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Börsentelegramm

Agrarmärkte: Auf der Krim wird´s grimmig

von , am
04.03.2014

© landpixel
Die politischen Spannungen um die Ukraine (Schwarzmeerhalbinsel Krim) sorgten zum gestrigen Wochenauftakt für furiose Kurssprünge. Nicht nur im Agrarbereich gab es signifikante Bewegungen zu beobachten.
 
Zuvorderst stand die russische Währung unter starken Druck, dicht gefolgt vom Moskauer Aktienmarkt. Am CBoT gab es sehr stramme Zugewinne im Weizen (+5,3%). Mais und Bohne nahmen zwar die Verfolgung auf, blieben aber deutlich zurück. Den absoluten Tagessieg verbuchte aber Kaffee mit fast 10% Zugewinn. Rohöl schraubte sich auf neue Jahreshochs.

Bohne hält Gewinne nicht

Die Maibohne verlor gestern nach anfänglichen Zugewinnen 4 ¾ cts/bu und settelte bei 14,09 ¼ $/bu. Durch den vergleichsweise schwachen Schlusskurs sieht das Chartbild der Bohne weiterhin nicht besonders gut aus, sodass Verluste befürchtet werden müssen. Der Dreh- und Angelpunkt des Sojakomplexes, das Sojaschrot, handelte abschlägig und zwang auch die Bohne in Knie. Die Berichte über anziehende Prämien am Golf von Mexiko sind höchstwahrscheinlich auf die regenbedingten Ernteverzögerungen in Brasilien zurückzuführen. Wir kommen nicht um die Erkenntnis herum, dass es saisonal zu einer Verschiebung des Bohnengeschäfts nach Südamerika kommen wird.
 
Der chinesische Yuan erreichte gestern ein Zehnmonatstief, aber eine Prognose zu wagen, welche Auswirkungen die sinkende Währung auf die chinesische Kaufaktivität haben wird, wäre zu forsch. Beim Niedergang des argentinischen Peso war mit eindeutiger Sicherheit die Verkaufzurückhaltung der Gauchos vorherzusehen (vgl. hierzu Börsentelegramme Februar 2013). Die Chinesen brauchen die Bohne und werden sie kaufen, schwächerer Yuan hin, schwächerer Yuan her! Aber die Antwort auf die Frage, in welcher Art und Weise, muss der Autor schuldig bleiben. Es gibt einfach zu viele denkbare Möglichkeiten.
 
Beispielsweise darf nicht übersehen werden, dass die Verarbeitungsmargen in China negativ sind und deshalb mit weiteren Stornierungen in den USA gerechnet werden muss. An der Matif konnten die Rapsnotierungen aufgrund der allgemein unsicheren Lage in der Ukraine ebenfalls rapide Zugewinne verbuchen. In der Hitze des Eröffnungsgefechts sprangen die alterntigen Kurse des Maitermins mit 403,25 deutlich über die 400,-er-Marke. Mit einem Zugewinn von 5,25 € settelte der Mai punktgenau bei 400,- €/mto glatt.

Weizen avanciert zum Starperformer

Der Maitermin am CBoT legte gestern äußerst stramme 29 ¼ cts/bu zu und settelte bei 6,31 ½ US$/bu. In Kansas zog der B-Qualitätsweizen etwa 25 cts/bu an und in Minneapolis der A-Qualitätsweizen noch ca. 15 cts/bu.
 
Im globalen Weizenmarkt gab es einen Faktor, der alles andere hat in den Schatten treten lassen. Die politischen Unruhen in der Ukraine und die Inmarschsetzung russicher Truppen in Richtung Halbinsel Krim. Die ukrainischen Unwägbarkeiten sorgten bei den Marktbeteiligten für Unwohlsein, sodass man keine überbordenden Shorts besitzen wollte und erst einmal zurückkaufte. Die Ukraine weist bereits eine hohe Exportquote bei Weizen auf, allerdings ist diese noch nicht vollends verschifft. Viele Geschäfte stehen erst noch zur Abwicklung an, sodass die berechtigte Sorge besteht, dass die Ware nicht mehr physisch fließen kann. Einer freibleibenden Schätzung zufolge, äußerte sich ein Marktteilnehmer diesbezüglich mit ca. 10 mio Tonnen, wenngleich das etwas hoch gegriffen erscheint.
 
Darüber hinaus hat die Ukraine ein akutes finanzielles Problem, denn das Land ist praktisch bankrott. All die westlichen Kredite, die zum wirtschaftlichen Aufbau gedacht waren, sind wohl zum Großteil in die Privatschatullen der Mächtigen geflossen. Nun steht man vor dem Scherbenhaufen dieser Wirtschaftspolitik. Jedermann fiele die moralische Bankrotterklärung neuer Kredite sofort ins Auge!
 
