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Börsentelegramm

Agrarmärkte liegen früh in Führung

von , am
30.04.2014

© landpixel
Anders als der FC Bayern gingen die Agrarmärkte gestern früh in Führung und bauten ihre Zugewinne sukzessive aus. Mais und Weizen standen weiterhin unter Wirkung ihrer derzeitigen fundamentalen Einflussfaktoren. Das Wetter macht sich nach wie vor von beiden Seiten bemerkbar; zu trocken in den Plains (Weizen) und zu nass im Mittleren Westen (Mais).
 
Die Bohne legte alterntig zu und verzeichnete im Spread zur neuen Ernte ein frisches Hoch. Zucker sah lange Zeit wie der Verlierer des Tages aus, konnte sich aber zu Handelsende wieder berappeln.

Raps auf der Insel leidet örtlich unter Sclerotinia

Im Vereinigten Königreich haben einige Pflanzenberatungsringe damit begonnen, ihren Kunden Anwendungsempfehlungen für die Pilzkrankheit Sclerotinia auszusprechen. Die ungewöhnlich frühe Rapsblüte in diesem Jahr legt die Vermutung nahe, dass es zu einer ungewöhnlich langen Blühphase kommen wird, die in Verbindung mit der jüngsten Regenperiode die Gefahr für einen großflächigen Befall mit Sclerotinia in sich berge. Es sei bereits örtlich eine Häufung im Auftreten des Pilzes wahrzunehmen, die in dieser Intensität eine ertragsmindernde Wirkung hätte.

Sojabohne bleibt ihrer Festigkeit verhaftet

Die Julibohne legte gestern 17 ¼ cts/bu zu und settelte bei 15,17 ¼ USD/bu. Es war insgesamt eine Sitzung, die das weiter führte, was die Bohne die letzten Wochen und Monate bereits antreibt. Das Bewusstsein um die alterntige Knappheit hält nicht nur den Aufwärtstrend weiterhin intakt, sondern der Spread, also die preisliche Differenz zwischen alter und neuer Ernte, erreichte ein neues Hoch.
 
Die Nachrichtenagenturen hatten nichts Neues zu vermelden, das es wert wäre, hier und heute wiedergegeben zu werden. Allenfalls sei erwähnt, dass die argentinische Regierung die Sojaernte des Landes auf 55 mio Tonnen geschätzt hat, was einen neuen Rekord darstellt. Dass die rekordverdächtigen Ernten in Südamerika den Preis am CBoT bislang nicht wesentlich zu drücken imstande gewesen sind, stellt ebenfalls keine neue Erkenntnis dar.
 
An der Matif zeigen sich die Rapspreise nach ihren Vortagesverlusten von ihrer starken Seite und machten die Preiseinbußen teilweise wieder wett. Der Augusttermin legt 3,- €/mto zu und settelte bei 365,50 €/mto.

Palmölproduktion gefährdet

Palmöl hat im weltweiten Konzert der Pflanzenöle eine Preisleitfunktion inne und ist sehr häufig tonangebend, was frühe preisliche Entwicklungstrends anbelangt. Palmöl hatte an der Börse in Malaysia zu Jahresbeginn einen Aufschwung hingelegt, der bis Mitte April aber wieder vollständig liquidiert wurde. Nun aber scheint sich der Markt in einer Seitwärtsphase mit leicht steigender Tendenz zu befinden.
 
Diese Preisentwicklung lässt sich fundamental sehr gut begründen, denn in Südostasien herrschen zu trockene Bedingungen vor. Sowohl in Indonesien als auch in Malaysia kämpft man mit den trockensten Bedingungen der letzten 17 Jahre. In beiden Länder hat es in Teilen der Produktionsgebiete im Januar und Februar nur etwa 50 mm Niederschlag gegeben. Die Situation könne sich infolge des El Nino-Phänomens, das nach wie vor schwelbrandig unter der Pazifikoberfläche schlummert, noch deutlich verschlimmern, warnen einige Meteorologen in den Nachrichtendiensten. r>

Weizen: US-Trockenheit treibt Kurse

Der Maitermin legte gestern 7 ¾ cts/bu zu und settelte am CBoT bei 7,08 US$/bu glatt. Im Zentrum der Preisbildung standen einmal mehr die viel zu trockenen Bedingungen im Westen der US-Plains. Von Zeit zu Zeit gibt der US-Weizenmarkt zarte Signale von sich, diesen Einflussfaktor abschütteln zu wollen, aber in der momentanen Ausprägung ist dies nun einmal nicht möglich, denn die Bedingungen sind im Westen auf großflächiger Basis zu schlecht, als dass man großzügig darüber hinweg sehen könnte.
 
Eine Feldbegehung der gefährdeten Bestände im US-Bundesstaat Kansas seitens des Wheat Quality Councils förderte keine ermutigenden Ergebnisse zutage. Die Pflanzenbauexperten stießen auf einen Saatenstand, der als deutlich schlechter als im letzten Jahr bezeichnet wurde, sodass für einige Gebiete eine Ertragswarnung ausgesprochen werden musste. Das Agrarministerium der Ukraine sah die in der Kampagne 2013/14 bislang getätigten Getreideexporte bei 29,4 mio Tonnen. Nach wie vor hält man am Ziel von 33,0 mio Tonnen fest und lässt sich hierin nicht von den politischen Rahmenbedingungen beeindrucken. Die Äthiopier legten einen Einkaufstender für 70 tsd Tonnen Weizen optionaler Herkunft auf, den man im Markt den Status einer üblichen Laufkundschaft gab und entsprechend behandelte. Eine derartige Menge ist für sich allein genommen einfach zu klein, um einen preislichen Widerhall an den internationalen Börsen auslösen zu können.
 
