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Börsentelegramm

Agrarmärkte nehmen Maß für die Särge der Bullen!

von , am
23.07.2014

© Schollen/landpixel.de
Der Dientag war unaufgeregt. Nach den Verlusten vom Montag war gestern Durchatmen angesagt, und die agrarischen Märkte konnten erst einmal eine Rückschnapprallye hinlegen. Dieser fehlte aber der nötige Nachdruck, was die misstrauischen Bullen nicht im Markt hielt. Die eingegangenen Positionen wurden größtenteils wieder liquidiert, sodass am Ende der Rotstift gezückt werden musste.
 
Am CBoT gab´s schließlich nichts zu holen; Mais, Weizen und Bohne drifteten erbarmungslos südwärts. An der Matif konnte man stellenweise gute Zugewinne verzeichnen, die aber aufgrund der späten Chicagoer Verluste nur schwer zu verteidigen sein dürften.

Sojabohne wird abverkauft

Der Novemberkontrakt am CBoT verlor im gestrigen Handel 13 ¾ cts/bu und settelte bei 10,57 ¾ US$/bu. Mit dieser elenden Performance sind die Hoffnungen auf einen Doppelboden dahin. Aus charttechnischem Blickwinkel hat die neuerntige Novemberbohne unter den jetzigen Voraussetzungen Abwärtspotential bis 9,20 US$/bu. Hier liegen die alten Böden aus den Jahren 2009 und 2010. Der vorangegangene Aspekt verfolgt nicht die Absicht, den Teufel an die Wand malen zu wollen, aber die Bären scheinen derart viel Geschmack an der Sojabohne gefunden zu haben, dass man fürchten muss, dass ihr Appetit noch nicht gestillt ist.
 
Fundamentale Neuigkeiten gab es in den USA weder zu lesen noch zu hören. Es blieb alles beim bereits Bekannten. Die guten pflanzenbaulichen Bedingungen bilden den Kern der Marktsituation.
 
An der Matif konnten die Zugewinne der Rückschnapprallye gehalten werden. Der Novembertermin schaffte ein Plus von 6,25 € und settelte bei 322,25 €/mto. Das gibt Anlass zur Hoffnung, allerdings müssen wir uns der Realität stellen, dass die Matif bereits geschlossen hatte als die Bohne von den Bären zerrissen wurde. Die gestrigen Zugewinne zu behaupten, dürfte angesichts des mageren Chicagoer Bohnenschlusskurses zur Herkulesaufgabe werden. Die Ware aus den nicht abgeschlossenen Unterhandlungen vom Montag konnte gestern größtenteils an den Mann gebracht werden. Da wo die Mühlen verzagten, griff die zweite Hand zu.

Weizen schwach, hält aber die Unterstützungen

Der Septemberkontrakt am CBoT verlor gestern 5 ½ cts/bu und settelte bei 5,24 ½ US$/bu. Die USA hatte auch beim Weizen keine Neuigkeiten zu bieten. Allenfalls ist erwähnenswert, dass eine Begutachtung der Sommerweizenbestände in den Dakotas zu der Einschätzung gelangte, man könne auf „big yields“, also auf große Erträge hoffen. Im internationalen Handel zeigten sich die Japaner für 94,5 tsd Tonnen Mahlweizen kaufinteressiert, und Taiwan tenderte für knapp 90 tsd Tonnen Weizen us-amerikanischer Herkunft.
 
In Rumänien tätige Getreidehändler zeigten sich optimistisch, bulgarische Ware einkaufen zu können, um die eingegangenen Verpflichtungen mit Ägypten erfüllen zu können. Offenbar ist man im Land der Vampire nicht sicher, ob man alle verlangten Qualitätsparameter in ausreichender Menge wird zur Verfügung stellen können. Die Art und Weise mit der Rumänien die gesamte letzte Kampagne am Markt war, nötigte sicherlich Respekt ab, warf aber gleichzeitig die Frage auf, wo die ganzen Mengen über einen derart langen Zeitraum hergekommen sind. Nun haben wir eine logische Erklärung und dürfen annehmen, dass diese Praxis in der laufenden Kampagne weiter geführt werden wird.
 
