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Börsentelegramm

Agrarmärkte meistenteils blutig

von , am
13.08.2014

Das Defizeit der EU an Eiweißfutermitteln ist so groß, dass eine einheimische Eiweißversorgung unmöglich erscheint, warnt der Deutsche Verband Tiernahrung (DVT). © sima/fotolia
Der gestrige Handelstag plätscherte bei leicht sinkenden Notierungen und geringen Umsätzen vor sich hin. Am Abend erwartete man den WASDE-Report des Monats August des us-amerikanischen Landwirtschaftsministeriums. Vor Erscheinen dieser Zahlen war man nicht geneigt, größere Transaktionen zu tätigen. Irgendwann war es dann soweit, die Zahlen trafen auf den Markt und hüllten viele Märkte ins rote Gewand. Am CBoT verloren Bohne und Weizen, Mais tendierte seitwärts.

Sojabohne springt dem „charttechnischen Tod“ von der Schippe

Die Novemberbohne verlor gestern 12 ½ cts/bu und settelte bei 10,60 US$/bu glatt. In Reaktion auf die Zahlen des USDA-Reports konnte die Bohne zwischenzeitlich die Marke von 10,60 US$/bu nicht mehr halten und wurde durchgereicht. Das Tief der Sitzung lag bei 10,43 US$/bu. Nur mit äußerster Mühe ist es gelungen, die Unterstützung bei 10,60 US$ (etwa das bisherige Tief) zurück zu erobern. Damit konnte man zwar das Schlimmste verhindern, aber es bleibt ein ungutes Gefühl zurück. Das USDA bezifferte die globale Bohnenproduktion auf 304,7 mio to und lag damit auf dem Niveau der Vormonatsschätzung. Die weltweiten Vorräte am Ende der neuen Kampagne 2014/15 sah man bei 85,6 mio to, was ebenfalls so gut wie keine Veränderung zur Julischätzung darstellte.
 
Für die USA ging man von folgenden Werten aus. Die neuerntige Produktion an Bohnen beliefe sich auf 103,85 mio to. Die US-Endbestände wurden auf 11,71 mio to geschätzt. Die Produktion lag leicht unter und die Endbestände leicht über unter den Erwartungen. Der Markt nahm die Zahlen bärisch auf und gab nach. Ein dickes Fragezeichen ist aber beim US-Ertragsniveau zurück geblieben. Man ging in Washington von einem durchschnittlichen US-Bohnenertrag von 45,4 Scheffel/Acre aus. Angesichts des exzellenten Saatenstandes in den USA wirkten die Zahlen etwas schwach auf der Brust und gaben Vermutungen den Weg frei, es würde in zukünftigen Berichten zu Aufwärtskorrekturen kommen.
 
Das französische Agrarministerium bezifferte die französische Rapsernte 2014/15 nun auf 5,5 mio Tonnen, was deutlich oberhalb der mageren Ernte des letzten Jahres liegt. Im Vergleich zum Vormonat verbesserte man damit seine eigene Prognose um 100 tsd Tonnen nach oben. An der Matif verlor der Raps 2,50 € im November und settelte bei 322,25 €/mto.

Weizen in schwieriger internationaler Lage

Der Septembertermin am CBoT verlor gestern 8 ½ cts/bu und schloss bei 5,37 ¾ US/bu. Die Verluste unterstreichen einmal mehr die mangelnde Nachhaltigkeit der Shortcoveringrallye, die wir Ende Juli bzw. Anfang August am CBoT beobachten konnten. Nunmehr befinden wir uns wieder in Richtung der alten Tiefs und müssen befürchten, dass diese alsbald einem ernsthaften Test unterzogen werden.
 
Das USDA bezifferte gestern die globale Weizenproduktion 2014/15 auf über 716 mio Tonnen und legte damit etwa 10 mio to auf die Juliprognose drauf. Die globalen Endbestände gaben die Washingtoner Statistiker mit 193 mio Tonnen an, ebenfalls ein deutlicher Zuwachs von ca. 3,5 mio to. Beides lag über den Erwartungen. Zurückzuführen war die Anpassung auf die größeren Ernten in Russland (von 53 auf 59 mio to) und in der Ukraine (von 21 auf 22 mio to).
 
