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Börsentelegramm

Agrarmärkte kriechen seitwärts

von , am
02.10.2014

Es hat sich zwar gestern in vielen Agrarmärkten eine festere Tendenz etabliert, aber die Art und Weise des Vorankommens glich eher einem Vorwärtsrobben auf dem Bauch als einem Durchmarschieren.

Die Vermehrungsflächen beim Winterweizen ging 2015 um 8,2 Prozent auf 53.400 ha zurück. © Mühlhausen/landpixel
Es hat sich zwar gestern in vielen Agrarmärkten eine festere Tendenz etabliert, aber die Art und Weise des Vorankommens glich eher einem Vorwärtsrobben auf dem Bauch als einem Durchmarschieren. Am CBoT konnten die Zugewinne in Bohne, Mais und Sojabohne getrost vernachlässigt werden. Sie waren einfach zu gering, um Bedeutung zu erlangen. Die großen Verlierer des Tages waren Zucker und Kakao.
 
Sojabohne hebt den Kopf
 
Die Novemberbohne legte gestern 3 ½ cts/bu zu und settelte bei 9,16 ¾ US$/bu. Die gestrige Sitzung am CBoT verlief ohne große Komplikationen ab. Nach dem USDA-Report vom Dienstag gab es keine neuen bedeutenden Nachrichten zu verdauen. Man wartet die US-Erntetätigkeiten ab, um weitere Hinweise auf die neuerntige Endbestandssituation zu bekommen. In der zweiten Wochenhälfte wird die Witterung im Mittleren Westen nasser, sodass die Ernte nur noch mit angezogener Handbremse voranschreiten wird. Wir wollen an dieser Stelle noch einmal auf den Bericht des USDA´s von Dienstag zurück schauen.
 
Obwohl die Quartalsbestände zum 1. September mit 92 mio Scheffel deutlich unter den Erwartungen von 126 mio Scheffel lagen, war es der Bohne nicht möglich, hieraus Honig zu saugen. Der Druck der neuen Sojabohnenernte war einfach zu stark, als dass sich der USDA-Report als Kursstütze hätte erweisen können.
 
Soweit ist Lage klar, aber der Punkt, auf den ich aufmerksam machen möchte, ist die Höhe der Endbestandszahl selbst. Das USDA steht bei uns schon lange im Verdacht, seine Agrarstatistiken zum Zwecke der Preispolitik zu missbrauchen. Im Zuge der alterntigen Kampagne haben viele Marktbeobachter stets von noch knapperen Beständen gesprochen, als das USDA in seinen monatlichen Berichten auszuweisen bereit war.
 
Nunmehr inmitten des größten Erntedruckes fallen die Quartalsendbestände zum 1. September plötzlich dramatisch ab und geben ein deutliches Signal hinsichtlich des zu erwartenden Endbestandes im nächsten WASDE-Report. Dieses Gebaren des Ministeriums zwingt doch geradewegs dazu, sich die Frage vorzulegen, ob das USDA mit den notwendigen Abwärtskorrekturen nicht ganz bewußt bis zu einem Zeitpunkt gewartet hat, wo sie keinen allzu großen Schaden in der Preisbildung mehr anrichten konnten. Es bedarf keiner mühsamen und kunstvollen Konstruktion einer fragwürdigen Argumentationskette, um berechtigte Zweifel am Gesamtbild des USDA´s anzumelden. Man darf ohne weiteres die Meinung vertreten, dass die Zahl von 92 mio Scheffel den mittelbaren Beweis für den nicht vorhandenen Richtigkeitsanspruch der Statistiken des USDA´s darstellt.
 
Die Matif legte im November 1,50 € zu und eroberte mit einem Schlusskurs von 320,25 € die Marke von 320,- €/mto zurück. Die Rapsölpreise können sich erstaunlich gut gegen Anfeindungen aus dem Rohölbereich verteidigen. Bessere Versorgungslagen im globalen Pflanzenölmarkt können ebenfalls abgeschüttelt werden. Eine sehr freundliche Entwicklung.
 
