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Börsentelegramm

Agrarmärkte meistenteils fest

von , am
08.10.2014

© Eisenhans/Fotolia
Auch der zweite Handelstag der laufenden Woche war von steigenden Kursen dominiert. Am CBoT legten vor allem Weizen und Mais zu. Die Bohne gab ihre Gewinne wieder ab und schloss marginal im Minus. Die Zuckernotierungen verhielten sich mucksmäuschenstill und bewegten sich nicht vom Fleck. Der große Verlierer des Tages war der Kaffee. Hier ging es über zwei Prozent bergab.
 

Sojabohne bricht Shortcoveringrallye ab

Die Sojabohne hat gestern im Novembertermin 1 ¼ cts/bu verloren und bei 9,41 US$/bu geschlossen. Zu Beginn sah es so aus, als könne die Bohne nahtlos an die Vortagesgewinne anschließen und die Rallye weiter ausbauen. Daraus wurde aber nichts, weil die technisch begründeten Anschlusskäufe, die eigentlich hätten kommen müssen, ausblieben. Das war den Bullen nicht geheuer, sodass man erst einmal den Rückzug antrat. Die Sojaschrotpreise konnten ein gewisses Maß an Festigkeit behaupten. Hier half der Kassamarkt mit, die Notierungen in Chicago zu stützen.
 
Viele Marktkommentatoren haben nun zwei Tage lang versucht, die Zugewinne in der Bohne erklärlich zu machen. Den dargebotenen Erklärungsversuchen müssen wir aber die Anerkennung verweigern bzw. auf deren Unvollständigkeit hinweisen. Ergänzende Angaben sind dringend geboten. Es ist natürlich richtig, dass in der witterungsbedingten Ernteverzögerung der Grund für die Preisrallye am CBoT zu suchen ist. Jedoch ist dies nur die mittelbare Ursache am Preisgebaren. Der tiefer liegende Grund ist die alterntige extrem knappe Versorgungslage! Man hat in den USA gehofft, durch eine rasche Aufnahme der Erntetätigkeiten die physische Versorgungslücke zwischen alter und neuer Ernte ebenso rasch schließen zu können. Dieser Schuss ging leider nach hinten los, und nun sieht man sich einer verkaufsunwilligen Landwirtschaft gegenüber. Unter den US-Farmern ist die Enttäuschung angesichts der dramatisch gefallenen Preise groß.
 
Entsprechend unmotiviert ist man beim Verkaufen der so dringend benötigten frisch geernteten Bohnen. Und wenn man nun seitens des Handels auf einen verkaufsunwilligen Landwirt trifft, so kann dessen Verweigerungshaltung nur einen Grund haben. Die aufgerufenen Preise sind zu niedrig! Hier liegt der Casus Knacktus, denn wer Bohnen haben will, muss diese bezahlen und entsprechend mehr bieten. Auf andere Weise sind derzeit keine zu bekommen. Die Erntedruckschnäppchen, auf die man sich im Vorfeld verlassen hat, sind rar gesät bzw. nicht vorhanden. Es zählt also gegenwärtig nicht die Erntemenge, die auf dem Halm steht, sondern ausschließlich diejenige, an die man physisch Hand anlegen kann.
 
Da nun die Fonds am CBoT massiv short sitzen, ist ihnen offenbar etwas kribbelig geworden, und man hat Teile seiner Positionen zurückgekauft. So etwas kann sich rasch zu einer Shortcoveringrallye auswachsen. Mit der momentanen Situation geht aber notgedrungen noch ein anderer Aspekt einher. Wir müssen davon ausgehen, dass man sobald das Wetter besser geworden ist, die Ernte mit entsprechendem Hochdruck vorantreiben wird. Und das kann zu einem später als gewöhnlichen, erntebedingtem Preistief führen! Diese Möglichkeit darf nicht außer Acht gelassen werden. Es ist möglich, dass die Tiefs gemacht sind, aber wetten würde der Autor dieser Zeilen darauf nicht. Eine von der Nachrichtenagentur Reuters durchgeführte Untersuchung/Erhebung sieht die Palmölbestände in Malaysia bei 2 mio Tonnen und damit auf einem Jahreshoch. Trotz der relativ üppigen Bestandssituation können sich die Palmölpreise komfortabel über der Marke von 2000 Ringgit/Tonne. Matifraps hielt sein festeres Preisniveau bei; November Schlusskurs: 330,75 €/mto.
 
Fischmehlpreise seitwärts gerichtet
 
Die Fischmehrpreise bewegen sich in einem engen Korridor von 20,- bis 30,- US$/to, und es scheint, als könne sich auf absehbare Zeit kein Trend im Markt etablieren. Die Bestandssituation ist zwar weiterhin nicht sonderlich üppig, aber man gibt dem Markt aufgrund der schwachen Nachfrage kaum Chancen, nachhaltige Gewinnzuwächse zu verzeichnen. Die Chinesen halten sich mit ihren Käufen zurück und solange hier kein Nachfrageschub eintritt, sollten die Preise weiterhin gedrückt bleiben.
 
