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Börsentelegramm

Agrarmärkte neigen zur Festigkeit

von , am
24.07.2014

© agrar-press
Gestern konnten die meisten Agrarmärkte Teile ihre Zugewinne in den Schluss hinein verteidigen und im positiven Bereich schließen. Am CBoT bekamen die Bohnenbullen ausnahmsweise einmal nicht die Peitsche, sondern das Zuckerbrot vorgehalten. Die Sojapreise konnten anziehen und hatten sowohl die Mais- als auch die Weizenpreise im Schlepptau.
 
Die Preiszuwächse waren hier aber weniger stark ausgeprägt. Nichtsdestotrotz bleibt ein freundlicher Handelstag im Chartbild zurück.

Sojabohne zeigt Gegenreaktion

Die Novemberbohne legte im Rahmen einer Rückschnapprallye 18 ¾ cts/bu zu und settelte bei 10,76 ½ US$/bu. Es gab keine Nachricht, die im Sojamarkt hohe Wellen geschlagen hätte. Man bewegte sich bei ruhigem Seegang in bekannten küstennahen Gewässern. In einigen Kommentierungen wird zu recht darauf hingewiesen, dass der us-amerikanische Kassamarkt besonders an den Exporthäfen festere Sojapreise aufruft. Nach dem Preisverfall der letzten Wochen hat sich hier offenbar eine Konkurrenzfähigkeit herausgebildet, die man nutzen möchte, indem man durch erhöhte Prämiengebote Ware aus dem Markt zu ziehen versucht.
 
Was bleibt, ist die charttechnische Beurteilung der Gesamtsituation der Bohne am CBoT. Bei isolierter Betrachtung mag der gestrige Zugewinn bedeutsam erscheinen, aber wenn man den im Chart entstandenen Preisbalken in den Trend einbettet, ist nicht viel passiert. Der Aufschwung konnte den üblichen Rahmen einer normalen Gegenreaktion in einem Abwärtstrend nicht überschreiten. In der Open-Interest-Entwicklung lassen sich daneben auch keine Signale einer shortseitigen Gewinnmitnahmewelle ausmachen. Das Sentiment kann also nicht ins Bullische gedreht haben.
 
Der Rapssaat in Paris war´s egal, nach dem heftigen Schock vom Montag waren die Bullen weiterhin auf Krawall gebürstet und sorgten für ordentlich steigende Kurse. Der November legte 7,- € zu und settelte bei 329,25 €. Viele potentielle Käufer trauten dem Braten nicht und waren deshalb unwillens, in Kassamarktunterhandlungen zuzuschlagen. Die Einsicht in ihren Irrtum kam 7,-€ später zu spät.

Weizen legt etwas zu

Der Septembertermin am CBoT legte gestern 4 ¾ cts/bu zu und settelte bei 5,29 ¾ US$/bu. Zuerst wurden neue Tiefs in Chicago gemacht bevor sich der Wind drehte und Weizen den Weg in Richtung Norden einschlagen konnte. Substanziell hat sich aber nichts verändert, der Markt kriecht in abwartender Haltung weiter vor sich hin. Es fehlt die Überzeugung, eine trendbestimmende Richtung einzuschlagen. Einerseits kann man seine Preisniveaus nach den heftigen Verlusten nunmehr halten (September über 5,20 US$/bu), andererseits fürchtet man die Sommerweizenerträge, die sehr gut erwartet werden.
 
Das Ertragspotential in den Dakotas wurde stellenweise im Rahmen einer Crop Tour mit 48,3 bu/acre angegeben. Der langjährige Durchschnitt liegt hier bei „nur“ 42,9 bu/acre.
 
„Sie hatten sich redlich bemüht“, lautet das Urteil des Marktes über die Japaner, die versucht hatten, auf internationaler Bühne Futterweizen einzukaufen. Man scheiterte aber an den eigenen Preisvorstellungen. Niemand fühlte das dringende Bedürfnis, auf diesem Preisniveau Futterweizen ins Land der aufgehenden Sonne verkaufen zu wollen.
 