Weizen hält die Nase in den Wind
 
Der Dezembertermin am CBoT legte gestern 1 ¼ cts/bu zu und settelte bei 4,79 US$/bu glatt. Der Handel in den USA verlief in ruhigen Bahnen, ohne dass es fundamental Aufregendes gegeben hätte. Es war ein typischer Mittwoch, der von Langweile geprägt war. Wahrscheinlich haben sich die Ägypter von den fallenden Weizenpreisen bereits am Dienstagabend anlocken lassen, denn man legte am Nil gleich mehrere Weizentender auf und erbot sich, verschiedene Herkünfte zu kaufen.
 
Am späten Nachmittag kamen die Ergebnisse und überraschenderweise wurde aus einer einzigen Herkunft eingekauft: Frankreich! Der relativ schwache Euro muss an dieser Stelle geholfen haben, die Kaufentscheidung der Ägypter in die französische Richtung zu lenken. Diese Entwicklung soll uns hier erfreuen, denn es entlastet die europäische Versorgungsbilanz. Marokko kaufte gestern kurz und bündig 9000 Tonnen Weizen us-amerikanischer Herkunft ein. Mengen in solcher Höhe spielen international aber keine Rolle und ausschließlich der Vollständigkeit wegen erwähnt. Die kasachischen Getreideexporte haben bislang in dieser Kampagne 1,35 mio Tonnen erreicht.
 
Im letzten Jahr hatte man zu dieser Zeit bereits 1,59 mio to über die Grenzen geschafft. Die starke Konkurrenz der Schwarzmeeranrainer zu Beginn des laufenden Vermarktungsjahres haben hier ihre Spuren hinterlassen. Daneben liegt man in Kasachstan hinter dem letztjährigen Erntefortschritt zurück. Hatte man in 2013 bereits 73% in den Scheunen, so beträgt dieser Wert heute nur 68%. Die Ukraine meldete sich in Form ihres Agrarministeriums auch zu Wort und veranschlagte die Gesamtgetreideernte des Landes mit 64,4 mio Tonnen. Das stellte eine bedeutende Aufwärtskorrektur dar von den vorherigen 60 mio to dar. Insgesamt entfallen von den 64,4 mio to 30 mio to auf Körnermais. Die Weizennotierungen an der Matif nahmen die französischen Exporte wohlwollend auf und zogen an. Der Novembertermin packte 2,- € drauf und schloss bei 154,75 €/mto.
 
Mais in stabiler Seitenlage
 
Der Maispreis in den USA legte gestern im Dezembertermin ½ ct/bu zu und schloss bei 3,21 ¼ $/bu. Im Handelsverlauf konnten die Maisnotierungen immerhin eine gewisse Stabilitätsneigung ausweisen, die verhinderte, dass man geradewegs die Reise in Richtung 3,- US$/bu-Marke fortsetzte. An der Matif legten die Maispreise stärker zu und eroberten im Novembertermin die Marke von 140,- € zurück. Nach einem Plus von 2,75 € settelte der November bei 140,75 €/mto.
 
Eurex: Kartoffelumsätze ziehen an, Preise im Plus
 
Die Umsätze in der Veredelungskartoffel an der Eurex sind gestern glücklicherweise von ihrem elenden Vortagesniveau weggekommen. Mit 134 Kontrakten zog der Umsatz spürbar an. Der Apriltermin 2015 konnte 0,10 € zu legen und bei 6,20 €/dt schließen. Der Preis hat sich damit nur unwesentlich verändert. Es gibt auch keinen Anlass, das Preisniveau nennenswert zu verschieben, denn mittlerweile ist die Katze auf dem Kassamarkt aus dem Sack. Wir wissen um die exzellenten Kartoffelerträge, die sich durch alle Anbaugebiete Europas ziehen.
 
