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Börsentelegramm

Agrarmärkte mit leicht bullischem Anklang

von , am
03.02.2014

Englische Landwirte holten sich dank einer perfekten Saison den Weltrekord für die Weizenernte. © Mühlhausen/landpixel
Zum Wochenausklang war es einer Vielzahl von Agrarmärkten möglich, sich auf die bullische Seite zu schlagen. Am CBoT konnten Bohne, Weizen und Mais moderat ansteigen. Die Tagessieger waren jedoch Kaffee, Orangensaft und der zuletzt so stark ausgebombte Zucker.
 
Die Verlierer waren Baumwolle, Kakao und Schweinefleisch. Rohöl verzeichnete ebenfalls Verluste. Die Finanzmärkte reihten sich hier ein; weltweit waren die Indizes im Minus.

Bohne fest

Die Märzbohne schloss am Freitag mit einem Plus von 7 ¾ cts/bu bei 12,82 ¾ US$/bu. Fondsgesellschaften sollen im Zuge des Handels zwar frühe Verkäufer, aber auch späte Käufer gewesen sein. Die späte Zuversicht in den Bohnenpreis wurde von Sojaöl ausgelöst, das nach vielen Monaten der Schwäche ein Lebenszeichen hat von sich geben können. Die Zugewinne erreichten ein Maß, das es dem Sojaölchart erlaubte eine charttechnische Umkehrformation auszubilden. Ob wir in dieser Woche Anschlussgewinne sehen werden, muss abgewartet werden
 
Sojaschrot schloss am Freitag ebenfalls höher und verhalf den Bullen dadurch endgültig zum Tagessieg. Die Bären weisen weiterhin darauf hin, dass eine riesige südamerikanische Bohnenernte "auf dem Halm steht" und alsbald auf den Weltmarkt treffen wird. Das ist zwar richtig, jedoch muss diese erst den engen Flaschenhals der Logistik passieren. Die Börse in Buenos Aires bezifferte Ende letzter Woche die argentinische Bohnenernte auf 53 mio Tonnen und bestätigte damit ihre zuvor gemachte Prognose. Im letzten Zyklus hat Argentinien "nur" 48,5 mio to ernten können. Unterdessen mehren sich die Meldungen aus Nordbrasilien, dass die Ertragsniveaus in den Frühdruschgebieten sehr gut sind. Wenn es so weitergeht, rückt tatsächlich noch die optimistischste Prognose von einer brasilianischen Produktionsmenge von 95 mio Tonnen in den Bereich des Möglichen.
 
Eine interessante Nachricht mit potentiellem Sprengstoffcharakter für die Bohne kam aus den USA. Der globale Agrarplayer Cargill legt eine Ölmühle im amerikanischen Bundesstaat North Carolina still. Derartige Dinge sind nicht unbedingt bedeutsam und gehören zur Geschäftsroutine eines derartigen Konzerns, jedoch wurde als Grund für die temporäre Stilllegung ein Mangel an Sojaschrotnachfrage genannt. Und jetzt wird´s gefährlich, denn es waren gerade die festen Schrotpreise, die mittelbar den hohen Sojabohnenpreis möglich machten. Wenn nun Anlagen infolge mangelnder Schrotnachfrage still gelegt werden und diese stützende Komponente wegbrechen sollte, dann sind die anziehenden Ölpreise höchstwahrscheinlich nicht in der Lage, das zu kompensieren. Preisdruck auf die Bohne wäre die Folge.
 
Hält man sich vor Augen, dass die Fonds am CBoT noch mit großen Positionen long sitzen, wird klar, dass heftige Liquidationswellen den Markt erfassen könnten. Dann hieße es, rette sich, wer kann! Die Bohne hat derzeit ihre technische Hauptunterstützung bei etwa 12,60 US$/bu. Sollte dieser brechen, stehen tiefere Preise zur Disposition.
 
Keine guten Nachrichten für unsere Rapspreise, die am Freitag aber erst noch einmal anziehen konnten. Der Februartermin verließ mit einem Plus von 20,50 und einem Settlementpreis von 369,- €/mto glatt das Kursboard. Andienungsdetails sind noch nicht bekannt. Der Maitermin schaffte ein Plus von 2,25 € und schloss bei 364,25 €/mto. Für alle Rapsbesitzer gilt am Dienstag dieser Woche erhöhte Alarmbereitschaft, denn der nächste Report des statistischen Büros Kanadas droht mit Zahlen! Die Rapsbestände des Landes zum 31. Dezember 2013 werden vom Markt auf rekordhohe 12,3 mio to geschätzt.

