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Börsentelegramm

Agrarmärkte in der Maske des roten Todes

von , am
22.07.2014

Die Novemberbohne verlor am Montag 13 ¼ cts/bu und settelte bei 10,72 ¼ US$/bu. © Mühlhausen/landpixel
Der Pflanzenbau rückte zu Wochenbeginn wieder in den Mittelpunkt des Geschehens und verdrängte in der Preisbildung die politischen Einflüsse. In Argentinien beendeten die Hafenarbeiter ihre Streikaktivitäten und fingen wieder damit an, Seeschiffe zu beladen. Beides zusammen sorgte für einen insgesamt schwachen Start in die neue Handelswoche.
 
Am CBoT mussten Weizen, Bohne und Mais einträchtig weiter Federn lassen. In Paris wurde Raps preislich fast vergewaltigt und rauschte in die Tiefe.

Sojabohne neuerntig unter Druck

Die Novemberbohne verlor am Montag 13 ¼ cts/bu und settelte bei 10,72 ¼ US$/bu. Sie setzte im Handelsverlauf auf ihrem zuvor gemachten Tief auf und formte charttechnisch einen Doppelboden aus. Die Situation ist nun nicht ungefährlich, denn wenn dieser Doppelboden nicht hält, stehen weitere empfindliche Kursverluste im Raum. Aus fundamentalem Blickwinkel beherrschten die weiterhin außerordentlich guten Bedingungen im Mittleren Westen der USA die Preisbildung.
 
Unterstrichen wurde dies durch die Crop Ratings, die das USDA nachbörslich veröffentlichte. 73% aller US-Bohnenbestände präsentieren sich in exzellentem Zustand, was 1% über dem Vorwochenwert lag. Die wöchentlichen Exportinspektionen gab das USDA mit knapp 97 tsd Tonnen an. Zusätzlich verkauften die USA gestern noch 120 tsd Tonnen alterntiger Sojabohnen ins Reich der Mitte, und es wurden 135 tsd Tonnen neuerntiges Sojaschrot an eine nicht näher spezifizierte Destination veräußert. Trotz aller Exportnews war den Notierungen am CBoT nicht auf die Beine zu helfen!
 
An der Matif kam es gestern unmittelbar nach Markteröffnung zu einem technisch bedingten Preisabsturz von deutlich über 20,- €/mto. Binnen weniger Sekunden kam eine ganze Reihe Stopporders erdrutschartig zur Ausführung, die im Novembertermin erst von der 300,-€-Marke aufgehalten werden konnte. Danach pendelte sich der Markt bei einem Minus von ca. 5,- €/mto ein und handelte vorne knapp über 310,-€. Im weiteren Verlauf etablierte man sich aber darunter und wies negative Vorzeichen aus, die auf etwa 8,- € anschwollen. Der August verlor am Ende des Tages 8,25 € und settelte bei 309,- €/glatt. Unglücklicherweise konnten weit gediehene Kassamarktunterhandlungen in letzter Sekunde nicht mehr abgeschlossen werden. Verkaufseitig zog man sich in der Hoffnung zurück, dass heute alles besser würde.

Weizen kann sich in Übersee spät erholen; Matif bricht ein

Der Septembertermin am CBoT büßte gestern 2 cts/bu ein und settelte bei 5,30 ¼ US$/bu. Man wunderte sich gestern, dass die wöchentlichen Exportinspektionen der USA in Höhe von 515 tsd Tonnen den Preis am CBoT nicht haben stützen können. Dazu sollte man erst einmal sagen, dass der Hauptexportweizen der USA in Kansas gehandelt wird und nicht am CBoT, aber ungeachtet dessen waren die US-Weizenpreise nicht imstande zu überzeugen. Der Abwärtstrend hielt an, da halfen kein Betteln und kein Flehen!
 
Dennoch zeigt der Weizen derzeit im Stabilisierungsmodus und könnte sich gut und gerne im Bodenbildungsprozess befinden. Hierzu wäre es aber von Vorteil, wenn die 5,20 US$/Bu nicht unterschritten würden (Septembertermin). Andernfalls drohen weitere Verluste.
 
Nachbörslich ließ das USDA wissen, dass 75% des US-Winterweizens geerntet seien. Hier erwartete der Markt einen Fortschritt von 80%. Daneben stehen 70% des US-Sommerweizens gut bis exzellent auf dem Acker. Das war unverändert zur Vorwoche.
 
