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Börsentelegramm

Agrarmärkte: Kommando voran!

von , am
19.03.2014

© landpixel
Nachdem man zu Wochenauftakt auf breiter Front etwas zurücksetzte, hieß es gestern wieder vorwärts. Am CBoT übernahm Weizen die Führung und orientierte sich klar in Richtung 7,- US-$-Marke. Die Bohne stand in nichts nach und zog gemeinsam mit Mais gen Norden. Da die wichtigsten Unterstützungslinien bei der Korrektur am Montag gehalten hatten, war ein fester Boden bereitet, von dem man aus starten konnte. Andernorts im Agrarbereich sah es ähnlich freundlich aus. Lediglich Kakao und Mastrinder waren im Minus.

Bohne schnellt nach oben

Die Maibohne packte gestern 26 ½ cts drauf und settelte bei 14,18 ½ US$/bu. Die Unterstützungslinie bei 13,80 US$/bu hatte gehalten und bildete gestern das Sprungbrett auf dem die Bohne Anlauf nahm, um gen Norden zu stürmen. Das ewig aktuelle Thema "China" war auch gestern Einfluss nehmend, da keine weiteren Stornierungen vermeldet wurden. Die schwächer werdende chinesische Wirtschaft wirkt sich anderen Märkten stark belastend aus, beispielsweise erreichte Kupfer gestern ein Dreieinhalbjahrestief, sodass man auch bei der Bohne nicht völlig unberechtigt Ungemach befürchtet. Erst einmal scheint sich das Reich der Mitte aber darauf zu beschränken, keine weiteren Partien zu stornieren, sondern eingekaufte Ware zu arbitrieren.
 
Der vielbeachtete Hamburger Branchendienst Oil World bezifferte gestern die Bohnenendbestände der USA auf 118 mio Scheffel, was deutlich unterhalb der letzten USDA-Schätzung von 145 mio Scheffel lag. Der Markt reagierte entsprechend, obwohl es im Kern keine wirkliche Neuigkeit darstellte, denn wir wissen alle, dass nicht mehr als der eiserne Endbestand in den USA übrig bleiben wird!!! Aber Achtung, die Chinesen könnten brasilianische Bohnen durchaus in die USA verkaufen und für Entlastung sorgen. Der brasilianische Ölmühlenverband Abiove bezifferte gestern die Bohnenernte des Landes mit 86,1 mio Tonnen, was vom Markt als neutral bewertet wurde.
 
Raps an der Matif konnte und wollte das positive Umfeld nicht ignorieren und zog deutlich an. Gestern hatten wir an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass der neuerntige Raps an der Matif seinen 50-Tage-EMA durchbrochen hat und man auf eine schnelle Rückeroberung hoffen muss, um nicht weiter unter preislichen Druck zu geraten. Die rasche Zurückeroberung fand mit einem Plus von 4,- €/mto gestern statt, und der Markt settelte bei 365,25 €. Damit konnte ein Schreckensszenario abgewendet werden.
 
Heute Morgen geht die Bohnenrallye weiter, sodass man mit weiteren Rapszugewinnen rechnen muss. Bei genau 368,- € liegt der alles entscheidende Hauptwiderstand des Marktes (August)! Wird dieser heute durchstoßen, ist mit weiteren rasanten Zugewinnen zu rechnen!

Weizen legt los!

Der Maitermin packte gestern 18 cts/bu drauf und settelte bei 6,92 ½ USD/bu. Damit geriet die Marke von 7,- US$ in unmittelbare Sichtweite. Insbesondere der Ägyptentender sorgte für gute Laune im internationalen Weizenmarkt. Das Land der Pharaonen startete eine ganze Reihe von Einkaufsbemühungen, die schließlich damit endeten, dass man insgesamt 175 tsd Tonnen Weizen russischer und rumänischer Herkunft kaufte. Die Ware soll in der mittleren Aprildekade zur Andienung kommen, was einmal mehr ein Beleg für die völlig unsinnige Behauptung sei, Ägypten habe ausreichend Weizenbestände bis Ende Juni. Derartigen Mumpitz kommuniziert man nämlich regelmäßig am Nil, um den wahren Sachverhalt über die eigene Weizenversorgung (um die es schlecht bestellt ist) zu verschleiern. Wir haben unzählige Male hierüber berichtet, sodass wir unseren Lesern die eine Wiederholung der Einzelheiten ersparen können.
 
In Zentralkansas hat der harte US-Winter wegen zuletzt fehlender Schneedecke sicherlich zu Auswinterungen geführt. Für den US-Bundesstaat Kansas hat man im Zuge der letzten Bestandsbonitierung in der Topkategorie Gut-bis-exzellent 3% weggenommen, sodass man bei nun 34% landete. In den Ackerböden Oklahomas herrscht wegen zu geringer Winterniederschläge ein Feuchtedefizit vor, das ohne zeitnahe signifikante Regenfälle zu einem echten Problem werden kann. Die Meteorologen machen für die nächsten zehn Tage wenig Hoffung und sprechen von nur minimalen Niederschlägen. Allerdings steigen die Regenchancen zum Monatsende hin deutlich an.
 
Insgesamt stehen in Oklahoma nur sehr magere 18% aller Winterweizenbestände gut bis exzellent auf den Äckern. Hier war eine Korrektur von -4% notwendig geworden. In Texas ging die Spitzenbonitierung gar um 15% auf jetzt nur noch 13% zurück. Alles in allem startet man in den USA mit eher schlechten Voraussetzungen in den Frühling, zumal der letzte 'Drought Monitor' für Kansas und Oklahoma nicht eben vielverheißend war.
 