Weizen weckt bullische Hoffnungen

Der Märzweizen am CBoT konnte am Freitag 2 ¼ cts/bu draufpacken und bei 5,55 ¾ cts/bu schließen. Fondsgesellschaften sollen etwa 3000 Kontrakte netto-eingekauft haben, aber nichts desto trotz weisen die letzten Zahlen der CFTC eine Nettoshortposition von ca. 96 tsd Kontrakten für diese Teilnehmergruppe aus. Die Frage, die die meisten Beobachter derzeit umtreibt, ist die Qualität der Signale in Bezug auf Bodenbildung, die derzeit auszumachen sind. Werden die gemachten Tiefs in Chicago halten und einen Boden für potentielle Aufschwünge bereiten können? Wie immer scheiden sich an dieser Frage die Geister, und man zerfällt in das Bullen-, bzw. Bärenlager. Durch die hergestellte internationale Konkurrenzfähigkeit im Exportsegment liegt nunmehr ein fundamentales Schwergewichtsargument auf Seiten der Bullen.
 
Im internationalen Geschehen gab es durchaus wichtige Dinge zu bestaunen, denn die Russen stoppten infolge widriger Witterungsverhältnisse den Getreideexport im Schwarzmeerhafen Novorossiysk, was Importeure durchaus dazu zwingen könnte, sich andernorts zu bedienen, um entstehende Versorgungslücken zu stopfen. Wir werden den Fortgang der Sache weiter beobachten.
 
Für den morgen erscheinenden kanadischen Bestandsreport erwartet der Markt beim Weizen einen Vorrat zum 31. Dezember 2013 von 28,9 mio Tonnen. Das wäre ein 22-Jahreshoch und demzufolge bärisch. Die kanadischen Weizenpreise um den zugefrorenen St. Lorenzstrom sollen derzeit die niedrigsten der Welt sein.
 
An der Matif ging´s bergauf. Der vordere Märztermin legte 2,25 €/mto drauf und schloss bei 192,50 €/mto. Sollte der Markt die 190,- strukturell halten können, sieht es gar nicht schlecht aus. Mit 609 tsd Tonnen wurden zwar etwas weniger wöchentliche Exportlizenzen gezogen als in den Wochen zuvor, jedoch steht der kumulierte Wert der Kampagne nun bei üppigen 17,3 mio to. Im letzten Jahr waren das 6 mio Tonnen weniger!

Mais schiebt sich seitwärts

Der Märztermin in Chicago schloss am Freitag ½ ct/bu fester bei 4,34 US$/bu. Ähnlich wie in der Bohne waren die Fonds auch im Mais frühe Verkäufer, aber dann auch späte Käufer, was dem Markt die nötige Unterstützung bot, um wenigstens das kleine Miniplus retten zu können. Die Vogelgrippe in Asien geriet erneut in den Fokus der Aufmerksamkeit, da vermehrt von Massentötungen in Südkorea und China berichtet wurde. Man fürchtet um die Sojaschrot und Maisnachfrage aus diesen Ländern, denn Geflügelfleisch ist dort um ein Vielfaches populärer als bei uns.
 
Die Fonds haben Teile ihrer Shortpositionen abgebaut, das weisen die Zahlen des letzten CFTC-Reports aus. Es wurden nämlich 13,3 tsd Kontrakte an Shortpositionen abgebaut, was die Nettoshorts der Fonds nun bei 133 tsd Kontrakten zurücklässt. Manch ein Kommentator fürchtet, dass die Fonds diesen Schritt noch bitter bereuen würden, so bärisch sei der Markt. So ganz ist diese Einschätzung aus fundamentaler Sicht nicht von der Hand zu weisen, denn es laufen derzeit in den USA eine Unzahl von Winterveranstaltungen in der Landwirtschaft, die unisono ein Ergebnis zutage fördern. Nämlich dasjenige, dass der US-Farmer noch auf sehr großen, nicht vermarkteten, alterntigen Mengen sitzt. Aus diesem Blickwinkel betrachtet muss man festhalten, dass der Rest der Kampagne unter keinem guten Stern steht.
 
An der Pariser Börse stiegen die europäischen Maispreise moderat an. Der vordere Märztermin legte 1,25 € zu und schloss bei 173,50 €/mto. Erfahrungsgemäß wandert in der zweiten Hälfte einer Vermarktungskampagne vermehrt Mais in die Futterrationen, was sowohl die Mais- (Importe) als auch die Weizenpreise drückt. In welcher Intensität sich diese Entwicklung in 2014 festzusetzen vermag, werden wir an dieser Stelle im weiteren Fortgang kommentieren.

Kartoffel böse unter den Rädern!

Uff, das war richtig bärisch! Am Freitag brach die Veredelungskartoffel bei sehr regen Umsätzen (insgesamt 486 Kontrakte) 0,50 €/dt im Apriltermin 2014 weg und settelte bei 13,30 €/dt. Was ursächlich für den weiteren Kursrutsch war, konnte nicht genau geklärt werden.

Dax schwächer

Das deutsche Aktienbarometer DAX verlor am Freitag 67 Punkte und schloss bei 9306,48 Zählern. Offenbar plant das Finanzministerium ein weiteres Griechenlandrettungspakt, um bestehende Schuldverhältnisse zu schützen. Einer wird diese Zeche zahlen müssen!

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