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Börsentelegramm

Agrarmärkte ohne große Bewegungen

von , am
24.04.2014

© landpixel
Die globalen Agrarmärkte fuhren gestern im Gleis der Gewohnheit und waren nicht willens, ihr Preisniveau wesentlich zu verändern. Am CBoT gab es bei Sojabohne, Mais und Weizen nur untergeordnete Kursveränderungen zu beobachten. Erwähnenswert ist allenfalls der Schweinefleischpreis in Übersee, der über 2% zulegen konnte.
 
Die Rohölnotierungen orientierten sich den zweiten Tag in Folge nach unten. Finanzmärkte konsolidierten ihre Zugewinne, die zu Wochenauftakt erzielt werden konnten.

Sojabohne bleibt anfällig

Die Julibohne verlor gestern am CBoT 6 cts/bu und settelte bei 14,64 ¾ US$/bu. Im Fokus des Marktes stand einmal mehr die „Stornodebatte“ über für China bestimmte Bohnen. Ohne weiter ausholen zu wollen, halten wir fest, dass man gestern nicht fähig war, Informationen über das bereits Bekannte hinaus zu liefern, sodass auf eine Wiederholung der Einzelheiten verzichtet werden kann.
 
Im Fluidum der Unsicherheit neigte der Markt zur Schwäche, weil bei den Bären der Revolver einfach lockerer saß als bei den Bullen. Unterm Strich bleibt festzuhalten, dass der Markt trotz preislicher Abschläge seine Hauptunterstützung hat verteidigen können. Die Getreidebörse in Rosario bezifferte die argentinische Sojabohnenernte 2013/14 auf 54,9 mio to und hob damit ihre vorherige Prognose um 200 tsd to an. Unterm Strich hilft uns die Anpassung in dieser Größenordnung nicht weiter, tiefere Einblicke in den Markt nehmen zu können.
 
Den Vorgaben der Bohne folgend, neigen auch die kanadischen Rapsnotierungen an der Börse in Winnipeg seit drei Tagen zur Schwäche. Wir erwarten heute mit dem Report des kanadischen Statistikamtes (StatsCan) einen fundamentalen Haupteinflussfaktor, der das Potential in sich trägt, die Rahmendatenlage, in der sich die winnipegsche Preisbildung derzeit vollzieht, zu verschieben. Hierauf sollte man heute das notwenige Maß an Aufmerksamkeit legen.
 
An der Matif finden wir ein spiegelbildliches Preisverhalten vor. Auch in Paris geht es seit drei Tagen im Einklang mit dem Ölsaatenumfeld abwärts. Gestern büßte der August empfindliche 5,- €/mto und durchbrach mit diesem Tagesverlust äußerst wichtige Hauptunterstützungslinien. Sollte heute ein bärischer Paukenschlag aus Kanada über den Atlantik zu uns herüberdröhnen, wird es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mindestens bis 360,- €/mto glatt weiter abwärts gehen. Wenn die Bullen diese Marke nicht verteidigen können sollten, läge einiges im argen, denn der Weg in Richtung des alten Tiefs bei 345,- €/mto wäre praktisch frei.

Weizen vom Mais magnetisiert

Der alterntige Maiweizen am CBoT legte gestern 3 ½ cts/bu zu und schloss bei 6,76 ½ US$/bu. Erneut waren es die steigenden Maispreise in Chicago, aus denen der Weizen hat Honig saugen können, um sich nach oben zu orientieren. Die Zugewinne wurden allerdings durch Niederschlagsaktivität in den Plains in Schach gehalten, sodass an einen echten nordwärts gerichteten Durchbruch nicht zu denken war. Die Bullen haben zwar die Marke von 6,80 US$/bu in sicht- und greifbarer Nähe, aber eben bislang nicht die Kraft, die Marke zu nehmen.
 
Was die Regenfälle in den Plains der USA anbelangt, so lässt sich ein weiteres Mal auf deren mengenmäßige Schlankheit hinweisen, die der Situation ihren Schrecken nicht nehmen kann. In den von Trockenheit am ärgsten betroffenen Gebieten hat es nämlich nur wenig bis überhaupt keinen Niederschlag gegeben. Die Japaner schlossen ihren jüngsten Tender ab und kauften knapp 110 tsd Tonnen Mahlweizen. Diese Nachricht stellte kein Überraschungspotential dar, sondern gehörte die Kategorie allgemeiner Belanglosigkeiten.
 
In Australien haben sich die Aussaatbedingungen für Weizen in den vom Trockenstress geplagten Regionen aufgrund jüngster Niederschläge etwas verbessert, was seitens der australischen Farmer mit Erleichterung quittiert wurde. Die Thematik der El Nino-Gefahr ist damit aber nicht aus der Welt geschafft, sodass man im Falle einer Intensivierung dieses Wetterphänomens mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in den Trockenheitsmodus zurückfallen würde. Dennoch richtete man in Down Under seinen Blick völlig zurecht auf die Verbesserung der Bedingungen und malte nicht den El Nino-Teufel an die Wand.
 
Die kasachischen Getreidehändler schätzten die exportfähigen Getreideüberschüsse für die Kampagne 2013/14 auf insgesamt 9,5 mio to; zuvor waren das noch 9,0 mio to. Die Marokkaner haben laut Aussage ihres Agrarministers, Aziz Akhannouch, eine Getreideernte von 6,7 mio to eingefahren. Hiervon sind 3,7 mio to Weizen; in 2013 hatte man noch 9,7 mio to geerntet. Im gleichen Atemzug sagte der Minister der Nachrichtenagentur Reuters, dass man zum 30. April plane, die zeitweise Aussetzung der Importzollerhebung wieder rückgängig zu machen.
 