Auf der südlichen Halbkugel schritt die argentinische Regierung unter Fernandez-Kirchner daran, die erlaubten Weizenexporte der Kampagne 2013/14 um 500 tsd auf nun 1,5 mio Tonnen zu erhöhen. Die Ernte habe 9,2 mio to betragen und man könne es sich nun leisten, eine halbe mio Tonnen mehr für den Export bereitzustellen. Der Internationale Getreiderat hatte übrigens die chinesische Weizenernte in 2014 mit 120 mio Tonnen veranschlagt, was 1,7 mio Tonnen unterhalb der Ernte aus 2013 läge. Man wies darauf hin, dass die Ertragslage in China gesamtbilanziell trotz der größeren Aussaatfläche schwächer einzuschätzen sei als im letzten Jahr.
 
An der Matif erlebte man einen zweiseitigen Handelstag, der mit marginalen Abschlägen beendet wurde. Der November verlor kaum nennenswerte 0,25 € und settelte bei 205,25 €/mto. Die jüngsten Regenfälle in Europa verhinderten, dass man sich gedankenlos an den Chicagoer Zug hängen konnte.

Mais neigt weiter zur Stärke

Der Maitermin am CBoT legte gestern 8 ¾ cts/bu zu und settelte bei 5,15 ¾ US$/bu. Zum einen ist die US-Aussaat immer noch verzögert und wirkt deshalb bullisch auf die Preisbildung ein und zum anderen waren gestern sehr feste Preise auf dem US-Kassamarkt zu beobachten, da einige Händler im Vorfeld der Andienungsperiode auf den Maikontrakt physische Ware gesucht hatten.
 
Da wir international so gut wie keine nennenswerten Vorkommnisse hatten, die in dieser Kommentierung ihren Niederschlag finden müssten, haben wir Gelegenheit auf eine interessante Entwicklung in China hinzuweisen. Normalerweise werden die Maisbestände aus den nördlich gelegenen Überschussgebieten im Reich der Mitte in den Süden transportiert, um die Veredelungswirtschaft zu bedienen. Der Mais wird aus den Provinzen Shangdong, Hebei, Shanxi und Henan fließt gen Süden ab, und die eben genannten Provinzen erhalten aus noch nördlicheren Ware, um die Lücken in Qualitätsware zu schließen. Seit Beginn dieses Monats hat sich aber ein genau gegenteiliger Warenfluss etabliert, und die Ware findet ihren Weg in den Norden Chinas, um von dortigen Preissprüngen zu profitieren. Das wirft Fragen auf, denen man ein Mindestmaß an Aufmerksam widmen sollte. Allerdings ist der Versuch, sie zu beantworten, mit der Notwendigkeit verbunden, derart weit auszuholen, dass der Rahmen eines auf Tagesbasis erstellten Marktkommentars im Telegrammstil gesprengt wäre. Dennoch werden wir auch an dieser Stelle die Entwicklung weiter im Auge behalten.
An der Matif schloss man im Novembertermin bei 193,- €/mto glatt; unverändert zum Vortag.

Kartoffel: Totalabsturz perfekt!

Es deutete sich an, dass der Abwärtstrend der Veredelungskartoffel voll intakt ist und alsbald eine weitere Beschleunigung erfahren würde. Am gestrigen Tage brachen an der Frankfurter Eurex nun alle Dämme, und die Kartoffel nahm ein weiteres Mal Reißaus in Richtung Süden. Bei einem Gesamtmarktumsatz von 349 Kontrakten verlor die Junikartoffel am Ende 0,90 €/dt oder über 10% und schloss bei 7,80 €/dt. Ein sehr enttäuschender Schlusskurs! Spätestens jetzt sollte jedermann klar geworden sein, dass falsche Hoffnung bei der Vermarktung manchmal mehr zerstören kann als echte Angst. Mit tränennassen und schreckgeweiteten Augen dürften die Bullen gestern die letzten Felle davon schwimmen gesehen haben. Der Kassamarkt war nicht dazu geeignet, ein Taschentuch zu reichen, um die Tränen wegzuwischen. Auch hier sanken die Notierungen aller Orten, und niemand wollte sich mit einem festen Gebot auf dem falschen Fuß erwischen lassen. Erfreulicherweise gab es im Augustschweinen einen Kontrakt Umsatz, der bei 1,740 €/kg Schlachtgewicht seinen Besitzer wechselte. Im weißen Sortiment herrschte leider Umsatzflaute.

Zucker unverändert

Die Zuckernotierungen schoben sich am gestrigen Handelstage zuerst einmal weiter seitwärts bevor er sich schließlich dazu entschied, eine schwächere Tendenz einzuschlagen. Erst ziemlich zum Schluss konnte man das verloren gegangene Terrain zurückerobern. Der Julitermin an der New Yorker Börse schließt bei 17,57 cts/Pfund.

DAX baut Vortagesgewinne aus

Auf dem Frankfurter Parkett begegnete man den gemeldeten Unternehmenszahlen mit Wohlwollen und stieg in den Markt ein, sodass der deutsche Aktienindex seine Vortagesgewinne am gestrigen Vormittag weiter ausbauen konnte. Die Sorge um die Ukrainekrise trat in den Hintergrund. Die Berichtssaison hat ihren Anfang genommen und die Deutsche Bank, Infineon, die Deutsche Börse und VW legten Zahlen vor, die als positiv gewertet wurden. Insbesondere Infineon wurde seitens der Analysten gelobt, weil neben den Ertragszahlen auch der Geschäftsausblick auf den Rest des Jahres optimistisch stimmte. Am Ende des Tages packte der DAX 137,76 drauf und schloss bei 9584,12 Zählern.

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