Login
Börsentelegramm

Agrarmärkte mit neutralem Wochenauftakt

von , am
09.09.2014

© Mühlhausen/landpixel
Der Euro tat sich hierbei besonders hervor, weil Mario Draghi einen geldpolitischen Amoklauf ankündigte, der die Gemeinschaftswährung belastete. Diese Woche wird höchstwahrscheinlich im Zeichen des am Donnerstag erscheinenden USDA-Berichts stehen. Die privaten Schätzungen über die US-Ernten bei Mais und Bohne sind mit den Prognosen des letzten USDA-Berichts unverträglich. Da die Frühdruschgebiete in den USA hervorragende Erträge abwerfen, sind Aufwärtskorrekturen bei den US-Produktionszahlen quasi Pflicht für das Ministerium. Der Bericht erscheint am Donnerstag dieser Woche.

Sojabohne: Frostgefahr vorerst gebannt!

Die Novemberbohne verlor gestern 12 ¾ Cents je Bushel (cts/bu) und settelte ei 10,08 ¾ US Dolla/bu. Die Bohne gab am Freitag ein Lebenszeichen von sich und zog leicht an. Der Grund waren die Wetterberichte für die USA. Einige sprachen von frühen Frösten im Norden des Mittleren Westens, die sich negativ auf das Ertragspotential von Bohne und Mais auswirken könnten. Die Wettervorhersager ruderten nun wieder zurück und die Bohne sank. Die fallende Tendenz wurde durch weitere Erntetätigkeiten befeuert, die im Süden der USA für gute Erträge sorgt. Nachbörslich veröffentlichte das USDA noch seine Crop Ratings und bonitierte die Bohnenbestände der USA zu 72% gut bis exzellent. Der Wert bewegte sich damit auf Vorwochenniveau.
 
Im internationalen Handel zeigten sich die Chinesen kauflustig und buchten 120 tsd Tonnen Sojabohnen aus den USA. Es wird sich hierbei um neuerntige Ware handeln. Die Aussichten auf die exzellente US-Bohnenernte beherrschen derzeit die Preisbildung der Sojabohne. Hieran besteht kein Zweifel. Dennoch gibt es Faktoren, die tendenziell preisoptimistisch sind und in der allgemeinen Euphorie nicht untergehen sollten. Die Argentinier haben im Juli im Zuge des Rechtsstreits mit amerikanischen Hedgefonds um die Bedienung von Zahlungsverpflichtungen aus alten Staatsanleihen praktisch einen Staatsbankrott in Kauf genommen. Die argentinische Währung leidet nicht erst seitdem unter akuter Schwäche, aber das Ereignis hat noch die Lage noch einmal verschlimmert. Die Schlussfolgerung, dass die Bohnen aus Argentinien nun infolge der schwachen Währung in rauen Mengen zum Spottpreis abfließen werden, ist falsch! Sie war es im letzten Jahr und vor zwei Jahren. Die Gauchos haben derzeit nur ca. 56% ihrer Bohnen vermarktet.
 
Das Vermarktungstempo im letzten Jahr war bereits langsam gewesen, aber man hatte doch wenigstens 10 % mehr verkauft als in diesem Zyklus. Der Autor dieser Zeilen erwartet, dass die Argentinier weiterhin an ihren Bohnen festhalten und nur das Notwendige vermarkten werden. So wie wir es an dieser Stelle immer erwartet und kommuniziert haben. AgroConsult kam gestern Abend noch mit seiner jüngsten Schätzung heraus und bezifferte die neue brasilianische Bohnenernte mit 95,01 Millionen Tonnen (mio to) und die argentinische mit 56,6 mio to. Beides Rekordwerte. Die Australier meldeten sich gestern zu Wort und bezifferten die Rapsernte 2014/15 in Down Under mit 3,388 mio to. Das stellte eine leichte Abwärtskorrektur dar, denn zuletzt hatte man noch 3,47 mio to in der Statistik geführt. Die Matif verlor gestern 0,50 Euro/to und settelte bei 324,75 Euro/mto.

Weizen im Minus

Der Dezemberweizen am CBoT verlor gestern 1 ¾ cts/bu und settelte bei 5,33 ½ US Dollar/bu. Es gab weder viel zu beobachten noch zu vermelden. Die erwartet große Maisernte in den USA wirft ihren bärischen Schatten voraus und verdunkelt die Sicht der Weizenbullen. Die Schwarzmeerkonkurrenz ist stark und beschickt die internationalen Märkte mit billigerer Ware. Mit diesen beiden Dingen um den Hals fällt derzeit jede Weizenrallye schwer. Die Ukraine wartete diesbezüglich mit jüngsten Daten auf und verkündete, dass man seit dem 1. Juli eine Getreidemenge von knapp 6 mio to exportiert hätte. Hiervon waren 3,37 mio to Weizen und 2,15 mio to Gerste. Die Maismenge betrug gerade 400 Tausend (tsd) to. Das ist aber nicht weiter verwunderlich, da die Maisernte in der Ukraine ja eben erst begonnen hat. Wichtiger ist die Feststellung, dass man mit den knapp 6 mio to 44 % mehr Getreide verkauft hat als im letzten Jahr.
 
