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Börsentelegramm

Agrarmärkte mit Müßiggang

von , am
22.01.2014

Die Schadenersatzforderungen gegen die Zuckerhersteller könnten 500 Millionen Euro erreichen. © Mühlhausen/landpixel
Es war, als hätten die Agrarmärkte auf ihrer preislichen Fahrt in den "Müßiggang" geschaltet, denn von nennenswerten Preisveränderungen gibt es heute morgen nur vereinzelt zu berichten. Am CBoT kamen Bohne, Mais und Weizen über einen Stillstand nicht hinaus. Der Gewinner des Tages waren die US-Rinderpreise, die rote Laterne trug zum wiederholten Male der Zucker. Für seine Käufer hat Zucker seit vielen Monaten nichts Süßes mehr im Gepäck gehabt. Die Rohölnotierungen zogen hüben wie drüben des Atlantiks an. Finanzmärkte neigten eher zur Schwäche.

Bohne rettet ein "Unverändert"

Die Märzbohne verlor im gestrigen Handel am CBoT ½ cts/bu und schloss bei 12,80 ½ US$/bu. Angesichts der Bedeutungslosigkeit der Preisveränderungen, wollen wir uns heute einmal von der sonst üblichen Breite in der Kommentierung distanzieren und uns thematisch punktuell vertiefen.
 
Die Bohne war nach wie vor Gegenstand heftiger Gerüchte in Bezug auf das Verhalten Chinas. Man munkelte, dass das Reich der Mitte an einem verschwörerischen Plan arbeite, der zum Ziel hat, abhängig von der logistischen Schlagkraft in Südamerika möglichst viel Ware in den USA zu stornieren und in Brasilien einzukaufen. Diese Entwicklung ist nichts Neues und findet Jahr für Jahr mit selten zu beobachtender Regelmäßigkeit statt. Dasjenige Element, das in dieser Vermarktungssaison aus dem Rahmen fällt, ist der frühe Zeitpunkt der begonnenen Stornierungen. Was soll man nun davon halten? Die Kommentatoren in den internationalen Nachrichtenagenturen begegneten der Thematik inhaltlich mit Misstrauen, Hoffnung und Resignation zugleich. Eine klare Richtung war aus den Berichten nicht herauszulesen.
 
Der Meinungsvielfalt waren keine anderen Grenzen gezogen, als die der eigenen Phantasie. Am dringendsten schien die Frage gewesen zu sein: Lassen die Chinesen nun etwa die USA fallen wie eine heiße Kartoffel und kaufen nur noch in Brasilien? Das wird sicherlich nicht passieren, denn das Reich der Mitte benötigt Sojabohnen und ist mindestens so aggressiv hinter diesen her wie der Teufel hinter der armen Seele. Es wäre seitens Chinas schlicht und ergreifend fahrlässig, wenn man sich bei einem so eklatant wichtigen Gut wie der Sojabohne (riesige Importquote) der Flexibilität in der Versorgung selbst berauben würde und einzig und allein auf die Karte Brasilien setzte. Man mag den Chinesen vieles vorwerfen können, aber Blauäugigkeit im Umgang mit Rohstoffversorgung gehört definitiv nicht zu ihren Schwächen! Am Ende der laufenden Kampagne wird wieder einmal die Erkenntnis stehen, dass wenn man seine knapp 70 mio Tonnen ohne logistisches Tohuwabohu einkaufen möchte, man an den USA nicht vorbei kommt. Daran beißt die Maus keinen Faden ab.
 
Mit unseren europäischen Rapsnotierungen an der Matif ging es erwartungsgemäß weiter südwärts. Der vordere Februar verlor erneut 2,- €/to und schloss bei 357,- €/mto glatt. Zur Beruhigung sei erwähnt, dass der wichtigere Kontrakt (Maitermin) weniger verlor. Hier büßte man nur 1,- € ein und ging mit 354,75 €/mto aus dem Handel.

Euronext-Börsenverbund legt Rapsprodukte auf

Der Euronext-Börsenverbund legt noch in diesem Jahr Futureskontrakte für Rapsschrot und Rapsöl auf. Begründet wurde der Schritt durch die wachsende Bedeutung von Raps im internationalen Konzert der Ölsaaten. Im Falle des Rapsöls geht man bereits in die zweite Runde, denn vor Jahren hatte man schon einmal auf Betreiben der H. Jürgen Kiefer GmbH einen Futures aufgelegt. Die veränderten Bedingungen im gesetzgeberischen Rahmen des Biodieselsegments bereiteten seinerseits dem Vorhaben ein jähes Ende, und der Kontrakt wurde von der Kurstafel genommen. Wir wollen alle hoffen, dass dem neuerlichen Versuch mehr Erfolg beschieden sein wird!

