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Börsentelegramm

Agrarmärkte lustlos

von , am
29.01.2014

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© Torbz/fotolia.de
Der zweite Tag der Woche war erneut von Lustlosigkeit in den Agrarmärkten geprägt. Große Preisverschiebungen gab es in Chicago nicht zu beobachten. Zu erwähnen sind allenfalls die kleinen Zugewinne beim Zucker, der die Vortagesverluste aufholen konnte. Rohöl war in ebenfalls fest. In den Aktienmärkten gab es steigende Notierungen zu beobachten.

Bohne etwas schwächer

Die Märzbohne büßte gestern 2 ¼ cts/bu ein und schloss bei 12,85 ½ US$/bu. Die Exportinspektionen der USA lagen zu Wochenauftakt bei 73,839 mio Scheffel, was oberhalb der Markterwartung lag und kurzfristig ein Fünkchen Hoffung aufglimmen ließ. Die Entwicklungen in Südamerika sind allerdings im Vordergrund und werden entsprechend intensiv beäugt. Zum einen steht alsbald eine riesige Bohnenmenge in Brasilien an (die höchste Schätzung liegt bei ca. 95 mio to), die im Februar zu rekordhohen Verschiffungen aus brasilianischen Häfen führen soll, und zum anderen der Währungszusammenbruch in Argentinien, der vorerst in die andere Preisrichtung wirkt (bullisch Bohne). Was Argentinien anbelangt, ist noch zu erwähnen, dass die Witterungsbedingungen derzeit exzellent sind. Es regnet in den wichtigsten Anbaugebieten, und dieser Trend soll sich weiter fortsetzen. Aus pflanzenbaulicher Sicht ist Argentinien momentan als Musterknabe zu bezeichnen.
 
An der Matif standen die Rapskurse lange Zeit unter dem technischen Eindruck des baldigen Laufzeitendes des Februarkontraktes. Dieser hat am Freitag seinen letzten Handelstag. Noch bestehende, nicht andienungsfähige Shortpositionen wurden mit sanfter Gewalt aus dem Markt gekegelt und hoben dadurch die Preise im Frontmonat an. Über den Spreadhandel konnten die hinteren Termine folgen. Damit war es aber am späten Nachmittag zweitweise wieder Essig, und die Kurse bröckelten ab. Am Ende hievte man sich dennoch in den grünen Bereich, und der Maitermin legte 0,50 € zu, um bei 358,- €/to zu schließen.

Palmöl setzt Preisverfall fort

Auch am gestrigen Dienstag waren die Palmölpreise in Malaysia abschlägig. Der Maitermin 2014 verlor weitere 28 Ringgit und settelte bei 2530 Ringgit/to. Die globale Speiseölversorgung weitet sich aus und limitiert die Preisrallyes, die wir dann und wann an den globalen Börsen beobachten können. In den ersten 25 Tagen des neuen Jahres sind die Palmölausfuhren Malaysias um 9,4% eingebrochen und senden ein preisdämpfendes Signal in die Welt. Das Malaysian Palm Oil Board hatte die Zahlen veröffentlicht, und entsprechende Preisreaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Arhnue Tan, ein Analyst der Alliance Investment Bank, ließ sich dahingehend ein, dass die Exportschwäche mindestens bis Ende Februar anhielte, weil üppige Bestände an Soja- und Rapsöl Konkurrenz machten.

Weizen: Ägypter verschmähen Franzosenware

Der Märztermin am CBoT legte gestern 2 ½ cts/bu und settelte bei 5,66 US$/bu. Am späten Montagabend meldeten sich die Ägypter im Markt und signalisierten Kaufinteresse für mindestens 120 tsd Tonnen Weizen. Die eine Hälfte des Tenders soll entweder aus den USA, Australien oder aus der Ukraine kommen; die andere Hälfte gedenkt man in den üblichen Bezugsländern zu beschaffen. Hier dürfen sich die europäischen Exporteure durchaus Hoffnungen machen, zum Zuge kommen zu können.
 
Neben den Ägyptern haben die Japaner ebenfalls einen Weizentender (allerdings Futterqualität) gestartet. Ihr Kaufinteresse beläuft sich auf knapp 180 tsd Tonnen. Nachdem die Matif in Paris ob guter Nachtbörsenvorgaben aus Chicago sehr freundlich hat starten können, bekam man am späten Nachmittag Prügel und empfindliche Abschläge hinnehmen. Verantwortlich gemacht für die zeitweisen Verluste von mehr als 2,- € wurden veränderte Einkaufsbedingungen der Ägypter. Sie schraubten im jüngsten Tender ihre Ansprüche in Bezug auf Feuchte nach oben, genau genommen nach unten, nämlich von 13,5 auf 13,0%. Man traute dem französischen Weizen nicht zu, den veränderten Qualitätsanforderungen gerecht zu werden. Die Folge waren sinkende Preise in der Stadt der Liebe. Was sich hieraus entwickelt, müssen wir abwarten.
 
