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Börsentelegramm

Agrarmärkte legen wieder grünes Gewand an

von , am
07.08.2014

Die ersten Maisflächen wurden schon gehäckselt. Ergebnisse lassen noch auf sich warten. © Mühlhausen/landpixel
Der Mittwoch war bullisch. An den internationalen Handelsplätzen zogen fast alle Agrarmärkte an. Die Zugewinne erreichten teilweise bedeutende Ausmaße. Am CBoT ging das Shortcovering im Weizen in die nächste Runde und die Notierungen konnten fast 3% zulegen. Die Sojabohne hielt ihr Tief und drehte nach oben, wobei die Zugewinne weniger üppig ausgeprägt waren. Mais schloss sich der Entwicklung an und marschierte mit angezogener Handbremse mit nach oben.
 
Die einzigen Ausreißer aus der Gewinnerriege waren Mastring und Orangensaft.

Sojabohne fest

Die Sojabohne legte im November 14 ¼ cts/bu zu und settelte bei 10,80 US$/bu. Mit diesem Schlusskurs hat man im charttechnischen Nirvana gesettelt, das keine Aussage über den gegenwärtigen Status zulässt. Einerseits hat es klar an Stärke gefehlt, um die 11,- US$ ernsthaft anzugreifen, andererseits war ausreichend Festigkeit vorhanden, um die alten Tiefs nicht zu gefährden. Die Marktbewegung ist damit nicht dazu geeignet, uns tiefere Einblicke zu gewähren.
 
An der fundamentalen Front gab es keine wesentlichen Neuigkeiten. Man unterhielt sich über die zu erwartenden Regenfälle und deren mögliche Auswirkungen auf die Bohnenbestände. Die Rapsnotierungen waren tendenziell abschlägig, konnten aber das verloren gegangene Terrain wieder zurückerobern als die Bohne Stärke signalisierte. Der November schloss bei unveränderten 325,75 €/mto.

Weizen weiter aufwärts

Der Septembertermin legte 15 ½ cts/bu zu und settelte bei 5,68 US$/bu glatt. Das Shortcovering hielt an den US-Märkten weiter an und half den Bullen erneut auf die Beine. Die Preise konnten entsprechend anziehen. Auf der internationalen Bühne kaufte der Iran 50 tsd Tonnen Weizen aus der Schwarzmeerregion, und die Japaner bekamen keinerlei Offerten auf ihren Futterweizentender gezeigt. Aus Asien meldeten sich neben Japan auch noch die Philippinen. Man legte einen Einkaufstender über 100 tsd Tonnen Futterweizen. Ein Ergebnis des Tenders lag bis zum Abend noch nicht vor.
 
Aus der Ukraine meldete sich zum wiederholten Male diese Woche das Agrarministerium zu Wort und legte Zwischenergebnisse des Erntefortschritts vor. In Kiew sieht man nunmehr 31,2 mio to Getreide abgeerntet. Darin enthalten sind 21,5 tsd Tonnen Weizen und 8,6 tsd Tonnen Gerste.
 
In Paris gab es eine heftige Eröffnung, während derer die Weizenpreise bis zu 6,- €/to nach oben katapultiert wurden. Die Zuwächse wurden mit der gleichen Plötzlichkeit erzielt, mit der man letzte Woche die heftigen Verluste einstecken musste. Grund für die explosiven Zugewinne war die Unklarheit über den weiteren Fortgang bzw. den Ausgang der Gespräche der Silobetreiber über den Umgang mit den Qualitätsparametern. Parallel dazu wurde zusätzlich die Meldung verbreitet, dass Russland 20 tsd Soldaten an der ukrainischen Grenze zusammen gezogen habe. Im Lichte des Vorhabens der Ukraine, die Stadt Donezk von den Separatisten zurückerobern zu wollen, herrschte Unklarheit über die Auswirkungen eines eventuellen Konflikts auf den Getreidemarkt. Da die Auswirkungen eigentlich nur negativ sein können, lag ein zusätzlich bullischer Einflussfaktor vor. Irgendwann beruhigte sich der Markt aber wieder und pendelte sich bei Plus von 2,- €/mto ein. So schleppte man sich durch den Tag bis am Abend die Chicagoer Notierungen anzogen und einen Luftstoß in das Aschehäufchen der Matif bliesen.
 
