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Börsentelegramm

Agrarmärkte leiden unter Abwesenheit der USA

von , am
21.01.2014

Weizen Börse
Der Absturz der Weizenpreise geht  zum Beginn  dieser Woche weiter. © landpixel
Die USA hatten zu Wochenauftakt einen Feiertag (Martin Luther King Day) zu begehen, der die Börsenplätze geschlossen hielt. In Abwesenheit der us-amerikanischen Vorgaben fiel den europäischen Notierungen nichts Besseres ein, als die etablierten Abwärtstrends weiter fortzusetzen. Dies galt jedenfalls für Weizen und Mais; Raps gelang an der Pariser Börse ein kleines Plus.

Bohne feiertagsbedingt abwesend; Raps legt zu

Die Firma Informa Economics hat in der letzten Woche ihre Schätzungen bezüglich der neuen US-Flächenallokation herausgegeben. Bei der Bohne sehen die Analysten von Informa eine Fläche von 81,3 mio Acres auf die USA zukommen. Zuletzt ging man noch von 81,929 mio Acres auf, sodass die neue Zahl eine Abwärtskorrektur darstellt.
 
Bezüglich der Informa-Schätzung sei angemerkt, dass die ermittelten Werte nicht auf Umfragen unter den Landwirten zurück gehen, sondern allein auf Preismodellen basieren, die Dinge wie landwirtschaftliche Machbarkeit, Wetter und persönliche Präferenzen des einzelnen Farmers vollkommen ignorieren. Mit entsprechender Skepsis sollte man den Zahlen von Informa Economics begegnen und sie auf der Wichtigkeitsskala auf einen hinteren Rang verbannen. Es ist einfach noch zu früh, als dass sich eine halbwegs verlässliche Aussage über die us-amerikanischen Sommerungen in 2014 tätigen ließe.
 
Belastbarer sind da schon die Einschätzungen über südamerikanische Ernteaussichten. AgRural bezifferte die brasilianische Bohnenernte gestern mit 88,8 mio Tonnen. Zuvor prognostizierte man noch 89,4 mio to. Die Anpassung sei aufgrund ungewöhnlicher Regenfälle notwendig geworden.
 
Unser europäischer Raps konnte zu Handelsauftakt an der Matif vielleicht etwas Honig aus der Nachricht saugen, dass die Chinesen gedenken, ihr staatliches Bevorratungsprogramm in Sachen Raps weiter aufrecht zu halten. Neben Raps sollen auch weiterhin Mais und Zucker eingelagert werden; von Baumwolle will man sich tendenziell im Reich der Mitte trennen. Februarraps legte 0,75 €/mto zu und schloss bei 361,25 €/mto.

Weizen an der Matif schwächer

Informa bezifferte letzte Woche die US-Winterweizenfläche mit 41,9 mio Acres und die US-Sommerweizenfläche mit 12,1 mio Acres. Die letzte Prognose hinsichtlich der Sommerweizenfläche lag mit 13,058 mio Acres noch deutlich über dem jetzt veröffentlichten Wert. Die Verschiebung im Zahlenwerk von Informa Economics wurde vom Markt aber als Randereignis von untergeordneter Wichtigkeit aufgefasst und dementsprechend behandelt…man ignorierte die Sommerweizenzahl nahezu vollkommen.
 
Im internationalen Markt kauften die Südkoreaner 118 tsd Tonnen Futterweizen optionaler Herkunft. In Europa brauchen wir uns aber keine Hoffnungen zu machen, an diesem Tender partizipieren zu können. SovEcon erwartet die russischen Getreideausfuhren 2013/14 bei insgesamt 22 mio to und toppte damit die Einschätzung des russischen Agrarministeriums um 2 mio to. Im letzten Jahr hatten die Russen nur vergleichsweise magere 16,3 mio to in den internationalen Markt geben können. In der letzten Woche haben die Ägypter nicht nur aus ihren marktüblichen Bezugsländern Weizen eingekauft, sondern diesmal auch aus den USA.
 
Damit ist offenkundig die Frage beantwortet worden, wie tief der amerikanische Weizen noch fallen muss, um international wettbewerbsfähig zu sein. Dieser Fall ist nun eingetreten und belastet die Notierungen allerorten. Wir müssen davon ausgehen, dass die USA in ihrer Preisfindung die neu erworbene Wettbewerbsfähigkeit nicht aufgeben wird und weiterhin wie ein Klotz an unserem Bein hängen wird. Nichtsdestotrotz gibt es keinerlei Grund zur Annahme, dass sich die internationale Weizennachfrage insgesamt abschwächt, sodass wir im Grundsatz weiterhin davon ausgehen, dass sich unsere Exportbilanz weiterhin prall füllen wird. US-amerikanische Konkurrenz hin, us-amerikanische Konkurrenz her!
 
