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Börsentelegramm

Agrarmärkte ohne Impulse

von , am
31.07.2014

© Rainer Sturm
Der Mittwoch lieferte den weltweiten Agrarmärkten keine ausreichenden Gründe, den Bärenpelz abzulegen. Man konnte zwar in einer Vielzahl von Märkten kleine Gewinne verbuchen, aber aufgrund ihrer Geringfügigkeit blieben diese bedeutungslos. Weizen mag mit seinem Plus von zirka 1,5 % eine Ausnahme gewesen sein, aber schließlich hatte er tags zuvor ein neues Kontrakttief verzeichnet. Zucker trat unterhalb der 17 cts/Pfund-Marke auf der Stelle, und der große Verlierer des Tages war Orangensaft. Hier ging es 4 % bergab.

Sojabohne verliert weiter

Der Novemberkontrakt büßte 13 cts/bu ein und wurde zuletzt bei 10,82 US$/bu glatt gehandelt. Und wieder war Nachrichtenlage äußerst spärlich ausgeprägt. Man beschränkte sich auf das bereits Bekannte und kam zu dem Entschluss, eher Verkäufer als Käufer sein zu wollen. Die Preise fielen.
 
Der Hamburger Branchendienst Oil World hat die ukrainische Rapsernte 2014/15 nach unten korrigiert. Man bezifferte die ukrainische Gesamtproduktion mit 2,15 mio Tonnen. Im Vorjahresvergleich liegt die Menge etwa auf einem um 13 % niedrigerem Niveau. Die Rapsexporte gab man mit 1,98 mio Tonnen an. Das sind 12 % weniger als im letzten Zyklus. Die russische Rapsernte veranschlagte man in Hamburg mit 1,5 mio Tonnen. Das war ein Plus von 7,7%. Die Exporte Russlands bezifferte man auf 250 tsd Tonnen.
 
Der Deutsche Bauernverband veröffentlichte gestern eine längere Stellungnahme hinsichtlich des Erntefortschrittes in Deutschland. Der Verband sieht die Rapsernte bei uns im Lande zu zwei Dritteln abgeschlossen. Es wird eine Gesamterntemenge von 5,8 mio Tonnen erwartet. Zuvor lag man bei 5,7 mio Tonnen. Der Novembertermin verlor 2,- € und schloss bei 330,75 €/mto.

Weizen schnappt zurück

Der Dezemberkontrakt legte gestern am CBoT im Rahmen einer Rückschnapprallye 6 ¼ cts zu und wurde mit einem zuletzt gehandelten Kurs von 5,50 US$/bu glatt ausgewiesen. Die gesehenen Zugewinne hatten den Charakter einer technischen Gegenreaktion und sollten deswegen nicht überbewertet werden. Fundamental konnte man die Zugewinne kaum untermauern, sodass ein unvoreingenommener Beobachter ein gesundes Maß an Skepsis aufrecht erhalten wird.
 
Am späten Dienstagabend hatten die Ägypter sich im Markt gezeigt und verschiedene Weizentender für die zweite Septemberdekade gestartet. Wie immer hielt man sich mengenmäßig bedeckt, sodass man anfangs nur raten konnte, wie viel Kaufinteresse man wohl diesmal am Nil habe. Schließlich beendete das Land der Pyramiden die Unklarheit und vermeldete am Abend den Kauf von 175 tsd Tonnen Weizen russischer Herkunft.
 
Das kasachische Agrarministerium wies in seiner jüngsten Prognose eine Gesamtgetreideernte von 17 mio Tonnen aus. Im letzten Jahr konnte man noch 20 mio Tonnen sein Eigen nennen. Die Nigerianer legten noch einmal nach und kauften eine weitere Tranche Weizen aus den USA. Insgesamt steckte sich Nigeria 151,5 tsd Tonnen in die Tasche. An der Matif kam es zwischenzeitlich zu einer plötzlichen Rallye, aber ihr war keine Dauerhaftigkeit beschieden. Sie wurde zum Verkaufen genutzt, sodass der Zugewinn verblasste. Im Novembertermin blieb gerade noch ein kleines Plus von 0,50 €/mto übrig. Der Schlusskurs lag bei 175,50 €/mto.