Für die USA ging man von einer Gesamtweizenproduktion von 55,24 mio Tonnen aus. Die Endbestände schätzte man auf 18 mio to. Die Produktion lag leicht über den Erwartungen, und der Umfang der Endbestände deckte sich mit der Erwartungshaltung des Marktes. Insgesamt wurden die USDA-Schätzungen als tendenziell bärisch empfunden, und der Markt reagierte entsprechend.
 
Agro Consult hat seine Einschätzung bzgl. der Getreideernte in der Ukraine revidiert. Nunmehr sieht AC die ukrainische Getreideernte bei 58,5 mio Tonnen. Zuletzt ging man noch von 57,4 mio to aus. Das Exportpotential des Landes hat man ebenfalls nach oben verschoben. Dank guter Weizen- und Gerstenernte beliefe sich nun das Getreideexportpotential auf 32,5 mio to. Das sind 2,5% mehr als man vor vier Wochen prognostiziert hatte. Im benachbarten Russland hat sich das Agrarministerium zum Erntefortschritt geäußert. Man habe nunmehr 39,1% der Getreideernte eingefahren, hieß es aus Moskau. Dabei seien bislang 58,8 mio Tonnen in die Silos gewandert. Wie die Zwistigkeiten beider Länder weiter gehen und welchen Einfluss dies auf die Agrarmärkte haben wird, muss abgewartet werden. Die Europäer werfen den Russen derzeit vor, ihr sogenannter Hilfskonvoi in die Ostukraine sei nichts anderes als eine getarnte militärische Operation zum Zwecke der Unterstützung der Separatisten. Derartige Dinge zu bewerten, ist immer schwierig. An dieser Stelle wollen wir uns zurückhalten und nur darauf hinweisen, dass sich beide Parteien in puncto propagandistischer Heuchelei nichts schuldig bleiben.
 
Am Abend kamen die internationalen Weizennotierungen noch vor dem USDA-Report unter Druck, weil es im Markt die Meldung gab, Russland würde sich mit Ägypten um eine Freihandelszone bemühen, die üppige russische Weizenexporte an den Nil bedeuten könnte. Die Exportchancen anderer Herkunftsländer würden in diesem Falle entsprechend geringer werden. Das belastete die Gemüter der Marktteilnehmer und damit das internationale Preisgeschehen.
 
Das französische Agrarministerium reihte sich gestern in die Riege derer ein, die ihre Prognosen nach oben anpassten. In Paris sieht man die französische Weizenernte jetzt bei 37,3 mio Tonnen; zuvor ging man noch von 36,5 mio to aus. Die Fülle der aufwärts gerichteten Ertragsmeldungen aus Frankreich wollen wir an dieser Stelle einmal als Beleg für ihre Richtigkeit werten. An der Matif kam man gestern noch einmal mit einem blauen Auge davon. Der November büßte nur 0,25 € ein und settelte bei 172,- €/mto glatt.

Mais: Katze bleibt im Sack!

Der Dezembermais am CBoT legte gestern ½ ct/bu zu und settelte bei 3,68 ¾ US$/bu. Der Schlusskurs stimmt angesichts der zwischenzeitlichen Verluste, die man gestern gesehen hat, halbwegs versöhnlich. Immerhin verzeichnete der Maismarkt im Handelsverlauf ebenfalls ein neues Kontrakttief.
 
Das USDA bezifferte die globale Maisernte 2014/15 auf 985,4 mio Tonnen. Das lag ca. 4,5 mio to über der Julischätzung. Die für die zukünftige Preisfindung wichtigeren Zahlen betrafen aber die USA. Die US-Maisproduktion wurde mit 356,43 mio to angegeben und die US-Endbestände mit knapp 46 mio Tonnen. Beide Zahlen lagen unter den Erwartungen und besaßen damit einen oberflächlich bullischen Charakter.
 
Der Markt reagierte am CBoT aber nicht entsprechend, sondern wagte sich kaum von seinen Tiefständen weg. Und das war eine vernunftgemäße Reaktion! Denn das USDA blieb angesichts des außerordentlich guten Saatenstandes hinter den Produktionserwartungen zurück, was die Befürchtung nährt, dass mit den gestrigen Zahlen die Katze noch nicht vollständig aus dem Sack ist. Die vom USDA angenommenen Durchschnittserträge von 167,4 Scheffel/Acre beim US-Mais liegen sehr deutlich unter der optimistischsten Schätzung privater Analysehäuser. Für die zukünftigen WASDE-Berichte besteht deshalb nun die Gefahr, dass das Ministerium das Versäumte nachholen wird und die US-Erträge aufwärts korrigiert. Die allgemeine Unklarheit und die damit verbundene Unsicherheit hinsichtlich des US-Ertragspotentials dürften sich mit gestrigem Report nicht wesentlich abgebaut haben. Es steht also zu befürchten, dass der Tanz auf der Rasierklinge weitergeht und das Schreckgespenst sehr hoher Erträge weiterhin durch den Markt geistern wird.
 
