Login
Börsentelegramm

Agrarmärkte in Osterlaune

von , am
17.04.2014

Die Kartoffelnotierungen an der Eurex konnten zu Beginn dieser Woche zwei Tage in Folge ansteigen und ihren 10-Tagedurchschnitt angreifen. © landpixel
Die Agrarmärkte hatten gestern ihre eigene Definition von vorösterlicher Ruhe zu bieten und warteten mit teils erheblichen Kursveränderungen auf. Am CBoT trat die Bohne den dritten Tag in Folge aufs Gaspedal und baute ihren Brückenkopf oberhalb der 15,- US$-Marke aus. Weizen und Mais waren in Übersee Opfer von Gewinnmitnahmen und mussten empfindliche Abschläge hinnehmen.
 
Rohöl erlebte einen schwankungsfreudigen Tag, schloss aber unterm Strich unverändert. Die Aktienmärkte hatten eine Erholungsrallye zu bieten und legten fast überall zu.

Sojabohne weiter bombenfest

Die Maibohne legte gestern 17 ½ cts/bu zu und settelte bei 15,18 ¾ US$/bu. Die alterntige extreme Knappheit in den USA entfaltete gestern einmal mehr preistreiberische Kräfte und katapultierte die Notierungen nordwärts der 15,- US$-Marke. Das Erobern dieser psychologisch bedeutsamen Marke löste neues fondsseitiges Kaufinteresse aus, mit dessen Hilfe ein sehr fester Schlusskurs festgezurrt werden konnte. Die Preisdifferenz zu den neuerntigen Handelsmonaten weitete sich infolge aktiven Bullspreadings (Kauf alte, Verkauf neue Ernte) weiter aus.
 
Der Verband der US-Ölmühlenindustrie legte bereits am Dienstag seine Verarbeitungszahlen für den Monat März vor. Mit 153,84 mio Scheffel haben die amerikanischen Ölmühlen die höchste Verarbeitung in einem März seit 2001 gehabt. Diese Zahl lag deutlich über den Erwartungen von „nur“ 146,1 mio Scheffel.
 
Der chinesischen Presse ist zu entnehmen gewesen, dass einige Bohnenimporteure für bislang insgesamt 500 tsd Sojabohnen Zahlungsausfall angemeldet haben, sodass auf monetärer Basis die 300 mio US$-Grenze überschritten wurde. Auffällig ist dabei, dass zuletzt keine Ölmühlen, sondern Händler waren, die eher dazu bereit waren, die Konsequenzen eines Zahlungsausfalls (Verlust von hinterlegten Sicherheitsleistungen) zu tragen, als die gekauften Bohnen mit großen Verlusten abzuwickeln. Wie diese Entwicklung zu interpretieren und ob dies ein Zeichen dafür ist, dass weitere Stornierungswellen noch größeren Umfangs auf uns zu rollen, soll dem Urteil des Lesers anheim gestellt sein. Bei Beurteilung der vorliegenden Situation können mehrere gute und logisch begründbare Faktoren genannt werden, die in ihrer Wirkung unterschiedliche Schlussfolgerungen zulassen, sodass individuell entschieden werden muss, welche man als die stärkeren ansehen will.

Raps: Alte Ernte ist und bleibt knapp

Die europäische Rapsbilanz ist unterschüssig und die benötigten Importe sind geringer als erwartet ausgefallen. Man hatte gehofft, bis zu 2 mio Tonnen aus der Ukraine in Europa anlanden zu können, aber es kamen bis Mitte Februar nur 1,66 mio Tonnen, sodass die Abhängigkeit von der australischen Saat (bei Aufrecherhaltung der Verarbeitungszahlen) angestiegen ist. Hier stieß man dann auf das Problem einer höheren eigenen Verarbeitungskapazität und rückläufiger Exportmöglichkeiten der Australier.
 
Die in Canada durch den strengen Ausnahmewinter „festgefrorene“ Ware hat die Konkurrenz um die australische Saat immens verschärft, weil sich insbesondere die Chinesen nicht bei den Kanadiern eindecken konnten. In der Exportbilanz der Australier machten die Europäer noch 50-55% der Menge aus, was deutlich hinter ca. 70% der letzten Kampagne zurückblieb. Die Chinesen sollen für 40% der Exporte gut gewesen sein. Die Gesamtimporte der EU dürften infolgedessen mit 3,2 mio und nicht mit 3,55 mio to zu beziffern sein. Um die alterntigen Lücken zu stopfen, wird man sich wohl oder übel noch etwas einfallen lassen müssen. Denkbar sind Importe aus Kanada bzw. aus Südamerika.
 