Nachbörslich vermeldete das USDA, dass der Winterweizen zu 3 % ausgesät und dass der Sommerweizen in den USA zu 58 % geerntet ist. Der Rest des Sommerweizens ist noch zu 60% gut bis exzellent. Im internationalen Marktgeschehen tauchten die Marokkaner auf und nutzten beide Hände, um sich Weizen ins Boot zu schaufeln. Man meldete Kaufinteresse für knapp 390 tsd Tonnen Mahlweizen und 330 tsd Tonnen Durumweizen an. Beides soll aus den USA kommen. Des Weiteren suchten die Algerier 50 tsd Tonnen Weizen optionaler Herkunft. Ende letzter Woche hat sich Getreidebörse in Rosario zu Wort gemeldet. Man sah die argentinischen Weizenbestände in allgemein guter Verfassung, wenngleich hier und da die Bedingungen zu trocken seien. Übers abgelaufene Wochenende waren allerdings Niederschläge gemeldet, die sich in Argentinien auch eingestellt haben. Somit sollte es zu Verbesserungen gekommen sein. Die Getreidebörse hielt übrigens an ihrer Flächenschätzung von knapp 4,2 mio Hektar bei Weizen fest. Abares schätzte die neue australische Weizenernte 2014/15 auf 24,234 mio Tonnen. Das lag leicht unterhalb der letzten Schätzung von 24,588 mio to. An der Matif fielen die Kurse, und der November schloss bei 170,25; ein Minus von 1,75 Euro/mto.

Mais sitzt auf alten Tiefs auf und droht mit weiteren Verlusten

Der Dezemberkontrakt am CBoT hat gestern 8 ½ cts/ bu verloren und bei 3,48 ¼ US Dollar/bu gesettelt. Die Argumente, die den Mais haben fallen lassen, sind identisch mit denen der Bohne und müssen deshalb nicht wiederholt werden. Die gebannte Frostgefahr ist der Hauptschuldige am Preisverfall. Nachbörslich bonitierte das USDA die US-Maisbestände zu 74 Prozent gut bis exzellent. Damit stehen unverändert zur Vorwoche fast drei Viertel aller Bestände in hervorragendem Zustand auf den Äckern in den USA. Die Ernte dürfte ertragsmäßig traumhaft werden. An der Matif fiel der November und settelte bei 147,75 Euro. Damit rückt die Marke von 150,- Euro zwar nicht in weite Ferne, aber so doch in die Ferne.

Eurex: Müder Wochenauftakt

An der Eurex gab es am Montag nichts zu holen. Der Veredelungskartoffelkontrakt schaffte einen Umsatz von gerade eben 20 lots, die im Apriltermin 2015 gehandelt wurden. Das Preisniveau veränderte sich hierbei nicht. Man settelte bei 6,40 Euro/dt. Sowohl das Schwein als auch das Ferkel blieben zu Wochenauftakt umsatzlos. Im weißen Sortiment war es die Butter, die die Ehrenrettung zu Wege brachte. Auf verschiedenen Handelsterminen sammelten sich knapp 20 Kontrakte Umsatz an. Das Preisniveau war hierbei ausnahmslos abschlägig. Man verlor zwischen 35,- und 55,- Euro/Tonne.

Zucker bricht Unterstützung!

Die spekulativen Marktteilnehmer haben ihre Position im Londoner Weißzuckerkontrakt reduziert. Man verringerte diese um 117 Kontrakte auf nun 5248. Damit befindet sich diese Teilnehmergruppe aber immer noch komfortabel nettoshort an der Börse. In New York settelte der Oktobertermin 2014 erstmalig unter der Marke von 15 cts/Pfund (Schlusskurs: 14,94)

DAX neutral

Der Dax hat gestern 11 Punkte zugelegt und bei 9758,03 Zählern geschlossen. Es gab einen Haufen unbedeutenden Mumpitz seitens der Analysten zu hören, den wir hier nicht wiedergeben wollen. Der relevante Punkt ist folgender. Wird der Markt die geldpolitische Tsunamiwelle, die Draghi angekündigt hat, weiterhin absurfen können oder verhallen seine Maßnahmen wirkungslos im Markt? Bei Wirkungslosigkeit gilt akute Crashgefahr!!!
Auch interessant