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Börsentelegramm

Agrarmärkte mit ordentlichem Wochenstart

von , am
09.12.2014

Es sah anfänglich nicht nach einem Plus aus, da man sich in der Nacht marktübergreifend im Minus befunden hatte. Zeitig „nach Wiederanpfiff“ drehten die Agrarmärkte aber ins Plus

© agrar-press
 
Es sah anfänglich nicht nach einem Plus aus, da man sich in der Nacht marktübergreifend im Minus befunden hatte. Zeitig „nach Wiederanpfiff“ drehten die Agrarmärkte aber ins Plus. Am Ende konnten die Bohne und der Weizen an der Chicagoer Börse zulegen. Mais hatte das Nachsehen und schloss im Minus. Insgesamt betrachtet stand der Wochenauftakt unter dem Einfluss des monatlichen USDA-Reports, den wir am morgigen Mittwoch erwarten.
 
Sojabohne im Plus
Die Januarbohne legte gestern 5 ¾ cts/bu zu und settelte bei 10,44 US$/bu. Zu Wochenauftakt machten die Gerüchte um frisches Exportinteresse der USA ein weiteres Mal die Runde. Sojaschrot bleibt weiterhin die Hauptstütze der Bohne. Trotz stärkerer Verarbeitungszahlen der US-Ölmühlenindustrie, schwächerer Prämienniveaus und besserer Eisenbahnlogistik können sich die Notierungen am CBoT wacker halten und Ungemach von der Bohne fernhalten. Die wöchentlichen Exportinspektionen lagen bei der Bohne bei 2,2 mio Tonnen und lieferten damit ein eigenes bullisches Argument, um der Bohne eine Daseinsberechtigung über der 10,- US$-Marke zu verleihen. Interessant war auch das neue Exportgeschäft von 130 tsd Tonnen US-Soja in Richtung Spanien. Die Spanier buchten diese Menge aus der vorliegenden US-Ernte. Die chinesische Zollbehörde hat in ihren jüngsten Veröffentlichungen die Bohnenimporte im Monat November mit 6,03 mio Tonnen ausgewiesen. Das waren deutlich mehr als die mageren 4,1 mio Tonnen des Vormonats.
 
Die argentinische Regierung hat ihren sozialistischen Würgegriff um die Landwirtschaft enger gezogen. Den Landwirten, die aus Gründen des Eigenschutzes lieber Ware auf Lager halten als kaputt inflationiertes Geld auf dem Konto lassen, hatte man bereits mehrfach gedroht, mit entsprechenden Zwangsmaßnahmen zu begegnen. An eine direkte Enteignung traut man sich seitens der Regierung nicht ran, sodass man auf andere Mittel setzen muss. Der jüngste Coup sieht nun so aus, dass man den Landwirten den Zugang zu Krediten sperrt, um sie indirekt zum Verkaufen zu zwingen. Das, was man im Finanzmarkt aggressiv fördert, nämlich die Neuaufnahme von Krediten, um wertlose Finanzprodukte preislich in die Höhe zu jagen, bleibt im realwirtschaftlichen Sektor eine Todsünde, die entsprechend geahndet wird.
 
AgRural sieht die Bohnenaussaat in Brasilien derzeit zu 92% abgeschlossen. Die Produktionsprognose belief sich auf insgesamt 94,9 mio Tonnen. Der Vermarktungsgrad betrüge etwa ein Viertel. Im letzten Jahr hatte man bereits knapp 40% kontraktlich gebunden. Die Firma Tallage weist die kommende EU-Rapsernte in ihren Strategie Grains mit 21,6 mio Tonnen aus. Das wären etwa 10% weniger als in dieser Saison. Die Gründe hierfür liegen einerseits in einer geringeren Fläche und andererseits in einer schwächeren Ertragsannahme für das kommende Jahr. Raps ließ sich vom positiven Umfeld der Bohne befruchten und legte zu. Nach einem Zugewinn von 2,75 €/mto schloss der Februartermin bei 343,- €/mto.
 
Weizen rettet Plus
Der Märzweizen am CBoT schaffte gestern ein Plus von 2 ¾ cts/bu und schloss bei 5,96 ¼ US$/bu. Dass die Weizenpreise am CBoT ein Plus retten konnten war keine Selbstverständlichkeit. Die Exportinspektionen lagen mit knapp 270 tsd Tonnen am unteren Ende der Erwartungsspanne und waren damit eine Enttäuschung.
 