Hinsichtlich der neuen Ernte hat der Deutsche Raiffeisenverband gestern seine jüngsten Schätzungen vorgelegt. Beim Raps rechnet man für Deutschland mit 5,5 mio Tonnen, was knapp unter der Vorjahresproduktion läge. Die Winterrapsbestände in der Ukraine und Russland werden derzeit mit 95% als gut bis exzellent angegeben, sodass sich bei weiterhin freundlicher Entwicklung sehr üppige Erträge ankündigen. Der neuerntige August schloss bei 374,75 €/mto.

Weizen verliert nach anfänglichen Gewinnen

Der Maiweizen am CBoT verlor gestern nach anfänglich sehr strammer Performance 14,5 cts/bu und settelte bei 6,95 ¼ US/bu. Die zu trockenen Bedingungen in den us-amerikanischen Winterweizenanbauregionen sind weiterhin bedrohlich und katapultierten die Notierungen zu Beginn an die 7,20 US$-Marke bevor Gewinnmitnahmelaune einsetzte, die schließlich für einen Verlust und einen Schlusskurs unterhalb der 7,- US$/bu sorgte. Im momentanen Nachthandel sind diese aber bereits von den Bullen wieder zurückerobert. Die Ukrainer bezifferten ihre Bestandslage im Getreide zum 1. April mit 12,3 mio Tonnen, wovon 4,5 auf Weizen, 1,2 auf Gerste und 5,9 mio Tonnen auf Mais entfallen. Damit gestaltet sich die Versorgungslage um 14% komfortabler als im vorangegangenen Jahr. Jordanien kaufte unter der Woche 150 tsd Tonnen Weizen optionaler Herkunft und die Südkoreaner sackten sich 53 tsd Tonnen Futterweizen ein.
 
Aus der Ukraine war weiterhin zu hören, dass das dortige Agrarministerium die bislang getätigten Getreideausfuhren der Kampagne 2013/14 mit 28,6 mio Tonnen veranschlagt. Trotz der politischen Turbulenzen hält man in Kiew an seinem Exportziel von 33 mio Tonnen fest. Dieses ambitionierte Ziel liegt 10 mio to über der Menge, die man im letzten Zyklus hat exportieren können.
 
Der Deutsche Raiffeisenverband prognostiziert für Deutschland mit 47,3 mio Tonnen eine leicht überdurchschnittliche Getreideernte. Hinsichtlich des Weizens wurden die Erwartungen seitens des Verbandes mit 24,7 mio Tonnen beziffert. Die EU vergab in dieser Woche Weizenexportlizenzen in Höhe von 421 tsd Tonnen, was die kumulierten Gesamtexporte auf nun 24,3 mio Tonnen brachte. Mit diesen Exporten liegt die EU nicht nur über dem letztjährigen Wert zu diesem Zeitpunkt von 16,3 mio to, sondern auch bereits sehr weit über den Gesamtexporten der letzten Kampagne, die „nur“ 18,9 mio to betrugen.
 
An der Matif dominierte zu Handelsschluss das rote Vorzeichen in Chicago, was die heimischen Notierungen ins negative Terrain zog. Der neuerntige Novembertermin schloss bei 207,25, was ein Minus von 2,50 € bedeutete.

Mais sackt ab

Der Maitermin am CBoT verlor gestern 6 ¼ u und settelte bei 4,97 ½ US$/bu. Einerseits wirkten sich die Verluste im Weizen belastend aus und andererseits konnte man im Mittleren Westen örtlich mit verbesserten Aussaatbedingungen aufwarten, was die Notierungen unter Verkaufdruck setzte. Das Chartbild wurde hierdurch jedoch nicht im Kern erschüttert.
 
Im Rahmen der Zahlen des Deutschen Raiffeisenverbandes wurde unsere Maisfläche 2014 um 20 tsd ha auf nun 520 tsd ha erhöht. Angesichts des zeitigen und freundlichen Frühjahrs sei die Aussaat der Sommerungen ungewöhnlich früh zu einem Ende gebracht worden, hieß es aus Berlin.
 
Bei der Sommergerste rechnet man mit 350 tsd ha (-10 tsd ha zum Vorjahr). Was die Erntezahlen anbelangt, so schätzte man die Wintergerste auf 8,5 mio Tonnen und den Roggen auf 3,7 mio to. Die EU vergaben wöchentliche Maisimportlizenzen in Höhe von 497 tsd Tonnen und ließen damit die europäischen Gesamtimporte auf 11,3 mio Tonnen anschwellen.

Kartoffel: Erholung gestoppt!

