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Börsentelegramm

Agrarmärkte meistenteils fester

von , am
23.04.2014

Der Dezembertermin am CBoT verlor gestern 3 cts/bu und schloss bei 3,53 US$/bu glatt. © Mühlhausen/landpixel
Am CBoT musste die Bohne zwar Verluste einstecken, aber im Getreidesektor ging es bergauf. Diesmal war es der Mais, der den Karren zog, und Weizen folgte brav nach. Daneben wurde eine Vielzahl anderer Agrarwaren in grüner Farbe an die Kurstafeln geschlagen. Allen voran marschierte Kaffee, dessen Preise gestern um fast 8% gen Norden zogen. Rohöl büßte ein, und die Aktienindizes konnten kräftig zulegen.

Sojabohne sinkt

Die Julibohne verlor gestern 16 ¼ cts/bu und settelte bei 14,70 ¾ US$/bu. Die Story des Tages bestand aus zwei umdestinierten Cargoes der japanischen Marubeni Gruppe. Die Japaner hatten die beiden Seeschiffe eigentlich für China eingekauft, sahen aber aufgrund des preislichen Ungleichgewichts zwischen Brasilien und den USA die Möglichkeit, die Partien umzuleiten. Das dürfte ihnen nicht schwer gefallen sein, denn das Reich der Mitte hat sich jüngst als wenig verlässlicher Kontraktpartner erwiesen und mehrfach gebuchte Ware storniert.
 
Der Markt befürchtet weitere Lieferungen an die Küsten der USA, was die extrem knappe Endbestandslage der Amerikaner vielleicht etwas entspannen könnte. Das Resultat sind erst einmal fallende Preise am CBoT. Die Chinesen wiesen gestern anhand ihrer Statistiken eine erwartete Bohneneinfuhr für den Monat April in Höhe von 6,9 mio Tonnen aus. Das liegt deutlich über den Vorhersagen von 5,11 mio Tonnen, die zuvor im Analystenkreis kursierten. Im gleichen Atemzug revidierte man allerdings die Märzimporte von 5,69 auf 4,12 mio to nach unten. Diese Zahlen machen es nicht leichter einzuschätzen, wie ernst man die Stornierungen aus dem Reich der Mitte nehmen muss.
 
Nach offizieller Lesart haben die Chinesen bereits eine Fülle von Kontrakten storniert, und man müsse damit rechnen, dass noch ein ganzer Rattenschwanz weiterer Stornierungen auf Bekanntgabe wartet. Momentan sind die Vorkommnisse um die chinesischen Stornierungen wohl die größte Unbekannte im Sojamarkt, zumal dieser ganz klar gezeigt hatte, was er preisbildnerisch davon hält. Nämlich gar nichts! Von den jüngsten Verlusten am Montag und Dienstag einmal abgesehen, spräche überhaupt nichts im Preisgeschehen für nennenswerte Wirkungsfähigkeit der gesamten "Stornodebatte" aus dem Reich der Mitte. Dennoch gibt es ernstzunehmende Hintergründe, denn die Stornierungen haben ihre Ursache auch in den Entwicklungen im chinesischen Bankensektor, der sich im Prozess der Schrumpfung befindet. Hier lauern nicht zu unterschätzende Gefahren, die von der Geldseite her die warenseitigen Überlegungen in der Preisbildung jederzeit ausstechen können. Vorsicht ist und bleibt geboten!
 
Abiove sieht die brasilianische Sojaernte 2013/14 erneut bei 86,1 mio Tonnen und nahm damit keine Anpassung zu den bisher veröffentlichten Zahlen vor. Allerdings wurden die erwarteten Exporte von 44 auf 43 mio Tonnen reduziert. An der Matif konnten die Rapsnotierungen den sinkenden Sojapreisen nicht Stand halten und fielen ihrerseits. Der August verlor 4,25 € und settelte bei 368,50 €/mto.

Weizen profitiert von Mais

Der alterntige Maiweizen stieg am CBoT gestern 4 ¾ cts/bu an und schloss bei 6,73 US$/bu. Der gestrige Tag hielt aus fundamentaler Sicht keine wesentlichen Inputs bereit. Im internationalen Markt liefen einige geschäftsübliche Nachrichten untergeordneter Wichtigkeit über die Ticker. Daneben gab es praktisch nichts mehr zu beobachten. Man schaute auf die Äcker und versuchte die Lage aus pflanzenbaulicher Sicht zu beurteilen. Vielerorts beklagte man die zu trockenen Bedingungen, aber das war auch nichts Neues.
 