Weizen ruht auf der Stelle

Der Märztermin am CBoT verlor gestern 1 cts/bu und schloss bei 5,62 ¼ US$/bu. Die Chicagoer Sitzung war von der Abwesenheit bedeutender Nachrichten gekennzeichnet. Die Algerier meldeten sich gestern im internationalen Markt zurück und glänzten mit einem Einkauf von 500 tsd Tonnen Weizen. Den größten Teil der Ware soll der nordafrikanische Staat in Frankreich eingedeckt haben, was den Matifnotierungen zur Stützung gereichte. Der Irak schloss ebenfalls seine Kaufbemühungen ab und sicherte sich seine 350 tsd Tonnen Weizen in Australien und Kanada.
 
Aus Russland waren Nachrichten klagenden Charakters über das Preisniveau zu vernehmen. Mit einem Niveau von 280 US$/to sei der russische Exportpreis auf Fob-Basis derzeit zu fest, um der internationale Konkurrenz das Fürchten zu lehren. Gleichzeitig betonte man aber, dass die russischen Landwirte bereits soviel Ware vermarktet hätten, dass mit keinem akuten Handlungsbedarf in und aus der Landwirtschaft zu rechnen sei. Ein Druck auf die Preise sei infolgedessen vorerst nicht zu erwarten. Diese Einschätzung findet unsere Zustimmung. In Paris legte der Märztermin 0,75 €/to zu und settelte bei 193,- €/mto.

Mais macht Sauregurkenzeit durch

Am CBoT legte der Märzkontrakt ¾ cts/bu zu und schloss bei 4,25 US$/bu glatt. Die Japaner kauften gestern die krumme Menge von 105,6 tsd Tonnen us-amerikanischen Maises, was als übliches Geschäft ohne jedwede Aussagekraft anzusehen ist. In Paris verlor der Märztermin 1,- € und schloss bei 172,50 €/mto.

Kartoffel weiter schwach

Die derzeitige Schwäche in der Veredlungskartoffel an. Bei einem Umsatz von 174 Kontrakten über alle Handelsmonate hinweg gaben die Kurse weiter nach. Der Apriltermin 2014 büßte weitere 0,30 €/dt ein und schlossen bei 15,50 €/dt. Erfreulicherweise kam es reger Handelsaktivität im Butterkontrakt. Eine Vielzahl von Fälligkeiten konnte Umsätze auf sich vereinen. Die Kursveränderungen rangierten von unverändert bis stark abschlägig. Die Frühjahrstermine April, Mai und Juni wurden jeweils bei 3650,- €/to gehandelt. Insgesamt wurden immerhin 37 Kontrakte umgesetzt; so kann es gerne weitergehen.

Zucker: Brasilianische Unternehmen am Kapitalmarkt abgestraft

Die seit zwei Jahren anhaltende Schwächephase im Zuckermarkt hat nun die Ratingagentur S&P dazu veranlasst, die Bonität des brasilianischen Zuckerunternehmens Aralco SA Acucar & Alcool deutlich herabzusetzen. Das aktuelle Rating beträgt nur noch B- und brachte die Anleihen des Unternehmens unter heftigen Verkaufsdruck. S&P traut der Firma offensichtlich nicht mehr zu, ihre Schulden am Kapitalmarkt refinanzieren zu können. In der Folge brachen die Anleihenotierungen heftig ein und lösten in der gesamten Branche Ausverkaufslaune aus.
 
Andere namhafte Zuckerhersteller mussten ebenfalls empfindliche Kursabschläge hinnehmen, meldete Bloomberg. Der Blick auf die Kurstafeln für Zucker konnte gestern auch keinen Trost spenden, denn die fallenden Zuckernotierungen waren nicht dazu geeignet, die Erlössituation der Hersteller zu verbessern. In London verlor der Weißzuckerkontrakt im Monat März 4,20 US$/to und schloss bei 404,50 US$/to. Damit gerät die Marke von 400,- US$/to in akute Gefahr gebrochen zu werden!

DAX wirkt etwas wackelig auf den Beinen

Auf dem Frankfurter Parkett beklagte man gestern das Fehlen von Kaufargumenten und neigte sich infolgedessen etwas gen Süden. Zwar konnte man sich über einen freundlichen Start in den Handel freuen, aber es wurde recht schnell deutlich, dass man keine nennenswerte Stärke würde generieren können. Das Resultat war ein sinkender Index. 10,01 Punkte gingen verloren, sodass der Schlusskurs bei 9720,11 Zählern lag.
 
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