Im internationalen Markt waren zu Wochenbeginn die Ägypter aktiv. Am Nil kaufte man 60 tsd Tonnen Weizen aus der Schwarzmeerregion. Nähere Angaben wurden hierzu nicht gemacht. Pakistan gesellte sich zu den Ägyptern hinzu und kaufte 130 tsd Tonnen Weizen aus dem Schwarzmeerraum. Die Türkei startete ein Tenderverfahren über 165 tsd Tonnen Mahlweizen, und Algerien signalisierte Kaufinteresse für 50 tsd Tonnen Durumweizen. Beide Ausschreibungen wurden gestern aber nicht mehr zu Ende gebracht.
 
Die Matifnotierungen gerieten unter Druck und sanken deutlich ab. Der Novembertermin verlor 3,- €/mto und markierte mit 176,25 €/mto ein neues Kontrakttief.

Mais im freien Fall

Der Dezembermais verlor gestern am CBoT 6 ¼ cts/bu und settelte bei 3,71 ¾ US$/bu. Mit diesem mageren Schlusskurs verzeichnete der US-Mais ein neues Kontrakttief, und wirft die Frage auf, ob er sich nicht an der 3,- US$-Marke grundsätzlich wohler fühlt als in der Nähe der 4,- US$-Marke. Der Trend ist weiterhin klar abwärts gerichtet. Das USDA berichtete von 939,8 tsd Tonnen US-Exportinspektionen, die aber keine bullische Wirkung entfalten konnten.
 
Nachbörslich erschienen die Crop Ratings und verliehenen 73% der US-Maisbestände das Prädikat „gut bis exzellent“. Das verbesserte den Vorwochenwert um 1%. Insgesamt gilt bei Mais das gleiche wie bei der Bohne: Die guten pflanzenbaulichen Bedingungen haben den Markt im Griff und verhindern, dass bullische Faktoren zur Wirkung kommen können. Neben den 165 tsd Tonnen Weizen stehen auf dem Wunschzettel der Türkei noch 65 tsd Tonnen Futtergerste. Damit standen die Türken nicht allein, denn die Algerier stimmten in den Chor der Kaufinteressierten mit ein und buchten en passant 200 tsd Tonnen Gerste optionaler Herkunft, die im November zur Andienung ansteht.
 
An der Matif gab´s keinen Blumentopf zu gewinnen. Der neuerntige Novembertermin raste in Richtung Süden und schloss nach einem Minus von 3,25 € bei 159,75 €/mto. Auch das stellte ein neues Kontrakttief dar.

Eurex: Kartoffel mit Schwächeneigung

An der Frankfurter Eurex neigten die Kartoffelnotierungen zu Wochenauftakt weiter zur Schwäche. Impulse vom Kassamarkt blieben einmal aus, sodass die Preisfindung an der Börse auf sich allein gestellt war. Der Apriltermin 2015 verlor bei einem Gesamtvolumen von 144 Kontrakten 0,40 €/dt und settelte bei 9,20 €/dt. Die derzeitige Witterung dürfte insgesamt willkommen sein, wenngleich man regionale Sorgen um zuviel Niederschlag hat. Zuviel ist auch nicht gut, gerade bei der Kartoffel.
 
Im Schweinebereich kamen leider keine Umsätze zustande. Im weißen Sortiment konnte das Magermilchpulver im Januar 9 Kontrakte bei 2670,- €/to umsetzten. Das Molkenpulver schaffte auf zwei verschiedenen Termin sogar 10 lots. Das Preisniveau lag bei 900,- €/to. Der Starperformer war aber die Butter. Sie konnte mit 115 Kontrakten eine erfreulich große Umsatztätigkeit verbuchen. Von Oktober bis Januar wurde jeder Termin gehandelt, wobei das Preisniveau zwischen 3385,- und 3475,-€/to schwankte.

Zucker schafft es über die 17 cts/Pfund-Marke

An der New Yorker Börse ist der Oktoberzucker 2014 nach zweitägigem Ausreißen wieder über die Marke von 17,- cts/Pfund gestiegen. Der Schlusskurs betrug 17,28 cts/Pfund.

DAX setzt zurück auf 9612 Zähler (-107,97)

Der deutsche Aktienindex DAX setzte zu Wochenbeginn zurück. Die Krise um die Ukraine in Verbindung mit dem Flugzeugabsturz hat die internationale Antirusslandpolitik näher zusammenrücken lassen. Der Westen, selbst in zahllose Konflikte mit einer Kollateralschadensquote von bis 90% (Afghanistan) involviert, hat Putin ein Ultimatum gestellt. Der Kreml solle die Aufklärung der Absturzursache nicht behindern, andernfalls will man sofort mit weiteren wirtschaftlichen Sanktionsmaßnahmen gegen Russland vorgehen. Die Börse reagierte hierauf verstimmt und gab in Frankfurt nach, sodass der DAX auf ein Zweimonatstief gedrückt wurde.

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