Am späten Abend zeigten sich die Ägypter kaufinteressiert und suchten einige Cargos. Man darf erwarten, dass man am Nil mehr als nur ein Seeschiff für Septemberlieferung buchen wird.
 
An der Matif legte der Novembertermin 1,75 €/mto zu und schloss bei 178,-€/to glatt. Man darf sich die Frage stellen, ob wir an der Matif den größten Anteil börsenrelevanter Bärigkeit eingepreist haben und der Rest über das schwache Prämienniveau auf dem Kassamarkt abgefangen werden kann. Das ist eine sehr schwierige Frage, die zum neuralgischen Punkt der momentanen Situation vordringt. Es gibt gute Gründe, die Frage sowohl mit ja als auch mit nein zu beantworten, sodass wir sie dem subjektiven Urteil des Lesers übergeben müssen.

Mais fest im Abwärtstrend

Der Dezembermais verlor gestern am CBoT 6 ½ cts/bu und settelte bei 3,72 US$/bu. Das Gestern ist schnell erzählt. Der gute Saatenstand in den USA hat den Markt fest im Griff und treibt die Bullen nach Belieben vor sich her. Der Abwärtstrend ist fest etabliert, und es liegen derzeit keine Hinweise für eine Bodenbildung vor. An der Matif fiel der November auf 158,- €. Das war ein Minus von 1,75 €/mto.

Eurex: Kartoffel unter 9,- €/dt

Die Kartoffel an der Frankfurter Eurex setzte gestern ihren Abwärtstrend weiter fort. Man eröffnete bei der Marke von 9,- €/dt und durchbrach anschließend dieselbe. Offenbar nimmt man aus Sicht der Kartoffel die gegenwärtige Witterung eher als günstig war, denn die Schwächeneigung trat an der Börse zum wiederholten Male klar zutage. In der abwartenden Haltung der Industrie mag man ein weiteres Indiz für die Gelassenheit des Marktes erkennen. Würde man sich um die Ware ernsthaft bemühen, würde sich ein anderes Preisgebaren beobachten lassen. Dem ist aber derzeit nicht so. Bei ordentlichem Umsatz von 234 Kontrakten verlor die Kartoffel pralle 0,80 €/dt und settelte bei 8,40 €/dt.
 
Der Schweinebereich blieb umsatzlos, im weißen Sortiment kam wenigstens das Magermilchpulver im Dezember auf 6 Lots Umsatz. Der Preis lag bei 2600,- €/to.

Fleischskandal in Asien

Gestern Abend um 20:00 Uhr rauschte eine heikle Meldung durch die Nachrichtenticker. In China haben die Behörden ein Ermittlungsverfahren gegen die Shanghai Company Husi Food Co. eingeleitet. Der Fleischkonzern ist in seiner Lieferantentätigkeit eng mit diversen Fastfoodketten verwoben. Der in Rede stehenden Firma wird vorgeworfen, abgelaufenes Fleisch in Verkehr gebracht zu haben. In China sind mindestens Starbucks, Kentucky Fried Chicken und Burger King betroffen. Aber der Skandal hat bereits Kreise bis Japan gezogen, denn dort bezieht Mc Donalds 20% der Rohware für seine Chicken Nuggets von Husi Food. Ein großer Verarbeitungsbetrieb von Husi Food ist in Shanghai von den chinesischen Behörden bereits dicht gemacht worden und man versicherte, sich fünf weitere Verarbeitungsstätten in Südchina vornehmen zu wollen. Weitere Fastfoodketten wie Pizza Hut haben angekündigt, die Belieferung von Husi Food aussetzen zu wollen bis sämtliche Vorwürfe restlos aufgeklärt sind.

DAX macht auf dem Fuße kehrt

Nach dem schwachen Wochenauftakt konnte sich der deutsche Aktienindex am Dienstag wieder nordwärts orientieren. Das eingeleitete Aufklärungsverfahren um die abgestürzte Passagiermaschine über der Ostukraine wurde als Zeichen der Entspannung gedeutet. An dem Umstand, dass sich im Kern nichts verändert hat und die beiden Konfliktparteien immer noch den jeweils anderen beschuldigen, störte sich niemand.
 
Der DAX schaffte am Ende des Tages ein Plus von 122,28 Punkten und schloss bei 9734,33 Zählern.

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