An der Matif legten die Weizennotierungen nach einer über lange Strecken hinweg neutralen Sitzung wieder zu. Der neuerntige November schaffte ein Plus von 2,- € und settelte bei 201,- €/mto.

Mais staubt ab

Die guten Vorgaben in den Nachbarpits wahren wohl für die Maiszugewinne verantwortlich. Der Maitermin schaffte immerhin ein Plus von 7 ¼ cts/bu und settelte bei 4,86 ¼ US$/bu. Es gab keine akut wichtigen Nachrichten im Maismarkt, sodass man sich beim Zuschauen der Performance in den Nachbarmärkten nicht hat ablenken müssen. Bei keinem anderen Markt ist der erste Flächenallokationsbericht über die Sommerungen in den USA Ende März bereits so sehr präsent wie im Mais.
 
Am 31. März kommt das USDA mit einer ersten Flächenschätzung von Mais und Sojabohnen in den USA heraus, was für diese beiden Märkte wesentlich bedeutsamer werden dürfte als der WASDE-Bericht vom 10. März. Es existiert bereits eine ganze Reihe von Vorabeinschätzungen, die auf ganz unterschiedlichen Annahmen fußen, die es allemal verdient haben, genauer unter die Lupe genommen zu werden. An dieser Stelle ist hierzu aber kein Platz, da es den Umfang dieses Börsenkommentars, der eigentlich im Telegrammstil abgehalten werden soll, sprengen würde. An der Matif verlor der Novembertermin 0,25 € und settelte bei 189,50 €/mto.

Kartoffel setzt Abschwung fort

 An der Eurex in Frankfurt verlor der Apriltermin der Veredelungskartoffel bei einem Gesamtmarktumsatz von 242 Kontrakten 0,60 €/dt und settelte bei 12,70 €/dt. Damit ist sowohl der langfristige als auch der kurzfristige Trend abwärts gerichtet geblieben.

Australien: Farmer aktive Hedger!

 Die australischen Farmer hätten laut Agrarmedienberichten aus Down Under die jüngste Preisrallye zu regen Absicherungsverkäufen genutzt. Die atemberaubende Geschwindigkeit der Preisanstiege war zu verführerisch, um sie ungenutzt vorbeiziehen zu lassen. Teile der Bundesstaaten Queensland and New South Wales sind aber bereits zu trocken und ein mögliches El Nino-Wetterphänomen würde für die genannten australischen Gebiete weiteres Ungemach in trockener Form bedeuten. In diesem Jahr wird das Wetter unter dem Damoklesschwert eines El Ninos sicherlich von größter Bedeutung für die Getreideproduktion sein.
 
Zudem machen sich die Aussies Hoffnungen, die in 2013 massiv angezogenen Rindfleischexporte in Richtung China mindestens zu wiederholen. Wenn es in Down Under aber zu wetterbedingten Problemen kommt, würde auch die Veredelungswirtschaft leiden und ob man unter diesen Umständen dann erneut als Topexporteur bei Rind- und Lammfleisch auftreten könnte, ist nicht sicher.

Chinesische Zentralbank weitet Handelsband aus

Die chinesische Zentralbank hat das erlaubte Handelsband zwischen Yuan und US$ von 1% auf 2% angehoben und damit verdoppelt. Die PBoC legt täglich einen Referenzkurs zwischen Yuan und US$ fest. Hiernach dürfen die Kurse nun 2% darüber oder darunter schwanken.

DAX sehr volatil

Die Bauchschmerzen um die Schwarzmeerhalbinsel Krim lösten zuerst Verluste auf dem Frankfurter Parkett aus, und der DAX trudelte ins Minus. Die Stimmung der Anleger wird weiterhin hauptsächlich von der enormen Unsicherheit über die weitere konjunkturelle Entwicklung auf der Welt bestimmt. Die Unsicherheit über den chinesischen Kreditmarkt, der Währungsabsturz in vielen Schwellenländern, sowie die jüngsten Rückschläge an den Weltbörsen trugen zur fragilen Stimmung bei.
 
Angesichts dessen nimmt es nicht wunder, dass der ZEW-Index im März überraschend stark gefallen war, wenngleich sich alle Kommentatoren darin einig waren, dass der Rückgang auf die Situation um die Schwarzmeerhalbinsel Krim zurückgeht. Man befürchtet nämlich, dass der Konflikt mit Russland mit wirtschaftlichem Waffenarsenal ausgetragen werden wird. Das würde alle beteiligten Parteien in Mitleidenschaft ziehen. Das Motto, das sich die EU auf die Fahnen geschrieben hat, lautet: Wie du mir, so ich dir, denn der Krim wurde perspektivisch bereits die Vollmitgliedschaft in der EU angeboten. Hält man sich aber die wirtschaftlichen Sanktionen samt deren Auswirkungen vor Augen, wird deutlich, dass das Motte besser mit: Wie du dir, so ich mir, beschrieben wäre. Der DAX drehte während der Putin-Rede und verbrachte den Rest des Tages im positiven Terrain. Am Ende gab es ein Plus von 61,66 Punkten, und der Index schloss bei 9242,55 Zählern.
 
Es ist nicht überraschend, dass das Bundesverfassungsgericht, sämtliche Klagen gegen den ESM abgeschmettert und somit das deutsche Volksvermögen den Brüsseler Sozialisten zum Fraß vorgeworfen hat. Die geplante Gesetzesänderung hinsichtlich der Lebensversicherungspolicen bei Versicherungsgesellschaften spricht die gleiche Sprache.


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