Die Vereinigten Arabischen Emirate kündigten an, die Ägypter bei der Produktion von Weizen unterstützen zu wollen. Es ist wohl geplant, gleich mehrere Projekte in Angriff zu nehmen, um die Importabhängigkeit am Nil zu reduzieren. Möglicherweise werden den hehren Absichten auch Taten folgen, aber dass Ägypten den Status als größter Weizenimporteur der Welt verlieren wird, ist sehr unwahrscheinlich bzw. vorerst ausgeschlossen.
 
Die russische Zollbehörde rückte mit Zahlen raus und bezifferte die Weizenexporte des Landes von Januar bis Oktober dieses Jahres mit sehr üppigen 18,1 mio Tonnen aus. Zum Vergleich, im selben Zeitraum des vorangegangenen Jahres 2013 hatten die Russen lediglich 10,5 mio to Weizen über ihre Landesgrenzen geschafft. Die Statistikbehörde Chinas bezifferte die Weizenernte des Landes in diesem Jahr auf nun 126 mio Tonnen. Im letzten Jahr wurde die Produktion mit 122 mio Tonnen ausgewiesen. Wir hatten zur Qualität der chinesischen Daten häufiger Stellung genommen und wollen dies hier nicht mehr wiederholen. An der Matif gab es ebenfalls festere Preise zu bewundern. Der Januartermin packte 1,- € drauf und schloss bei 189,- €/mto.
 
Mais im Minus
Der Märztermin am CBoT büßte gestern 6 cts/bu ein und schloss bei 3,90 US$/bu glatt. Das Bedrohliche an gestrigem Handelstag war die krasse Kehrtwende des Marktes. Zuerst bewegte man sich im Einklang mit den anderen agrarischen Märkten nach oben, musste dann aber zurück rudern, um am Tagestief zu schließen. Es war dem Markt unmöglich, die 4,- US$-Marke zu erobern. Bei Annäherung an diese Marke setzte sofort Verkaufdruck ein, der zur beschriebenen Umkehr zwang. Die wöchentlichen Exportinspektionen lagen bei 532,5 tsd Tonnen und lieferten damit keinen fundamentalen Grund, sich gegen die schwache Charttechnik zu wehren. Neben den Inspektionen gab es noch Neugeschäft.
 
Die USA verkauften zu Wochenauftakt 136 tsd Tonnen Mais aus der vorliegenden Ernte in Richtung Japan. Eine Routinepartie. Neben der Weizenernte von 126 tsd Tonnen wiesen die Chinesen auch eine Maisernte von 215,67 mio Tonnen aus. Das war etwas weniger als die 218 mio to aus 2013. Die Gesamtgetreideernte des Landes habe in diesem Jahr bei 607 mio Tonnen und damit etwa 1% über dem Vorjahr gelegen. Die Getreidefläche des Landes gab man mit insgesamt 112,7 mio Hektar an, was 782 tsd ha über der Vorjahresfläche lag. An der Matif schloss der Junitermin bei 165,- €.
 
Argentinien hofft auf Sorghum-Geschäft
Die Argentinier hoffen auf Sorghumgeschäft mit den Chinesen. Die Sorghumpreise zogen letzte Woche spürbar an, weil der Markt einen Anstieg der Exporte in Richtung China antizipierte. Bislang konzentrieren sich die Kaufaktivitäten der Chinesen hauptsächlich auf die USA. In Zeitraum Januar bis Oktober dieses Jahres importierte das Reich der Mitte etwas mehr als 5 mio Tonnen Sorghum aus den USA. Die Argentinier hoffen nun, sich von diesem Geschäft eine Scheibe abschneiden zu können. Allerdings besitzt die argentinische Ware wegen eines höheren Tanningehaltes einen qualitativen Nachteil, den es preislich auszuschalten gilt.
 
Eurex: Kartoffel im Keller
Nun war also unsere Veredlungsknolle nicht mal mehr imstande, die Marke von 5,- €/dt zu verteidigen. Was für ein Desaster! Zu Wochenauftakt konnte man allerdings wieder etwas zulegen, denn bei einem Gesamtmarktumsatz von immerhin 80 Kontrakten stieg der Apriltermin 2015 um 0,20 €/dt an und settelte bei 4,80 €. Der Kassamarkt bewegt sich in seinen gewohnten, bereits kontraktlich abgesicherten Bahnen. Darüber hinaus gibt es derzeit keine Hoffnung, dass sich etwas ändert. Das Schweinesegment blieb leider ohne Umsatz. Weder Mastschwein noch Ferkel konnten sich zu einer Aktivität aufraffen. Im weißen Sortiment gab es im Magermilchpulver und in der Butter Umsatz. Die Preise blieben stabil.
 
Robert Theis
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