Den Ägyptentender schlossen die Pharaonen gestern erst einmal in Höhe von 240 tsd Tonnen ohne französische Beteiligung ab. 180 tsd to kaufte man in Russland und 60 tsd to in den USA. Französische Ware wurde wie gesagt verschmäht. Die beiden alterntigen Termine März und Mai gaben jeweils 1,50 €/mto nach. Der März schloss bei 192,75 €/mto.

Mais ohne Inspiration

Am CBoT legte der Märzkontrakt ¼ cts/bu zu und schloss bei 4,32 US$/bu glatt. Die Getreideexporte der Ukraine betragen bislang in der laufenden Vermarktungskampagne 20,9 mio Tonnen. Damit liegen die Ukrainer etwa ein Drittel über den Exporten, die man zum gleichen Vorjahreszeitpunkt auswies. Insgesamt steht das Exportziel für Getreide der Ukraine nach wie vor bei 33 mio Tonnen. Die Maisfläche Südafrikas wurde gestern mit 2,71 mio Hektar angegeben. In 2013 betrug diese noch 2,78 mio ha, sodass man im laufenden Jahr eine geringere Fläche bestellt hat. Die entsprechende Regierungsstelle bezifferte auch die Weizenernte des Landes in 2013 neu. Man hob die Ernte von 1,751 auf 1,795 mio Tonnen an. Im internationalen Marktgeschehen fiel Spanien auf, das sich 110 tsd Tonnen US-Mais aus der laufenden Kampagne sicherte. An der Matif gab der Märztermin 0,25 € nach und schloss bei 173,25 €/mto.

Kartoffel wird preislich geschält

An der Eurex war nichts zu machen, die Kurse für die Veredlungskartoffel gerieten erneut unter Druck. Bei einem Gesamtmarktumsatz von immerhin 303 Kontrakten büßte der Apriltermin 2014 0,30 €/dt ein und settelte bei 14,70 €/dt. Der Apriltermin 2015 vereinigte von den über 300 Kontrakten Gesamtumsatz stattliche 75 Stück auf sich. Hier blieb der Preis unverändert, und der Schlusskurs fand sich bei 14,50 €/dt.
 
Auf dem Kassamarkt herrscht weitestgehend Ruhe, denn es wird bereits kontrahierte Ware in ruhigen Bahnen abgewickelt. Die Enttäuschung über ausbleibendes Neugeschäft aus dem Exportsektor ist geradezu greifbar und tut das übrige, um die Preise purzeln zu lassen. Die einstens befürchtete und lange Zeit heiß diskutierte Produktionskatastrophe in Russland in 2013 ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeblieben, sodass man für Exportphantasien schon sein gesamtes Potential an Vorstellungskraft aufbieten muss.
 
Im Schweinebereich kam es auf vier Terminen zu je 2 Kontrakten Umsatz. Der vordere Februartermin legte 0,010 €/kg zu und schloss bei 1,640 €/kg. Das Ferkel wurde leider ungehandelt auf die Zuschauerränge verbannt. Hier hatte auch ein Großteil des weißen Sortiments platz genommen. Lediglich die Butter glänzte mit ihrem leichten Fettschimmer und frohlockte mit 6 Kontrakten Umsatz. Der Februartermin 2014 wurde 5-mal gehandelt, wobei er 40 €/to einbüßte und bei 3725,- €/to schloss.

Dax fester

Nach Beendigung des Sparkurses bei Siemens konnte man gestern freundliche Quartalszahlen vorlegen. Das Papier des Mischkonzerns zog deutlich an und verbreitete insoweit Optimismus, als dass der Gesamtindex ebenfalls in die Höhe gehievt werden konnte. Zur Mittagsstunde betrug der Zugewinn knappe 70 Zähler, sodass die 9400-Punktemarke für eine Schrecksekunde an die Bullen zurückfiel. Diese konnte später zementiert werden, obwohl schwache Wirtschaftsdaten aus den USA belasteten.
 
Die Aufträge für langlebige Wirtschaftsgüter sind in Übersee überraschend heftig eingebrochen. Man verzeichnete einen Rückgang von 4,3% und das in einem Erwartungsumfeld eines Zuwachses von knapp 2%. Da kann man wieder einmal sehen, was die Prognosen von sogenannten „Ökonomen“ taugen: nichts! Die einzelbetrieblichen Zahlen, die von börsengelisteten US-Unternehmen an den Markt kamen, präsentierten sich freundlicher, sodass der Dow Jones 90,68 Punkte zulegen konnte. Der Dax schaffte schließlich 57,69 Punkte und schloss bei 9406,91 Punkten.
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