Diejenige Weizennachfrage, die in der Ukraine eventuell nicht mehr befriedigt werden kann, müsste sich dann auf andere Herkunftsländer richten. Und an dieser Stelle kommen Europa und die Matif ins Spiel. Die Weizenkurse in Paris stellten die Zugewinne beim Raps in den Schatten und sprangen bereits zu Eröffnung des Handels ca. 7,- € in die Höhe. Im folgenden Handelsverlauf erreichte man fast die Zweistelligkeit. Am Ende des Tages hatte man üppige 7,25 € draufgepackt und bei 208,50 €/mto gesettelt. Man darf die jüngste Preisentwicklung ferner als Gegenbeweis der Behauptung überbordender globaler Weizenbestände begreifen. Immer wieder und allenthalben wurde einem in der Agrarpresse um die Ohren gehauen, dass man riesige Bestände habe und demzufolge die Preissteigerungen der Vergangenheit nicht fundamental untermauert seien. Das war, ist und bleibt schlicht und ergreifend falsch!
 
Ein Blick auf die relativen Versorgungsgrade bringt die strukturelle Knappheit eindringlich ins Bewusstsein. Wenn die Bestände im behaupteten Überfluss existierten, wären wohl die weltweiten Weizenpreise kaum imstande, derartige preisliche Reaktionen auf die Krimkrise zu zeigen. Eine entstehende Lücke in der Versorgung würde sang- und klanglos durch einen anderen Lieferanten geschlossen. Das ist aber augenscheinlich nicht der Fall.

Mais folgt Weizenanstieg

Der Maitermin legte gestern 7cts/bu zu und settelte bei 4,70 ½ US$/bu. Auch im Maismarkt verdrängte die Krimkrise alle anderen Nachrichten von den Bildschirmen. Die rasanten Zugewinne im Weizen entfalteten Magnetwirkung auf den Mais und zogen die Notierungen mit gen Norden. Beim ukrainischen Mais gibt es genau die gleichen potentiellen Probleme wie beim Weizen. Auch hier herrscht Ungewissheit über die zukünftigen logistischen Möglichkeiten. Die USA veröffentlichten zwei Exportgeschäfte in Höhe von 211,5 tsd to nach Japan und 140 tsd Tonnen in Richtung Südkorea. An der Matif herrschte im bald auslaufenden Märztermin eine enorme Volatilität. Er schloss nach einem Plus von 3,50 € bei 172,75 €/mto.

Kartoffel erholt sich von Tagestiefs

Die Kartoffel kullerte zuerst talwärts in die neue Woche, konnte sich aber gegen Sitzungsende erholen. Der Apriltermin 2014 an der Frankfurter Eurex schloss mit 0,10 €/dt im Plus bei 13,40 €/dt. Die Umsätze waren mit 112 lots unterdurchschnittlich. Die unklare Situation über die tatsächlich vorhandenen Bestände in Holland hatte letzte Woche die Einpreisung einer Risikoprämie verlangt. Seitdem verhält sich der Markt recht orientierungslos und schiebt sich in stabiler Seitenlage weiter voran. Hierbei umkreist man die 13,- €/dt-Marke. Auf dem Kassamarkt ist man wohl verarbeitungsseitig soweit, den einen oder anderen Kapazitätsteil brachliegen zu lassen, da man aufgrund üppiger Tiefkühlbevorratung Absatzprobleme für die letzten Mengen hat. Pommes frites soll es in den Gefrierhäusern genug geben.

Zucker mangelt es etwas an Kaufinteresse

Das Interesse im Zuge der Andienung des New Yorker Zuckerkontraktes weist auf eine nur sehr verhaltene internationale Nachfrage hin, was den Kursen am Freitag den Boden unter den Füßen wegzog. Die neue Woche wurde aber wieder etwas freundlicher begonnen.
 
Nach einer volatilen Sitzung konnte der Maitermin in London 1,50 US$/Tonne zulegen und bei 477,80 US$/Tonne schließen. In ähnlicher Größenordnung schloss man in New York.

Rohölpreise steigen auf Jahreshoch

An den internationalen Börsen stiegen die Rohölpreise wegen der politischen Umstände in der Ukraine auf neue Jahreshöchststände. Sowohl in London als auch in New York zogen die Kurse kräftig an. Crude Light kostete gesternabend in New York ca. 104,50 US$/Fass. Für die Norseesorte Brent wurden in London ca. 111,- US$/Fass aufgerufen, ein Plus von über 2,- US$/Fass.

DAX bekommt Knacks

Die russische Währung Rubel fiel infolge des Kapitalabflusses auf ein neues Tief. Sämtliche Versuche der russischen Zentralbank, mit Zinserhöhungen gegenzusteuern, blieben erfolglos. Die russischen Aktienmärkte krachten südwärts, weil alles in Panik verkaufte. Die Kriegsangst jagte selbst den hartgesottensten Anlegern einen Schauer über den Rücken, sodass es nicht mehr verwunderte, dass auch hier die Mutter aller Porzellankisten erst einmal das Ruder in die Hand nahm. Man suchte vermehrt "krisensichere Anlagen" und zog sich insbesondere aus den Aktienmärkten zurück.
 
Dem Dax stießen diese Entwicklungen sauer auf, und er kam nicht umhin, selbst Federn zu lassen. Am Nachmittag war das Minus auf etwa 300 Punkte angeschwollen, und zu Handelsende packte man noch etwas drauf… aufs Minus! Um 333,19 Zähler erleichtert beschloss der Deutsche Aktienindex auf dem Frankfurter Parkett bei einem Stand von 9358,89 Punkten den Tag. 
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