Weizen setzt Shortcoveringrallye fort
 
Am CBoT legte gestern der Dezemberweizen nach und packte weitere 15 ¼ cts/bu drauf. Der Schlusskurs lag bei 5,06 ¾ US$/bu. Damit konnte der Weizen erstmalig seit dem 15. September oberhalb der 5,- US$/bu-Marke schließen. Das Zurückkaufen von offenen Verkaufpositionen hat den Markt nach oben getrieben. Im Vorfeld des USDA-Berichts am Freitag waren es insbesondere die Fonds, die sich von Teilen ihrer Shorts trennten. Offenbar ist man der Ansicht gewesen, dass die weltweite Flut preispessimistischer Nachrichten langsam aber sicher am abebben ist und man deswegen gut daran tut, das Risiko, von einer bullischen Nachricht erwischt zu werden, zu verringern. Im internationalen Handel meldeten sich die Japaner zu Wort und meldeten Kaufinteresse für knapp 110 tsd Tonnen Mahlweizen an.
 
Die EU-Kommission sieht die diesjährige Weizenernte der Staatengemeinschaft bei 152,9 mio Tonnen und bestätigte damit, das bereits Bekannte. Im Vergleich zum Vormonat stellt diese Zahl jedoch ein sattes Plus von 6,1 mio to dar. Insgesamt hat man damit 7% mehr Weizen in die Scheunen verbracht als im Jahre 2013. Nur qualitativ lässt die europäische Weizenernte zu wünschen übrig, denn Frankreich hatte beispielsweise durch den nassen Juli eine hundsmiserable Qualitätsweizenernte. Die Matifnotierungen verhielten sich ähnlich stark und zogen im Windschatten internationaler Festigkeit mit an. Der Novembertermin legte 2,50 € zu und schloss bei 162,75 €/mto.
 
Mais schleicht sich in den Windschatten des Weizens
 
Der Dezembermais legte gestern 8 ¾ cts/bu zu und settelte bei 3,41 ¼ US$/bu. Die Entwicklung im benachbarten Weizenpit rivalisierte mit den Ernteaussichten in den USA. Obwohl auch hier die Ernte leicht verzögert ist, hört man Ertragsschätzungen, die wirklich kaum zu glauben sind. Man ist sich unter einigen Beratungsringen in den USA einig, dass der durchschnittliche Maisertrag im Bundesstaat Illinois über 220 (!) bu/Acre zu suchen ist. Angesichts dieses Wertes gehen tatsächlich die Superlative aus. Wenn das stimmt und man diese Ernte vom Acker bekommt, ist aus fundamentalem Blickwinkel die Messe sicherlich noch nicht gelesen. Das äußerst wuchsgünstige Frühjahr habe die Kolben länger als normal wachsen lassen. Mit den entsprechenden Kornanlagen stimmte ebenfalls alles, sodass man nun Grund zum Jubeln hat. Ertragsmäßig, nicht preismäßig! An der Matif hangelte man sich auf dem gleichen Preisniveau weiter seitwärts. Mehr nicht, aber auch nicht weniger.
 
Eurex: Kartoffel gibt klein bei
 
Nein, die Kartoffel hat derzeit keine innere Stärke, um die Preise gegen Anfeindungen zu verteidigen. Gestern wurde sie bei einem Umsatz von 234 Kontrakten tüchtig gerupft. Der Apriltermin 2015 musste sich den Bären geschlagen geben und verlor 0,40 €/dt. Nur unter Aufbietung aller Kräfte konnte die Marke von 6,- €/dt gehalten werden. Trotz eines schwächeren Tiefstkurses lag genau bei 6,- €/dt der Schlusskurs. Vom Kassamarkt gab es wenn überhaupt nur gute Ertragsmeldungen. Schwein und Ferkel blieben vollkommen vernachlässigt, und im weißen Sortiment schaffte nur die Butter fünf Kontrakte Umsatz. Der Märztermin wurde bei 2980,- €/to gehandelt und gesettelt.
 
Zuckerpreise ohne jedwede Regung
 
Die globalen Zuckerpreise wollten sich wohl gestern nicht bewegen. Man schob sich mehr oder weniger seitwärts, ohne dass sich eine nennenswerte Preisveränderung ergab. In London schloss der vordere Dezember mit 434,40 US$/to sogar exakt auf Vortagesniveau, ohne sich überhaupt von der Stelle bewegt zu haben.
 
DAX lässt weiter nach
 
Die deutsche Industrieproduktion ist im Monat August so stark eingebrochen wie seit Fünfeinhalb Jahren nicht mehr. Das gefiel dem DAX nun überhaupt nicht und reagierte entsprechend verschnupft. Wer geglaubt hatte, dass die Aktienpreise endgültig ihren Kontakt zur Realität verloren haben, wurde gestern eines Besseren belehrt. Wenn auch die zarten Seile zwischen Aktienkurs und Ertragssituation der Unternehmen endgültig gekappt zu sein schienen und man sich nur noch aufs Gelddrucken verlegte, so gemahnten die gestrigen Kursverluste doch daran, dass es die Realwirtschaft ist, in der sich ein jeder zu behaupten hat. Und hier sind fallende Produktionszahlen und Einbrüche in den Auftragseingängen nun einmal Gift für die Wirtschaft und damit für die Erlössituation des Einzelunternehmens. Der DAX verlor 123,3 Punkte und settelte bei 9086,21 Zählern. Der Chef der Deutschen Bundesbank, Jens Weidmann, hat sich gestern kritisch zu den Plänen der EZB geäußert, in massivem Ausmaß Staatsanleihen und Schrottpapiere aufkaufen zu wollen. Er habe „große Bedenken“ und halte den dadurch zu erzielenden Effekt für „begrenzt“.
 
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