Mais im Hamsterrad

Der Dezembertermin blieb gestern im Kern unverändert. Das kleine Plus zu Handelsschluss in Höhe von ¾ cts/bu kann vernachlässigt werden. Der letzte Handel fand bei 3,71 ¾ US$/bu statt. Auch beim Mais gab es nichts Neues. Der Wetterforecast war bekannt und wurde etwas diskutiert. Nicht mehr und nicht weniger. Wir können das an dieser Stelle vernachlässigen.
 
Das "Ukraine Weather Bureau" veröffentlichte eine Produktionsprognose für die Ukraine. Man sieht die Maisernte im Land bei 29 mio Tonnen. Das bedeutet einen Rückgang von etwa 6 %. An der Matif hat der November 0,25 € zugelegt und bei 155,50 €/mto.

Eurex: Kartoffel seitwärts etabliert

Die Kartoffel hat sich an der Eurex in den letzten Tagen seitwärts vorgearbeitet. Gestern legte der Apriltermin bei einem Gesamtmarktumsatz von 143 Kontrakte 0,20 €/dt zu und settelte bei 7,60 €/dt. Der Kassamarkt ist nach wie vor ruhig. Erste Proberodungen in Belgien zeigten gute bis sehr gute Erträge. Das dürfte die Industrie kaum dazu veranlassen, aggressiver zu werden.
 
Im tierischen Bereich wurde das vordere Augustschwein sechsmal bei 1,710 €/kg gehandelt. Das Ferkel ringelte weder sein Schwänzchen hervor, noch grunzte es auf. Im weißen Sortiment konnte die Butter etwas für Umsatz sorgen. Die Preise waren abschlägig.

Chinas Schrottpapiere: Ein kurzer Kommentar

Wir hatten gestern an dieser Stelle berichtet, dass fünf Provinzen Chinas gestattet wurde, Auffangfirmen für Schrottkredite zu gründen. Die beängstigende Geschwindigkeit, mit der den Banken in China die Kredite platzen, hat die Zentralregierung in Peking wohl dazu bewogen, diesen Schritt zu gehen. Die Maßnahmen vermögen im Kern doch nur eine Ausweitung des Schneeballsystems fauler Kredite zu bewerkstelligen. Man stellt die ganze Geschichte auf eine breitere und regionalere Basis.
 
Nun stellt sich die Frage nach dem Warum. Warum erlauben die zentralistischen Planer Chinas einen derartigen Schritt, wo man doch gebetsmühlenartig über Jahre hinweg die Wichtigkeit einer zentralplanerischen Steuerung im Finanzsektor betonte? Nach Meinung des Autors dieser Zeilen kann es dafür nur einen wesentlichen Grund geben. Peking verfolgt damit höchstwahrscheinlich die Absicht, im Falle einer Kreditkrise die Schuldzuweisungen, die zweifelsohne lawinenartig der kommunistischen Führung entgegengeschleudert würden, abzuwehren. Man könnte dann bequem auf das Versagen der Provinzregierungen verweisen und die Dezentralisierung als Fehler brandmarken. Russland erwägt Gegenmaßnahmen Die EU hat (finanz-) wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland auf den Weg gebracht.
 
In Moskau ist man willens, die auf den Weg gebrachten Sanktionen nicht unbeantwortet zu lassen. Unter anderem denken die Russen über einen generellen Einfuhrstopp ukrainischer Agrarwaren nach. Obst- und Gemüseeinfuhren aus Polen sind bereits ausgesetzt. Die Russen bekräftigten in mehreren Stellungnahmen, dass die Ukrainekrise mit Sanktionen nicht lösbar ist.

DAX mit Verlusten

Das deutsche Aktienbarometer konnte sich am gestrigen Tage lange Zeit in stabiler Seitenlage bewegen, aber am Ende setzte sich doch eine abschlägige Tendenz durch. In den USA fielen die Kurse trotz robuster US-Wirtschaftsdaten und sendeten ein bärisches Signal aus. Dem konnte sich der DAX nicht entziehen und gab nach. Am Ende des Tages hatte man auf dem Frankfurter Parkett etwa 60 Punkte eingebüßt. Der Index schloss bei 9593,68 Zählern. Am Abend endete die zweitägige Sitzung der US-Notenbank FED. Die Zinsen bleiben auf Rekordtief, auch nach dem Ende der Schrottpapieraufkaufprogramme. Diese wurden um 10 Mrd. US$/Monat reduziert. Alles in allem barg die Notenbankentscheidung keine Überraschungen.
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