In diesem Umfeld bleibt einem nichts anderes übrig, als seine Preiserwartungen Art zu dämpfen. Im weißen Sortiment glänzte das Magermilchpulver mit kleineren Umsätzen, die sich aber über eine Vielzahl von Handelsmonaten hinweg erstreckten. Die Preisveränderungen bewegten sich dabei in beide Richtungen. Die Butter schaffte vorne etwas Umsatz.
 
Zuckerpreise wieder auf dem Rückzug
 
Obwohl die Rückschnapprallye in den Zuckerpreisen stark gewesen ist und am ehesten die Chance vermittelt hat, dass ein Boden gebildet sein könne, kann der Markt die festeren Niveaus nicht halten. Gestern ging es den zweiten Tag in Folge wieder bergab. Hierbei wurden wichtige gleitende Durchschnitte durchbrochen, die im Falle eines echten Preisbodens hätten unbedingt gehalten werden müssen. Dazu fehlte den Zuckernotierungen aber einfach die Kraft.
 
Der Märztermin in New York geriet in echte charttechnische Schwierigkeiten und verlor 43 Punkte. Der Schlusskurs lag mit 16,02 nur noch hauchdünn über 16 cts/Pfund-Marke.
 
DAX verliert 1%
 
Der Dax war gestern anfangs nur schwer vom Fleck zu bewegen. Man schien sich mehr und mehr der verrückten Situation bewusst zu werden, in der man zur Zeit steckt. Auf der einen Seite steht die bestenfalls stagnierende Realwirtschaft und auf der anderen die Geldschwemme aus den Notenbanken, von der man meint, sie könne nirgendwo anders hin als in die Aktien. Die geldsozialistische Verapparatung der sogenannten Finanzmärkte ist seit der Kette von Krisenmaßnahmen auf einen grotesken Höhepunkt getrieben worden. Völlig Unbeteiligte (Sparer und Steuerzahler) sind seitens der Politik dazu auserkoren worden, die Banken mit ihren Leistungen zu "retten".
 
Mit dieser Vorgehensweise hat man sich von Seiten des Staates an marktwirtschaftlichen Kardinalwerten, die Freiheit und Gerechtigkeit verbürgen, versündigt. Denn die begangene Schandtat ist keine geringere als die Trennung zwischen Leistung und Erfolg sowie von Entscheidung und Verantwortung/Haftung. Die sogenannten Investoren, die nichts anderes als Inflationsbegünstigte sind, frohlocken schon seit Jahren und freuen sich über jede frisch gedruckte Mark, die an die Börse abfließt.
 
Nun scheint man in seiner Euphorie aber langsam etwas abzuebben, denn die Stimmen, die mit diesem Wahnsinn Schluss machen wollen, werden immer lauter und bekommen stetigen Zulauf. Mittlerweile scheint auch der bornierteste Ignorant zu begreifen, dass die ganze Gelddruckerei nicht den geringsten realwirtschaftlichen Nutzen hat, sondern lediglich der sogenannten Finanzindustrie zu Gute kommt. Die „keynesianischen Wirtschaftswissenschaftler“ (ein begrifflicher Widerspruch in sich) sind in ihrer eitlen Selbstgefälligkeit nun Gefangene ihrer eigenen Ideologie und verkommen mit ihren inflationistischen Heilslehren zur Lächerlichkeit. Nirgendwo führen die frisch gedruckten Gelder zu „Wachstum“ oder dergleichen, sondern dienen nur der Besitzstandwahrung. Nebenbei entstehen sagenhafte neue Vermögensanhäufungen, ohne dass auch nur eine einzige marktwirtschaftliche Leistung von jenen erbracht worden wäre, denen das neue Geld in Massen zuströmt!
 
Hierin liegt die Perversion des Gelddruckens und macht es zum schlimmsten Eigentumsdelikt, das man überhaupt nur begehen kann! Der Dax drehte gestern Nachmittag ins Minus als man die Industrieproduktion der Eurozone des vergangenen Monats nach unten revidierte. Sukzessive gab man nach, sodass das Minus auf über 90 Punkte anschwoll. Der Schlussstand lag bei 9382,03 Zählern.
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