Die Matifpreise flackerten wieder auf und standen plötzlich in Flammen. Man sah sich einem Ragout aus steigenden CBoT-Notierungen, schwachem Euro und politischer Unsicherheit gegenüber. Das trieb die Preise nochmals über die 180,- €/mto. Am Ende blieb im November ein Plus von 3,50 und schloss bei 178,25 €/mto.

Mais zögerlich fest

Der Dezembertermin legte gestern 7 cts/bu zu und settelte bei 3,72 ¼ US$/bu. Die USA vermeldeten ein Exportgeschäft in Höhe von 160 tsd Tonnen Mais aus der neuen Ernte in Richtung Kolumbien. Das südamerikanische Land war damit zum zweiten Male in relativ kurzer Zeit am Markt, um sich mit Mais einzudecken. In Brasilien hat sich das Ministerium hinsichtlich der beabsichtigten Maismarktsubventionen zu einer zahlenmäßig klareren Aussage eingelassen. Man möchte die Maisfarmer mit 218 mio US$ unterstützen, da diese unter dem allgemein niedrigen Preisniveau litten. Mit den Zuwendungen kann der Transport zu den Exporthäfen kostenmäßig bewältigt werden, sodass die brasilianische Ware gegenüber der US-Ware in stärkere Konkurrenz treten sollte.
 
An der Matif legte der November 1,25 € zu und settelte bei 155,25 €/mto.

Eurex: Kartoffel ohne Leben

Die Veredelungskartoffel an der Eurex blieb am Mittwoch ohne Inspiration. Bei einem sehr geringen Umsatz von nur 48 Kontrakten settelte man den Apriltermin 2015 bei unveränderten 7,90 €/dt. Vom Kassamarkt hörte man nicht viel. Offenbar hat man sich seitens der Industrie noch nicht aus der Deckung gewagt. Die Wartehaltung scheint das bevorzugte Mittel der Wahl zu sein.
 
Im Schweinebereich hielt die erfreuliche Lebendigkeit an, denn das todgeweihte Mastschwein schaffte es zum wiederholten Male, Umsatz auf sich zu vereinen. Der vordere August wechselte dreimal zwischen 1,690 und 1,620 €/kg den Besitzer. Das Ferkel blieb allerdings ohne Interessenten und wurde umsatzmäßig links liegen gelassen.
 
Im weißen Sortiment konnte man die exzellente Umsatztätigkeit des Vortages leider nicht wiederholen. Das Magermilchpulver war die einzige gehandelte Komponente und verhungerte bei einem einzigen Kontrakt Umsatz im Novembertermin. Preisniveau: 2500,- €/Tonne.

China: Zahlen schwach

Der Einkaufsmanagerindex des nicht produzierenden Sektors ist im Monat Juli auf 50 Punkte gefallen. Das war der niedrigste Stand seit August 2011. Mit 50 Punkten bewegt sich der Index im Niemandsland seiner Aussagekraft, denn damit schlittert er auf der Linie zwischen Kontraktion und Expansion. Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass der Einkaufsmanagerindex des produzierenden Gewerbes natürlich wesentlich wichtiger ist als derjenige des nicht produzierenden.

Zucker nicht aus der Reserve zu locken

Die Lage im internationalen Markt blieb insgesamt still. Zuerst notierte man weiterhin abschlägig bevor der Markt am Abend eine nordwärts gerichtete Wende hinlegte. An den internationalen Handelsplätzen schlossen die Notierungen schließlich im Plus. Der gestartete Einkaufstender des Iraks über 50 tsd Tonnen Weißzucker verhallte allerdings ohne preisliche Wirkung in den Weiten des Marktes.

DAX und Co weiter im Schlingerkurs

Die globalen Aktienmärkte standen weiter unter Druck. Die Ertragssaison der Unternehmen hat stellenweise enttäuscht, und die politischen Unsicherheitsfaktoren nahmen zu. Insbesondere ist die Sorge um den Konflikt zwischen der Ukraine und Russland gewachsen. Es hat in Donezk heftige Kämpfe gegeben. An der Grenze haben die Russen offenbar mindestens zwanzigtausend Soldaten zusammengezogen, die im Falle eines Falles rasch in Marsch gesetzt werden können. Die Börsen reagierten verschnupft. In Frankfurt büßte der DAX knappe 60 Punkte ein und schloss bei 9130,04 Zählern. 
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