Auf europäischen Exportparitäten, für uns in Deutschland ist hier Hamburg zu nennen, war das Geschäft verhalten. Man zog es vor, sich bedeckt zu halten, aber auf Wunsch bekam man durchaus marktnahe Geldkurse zu hören. Die Einlassung Ägyptens, man habe nun bis Mai auskömmliche Weizenbestände angehäuft, brachte die Matif zu Handelsbeginn etwas unter Druck, wenngleich die Umsätze verhalten blieben. Der Märztermin verlor 1,- € und schloss bei 190,75 €/mto. Dass die Algerier kurz vor Toreschluss noch einen Einkaufstender bei Weizen in Höhe von 50 tsd Tonnen optionaler Herkunft für Aprillieferung starteten, blieb ohne unmittelbaren preislichen Belang.

Mais in Paris unverändert bis leicht schwächer

Um das Zahlenwerk von Informa Economics abzuschließen, sei erwähnt, dass man die US-Maisfläche in 2014 bei 93,3 mio Acres sieht, was recht deutlich über der letzten Prognose von 91,846 mio Acres liegt. Aber auch bei der Maisfläche gilt das bereits oben gesagte. Neben Weizen kauften die Ägypter in der letzten Woche auch 204 tsd Tonnen us-amerikanischen Maises aus der laufenden Kampagne. Die neue Woche wurde von Südkorea eröffnet, indem sie neben den oben erwähnten 118 tsd to Futterweizen auch 60 tsd Tonnen Mais aus den USA buchten. In Paris verlor der Märzkontrakt 0,25 € und beschloss den Tag bei 172,25 €.

Kartoffel preislich stark, umsatzmäßig schwach

Zu Wochenauftakt konnte der Erdapfel an der Eurex in Frankfurt nicht glänzen. Die Umsatztätigkeit blieb mit 90 Kontrakten leider gering, sodass die preislichen Zugewinne nur schwer interpretierbar sind. Der April 2014-Termin legte 0,40 €/dt zu und schloss bei 16,30 €/dt. Der Kassamarkt berichtete vereinzelt von ruhigem Geschäft. Kein Grund in Aufregung zu geraten. Bedauerlicherweise blieben sämtliche anderen Agrarwaren an der Eurex vollkommen ungehandelt.

Zucker: Abwärtstrend weiterhin voll etabliert!

Es gab über den Jahreswechsel zarte Hoffnung, dass sich die preisliche Erholung beim Zucker vielleicht würde im Markt etablieren können. Die Entwicklung ab der zweiten Januarwoche hat diese Hoffnung jäh zerstört! An den internationalen Börsenplätzen nahmen die vorherrschenden Abwärtstrends wieder Fahrt auf und markierten allerorten neue Tiefs. In New York und London musste man zeitweise Angst haben, dass es überhaupt keinen Boden mehr gibt, der den Fall zu bremsen vermag, so schnell brachen die Kurse ein.
 
Neben der allgemeinen Schwäche in den Agrarmärkten trat beim Zucker noch ein besonderer Faktor hinzu, denn Indien (immerhin der zweitgrößte Produzent der Welt) kündigte an, den Zuckerexport bezuschussen zu wollen. Man gedenkt, in den nächsten zwei Jahren bis zu 4 mio Tonnen exportsubventionierten Zucker im internationalen Markt unterzubringen. Das ist eine echte Hiobsbotschaft für das Preisgeschehen auf dem Weltmarkt.
 
Im gestrigen Handel an der Londoner Liffe schaffte der Märzkontrakt ein Miniplus von 0,24% und settelte bei 413,30 US$/to. Optimisten hoffen auf gegenwärtigem Preisniveau auf Bodenbildung.

DAX strauchelt, hält aber die 9700-Punktemarke

Die Deutsche Bank hatte jüngst enttäuschende Zahlen vorgelegt, was die Gesamtmarktstimmung zu Wochenauftakt auf dem Frankfurter Parkett verdarb. Man war überdies seitens des größten deutschen Bankhauses gezwungen, Verluste auszuweisen und wies zusätzlich darauf hin, weiteren Rückstellungsbedarf aufgrund drohender Rechtsstreitigkeiten zu haben. Für das Jahr 2014 konnten die Spitzen der Deutschen Bank insgesamt kein substanziell besseres Ergebnis in Aussicht stellen. Das kam bei den Anlegern nicht gut an. Darüber hinaus präsentierten sich die Konjunkturdaten aus China schwach und trübten das internationale Umfeld weiter ein.
 
Langsam aber sicher mehren sich die Hinweise, dass die wahrgenommenen Erholungstendenzen, die man überall medial eingetrichtert bekommt, nichts anderes sind als durch weitere Verschuldung teuer erkaufte Augenwischereien. Am Ende des Tages schlug ein Minus von 27,06 Punkten zu Buche, und der Index ging mit 9715,90 Zählern aus dem Handel.      
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