Die Notierungen an der Matif neigten auch am gestrigen Tage zur Schwäche. Der neuerntige Novembertermin verlor 0,75 € und settelte in Paris bei 202,50 €/mto.

Mais schlüpft in die Zugpferdrolle

Der Maitermin im CBoT-Mais legte gestern 7 ¼ cts/bu zu und settelte mit 5,03 ½ US$/bu über der Marke von 5,- US$. Die Regenfälle im Mittleren Westen drohen die ohnehin bereits verzögerte Maisaussaat weiter zu behindern, sodass der Markt ausreichend Grund zum Handeln sah und die Notierungen über die 5,- US$-Marke hievte. Die nur durchschnittliche Ethanolproduktion für die Vorwoche und relativ üppige Bestände in den USA mögen den Preiszuwachs etwas begrenzt haben. Neben der Weizenmenge, die die Japaner eingekauft haben, zeigten sich die Samurais auch kaufinteressiert für etwa 30 tsd Tonnen Futterweizen und knapp 35 tsd Tonnen Futtergerste. Von Mais war erst einmal noch nicht die Rede.
 
In Südafrika freut man sich über späte Niederschläge, die der Mais voll hat ausnutzen können. Man erwartet, dass die Regierung in ihrer nächsten Prognose ausreichend Anlass hat, die erwartete Erntemenge von bislang geschätzten 12,95 mio to auf 13,1 mio to anheben wird. Mit einer derart positiven Prognose ist man am Kap guter Hoffnung, dass man die beste Maisernte seit dreißig Jahren wird einfahren können. „Zuletzt“ hatte man nur in 1981 mit 14,4 mio to noch mehr Mais geerntet.
 
Die Getreidebörse in Rosario legte für Argentinien ihre jüngste Ertragsschätzung vor und veranschlagte die Maisproduktion 2013/14 mit 23 mio to, was marginal über den zuletzt heraus gehaltenen 22,7 mio to lag. In Paris halten sich die neuerntigen Notierungen im Monat November weiter über der Marke von 190,- €/mto. Gestern konnte man das Fitzelchen von 0,25 € zulegen und bei 192,75 €/mto schließen.

Kartoffel: Gewogen und als zu leicht befunden!

Es deutete sich an. Das Abwärtsmomentum hat weiter Fahrt aufgenommen, sodass der Test der 10,- €/dt-Marke im Juni 2014 nicht lange auf sich warten ließ. Die Notierungen fielen und hatten rasch die eben erwähnte Marke nach unten durchbrochen. Bei einem Gesamtumsatz von erneut 296 Kontrakten verlor man 0,40 €/dt und settelte im Juni bei 9,80 €/dt. Der Kassamarkt neigte ein weiteres Mal zur Schwäche und nahm Verarbeitungsware preislich zurück. Im tierischen Bereich blieben die Schweine unangetastet, aber im weißen Sortiment kam wenigstens die Butter etwas ins Rutschen. Im Juni bzw. Juli wurden Umsätze bei 3360,- € bzw. 3350 €/to getätigt.

China: Kredite im Agrarsektor erleichtern

Die Chinesen beabsichtigen das Ziel einer agrarischen Förderung durch mehr Investitionen mittels einer Mindestreservesenkung zu erreichen. Regionale Banken im ländlichen Raum sollen weniger Mindestreserve halten dürfen als eine herkömmliche Geschäftsbank. Mit Kürzungen um 2% bzw. 0,5% für agrarische Genossenschaftsbanken dürften die Effekte im chinesischen Bankensystem kaum sichtbar geschweige denn spürbar sein. Dennoch verspricht man sich seitens der Führung eine signalgebende Wirkung an den ländlichen Raum. Im Falle eines Falles steht man bereit, das Kreditvolumen auszudehnen.

DAX konsolidiert Gewinne

Nach den kräftigen Kurssteigerungen zum Wochenauftakt musste das deutsche Aktienbarometer gestern erst einmal einen Konsolidierungstag einlegen. Die jüngsten Entwicklungen in der Pharmabranche hatten zuvor dem Index Feuer unterm Hintern gemacht und ihn über die Marke von 9600 Punkten gehoben. Daneben gab es Konjunkturdaten aus China zu verdauen, die nicht besonders schwer im Magen lagen, da es eine leichte Erholung im HSBC/Markit´s Flash Purchasing Manager Index gab. Der Einkaufsmanagerindex stieg von seinem Achtmonatstief im März von 48,0 auf nun 48,3 Punkte im April an.
 
Obwohl man sich noch in schwachem Umfeld befände, gäbe es erste Zeichen der Hoffnung. Einige Kommentatoren sahen in dem marginalen Anstieg ein erstes Zeichen einer sich anbahnenden Erholung. Ein Indexstand unter 50 gilt allgemein aber als Hinweis weiterer Abschwächung, auch wenn sich hier und da scheinbare Erholungstendenzen einstellen. Am Ende des Handelstages hatten die Bullen die Schlacht um die 9600er-Marke verloren, und der DAX büßte 55,9 Zählern ein, um bei 9544,19 Indexpunkten zu schließen.



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