Die Kartoffelnotierungen an der Eurex konnten zu Beginn dieser Woche zwei Tage in Folge ansteigen und ihren 10-Tagedurchschnitt angreifen. Der Angriff der Bullen war aber nicht durch eine starke Truppenstärke gekennzeichnet, sodass die Bären keine Probleme hatten, die Attacke abzuwehren. Der jüngste preisliche Erholungsversuch mutet erneut wie ein „Dead Cat Bounce“ an, denn er erinnert doch stark an die falsche Erholungsrallye von Ende März, als der Preis sogleich wieder wegbrach. In der gestrigen Sitzung konnte der Veredelungserdapfel nur einen äußerst mageren Umsatz von 33 Kontrakten verzeichnen und verlor im Juni 2014 0,10 €/dt, um schließlich bei 11,10 €/dt zu setteln.
 
Das fröhlich grunzende Mastschwein konnte im August 2 Kontrakte Umsatz verzeichnen, die am Preis von 1,730 €/kg getätigt wurden. Leider konnte das Ferkel nicht nachlegen und blieb umsatzlos. Das gleiche muss über das weiße Sortiment gesagt werden, das gestern ebenfalls umsatzlos blieb.

China: CASS erwartet gutes Produktionsjahr

Die Chinese Academy of Social Sciences geht im laufenden Jahr von einem Gesamtgetreideausstoß in China von 610 mio Tonnen aus. Im Ölsaatenbereich schätzte man die fruchtübergreifende Gesamtproduktion auf 36 mio Tonnen. Baumwolle und Zucker sollen indes hinter ihren Vorjahresmengen zurück bleiben. In den umfangreichen Agrarimporten sieht die CASS eine große Gefahr für die heimische Produktion. Die Importe würden preissenkende Effekte im Inland haben und somit die Produktionsanreize zerstören.

Indien und China: Nahrungsmittelpreisinflation zieht kräftig an!

Die chinesische Nahrungsmittelpreisteuerung lag im März bei 4,1% wie das Nationale Statistische Büro (NBS) wissen ließ. Insbesondere die Preise für Obst, Gemüse und Getreide stiegen an. Die Obstpreise stiegen im Vergleich zum März 2013 um satte 17,3% und die Gemüsepreise um 12,9% an. Gegen den Trend entwickelten sich indes die Preise für Geflügel und Fleisch. Die Preissteigerungen in Indien stiegen ebenfalls deutlich an und konterten damit gegenteilige Erwartungen schmerzvoll aus. Höhere Preise für Obst, Gemüse und Milch trieben die Inflationsrate im letzten Monat auf 8,31%. Eine von Reuters im Vorfeld durchgeführte Umfrage sah die Teuerung bei „nur“ 8,03%.
 
Die anziehenden Nahrungsmittelpreise geben der indischen Zentralbank in ihren Bemühungen, der schwächenden Wirtschaft des Landes auf die Sprünge zu helfen (um im Jargon der Keynesianer zu bleiben), wenig Spielraum. Die sinkende Industrieproduktion in Verbindung mit steigenden Nahrungsmittelpreisen zieht die Annahme in Zweifel, dass das Schlimmste für Indien überstanden sei. Stellt man noch das Risiko schwächerer Monsunregenfälle in Rechnung, könnte das Schlimmste noch vor uns liegen, denn das letzte, was Indien jetzt braucht, sind sinkende agrarische Produktionszahlen.

DAX legt Rückschnapprallye aufs Parkett

Nach den heftigen Verlusten der Vorhandelstage konnte der Deutsche Aktienindex gestern etwas Boden gut machen und legte 144,11 Punkte zu, um bei 9317,82 Zählern zu schließen. Die Sorgen um die Ukraine wurden wenigstens für den Moment unter Kontrolle gehalten, und der amerikanische Chiphersteller Intel konnte positive Quartalszahlen vorlegen, was sich als Kursstütze herausstellte. Zum dritten wurden die chinesischen Wachstumszahlen von 7,4% im ersten Quartal als optimistisch bewertet, obwohl das offizielle Ziel bei 7,5% liegt. Die Flüsterschätzung der Analysten lag aber 7,3%, sodass die Zahl schließlich einen bullischen Charakter annahm.
 
Wie es hinsichtlich der Turbulenzen um die Ukraine weitergeht, steht wohl in den Sternen, da sich örtlich bereits bürgerkriegsähnliche Zustände eingestellt haben. Sicher scheint nur, dass das Land zum Austragungsort fremder Interessenkonflikte zwischen Russland und der EU bzw. der USA geworden ist. Auf wirtschaftlicher Ebene stehen weitere Sanktionen gegen Russland auf der Agenda. Der jüngste Sinneswandel des Bundesbankpräsidenten Jens Weidmanns hinsichtlich seiner Einstellung gegenüber direkter Staatsfinanzierung über die Notenpresse mag seine Ursache auch in den von der EU geplanten Wirtschaftssanktionen gegenüber Russland haben, denn die Sanktionen würden den Klassenprimus Deutschland, der mit der russischen Wirtschaft eng verflochten ist, hart treffen und wirtschaftlich schwächen.

Auch interessant