In den USA zeigte man sich klareren Blickes in der Beurteilung der Wochenendregenfälle und kam schließlich zur einhelligen Ansicht, dass alles viel zu wenig war, um einen "Droughtbuster" darstellen zu können. In den Vorhersagen gibt es für die mittleren und östlich gelegenen Teile der Plains aber ab Ende der Woche bessere Regenchancen mit wirklich guten Mengen. Im westlichen Zentrum der Trockenheit, wo man am dringendsten auf derartige Niederschläge hofft, geht man nach derzeitigem Stand der Niederschlagskarten zum wiederholten Male leer aus. Wir müssen abwarten, was Petrus zu leisten imstande ist.
 
An der Matif ging´s wegen der heftigen Abwärtsreaktion am Montag in Chicago gestern erwartungsgemäß bergab. Die angesprochene Unterstützung bei 202,50 € im Novembertermin erledigte ihre Arbeit und hielt die Bären auf. Am Ende des Tages blieb dennoch ein großer Verlust von 4,- €/mto, und man settelte bei 203,25 €/mto.

Mais: Verzögerte Aussaat treibt Kurse

Die Maisnotierungen geben gestern den Bullen Anlass zur Freude, denn der Maitermin konnte gestern 7 ¾ cts/bu draufpacken und bei 4,96 ¼ cts/bu schließen. Insbesondere die verzögerte Aussaat in den USA war ursächlich für aufkeimendes Kaufinteresse am CBoT. Infolge des harten Winters kommt es nun zu einer verzögerten Maisaussaat, die in einem Erwartungsumfeld einer ohnehin geringeren Fläche stattfindet. Das rief die Bullen auf den Plan, die sich gestern am Mais gütlich taten und kauften. Die moderat anziehenden Kurse wirkten auf technisch motivierte Händler wie ein Licht in dunkler Nacht auf Motten, sodass sich rasch weiteres Kaufinteresse anschloss.
 
Die Mexikaner nutzten die abschlägigen Notierungen zu Wochenauftakt am CBoT aus und griffen mit beiden Händen zu. Der südliche Nachbar der USA kaufte 240 tsd Tonnen Mais aus der neuen Ernte. Angesichts der gestern wieder angezogenen Kurse haben die Mexikaner „Händchen“ beim zuvor getätigten Einkauf gezeigt. In der Ukraine haben die Bauern ihre geplanten Sommerungsflächen nun zu 97% fertig bestellt. Die außerordentlich günstigen Frühjahrsbedingungen haben dies möglich gemacht. Allerdings zählt im weiteren Verlauf nicht nur das „richtige“ Klima, sondern auch das politische. Eine friedliche Lösung zeichnet sich nicht ab.

Kartoffel macht neue Tiefs

Der charttechnisch vollendete „Dead Cat Bounce“, von dem wir gestern gesprochen hatten, warf bereits einen bedrohlichen Schatten voraus, sodass es uns an dieser Stelle nicht wunder nehmen kann, dass die Kartoffelnotierungen weiter im Bärenmodus unterwegs sind. Der alterntige Junikontrakt verlor 0,50 €/dt und settelte bei 10,20 €/dt. Wir müssen davon ausgehen, dass auch in diesem Termin die Marke von 10,- €/dt getestet werden wird. Also Obacht geben! Mit 269 gehandelten Kontrakten verfehlte man die Marke von 300 nur ganz knapp. Der Kassamarkt konnte die fallenden Notierungen nicht aufhalten. Sowohl die Quotierungen für Exportware als auch diejenigen für Frittenware mussten zum Wochenauftakt Abschläge hinnehmen. Unglücklicherweise blieben gestern Wutz und Wutzchen ungehandelt; gleiches galt für die Milch.

Zucker weiter seitwärts

Die internationalen Zuckernotierungen befinden sich nach wie vor in einer Seitwärtsschiebephase. Wesentliche Fundamentalnachrichten, die über das bereits Bekannte hinausgingen, gab es in den letzten Tagen nicht zu lesen. Der Julitermin schloss gestern in New York bei 17,62 cts/Pfund.

DAX: Übernahmephantasie treibt die Kurse

Übernahmephantasie in der Pharmabranche hat dem DAX gestern zu seinem spätösterlich Wochenauftakt ein sattes Plus beschert. Der US-Pharmagigant Pfizer hat einem Artikel in der Sunday Times zufolge Übernahmeinteresse an AstraZeneca bekundet und mit den Briten entsprechende Gespräche geführt. Die zeigten sich zwar noch uninteressiert bzw. die kalte Schulter, jedoch scheint die Branche insgesamt in Bewegung zu geraten, denn neben Pfizer sorgen noch Novartis und GlaxoSmithKline mit Milliardendeals für Aufsehen, kommentierten Branchenkenner. Das ließ auch die deutschen Werte nicht unberührt, sodass der Da diese vor seinen Karren spannen und ließ sich gen Norden ziehen lassen konnte. Am Ende des Tages stand ein sattes Plus von 190,38 Punkten, und der Index sattelte bei 9600,09.



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