicht zu gefährden. Na, da schau her, wie schnell man doch Vernunft annehmen kann, wenn es um elementare Dinge geht. Es sollte also niemanden wunder nehmen, wenn die Ägypter im Falle eines ukrainischen Lieferausfalls wieder französische Ware an die Spitze ihrer Sehnsüchte stellen.
 
Abares in Australien schätzte die neue Weizenernte 2014/15 von Down Under auf ca. 24,8 mio Tonnen. Die Bedingungen seien örtlich zu trocken, um eine pflanzenbaulich optimale Aussaat zu gewährleisten. Infolgedessen werde man nicht an den Vorjahreswert von 26,5 – 27 mio Tonnen herankommen. Angesichts des politisch-fundamentalen Gefahrenumfeldes im Weizenmarkt und der großen Handelsvolumina der letzten Tage liegt die Vermutung nahe, dass die Weizenmärkte an den Börsen von spekulativen Verkäufern nun so gut wie vollständig bereinigt sein dürften. An der Matif schaffte der Maitermin einen Zugewinn von 1,50 €/to und settelte bei 204,- €/mto glatt.

Mais macht auf dem Fuße kehrt

Der Maitermin am CBoT legte gestern 13 ¾ cts/bu zu und settelte bei 4,84 ¼ US$/bu. Auch hier sorgten die deeskalierenden Signale in Bezug auf die Krimkrise erst einmal für sinkende Notierungen. Recht schnell besann man sich aber eines Umgekehrten und fing an zu kaufen. In der Folge stiegen die Kurse. Die Fonds haben ihre Nettoposition auf long gedreht, nachdem sie fast 8 Monate hinweg auf der Shortseite des Marktes standen. Die brasilianische Maisernte wurde auf 65,45 mio to geschätzt. Es ist erwähnenswert, dass die Fleischnotierungen bzw. die Preise für Veredelungsprodukte tierischer Art überhaupt sehr fest notieren. An der Matif schloss der Junimaistermin bei unveränderten 181,75 €/mto.

Kartoffel schraubt sich hoch

An der Eurex erlebten die Veredelungskartoffeln gestern einen freundlichen Handelstag. Die Börse bekam Unterstützung vom Kassamarkt, denn PCA und Goes hoben ihre Notierungen etwas an. Zudem kursierten Spekulationen im Markt, dass die deutschen Bestände bereits im März erschöpft sein könnten, sodass es um die letzte freie Ware noch einmal preislich spannend werden könnte. Hoffen wir für unsere Landwirte das beste. Bei wieder anziehenden Umsätzen von insgesamt 160 Kontrakten legte der vordere Apriltermin 0,40 €/dt drauf und settelte bei 13,80 €/dt. Im Schweinebereich übte man sich in Untätigkeit, aber im weißen Sortiment konnte der Magermilchpulverkontrakt im Juni 5 Mal gehandelt werden. Bei 3060,- €/to wechselten diese den Besitzer. Die fettige Schwester schaffte gar im Juni und Juli je 5 lots Umsatz. Hier lag man preislich bei 3590,- bzw. 3600,- €/to.

China: Wachstumsprognose erwartet

Die Chinesen veröffentlichen eine Wirtschaftswachstumsprognose für das laufende Jahr. Die meisten „Experten“ äußerten sich im Vorfeld der offiziellen Prognose neutral und bezifferten ihre Erwartungen mit 7,5%, was exakt auf Vorjahresniveau läge. Andere sehen inmitten der überschuldeten Kommunen und vielen Unternehmen Anlass genug, um eine Abwärtskorrektur auf 7% vorzunehmen. Eine erdrutschartige Abwärtskorrektur erwartet niemand, da man den Chinesen nicht zutraut, das internationale Vertrauen in den eigenen Markt erschüttern zu wollen. Mit anderen Worten, nichts anderes als Schönfärberei darf man von offizieller Seite erwarten.

Rohölpreis auf dem Rückzug

Der Rohölpreis ruderte nach den krisenbedingten Zugewinnen vom Montag gestern wieder zurück, weil man in einer Rede von Putin Hinweise herauslas, dass die Kriegsgefahr in der Ukraine nun geringer sei, da er (Putin) keine Notwendigkeit sehe, die militärischen Aktionen auszudehnen. In New York und London fielen die Kurse, machten aber keine Anstalten so etwas wie eine Trendwende nach unten zu vollführen. Die Situation bleibt geladen!

Russland erlässt Einfuhrverbot für ukrainisches Schweinefleisch

Die Russen haben ein mindestens temporäres Einfuhrverbot für ukrainisches Schweinefleisch verhängt. Die instabile politische Lage würde verhindern, dass man die notwendigen veterinärmedizinischen Kontrollen vornehmen kann. Infolgedessen sei eine Gesundheitsgefährdung für russische Verbraucher nicht auszuschließen. Also Grenzen dicht!

Neuer Infektionsfall in China

In der chinesischen Provinz Guangdong ist ein weiterer Fall von Humaninfektion mit dem H7N9-Virus aufgetreten. Der Patient sei bereits Sonntag verstorben, nachdem er Symptome einer chronischen Bronchitis gezeigt habe und sich schließlich ein multiples Organversagen einstellte, berichteten die Gesundheitsbehörden. In gleichem Atemzug bestätigte man die Infektion mit dem Geflügelgrippevirus H7N9. In der Provinz Guangdong waren bereits in der Vorwoche zwei Menschen aufgrund einer H7N9-Infektion ums Leben gekommen. Dennoch hat man am Wochenende zwei Patienten mit der Infektion aus dem Krankenhaus entlassen.
 

Dax erholt sich

Nachdem der russische Präsident Putin in einer Rede bekräftigte, er sehe derzeit keine Notwendigkeit, die militärischen Aktionen in der Ukraine auszudehnen, zogen die Kurse in Frankfurt an. Am Ende schwoll das Plus auf 230,26 Punkte an und der DAX schloss bei 9589,15 Zählern.
 
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