Das französische Agrarministerium sah gestern die Körnermaisernte des Landes in der laufenden Kampagne bei 15,1 mio Tonnen. Damit läge man etwa 1,2% über den Vorjahreserträgen. Die Matif wusste nicht, ob sie vor oder zurück marschieren sollte, weshalb sie im großen und ganzen stehen blieb. Der November verlor 0,50 € und settelte bei 154,- €/mto.

Eurex: Kartoffel unter 7,- €/dt

Das hat gerade noch gefehlt! Die Veredelungskartoffel an der Eurex war gestern trotz zwischenzeitlicher Zugewinne nicht in der Lage, die Marke von 7,- €/dt zu halten. Bei einer regen Umsatztätigkeit von insgesamt 377 Kontrakten gab der Apriltermin 2015 0,30 €/dt nach und settelte bei enttäuschenden 6,80 €/dt. Wer gehofft hatte, er könne im Umfeld sinkender Agrarmarktnotierungen seine Augen am Anblick fester Kartoffelpreise erholen, wurde bitterlich enttäuscht.
 
Der Kassamarkt blieb weiterhin zurückhaltend und bekommt mit dieser Einstellung vom Markt mit jedem Handelstage mehr recht. Es bleibt uns hier nichts anderes übrig, als den Abwärtstrend für wiederaufgenommen zu erklären.
 
Im tierischen Bereich grunzte das vordere Augustschwein einmal bei 1,630 €/kg auf. Das Ferkel blieb stumm. Im weißen Sortiment schaffte das Magermilchpulver im Oktober zwei Kontrakte Umsatz, die bei 2350,- € ihren Besitzer wechselten. Die Butter wurde bei abschlägigen Kursen 21 Mal gehandelt.

Zucker: Indischer Überschuss nimmt Preisphantasien

Ein Vertreter der indischen Zuckerindustrie gab gestern der Nachrichtenagentur Reuters ein Interview preispessimistischen Inhalts. Abinash Verma, der Chef der Vereinigung indischer Zuckerverarbeiter, räumt den Preisen infolge der hohen indischen Zuckervorräte nur wenige Chancen für Steigerungen ein. Indien hätte ausgangs des alten Wirtschaftsjahres mindestens einen Zuckerbestand von 7,5 mio to vorrätig, sodass selbst die Entscheidung einiger Verarbeiter, vorerst die Produktion nicht aufnehmen zu wollen, den Markt in keinerlei Nöte brächte. Einige Verarbeiter haben sich wegen der staatlichen Mindestpreise, die für Zuckerrohr an die Produzenten auszuzahlen sind, dazu entschlossen den Kampagnenstart auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Die Kessel bleiben kalt, und der Schornstein der Fabriken wird erst einmal nicht rauchen. Für das neue Zuckerwirtschaftsjahr erwartet Indien eine Rohzuckerproduktion von 25,3 mio Tonnen. Das würde einen Zuwachs um ca. 4% bedeuten und stellte das fünfte Überschussjahr in Folge dar.

DAX

Der ZEW-Index war es diesmal, der den Anlegern in die Suppe spuckte. Das Mannheimer Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung veröffentlichte gestern seinen Sentimentindikator, den ZEW-Index. Dieser war auf den niedrigsten Stand seit 20 Monaten gefallen und zeigte dementsprechend schwindendes Investorenvertrauen an. Auf dem Frankfurter Parkett hätte man überzeugendere Argumente benötigt, um sich mit der nötigen Entschlossenheit wieder der Kaufseite zu zuwenden. In Ermangelung selbiger drehte der Markt ins Minus und belebte damit die Zweifel am Korrekturcharakter des Abwärtsschwunges neu. Möglicherweise handelte es sich doch um den ersten langen Schatten einer Götterdämmerung bzw. Börsenfinsternis!? Der Dax verlor am Ende des Tages 111,27 Punkte und settelte bei 9069,47 Zählern.
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