Ja, es gibt besonders in Frankreich auswuchsgeschädigte Ware in größeren Mengen, die in Richtung Holland dem Mais Konkurrenz macht. In Verbindung mit den schwachen Maispreisen aus Übersee wirkt das nachvollziehbar bärisch auf den heimischen Maispreis (Matif). Dass man hierin aber eine Kursstütze für den Matifweizen erblickt, kann unsere Zustimmung nicht finden, denn an der Börse wird primär die Menge gehandelt und nicht die Qualität. Die fehlenden Qualitäten machen sich in steigenden Aufgeldern für Quali-Ware bemerkbar, aber nicht im allgemeinen Preisniveau. Am Abend schlossen die Ägypter ihre Tenderbemühungen ab und kauften insgesamt 235 tsd Tonnen Weizen. Die Herkünfte beschränkten sich auf Rumänien, Ukraine und Russland. Französische Ware wurde nicht angeboten.
 
An der Matif konnte man kleinere Zugewinne in den Schluss hinein retten. Der November legte 1,50 € zu und settelte bei 179,50 €/mto.

Mais schafft ein Plus

Der Dezembermais legte gestern am CBoT 2 ¼ cts/bu zu und settelte bei 3,70 ¼ US$/bu. Auch beim Mais ging es vor den Zugewinnen erst einmal abwärts, sodass neue Kontrakttiefs erreicht wurden. Hiernach erreichten die Maisnotierungen einen Zustand, den man zwar nicht mit „Erstarken“ beschreiben kann, aber immerhin ging´s marginal aufwärts. Man holte seine Verluste auf und schaffte ein kleines Plus. Die Bullen, die Reißaus genommen hatten, unterbrachen ihre Flucht und blieben erst einmal stehen, um zu schauen, wo die die bärischen Verfolger aufhielten. Da diese nicht mehr dicht auf den Fersen waren, wagte man eine vorsichtige Umkehr. Die Preise stiegen an.
 
Fundamental gab es keine neuen Nachrichten, wenn man einmal von der US-Ethanolproduktion absieht. Der Ausstoß wurde für die letzte Woche mit 959 tsd Fass/Tag angegeben. Das lag 16 tsd Fass/tag höher als davor. Eine entbehrliche Information, die uns nicht weiterhilft, die Marktsituation zu knacken.
 
An der Matif stürzten die Maispreise vollends ab bevor sich eine Erholungstendenz breit machen konnte. Am Ende blieb aber noch ein Minus von 1,- €/mto stehen, und der November schloss bei 157,- €/mto.

Eurex: Kartoffel im freien Fall

Der Veredelungserdapfel an der Eurex befand sich gestern nach ohnehin schwachem Wochenauftakt im freien Fall. Über die gesamte Handelszeit hinweg war kein Scherflein Stärke auszumachen. Man eröffnete im Minus und brach sofort nach unten weg. Bei einem Gesamtumsatz von 389 Kontrakten durchschlug der Apriltermin 2015 die Marke von 8,- €/dt wie ein Meteorit ein Dachgeschoss. Am Ende des Tages hatten die Bullen mit tief eingezogenen Schwänzen die Flucht ergriffen und waren bis zur Horizontlinie nicht mehr zu sehen. Der Schlusskurs lag bei enttäuschenden 7,60 €/dt.
 
Wir haben die Zeichen, die der Markt in den letzten Handelstagen von sich gab, richtig interpretiert und finden nun Bestätigung der bärischen Tendenz. Das zurückhaltende Stimmungsbild der Industrie wirkt weiterhin als fundamentales Warnsignal. Das Ende der Fahnenstange dürfte deshalb noch nicht erreicht sein.
 
Der Schweinesektor blieb ungehandelt. Im weißen Sortiment kamen Molkenpulver und Butter auf kleine Umsätze. Das Preisniveau wurde hierbei nicht wesentlich verschoben.

Zucker seitwärts

Die internationalen Zuckernotierungen treten auf der Stelle und haben wegen der Geringfügigkeit ihrer Preisveränderungen derzeit jedes Recht auf eine nähere Kommentierung verwirkt. In New York schloss der Oktobertermin wieder knapp unterhalb der 17 cts/Pfund-Marke. Der Zuckermarkt steckt in einer furchtbar langweiligen Phase.

DAX erneut fester

Am Ende hatte der DAX knapp 20 Punkte zugelegt und bei 9753 Zählern geschlossen.

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